Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 32-33 (23.4.1884)
- Date
- 1884-04-23
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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557 Der Vorstand des Clubs der Vereinigten Linken , sendete an die Wittwe ein Beileidsschreiben und j spricht darin die Trauer um „einen der edelsten, ge-! sinnungstreucsten, selbstlosesten Vorkämpfer für Frei- \ heit und Recht, einen der wärmsten Patrioten, einen \ der besten Söhne des deutschen Volkes" aus. Vom j langjährigen Freunde Kuranda's, Dr. Heinrich Laube.! langte folgender Brief ein: „Ihnen meine herzliche Thcilnahme auszudrücken, schreibe ich, alt und krank, diese Zeilen, meine gnädige Frau." Aus Prag kam ein von Dr. Franz Schmeykal gefertigtes Telegramm folgenden Inhalts: „Die deutschen Abgeordneten, der deutsche- Verein und das deutsche Casino in Prag betrauern voll innigster Thcilnahme das Hinscheiden des sieghaften Streiters für Aufklärung, Fortschritt und Deutschthum, dessen Andenken von uns dankbar bewahrt wird." Rumänien. Bukarest. Als Kuriosum theilte ich Ihnen mit, daß Herr Jftoczy, der Erfinder des ungarischen Antisemitismus, den Beruf in sich gefühlt hat, einem -in Plozesti erscheinenden antisemitischen Hctzblättchen, der „Alarma", einen Brief zu übersenden, in welchem der Wunsch ausgesprochen wird, das; Rumänien sich an der Führung des „geistigen Kampfes" gegen das Jndenthum reger als bisher betheiligen möge. Daß „geistige Kämpfe" mit Knitteln und Straßensteinen ausgesuchten werden und daß Pöbelaussäufe, Plünderungen und Mißhandclungen ruhiger Mitbürgerzu den Requisiten des „geistigen Kampfes" gehören, ist jedenfalls eine Entdeckung des Herrn Jstoczy. Doch dürfte derselbe in Rumänien schon deshalb ein wenig dankbares Auditorium finden, weil man hier zu Lande die Zurückdräugung des semitischen Elementes dem Parlamente überlassen kann, ohne sich bezüglich der von Jstoczy prophezeiten Verjudung Rumäniens irgend welchen Befürchtungen hingeben zu müssen. So werden beispielsweise durch das vor einigen Tagen publizirte Verbot des Hausirhaudels in den Städten Rumäniens mit einem'Schlage Tausende israelitische Familien brodlos gemacht und zur Auswanderung gezwungen werden. Frankreich. Paris. Herr Dreyfuß, ein Juwelen-' und Antiquitätenhändler in der Rue des Martyrs, hatte am vergangenen Sonntag der Frau £., in der Rue Notre - Dame - de - Lorctte wohnhaft, ein altmodisches Schreibpult aus Eichenholz für die Summe von 350 Franken abgekauft. Es war ein großes, im Wege stehendes Hausgeräth, mit dem Frau X. in der That nichts Besseres anzufangen wußte und sich dessen auch bereitwillig entledigte. Am Montag Abend klingelte es an der Thüre des Herrn Dreyfuß gewaltig. Es war Frau X., die in athcmlosem Laufe dahergecilt kam, um eine — bedeutende Summe Geldes zu reklamiren, die, wie sie sagte, in dem alten Schreibpulte eingeschlosscn sei. Da es jedoch schon etwas spät war, um die Sache zu untersuchen, so bat Herr Dreyfuß die Frau X.f am andern Morgen wieder zu kommen. Am Dienstag früh nun untersuchte man das fragliche Möbel in Gegenwart der Eheleute X. und der Schatz ward vorgefunden. Er bestand in nicht weniger als 250,000 Franken in Werthpapieren. Herr X. hatte sich nämlich vor einiger Zeit nach Amerika begeben und vor seiner Abreise diesen kleinen Schatz in das fragliche Pult eingeschlossen. Bei seiner Rückkehr berührte er ihn nur, um die fälligen Coupons einzukassircn und begab sich dann wieder auf Reisen, und zwar diesmal in die Schweiz. Bei seinr Wiedcrankunft in Paris am Montag Abend erfuhr er zu seiner Bestürzung, daß seine Frau das Pult veräußert hatte, und Frau X. selber war nicht weniger bestürzt als er, als sie durch ihren Mann von dem Betrage der in einem geheimen Fache des Möbels verborgenen Werthpapiere in Kenntnis; gesetzt wurde. Glücklicherweise waren diese in die Hände eines Ehrenmannes gerathen, der sich denn auch sofort anschickte, die 250,000 Franken dem Eigcnthümer zurückznerstatten. Nun kommt die noble Erkenntlichkeit dieses Letzteren. Außer sich vor Freude, sein Geld wieder erhalten zu haben, bot er dem Herrn Dreyfuß sofort ein — Gläschen Cognac im nächsten Weinladen an . . . allein Herr Dreyfuß schlug das noble Anerbieten aus. Spanien. Madrid. Pater Mon ist in einer Predigt, welche ausschließlich von Damen der hohen Madrider Aristokratie besucht war, heftig gegen die Inden losgezogen und hat es namentlich getadelt, das; die hohen Herrschaften bei einem Inden (bei Bauer, dem ^Repräsentanten des Hauses Rothschild in der spanischen Hauptstadt) getanzt haben. Diese Predigt erregte am Hofe große Sensation, so daß das Ministerium sich gezwungen sah, zu veranlassen, daß Pater Mon noch am selben Tage Madrid verlasse. Die Zeiten haben sich geändert, selbst auch in Svanien. Dieser Vorfall, welcher nur ein Symptom ist, das aber feilte Wichtigkeit hat, verdient, weil in Spanien geschehen, verzeichnet zu werden. Rußland. Petersburg, 7. April. Wegen Widerstandes gegen die Obrigkeit bei den vorjährigen Judenexcessen