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Der Israelit · 1884-06-23 · Heft 50 (23.6.1884) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 50 (23.6.1884)
Date
1884-06-23
Page
– (sequence 28)
Language
German
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B3SSS3EBBEBE 140 — der Erfahrung und die Kenntniss der Landessprachen — aber selbst die Griechen haben durch, ihre mit grossen Opfern von Seiten der Privaten und des Mutterlandes erhaltenen trefflichen Schulen, in den beiden letzten Jahrzehnten einen auffälligen Vorsprung vor den Juden gewonnen und dieselben aus Branchen verdrängt, die sonst unbestritten von unseren Glaubensgenossen beherrscht wurden. | Indem wir also unseren palaestinensischen Brüdern die Kenntniss der hochdeutschen Sprache«, und die damit zusammenhängende allgemeine Bildung zugänglich machen, erhöhen wir nicht nur das Niveau ihrer Begriffe, sondern wir setzen sie auch in den Stand, ihre materielle Lage zu verbessern, wodurch sie allgemach den Willen und die Kraft erlangen werden, den schrecklichen Versuchungen erfolgreich zu widerstehen, welche Elend und Noth über den Menschen herauibescliwören. Dann dürfen wir hoffen, dass mit dem allmäligen Eindringen einer soliden Bildung die grosse, wesentlich deutsch sprechende Gemeinde Jerusalems den Einfluss und die Stellung erringe, welche gründliche moderne Bildung gewährt, wenn sie sich auf die Kraft und sittliche Energie stützt, welche die Erkenntniss und Liebe zu unserer heil. Religion unzweifelhaft erzeugen. Die Ordnung in unserer Anstalt ist im verflossenen Semester wesentlich dieselbe geblieben wie friiher. Die Kinder werden um 5 Uhr Morgens geweckt. Nachdem sie sich gewaschen, angekleidet und ihre Betten geordnet, haben, verrichten sie das Morgengebet unter Aufsicht des Chacham Rabbi Joseph al. Malek, wobei vor allem auf eine correcte und deutliche Aussprache gehalten wird. Dies nimmt eine Stunde, am Montag und Donnerstag 1 '/* Stunde in Anspruch, da die sephardische Gebetordnung weit umfangreicher ist, als die aschkenasische. Ich gestehe, dass ich der aschkenasischeh Methode, jüngere Kinder nur die Hauptstücke beten zu lassen, den Vorzug gegeben hätte; da aber die sephardischen Chacharaim darauf bestehen, dass es nöthig sei, auch die zarteste Jugend zur Absolvirung der vollständigen täglichen Gebete anzuhalten, so schien es angemessen, gegen die hergebrachte-Sitte nicht zu verstossen. — Nach eingenommenem Frühstück beginnt um 7*/2 Uhr der Schulunterricht, der mit einem halbstündigen Vormittags- und einer einstündigen Mittagspause bis 3 V2 Uhr währt. Alsdann erscheint der Chacham zur Abhaltung des Mincha- und Abendgebetes, der nach einer kurzen Unterbrechung von dem Lehrer des Arabischen abgelöst wird, dessen Lection von 4—15 dauert. Die Kinder spielen dann eine halbe Stunde, essen zu Abend und gehen, nachdem sie ihr Schuhzeug gereinigt, um 7 lj2 Uhr zu Bette. — Dies die Ordnung der Woche. Der Freitag Nachmittag ist zur gründlichen körperlichen Reinigung bestimmt. Am Sabbath Vormittag wird in zwei Stunden jüdische Geschichte gelehrt, des Nachmittags die wichtigsten Gebete übersetzt. — Nach Ausgang des Sabbaths werden die Aemter für die Woche unter die Kinder vertheilt. Es wird je ein Aufseher für die Schlafsäle und ebenso für die beiden Schulklassen ernannt; dies sind Ehrenämter, die von den Kindern eifrig begehrt werden, Und an deren ausgezeichnete Führung sich hin und wieder kleine Belohnungen knüpfen. Die Aufseher der Schule führen unter Leitung des Lehrers über das Betragen der Kinder ein Buch, welches dem Dirigenten zwei Mal täglich, Mittags und Abends, vorgelegt wird.

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