Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-05-01 · Heft 35 (1.5.1884) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 35 (1.5.1884)
Date
1884-05-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449439--20060-2509637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

—:h. i: t.» yv: ■ 59Ö 20 fr. — 1888 tarnen 1390 Sterbfälle vor, und zwar 087 Erwachsene, (-106 Männer, 281 Frauen) 422 Kinder von 1 Monat bis 14 Jahre alt, (287 Knaben, 185 Mädchen)endlich 281 Kinder weniger als 1 Monat alr 056 männl., 125 weibl. Geschlechts). Blos nach 501 Verstorbenen wurden die Beerdigungsgcbühren entrichtet, während 839 Leichen gratis bestattet werden mußten, was der Chewra Kadifcha einen Kostenaufwand von 7900 ff. verursachte. Die aus der Fremde Zugereisten und hier in den diversen Spitälern Verstorbenen stellten zur Gratisbeerdigung ein Kontigent von 260. — Im abgelaufenen Jahre erhielt die Chewra Kadifcha folgende größere Spenden und Legate: von Lorenz Sväb 2000 fl., (hievon entfallen 1009 fl. aufs Siechenhaus), Jakob Goldschekn 1000 fl., Josef und Michael Schlesinger 600 fl., G. R. Lackenbacher 500 fl., Ferdinand v. Schosberger und seine Gemahlin geb. Adele v. Deutsch 500 fl., Simon Schmidt und Charlotte Wittenberg geb. Deutsch, je ein Paar Tempelsitze im Werthe von 500 fl. — Die Generalversammlung , nahm den Bericht mit vollster Befriedigung zur Kenntniß, ertheilte das Absolntorium und genehmigte die erforderliche gänzliche Herstellung der noch nicht gebauten Umfriedungsmauer auf dem Israeliten - Friedhofe nächst der Kerepcsersträße. — Reichstags-Abgeordneter Wahrmann votirte der Vereinsleitung den Dank der Generalversammlung. — Bei der hierauf vorgenommenen Ergänzungswahl wurden mit Stimmencinhelligkeit gewählt: Sigmund Brüll zum Obervorsteher, D: Kälmrm zum Vorsteher, Hermann Neuwelt in den Ausschuß. — Zu Revisoren pro 1884 wählte die Generalversammlung: Jacques Beer, Herman Brüll, Josef Deutsch (Grabriel und Josef Deutsch), Sigmund Gomperz, D. H. Spitzer, Adolf Steinnitz, Max Weiß (Gerson Spitzer u. Comp.) und Adolf Totis. Budapest. Karl Eötvös sagte in seiner Kandidatenrede das Folgende: Es scheint, als ob ein Stillstand in jener großartigen Strömung des Liberalismus eingetreten wäre, welche ein halbes Jahrhundert alle Gebiete des öffentlichen Wirkens beherrschte und in den Worten und dem Wirken unserer ausgezeichnetsten Staatsmänner ihre Vorkämpfer fand. Wie gesagt, es scheint, als ob diese liberale Strömung sich zerstreut hätte, oder gar zun. Theile zurückgetreten luäre. (Lebhafte Zustimmung.) Diese krankhaften Anzeichen erwecken in mir schwere Besorgnisse, diese Anzeichen, von welchen ich glaubte, daß sie sich nie offenkundig zeigen werden. Nach den glorreichen Errungenschaften des Jahres 1849, welche die Unterschiede zwischen den einzelnen Klaffen und Schichten verachtete», welche den Menschen, welche die Arbeit, den Geist, welche alle Kräfte befreiten, — wer hätte es nach all diesen! Errungenschaften geglaubt, daß eine Zeit kommen wird, in welcher man vorn confeffkonellen Standpunkte beurtheilt wird? Wer hätte es geglaubt, daß sich Gesellschaften, Vereine, Klubs bilden werden, welche beim Gewerbe, bei der Literatur, der Wissenschaft gewisse Consesskonen weniger berücksichtigen? Agram. In Folge einer Anfrage erließ die Landesregierung ein Cirkularschreiben, in welchem unter Bezugnahine auf den Gesetzartikel vom 2l. Juni 1873 über die Gleichberechtigung der Israeliten erklärt wird, daß kein staatliches Hinderniß für den Uebertritt vom Christenthum zum Judenthum besiehe, und daß die Eheschließung mit. solchen Konvertiten zulässig sei. Lemberg. 24. April. Nach einer Meldung des Dzienuik aus Tarnopol ist es dort gestern zu einem argen Zusammenstöße zwischen Bevölkerung und Sicherheits-Organen gekommen Anlaß zu dem Tumulte gab die Aufforderung der Gemeinde-Behörde, int Sinne des Strafgesetzes entweder scchstägkge Robot ul verrichten oder , sich von der Verpflichtung durch Entrichtung eines äquivalenten Geldbetrages (2 fl. 10 kr.) zu befreien. Die ärmere bäuerliche und jüdische Bevölkerung weigerte sich, dem Aufträge des Gemeinde-Amtes nachzukommen, belagerte die Wohnungen einzelner Gemeinderäthe, sowie des Bürgermeisters Dr. Kozminski und das Gerichtsgebäude, schlug Fensterscheiben ein und bewarf die Gendarmen und den Bezirks-Commissär Zawadzki mit Steinen. Da die Haltung der Bevölkerung immer drohender wurde, sah sich die Behörde genöthigt, Militär zu requiriren. Eine Abth. Infanterie und Cavallerie wurde beauftragt, die vordem Gerichtsgebäude versammelte Menge auseinanderzutreiben, den Platz zu räumen und die Ruhe wieder herzustellen. Gendarmen und Politisier! wurden inzwischen unter fürchterlichem Gejohle rnsultirt und mit Steinen beworfen. Ein Gendarm gab in Folge deffenIeüer und traf einen Bäckergehilfe (Israelit) so unglücklich, daß derselbe kaum aufkommen dürfte. Rußland. Petersburg, 17. April. In neuester Zeit mehren sich hier leider die Ausweisungen. Kurzvor den jüdischen Feiertagen erhielten ca. 20 Israeliten den Befehl, die Stadt sofort zu verkästen. Mau kennt die Motive nicht, welche die Regiernng z» so schroffen Maßregeln veranlaßt hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.