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Der Israelit · 1884-05-15 · Heft 39 (15.5.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 39 (15.5.1884)
Date
1884-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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im Tempelschatze. Da begnügte sich der glückliche Minder mit dem Golde, das vorräthig war, und weihte den Nest dem Hciligthume. Und die Vorsteher schrieben in das Buch des Gedächtnisses des heiligen Tempels: Joseph ben Joöscr hat dem heiligen Tempelschatze eine Jlitha eingetragen, sein Lahn aber deren sechs. Wir sehen daraus, das; das Leben dieses groben mib frommen Mannes nach allen Seiten hin von Stürmen durchweht war. Das; diese beiden Rabbi Jose zu den größten Männern unseres Volkes gezählt zu werden verdienen, beweist nicht allein die hohe Stellung, die sie cinuahmen, sondern auch der Ausspruch der Mischnah: irx p ’D-’i m-ns t£Mx njyp p 'On :nPr)i£'Nn D't’ttn-v „Als Jose ben Joöser aus Zercdah und Jose ben Jochanan aus Jerusalem starben, hörten die Eschkoloth auf." :12 72NV KPN biiMK/ "lCN min»3TTC» ^ni^OtPN wo „Was sind Eschkoloth?" fragt der Talmud. „Männer, die Alles in sich vereinigten, welche die Thora so lehrten, wie sie dem Moscheh vom Sinai ist überliefert worden." (Sotah 47.) Wir sind hier au dem Punkte ongelangt, in Bezug auf welchen wir oben gesagt haben, das; auch in rcligionsgeschichilicher Beziehung mit den beiden Jose eine neue Periode begann. Bis dahin hatte immer ein großer Mann an der Spitze der Gelehrten Israels gestanden, dessen Lehrsätze maßgebend und entscheidend waren, so das; eine divergircnde Meinung nicht anfkommcn konnte. Auf Moscheh war Josua gefolgt; dann standen die Richter an der Spitze des Volkes; nach ihnen kamen die Propheten; nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft war Esra das geistige Haupt Israels; nach ihm Schimcon der Gerechte und darauf Antigonos ans Socho. Mit den beiden Jose beginnt die Zeit, das; zwei gleichgroße und gleichberechtigte Männer das höchste Lehramt übernahmen. Diese und die Lehrer der folgenden Geschlechter heißen die Sngoth, die Paare. Der Erste war Naßi, Fürst, und der Zweite Ab Beth Din, Präsident des großen Synhedrion, das aus 71 Mitgliedern bestand und in der Qnadcrhalle des heiligen Tempels seine Sitzungen abhielt. Jose ben Joöser scheint noch in jüngeren Jahren beide Aemter in sich vereinigt zu haben, und erst zur Zeit seines Alters ist ihm Jose ben Jochanan als Gleichberechtigter zugcsellt werden ro w o rw -«m mV «ren; „erst gegen das Ende seiner Tage, da seine geistigen Fähigkeiten nachließen, konnte Jose ben Jochanan eine entgcgenstchende Lehrmeinung aufrecht erhalten." Es handelte sich um die Scmichab. Jeder, der ein Opfer brachte, mußte vor dem Darbringen desselbensich auf das Opfer mit beiden Händen und mit aller Kraft stützen. Ob das auch am Feiertage zu Ihn» gestattet sei, das war der Gegenstand der ersten Kontroverse in Israel. Jose ben Joöser lehrte, daß es nicht gestattet fei, während Jose ben Jochanan es für nothwendig erachtete. Es handelte sich nur um eine rabbinische Vorschrift, no-tf, da das Sichstützen auf ein Thier keine biblisch verbotene Arbeit ist (Ehagigah 16 b.) Die Meinungsverschiedenheit, .welche hier zu Tage trat, setzte sich bei den spätern Geschlechtern fort, bis Hillcl und Schammai in drei (nach dem Jernschalmi in vier) Dingen verschiedener Ansicht waren. Von da nn und weiter mehrten sich die verschiedenen Aufsagungen. Niemals jedoch handelte es sich um Gebote und Verbote oder Grundsätze der heiligen Thora. Niemals hat ein wahrhaftiger Lehrer in Israel gelehrt, daß es'erlaubt sei, am Sabbat-zu arbeiten oder Fleisch von unreinen Thkeren zu genießen oder Götzen zu dienen — bei der Meinungsverschiedenheit der Nabbinen handelt es sich stets nur um Accidcntien in Bezug auf die Ausführung der Gebote unseres Gottes. Es soll mit dem Obigen nicht gesagt sein, daß nicht auch schon früher Meinungsverschiedenheiten zwischen den Lehrern Israels zu Tage getreten seien. Schon in der heiligen Schrift werden uns solche angedentet. So weigerte sich der ungenannte Vetter des Boas, Ploni Almoni, die Ruth zu heirathen, weil nach seiner Ansicht die Moabiterinnen ebenso wie die Moabiter von der Gemeinschaft Israels ausgeschlossen sein sollten. Allein die maßgebenden Autoritäten jener Zeiten beseitigten stets die entgegen-- stehenden Meinungen, und erst im späteren Alter des Jose ben Joöser vermochte eine solche Bestand und Dauer zu gewinnen. — Und auch das war zum Guten. Nach dem weisen Plaue des allwissenden Gottes wurde dadurch in späteren Zeiten der Discussion Reiz und Kraft verliehen. Die Schärfe des Verstandes fand ein dankbares und ergiebiges Feld. Das Studium der Gottcslehre konnte nicht erstarren und zur bloßen Gcdächtnißfache werden. Diesem Gedanken gibt auch die 17. Mischnah im 5. Abschnitte unsrer Maßechta Ausdruck, indem sie lehrt: ,2? D"pa"P hü'O OVv Kvu? nptpno >0 : woan ^>n r0no n? o'Ctf osp nvw npipno arn trat ..Jede Divergenz, die in reiner Absicht zu Tage tritt, hat den Endzweck, die Thora zu erhalten, und solcher Art war die Meinungsverschiedenheit Hillens und Schammai's und ihrer Schulen; die Verfechtung der entgcgenstehenden Lehrmeinungen war nur auf das eine Ziel gerichtet, die Wahrheit ans Licht zn fördern." (Fortsetzung folgt.)

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