Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1884)
- Date
- 1884-03-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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396 Inhalt (Hauptblatt): Hirscb Heidemann aus Neustetttn (mit Illustration). — Leitende Artikel: Ter Kamps gegen die Feinde Israels. — Literariicber Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen-. Deutschland: Dörnach. Oberelsaß. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. — England: Smal London. Oxford. — Afrika: Algier. — Feuilleton: Nur standhaft. — Logogryvh. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Posen. Iarotschin. — Oest. - Nng. Monarchie: Karczäg. — England: London. — Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Braunschweig Leitende Artikel. Der Kampf gegen die Jieinde Israels. VL Mainz, 13. März. :»Ta D'Tjxn nüDi rijnjriwx-i 33J 'DJX.nno „Morgen werde ich stehen auf der Spitze des Hügels, und der Stab Gottes in meiner Hand." Der Stab Gottes! noy nnx >3 njn xtx xb> nio*?s x’aa ^x o ca : »Jörn’ non impe-w iodi? ,-Auch wenn ich wandele im Thale desTodtenschattens, fürchte ich nichts Böses, denn Du bist bei mir: Dein Stab und Deine Stütze sind immerdar mein Trost." (Ps. 23. B. 4.) Wir wollen den Psalm, dem wir den vorstehenden Vers entnommen, einer näheren Betrachtung unterziehen; er schildert uns am Besten, wie der Stab Gottes uns aufrecht erhält in aller Noth und Gefahr, wie er uns hinweghebt über die Sorge um das Nothwendigste, über die Sorge um das tägliche Brod, wie er uns kräftigt in der Angst vor hereinbrechendem Unglück, und wie er, selbst wenn Schlimmes sich ereignet, vor Verzweiflung schützt. Das Bewußtsein, daß Gottes Stab und Stütze uns immer nahe ist, verscheucht die quälende Sorge, nimmt dem Schmerze seinen Stachel, läßt .Verzweiflung nicht aufkommen, stärkt und ermuntert vielmehr zum Kampfe gegen alle uns sich entgegenstellenden Schwierigkeiten, und je größer die Last, die zu bewältigen, ist, desto gewaltiger ist die Kraftdesto sicherer die Hoffnung auf Erfolg. Und hat der gottesfürchtige Jude zu kämpfen mit drückenden Sorgen, seufzt sein Herz auf in beengender Noth, so verliert er doch nie das Bewußtsein des Gottesschutzes, der da hinweghilft über die Sorgen der Alltäglichkeit, der da ebnet die Pfade zu den höchsten, geistigen Höhen, bis daß erreicht wird das ewige Leben, das unendliche Glück der künftigen Welt. Die Erklärer der heiligen Schrift schildern uns die Lage, in welcher dieser Psalm wahrscheinlich entstanden ist. David war aus allen Kämpfen als Sieger hervorgegangen, befreit von jedweder Verfolgung, enthoben der quälenden Sorge, die manch, mal — selbst um das tägliche Brod ihn beschlichen, und ist nunmehr mit dem königlichen Purpur bekleidet. Entlassen sind die Großen Israels, die ihm gehuldigt haben. Einsam bleibt der König zurück, im erhebenden Gefühle seiner Größe. Plötzlich überkömmi ihn die Wehmuth. Erdenkt zurück an Alles, was er gelitten; kann die Krone Ersatz dafür bieten? Da ergreift er die Harfe; ihre himmlischen Töne erheben seinen Geist zu Gott. “inxi pao nnb> -idid nüxa» mpo »in1? -hqio .npüs/ i'Ty ,-nw *p Und so beginnt der Psalm mit der Schilderung der Rettung aus der täglichen Noth und von des Hungers gemeiner Sorge, deutet an die Befreiung aus größeren Gefahren, beschreibt die höchsten irdischen Genüsse, bis er zum Schluffe sich gipfelt in der Zuversicht des ewigen Wonnelebens. — iDnx xb> ,mt „Gott ist mein Hirt, ich werde niemals Mangel haben!" , David, der berühmte Feldherr, der Liebling von ganz Israel, der Schwiegersohn des Königs, der Busenfreund des Kronprinzen, muß entfliehen, arm und einsam und verlassen, einem ungewissen Schicksal entgegen.. Er kömmt nach Nob, der Priesterstadt, von Hunger fast aufgerieben. Da kein anderes Brod vorhanden als heiliges, so muß er dieses verzehren; denn der Heißhunger hat ihn erfaßt und Gefahr ist im Verzüge. Kaum hat er sich gesättigt, so erblickt er den Verräther Doeg, und er muß eilig entfliehen, muß ins Ausland eilen, um der Verfolgung des zürnenden Königs zu entgehen. Er flieht in das Land der Philister, der Erbfeinde feines Volkes, die er selbst so oft und so siegreich bekämpft .hatte. Und er kömmt zu Achifch, dem König von Gath. Und es sprechen die Diener des Achifch zu diesem: Ist das nicht David, der König des Landes, von dem man gesungen: Schaul hat Taufende erschlagen, David aber Zehntaufende? Und David hört diese Worte und erkennt das Gefährliche seiner Lage; da betet er im Innersten seines Herzens zu Gott um Rettung.. Lange vorher, als David noch die Heerden seines Vaters hütete und als ein geistvoller Jüngling über die Herrlichkeit und Schönheit der Gotteswelt nachdachte, sprach er in seinem Herzen: Herr der Welt, Alles, was Du erschaffen, ist herrlich, schön und gut; aber wie kann ich es verstehen, daß der in Deinem Ebenbilde erschaffene Mensch sich im Wahnsinne erniedrigt, auf die Straße läuft, feine Kleider zerreißt und sich dem Gespötte der Kinder