Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1884)
- Date
- 1884-06-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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roMr Worih WUer kennt nicht die Bilder aus dem altjüdischen Mäl Familienleben von dem inderNeberschrift genannten genialen Künstler? — MoritzOpp enheim wurde gegen Ende des Jahres 1799 zuHanau geboren. Seine Eltern waren strengfromme Juden, und ihnen verdankte er die heißinnige Liebe zu unserem heiligen Glauben und das tiefe religiöse Gefühl, das sich in allen seinem Kunstschöpfungen ausspricht. In der mit seinen Eltern befreundeten Familie des Grafen Benzel-Sternau wurde durch die reiche Gemäldesammlung derselben der Sinn für die Kunst in dem Knaben geweckt, der sich bald entschloß, ein Maler zu werden und zu diesem Zwecke die Zeichen-Akademiein seiner Vaterstadt zu besuchen. In seinem achtzehnten Lebensjahre begab er sich nach München, um in der dortigen Kunstschule seine Studien fortzusetzen. Hier entstand sein erstes größeres Bild: „Moses mit den Gcsetztafelu". Es verfehlte nicht, die allgemeine Aufmerksamkeit auf den hoffnungsvollen jungen Künstler zu wenden. Später ging O p p en h ei m nach Paris , und von da nach Nom, wo er sich die Theilnahme und die dauernde Gunst des berühmten Bildhauers Thorwaldsen. erwarb. Bei einer Preisaufgabe erkannte Thorwaldsen als oberster Preisrichter dem von dem jungen Oppenheim eingelieferten Bilde den Preis zu. Allein die andern Preisrichter weigerten sich, einem Juden eine solche Anerkennung zuTheil werden zu lassen, und als Thorwaldsen mit seiner Meinung nicht durchzudringcn vermochte, bestand er darauf, daß der Preis Niemandem zucrkannt werde. Gleichsam als Entschädigung für das dem jungen Künstler gethanc Unrecht bestellte Thorwaldsen für seine eigene Sammlung ein Bild bei Oppenheim, „Die Rückkehr des jungen Tobias," welches sich noch heute im „Thorwaldsen-Museum" in Kopenhagen befindet. Für Baron. Karl von Roth sch i l d malte Oppenheim die „Susanna". Das Bild fand große Anerkennung und wurde allgemein als eine Perle der Kunst bezeichnet. Als O p p c n h c i m im Jahre 1825 nach Deutsch-' land znrückkchrtc, ging ihm der Ruf eines bedeutenden Künstlers voran. Der größte deutsche Dichter. G öth e, wurde ihm ein freundlicher Gönner; er empfahl ihn seinem Freunde, dem Großherzog Carl August von Sachsen, und dieser verlieh dem jungen Künstler den Titel eines Professors der bildenden Künste. Im Jahre 1828 nahm Oppenheim seinen Wohnsitz zu Frankfurt a. M., wo er sich verheirathete und eine durch Liebe und Freundschaft beglückte Häuslichkeit gründete. Unsterblichen Ruhm hat Oppenheim durch seine Bilder aus dem altjüdischen Familienleben sich erworben. Die nach denselben angefertigten Photographien und Lichtdrucke (im Verlage der rühmlichste bekannten Kunsthandlung von Heinrich Keller in Frankfurt a. M.) sind über den ganzen Erdboden verbreitet; man findet sie überall, wo Juden wohnen. Es sind Darstellungen aus den wichtigsten Momenten des jüdischen Lebens. Sie beginnen mit der Geburt: „Der Gevatter erwartet das Kind." — Nach süddeutschem Minhag wird das Kind, ehe es das erste Lebensjahr vollendet, in die Synagoge getragen, um dort die zur Umwickelung der heiligen Thora bestimmte „Wimpel" oder „Mappah", auf der des Kindes Name verzeichnet steht, zu überreichen: „Das Schultragen". — Das Kind wächst heran, und der Vater führt es zum Nabbinen, damit dieser es segne: „Der Segen des Rabbi."— Nun kommt die Zeit, daß der Knabe in den Geist unsrer heiligen Schriften eingeführt wird; beim Nabbinen soll er bekunden, daß er etwas gelernt hat: „Das Verhören." — Die Jahre fliehen pfeilgeschwind; nach vollendetem dreizehnten Lebensjahre tritt der Kuabe als vollgiltiges Mitglied in die religiöse Gemeinschaft ein, und dieser wichtige Moment wird von ihm durch eine Deraschah, die er vor Eltern, Freunden, Verwandten und andern eingeladenen Gästen vorträgt, gefeiert: „Bar-Mizwah-Vortrag". — Wiederum ist eine Reihe von Jahren vergangen, und der Jüngling erscheint an der Seite der von ihm erwählten Jungfrau, bereit, sie sich zu heiligen nach dem Gesetze Moses und Israels : „Die Trauung". — Das folgende Bild zeigt uns den jungen Familienvater im sabbatlichen Schmuck, sein Knäblein an der Hand, im Begriffe, in die Synagoge zu gehen, während die Hausfrau die Sabbat-Ächter anzündet: „Sabbat-Anfang". — Die Synagoge ist aus; der Hausvater tritt mit seinen Söhnen und einem armen Fremden, den er zu Gast gebeten, in das hellerleuchtete, trauliche Wohngemach, wo auf dem mit schneeweißem Linnen bedeckten Tische die beiden Sabbatbrode, die Weinflasche und der Becher bereit stehen; freudig eilen ihm die Töchter und der kleinste Knabeentgegen, um seinen Segen zu erbitten: „Freitag Abend". — Die Mittagsmahlzeit am Sabbat ist verzehrt; die Familie genießt der friedlichsten Ruhe: „Sabbat-Nachmittag, Sabbatruhe". Der heilige Tag des Herrn ist zur Neige gegangen, schon sind die Sterne am Himmel sichtbar, und mit dem mit Wein gefüllten Becher, der brennenden Kerze und der mit Wohlgerüchen angefüllten Büchse