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Der Israelit · 1884-04-28 · Heft 34 (28.4.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 34 (28.4.1884)
Date
1884-04-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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5G4 Schnlhäuptcr Rawinna und Raw Aschi und deren Söhne anch diese Discussionen, Erklärungen und Erläuterungen in einem prüften Werke sammelten. Das ist der Talmud. Die Schüler dieser Männer unterzogen den Talmud einer sorgfältigen Durchsicht, bis dieses, die ganze mündliche Lehre umfassende Werk abgeschlossen wurde. Nun wurde der Talmud in den Hochschulen Babylons gelehrt, bis große weltgeschichtliche Ereignisse den Schwerpunkt des Thorastudiums nach änderen Gegenden verbrachten. Im Jahre 1038 der gewöhnlichen Zeitrechnung starb der letzte Vorsteher der babylonischen Hochschulen, der Gaon Rabbi Hai. Zur selben Zeit lehrte in Deutschland, in Mainz, der größte Mann seiner Zeit, Rabbenu Gerschom, genannt das Licht des in der Zerstreuung wohnenden Israel (rfran ">’no — Licht der Diaspora). Fast gleichzeitig erstanden in Italien, Spanien, Nordafrika und Frankreich tülmndische Hochschulen, zu denen die wißbegierige jüdisaie Jugend strömte. .Auf die Lehrer folgten ihre Schüler von Geschlecht zu Geschlecht. In allen Ländern, in denen die Juden sich niederließcn, pflegten sie das Studium der Gotteslehrc, und wenn sie vertrieben wurden, so war die Thora oftinals die einzige Habe, die sie mit sich nahmen. Als die Inden im Jahre 1402 Spanien verlassen mußten, verpflanzten sie das Thora-Studium in das türkische Reich und in die alte Heimath, nach Palästina. In der Stadt'Safct allein lebten im sechszehnteu Jahrhundert nahezu an tausend hervorragende Talmndgelehrte. Als die Juden zur Zeit der schrecklichen Verfolgung im Jahre 1349 aus Deutschland nach Nordostcn flohen, verpflanzten sie das Thora-Studium nach den Ländern, die ihnen eine gastliche Aufnahme boten, nach Polen und Litthauen. Als im Laufe des jüngstverflossenen Jahrhunderts es unfern Glaubensgenossen gestattet wurde, sich in größerer Anzahl in Ungarn niederzulossen, wurden auch in diesem Lande zahlreiche und bedeutende Talmudschulen begründet. So zieht sich eine uunterbrochene Kette der Tradition von der Offenbarung auf Sinai an bis zu uns hernieder. In keinem Zeitalter hat es eine Unterbrechung des Thora-Studiums gegeben. Aus jeder Periode sind uns Denkmäler der Geistesthätigkeit der großen Männer in Israel erhalten. Bis zur Erbauung des zweiten Tempels reichen die viernndzwanzig Bücher der heiligen Schrift, in denen uns mitgetheilt wird, was Gott durch prophetische Offenbarung oder durch den heiligen Geist den großen Männern Israels niederzuschreiben gestattet hat. Unmittelbar an die Zeit der Erbauung des zweiten Tempels schließt sich unsere Maßechtha an, indem sie uns einen Ausspruch der Männer der großen Synode vorführt. Die große Synode bestand aus 120 der hervorj ragcndsten Männer Israels. An ihrer Spitze standen die Führer des Volkes Esra, Nechemja, Serubabel, Scheraja, Nealjah, Mordechai Valschon; zu ihnen gehörten die Propheten Chaggl, Secharsah und Maleachi. Sie waren es, welche alle Institutionen einrichtcten, deren wir uns meistens heute noch ersreuen. Sie waren die Autoren und Ordner unserer Gebete. Den Namen der großen Synode verdanken sie jedoch nicht ihrer Anzahl, nicht ihrer großen Gelehrsamkeit und Bedeutung, sondern einer anscheinend geringfügigen, in Wirklichkeit aber höchst bedeutsamen .That. Unsere Weisen geben uns darüber im Tractat Joma k. 69h. Aufschluß. Dort heißt es: Rabbi Josna ben Lewi sagte: Sie erwarben sich den Namen der große» Synode dadurch, daß sie der Krone wiederum ihren alten Glanz verliehen. Mosckeh hatte gesprochen smm?run brn, der Gott, der große, der mächtige und der furchtbare (5. B. M. C. 10. V. 17); Jirmijatzu dagegen hatte gesagt 5nn brn, der Gott, der große, der mächtige (Jermias C. 32. V. 18), er hatte also die Bezeichnung -«num weggelaffeu; denn er sprach: Die Heiden verwüsten Sein Hciligthum — wo ist Seine Furchtbarkeit? — Daniel sagte (C. 9. V. 4) sum 5nw, der Gott, der große, der furchtbare; er hatte also weggelassen; denn er sprach: Die Heiden unterjochen Seine Söhne — wo ist Seine Macht? — Da aber kamen diese Männer und fügten unserem Gebete (im Anfänge-der rsro» miffy) die Bezeichnungen wieder ein, wie sie Mofcheh einst ausgesprochen; denn sie sprachen: Gerade darin erkennen wir Seine Furchtbarkeit und Seine Macht, daß Er mit Langmuth dem Treiben der Frevler zuschaut und daß Er diese kleine und ohnmächtige Nation schätzt inmitten ihrer zahlreichen und mächtigen Feinde." Vergegenwärtigen wir uns den Schmerz des Provheten Jirmijahu, der sieht, wie das Hans des furchtbaren Gottes, die Residenz des Schöpfers von Himmel und Erde, in Trümmer sinkt; stellen wir uns die Trauer Daniels vor, der da erleben mußte, daß die Söhne einer freien Nation, die Kinder des auserwählten Volkes, in die Sclaverei geführt und der Willkür der Tyrannen preisgegeben werden, so werden wir die große That der Männer der großen Synode zn würdigen wissen. Sie erkannten, daß die ewige Wahrheit weder an den Bestand des heiligen Tempels noch an die staatliche Selbstständigkeit Israels geknüpft sei und daß die Allgewalt und Furchtbarkeit des einzigen Gottes sich gerade darin offenbart, daß die Träger Seines Namens auch ohne staatliche Selbstständigkeit erhalten bleiben, und daß alle ihre zahlreichen und mächtigen Feinde machtlos sind gegenüber dem allmächtigen Schützer Israels. — (Fortsetzung folgt).

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