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Der Israelit · 1884-05-15 · Heft 39 (15.5.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 39 (15.5.1884)
Date
1884-05-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1 K54 für ihre Großmutter gewärmt werden müssen. Frau Vudwcis leidet nämlich au den Angen und ist in Begleitung ihrer Enkelin hierher gekommen, um sich von den hiesigen grossen Augenärzten cnriren z» lassen. Daß ich, nachdem ich Alles erfahren, nicht von Wien abgereist bin, brauche ich wohl nicht zu erzählen. Ich habe in Gesellschaft der beiden Damen wundervolle Tage verlebt. Die Kaiscrstadt an der Donau erschien mir plötzlich als die schönste Stadt der Welt, wiewohl ich fast gar nicht ans dem Hotel kam, da Frau Bndwcis das Zimmer nicht verlassen durste und Bcrnhardine und ich ihr Gesellschaft leisteten. Da verging die Zeit ungemein rasch in anregenden Gesprächen; auch lasen wir der guten Großmutter abwechselnd Zeitungen und Bücher vor. O, welche Wonne war das für mich, Bernhardmens liebe Stimme zu vernehmen. Seit gestern hat der Arzt'der Kranken gestattet, auszufahren. Ich habe natürlich die beiden Damen begleitet und nun erst bemerkt, daß Wien in der That eine wundervoll schöne Stadt ist. Wie dankbar bin ich Euch, meine geliebte Eltern, daß Ihr mich veranlaßt habt, hierher zu reisen! Daß ich Bernhardine mehr liebe als mein Leben, wißt Ibr längst. Und nun kann ich Euch die große Kunde senden, daß auch Bernhardine mir nicht abgeneigt ist, daß sie einwilligt die Meine zu werden, und daß die gute Großmutter den Bund unserer Herzen segnet. Aber diesem Bunde stellen sich große Schwierigkeiten entgegen. Wie wird es'uns gelingen, die Einwilligung des Herrn von Löwenheim zu erhalten? Das ist die Frage, die uns drei unablässig beschäftigt, und die wohl dazu angethan ist, auch Euch geliebte Eltern mit Besorgnis; zu erfüllen. Hundert Pläne haben wir bereits gemacht und verworfen. Herr von Löwenheim hat bisher alle Briefe Bernhardinens unbeantwortet gelassen; die letzten kamen sogar uuerösfnet zurück. Daß mir Herr von Löwenheim die Hand seiner Tochter verweigern wird, ist zweifellos. Zwar könnte ich seine Einwilligung auf gerichtlichem Wege erzwingen; doch davon will Bernhardine nichts hören. Auch in's An.land, wo eine Eheschließung ohne Einwilligung des Vaters leicht zu ermöglichen wäre, will sie mir nicht folgen; sie will mit einem Worte auf die Zustimmung ihres Vaters nicht verzichten. Nun ist mir eine Idee gekommen, die uns vielleicht zum Ziele führen wird. Unser Landesfürst ist ein gerechter und wohlwollender Herr. Auch uns Juden ist er wohlgeneigt, und mir. wie ich mir schmeicheln darf, ganz besonders gewogen. Vielleicht würde es uns zum ersehnten Ziele führen, wenn ich die Vermittelung Seiner Hoheit anrnfen möchte? Herr von Löwenheim ist ein zu guter Hosmann, als daß er der Fürsprache seines Fürsten Widerstand entgegensetzen möchte. Was meinst Du zn dieser Idee, mein geliebter Vater? Schreibe mir, ich bitte Dich, doch sofort darüber. Wenn Du mit mir übereinstimmst, so eile ich sofort nach D. und melde mich zur Audienz bei Seiner Hoheit. — Es ist selbstverständlich, daß fürs Erste von meinem Glücke noch nichts verlauten darf, daß es vielmehr ein Geheimniß bleiben muß, bis daß wir die Einwilligung des Barons erlangt haben. — Da kömmt der Kellner, um mich zur Spazierfahrt abznrufcn; ich muß also diesen Brief schließen. Lebt wohl, meine geliebten Eltern, wie sehne ich mich darnach, Erich zu umarmen und Euch recht viel von meinem Glücke zu erzählen! In heißer Liebe Euer dankbarer Sohn. (Fortsetzung folgt.) Räthsel. Ich bin ein Diener nur an Gottes Throne, Gar oft verehrt, vom blinden Ecdensohne; Dieselbe bleib' ich vor- und rückgcwandt Und ewig gleich erschuf mich Gottes Hand. Erschuf mich Dir zu einer weifen Lehre, Denn selbst der große, mächtige Gott, der Hehre,. Allwissende hat eh' er Hub die Hand Zum Werke, erst die Finsterniß gebannt. Doch was ich bin, mußt' Keiner noch zu sagen; Du hörst darnach die größten Denker frage»;. Du schaust mich wohl, doch Du erkennst mich nicht. Bis daß Dir strahlt ein andres bessres Licht. Ion. tfcfjtnanit- Auslöjnng erfolgt in .Ur. -II. Tie Rainen der richtig Lösenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 20. Mai zugegange», in der folgenden Rnmmer veröjsentlichr. Auflösung des Räthsels aus Nr. 37: n* 1?.^ (Salz), -pö (König). (Vater des Noah). SSf** Die Fortsetzung der Erzählung „Ans dem . Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint m der nächsten Nnmmer. Hierzu zwei Belküjzen ■H Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag nnd Erpedition des .Israelit" gr. Bleiche 4-». I. Kotlsleben'S Bnchdrnchcrei (MainzerAnzeiger).

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