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Der Israelit · 1884-05-15 · Heft 39 (15.5.1884) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 39 (15.5.1884)
Date
1884-05-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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656 den wie Mädchen, mit bcinieiitgcn Unterricht vollständig versorgt werden, dessen sie für ihren künftigen Beruf als Menschen, Inden und Bürger bedürfen. Am 1. April 1853 wurde die Schule mit 84 Schülern, 55 Knaben nnd 9!) Mädchen eröffnet. Schon 1862 war die Schülcrzahl auf 259 gestiegen, so das; ein Nachbarhaus angetanst werden mußte, um die Räume der Anstalt zu vermehret«. Im Jahre 1367 wurde die Knabenschule als eine Realschule II. Ordnung «nid die Unterrichts-Anstalt für Mädchen als eine höhere Töchterschule anerkannt. Die stetig steigende Schülcrzahl machte die Erbauung eines neuen, entsprechenden Schulhanses zu einem dringenden Bedürfnisse. Da entschlossen sich Freiherr nnd Freifrau Wilhelm Gar! von Rothschild der Religionsgesellschaft die hochherzige Gabe von° 300,000 Mark zu diesem Zwecke znznwenden. Hierauf wurde in der Nähe des zoologischen Gartens ein passendes Grundstück, 45,000 Ouadratfuß enthaltend, um die Summe von 112',000 Mark angetanst, und der Bau dem rühmlichst bekannten Architekten, Herrn Stri g l er, zur Ausführung übergeben. Die Kosten des Baues betrugen 324,000 Mark, die Einrichtung der gemischten Lustnnd Wasserheizung 99,000 Mark so daß die Gesammtkosten des Gebäudes, ohne die itmere Ginrichtung, 458,000 Mark betragen. Das Schulhaus, dessen östlicher Theil für die Knaben, dessen westlicher 'für die Mädchen bestimmt ist, enthält in drei Stockwerken außer den für die verschiedene.« Schulen nöthigen 18 Klassenzimmern, dem Amtszimmer des Direktors, den Zimmern für Lehrer und Lehrerinnen, den für die Bibliothek, die Sammlungen und Apparate, nöthigen Räumen, zwei Reserve- und zwei Gombinationsklassen; in der Mitte zwischen beiden Theilen befinden sich die von Knaben und Mädchen gemeinschaftlich zu benützenden Räume: der physikalische Lehrsaal mit Kabinetten, der Sing- und der Zeichensaal. Diese von jeder einzelnen Klaffe nur wenig benützten Räume sind die einzigen, die nach Norden liegen, während sämmtliche Klassenzimmer Ostrcsp. Südseite haben. Nach Westen liegt kein Zimmer. Außerdem ist ein chemisches Laboratorium für die Schüler vorgesehen. Die Turnhalle ist unmittelbar angebant und vom Mädchenhause zu erreichen, während die Knaben durch den Hof gehen müssen. Der südliche Theil "des vorderen Flügels enthält im Parterre das Vcrwaltungszimmer und die Pedellenwohnung, in den oberen Stockwerken die Wohnung des Direetors. Der Bau wnrde in allen seinen Theilen seiner Bestimmung entsprechend, in einfacher nnd konstruktiv solidester Weise durchgesührt; in letzterer Beziehung ist hervorzuheben: sämmtliches Gebälk ist aus Gisenbalken mit feuersicherer Ausmauerung hergestellt, drei massive bis zum Dachgcbälk führende Steintreppen sind vorhanden, die Dach' böden selbst haben feuersichere Abdeckung erhalten. Das Haus erscheint hierdurch, sowie durch seine übersichtliche Gliederung im Innern und Aenßern, in seiner ganzen Anlage, mit seinen hohen geräumigen Klassenzimmern mit breiten, bis an die Decke reichenden Fenstern nnd möglichst schmalen Pfeilern als ein seiner Bestimmung im hohen Grade entsprechendes. Am 91. Dezember 138k, am 5. Tage des Ghanukahfestes, wurde das neue Schulhaus in Gegen- «vart der hohen Behörden feierlichst eingeweiht. Herr Gmannel S ch w a r z s ch i! d ergriff als Vorsitzender des Vorstandes zuerst bas Wort und schilderte die große Bedeutung des dein edlen Zlvecke der Iugendbildung gewidmeten Hauses. Gr schloß seine inhaltreiche Rede mit folgenden Worten: „So möge denn der allgütige Vater im Himmel dieses Gebäude beschützen und beschirmen; möge dasselbe ei««e Heimstätte werden echter, wahrer Ingendbiidnng; mögen ans derselben Männer hervorgehen, die der Schule, und der Vaterstadt z««r Ehre gereichen, das walte Gott" Sodann sprach der Direktor der Anstalt, Herr Dr. Mendel Hirsch, der älteste Sohn des Rabbiners Hirsch. Aus seiner gediegenen Ansprache heben wir die von ihm «nitgetheilte Thatsache hervor, daß diese Schule in jüdischen Kreisen die erste war, die gezeigt hat nnd zeigt, wie das Princip des d«rrcha«ls unverkürzten und unverkümnlerten, überlieferten Jnden- Ihums vollständig Hand in Hand gehe mit dem Streben nach allgemeiner menschlicher Grkenntniß und wissenschaftlicher Bildung. — Herr Rabbiner Hirsch sprach dann den Segeusspruch n-Droni zum, Liefergreifende Worte des Dankes und des Gebetes daran knüpfend. — Sodann ergriff Herr Oberbürgermeister Miguel das Wort. Die Schnke, sagte er, fei ein Zeugniß der Munifizenz einer Familie, der Opfer- «villigkeit der Mitglieder der Religions-Gesellschaft, wie der Erfolge, welche eine in ihrer religiösen lieber zeugnng ciuige Gemei«»schast zu erzielen im Stande sei. Die Schule werde Bürger und Meltfchen erziehe««, «velche nicht allein die Treue gegen ihrelleberlieferunge«i, sondern auch die Treue gegen König und Vaterland bewahren, wahrhafte deutsche Bürger, welclie wissen, daß das deutsche Vaterland alle seine Kitlder gleich liebe. Gr begleite die Schule bei ihrem Umzüge mit der Hoffnung, daß sie auf dem betreteneuen Wege weiter fortschreite. nnd mit dem Wunsche, daß sie ihren Stiftern stets zur Befriedigung und der Gesarnintheit zum Heile gereichen «nöge. Herr Polizeipräsident Hergen Hahn brachte Nainens der Staatsbehörden der Religionsgesellschaft aufrichtige Glückwünsche dar; a««ch sie nähmen an dieser Schule «varrnen Antheil. Er sei überzeugt.

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