Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1884)
- Date
- 1884-06-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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817 Bloch steht, denn sie hat aus eigenen Mitteln die Kosten des Baues und der Ausstattung des herrliches Tempels bestritten, und hat so den schönen Beweis gegeben, wie Grobes und Tüchtiges geleistet werden saun, wenn die Religion das Herz erfüllt. Möge diese Gemeinde ihrer jetzigen Richtung treu bleiben und den Geist wahrer Ncligiösität in ihrer Mitte bewahren, damit sie nicht umsonst das schwere Opfer an Geld, Kraft und Zeit sür das neue Gotteshaus gebracht habe! Möge sie hier recht oft den Gott .Israels suchen, zu dessen Ehre und Preis sie dieses Gotteshaus erbaut hat! A. Gv Fr ank r e i ch. Paris. Dem Berichte der Alliance Jsraelite Universelle per 2. Semester 1883 entnehmen wir, daß die Zahl der Schüler in'den Alliance-Schulen des Orients sich von 7600 auf 8100 gehoben hat. Die Schulen stehen allen Konfessionen offen und werden auch von muhamedanischen, griechischen, armenischen und katholichcn Kindern besucht. Die Zahl der Knaben ist 5832. die der Mädchen 2269; im Ganzen sind darunter 2996 zahlende. Die Alliance zahlt folgende Subventionen: an die Primärschulen 173,513 Frs., an die.Kimbeuvorbereitnngsschule 44,000 Frs., an dieMädchenvorbcreitnngsschule 11,500 Frs., Material und Bücher 10,000 Fr., Sparkasse für das Personal der Schulen 5000 Frs. Auch das Lehrlingswerk hat bedeutend zugenommen; die Zahl der Handwerkslehrlinge beträgt 428 gegen 306 im Vorjahre. Große Schwierigkeiten macht die Weigerung nichtjüdischer Handwerker, jüdische Lehrlinge anzunehmen, weshalb eine Anzahl orientalischer Kinder in Frankreich ausgebildet wird. Die Ackcrbauschule zu Jaffa hat 32 Schüler; sie arbeitete im Jahr 1683 mit einem Defizit von 39,000 Frs. Der Etat des Centralkomiti-s für das 2. Semester 1883 weist folgende Ziffern auf: Einnahmen: Jahresbeiträge 66,439 Frs., Geschenke u.s.w. 26,758 Frs., Schulsubventionen 17,073 Frs., von Baron Hirsch für den Handwerksunterricht 16,710 Frs., immerwährende Beiträge 2306 Frs. Die Ausgaben betrugen 180,965 Frs. und überstiegen die Einnahmen um 42,715 Frs., welche Baron v. Hirsch wiederum drauflegte. Das Kapital betrug am 31. Dezember 1883 223,666 Frs. Die Stiftung des Barons von Hirsch zur Ausbildung der israelitischen Jugend in der Türkei hat im 2. Semester 1683 26,709 Frs. ausgegebcn; sie beträgt nunmehr 1,167,904 Frs. — Am 31. Dezember 1883 war die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder der Alliance Jsraelite Universelle 28,416 mit 214,212 Frs. jährlichen Beiträgen. Paris. Bei der in Nizza stattgehabten Ausstellung—algerischer- Producte -erhielt Herr Makluf Gnedji aus Guelma (Algerien) in der Klaffe Ackerbaucultur eine goldnc Medaille; ebenso wurde der Dircctor der Blumcngescllschast in Nizza, Herr Bcnvid Joseph Magraques decorirt. Beide Kammern haben das Gesetz der Wiedereinführung der Ehescheidung genehmigt. E n g l a n d. London. Im Britisch Museum wurde neulich ein besonderes Zimmer für semitische Antiquitäten eingeräumt. Biele Gegenstände, die bisher in den Kellern desselben wie vergraben lagen, erregen das allgemeine Interesse des besuchenden Publikums. Ru ß l a n d. Petersburg. Der „Russki Jewrej" erzählt folgende Geschichte: Am 30. April stahl der Schuster D. Ssukoßki das zweijährige Töchtcrchcn des Juden Schul Wassermann — um das Blut des Kindes zu verwenden. Eine Zigeunerin hatte' dem Schuster versprochen für dessen kinderlose Fraü eine Arznei — aus dem Blute eines kleinen Mädchens ' zu bereiten. Vergebens suchten die Eltern nach ihrem verschwundenen Kinde, bis sie zufällig auf der Landstraße einem ihnen bekannten Bauern begegneten, der, ein Nachbar Ssukotzkis, ihnen mittheilte, wo dieser wohnte. Wassermann und Frau machten sich zu Ssukoßki aus den Weg, bei dem sie dann auch nach genauer Durchsuchung der Wohnung ihr Kind halb tobt, unter Kiffen versteckt, auffanden. Petersburg. Die in Petersburg tagende Kommission zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Juden in Rußland hat ihre Vorarbeiten beendet und das historisch - juristische Material zusammengestellt. Die Majorität der Kommission anerkennt angeblich das Bedürfniß einer Reform der Gesetzgebung in humaner und liberaler Richtung, erachtet jedoch die Durchführung derselben im gegenwärtigen Zeitpunkte „nicht für opportun", weil dieselbe bei der Stimmung der Bevölkerung, namentlich in Südrußland, leicht eine Wiederholung der Judencxccsse im Gefolge haben könnte. Berkowitz, (Gouv. Sitomir). Am 6 Mai brach in der hiesigen Kirche Feuer aus, das alsobald niehrcre christlichen Bewohnern gehörige Häuser ergriff. Der erste, der zur Löschung des Brandes herbeigeilt und thätige Hilfe leistete, war der jüdische Pächter, Herr Isaak Stitilmau. der mit eigner Lebensgefahr den christl. Geistlichen, welcher zur Rettung der Kirchengefäße in die brennende 5kirche gedrungen war, vom Flammentode rettete. Die. Kirche ist vollständig niedergcbrannt.