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Der Israelit · 1884-03-13 · Heft 21 (13.3.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 21 (13.3.1884)
Date
1884-03-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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361 Tage einen großen Schneefall (bis zu einem Meter hoch) batten, während Sie in. Deutschland nach den Zeitungsberichten in vielen Gegenden fast gar keinen Schnee sahen. Obgleich wir hier zu Lande auf kaltes Wetter nicht eingerichtet sind, wird ein solcher Schneefall doch mit Freuden begrüßt, weil man in Folge dieser durchdringenden Bewässerung des Bodens auf ein gesegnetes Jahr hoffen darf. Egypten. Alexandrien. Mit dem Anfang dieses Jahres wurde die auf Kosten des verstorbenen Barons L. v. Menaffe errichtete Schule eröffnet. An 200 jüdische Schüler fanden in derselben Aufnahme. Fenilleto n. Kur standhaft! XXXIII. Bernhardine war in das Haus ihres Vaters zurückgekehrt. Um nicht ganz allein zu sein, hatte sie eine Gesellschafterin, ein Fräulein ron Plötz, engagirt. Sie lebte recht einsam; auch bei Hofe, wo man mit der Vorbereitung zu der Hochzeit der Prinzessin Aurelie beschäftigt war, fanden weder Feste noch Einladungen statt. Jedesmal, wenn Bernhardine Briefe von ihrem Vater und ihrer Stiefmutter empfing und sie dieselben beantworten mußte, litt das junge Mädchen gar sehr. Da gedachte sic ihrer verstorbenen Mutter und konnte stundenlang weinen. Eines Tages wurde ihr ein Fräulein von Minkowitz gemeldet. „Verzeihen Sie, mein gnädiges Fräulein," sagte die ältere Dame, „daß ich mir erlaube, Sie hier aufzusuchen. Ich habe Ihre selige Frau Mama gekannt und halte mich verpflichtet. Ihnen mein Beileid auszufprechen." Vernhardinens Augen füllten sich mit Thränen; sie konnte nicht sprechen. Mit einer Handbewegung lud sie das Fräulein ein, sich zu setzen. „Armes Kind," sagte diese, der Einladung Folge leistend. „Ja, es ist hart, in so jungen Jahren btc Mutter zu verlieren. Aber Sie haben ja Ersatz erhalten. Kennen Sie Ihre neue Mutter schon?" „„Mein Vater-wird erst in einigen Wochen von der Hochzeitsreise zurückkehrcn, um bei den bevorstehenden Festlichkeiten seine junge Frau bei Hofe einzuführen."" „Sie meinen, die Hochzeitsfeier der Prinzeß Aurelia? Ich habe davon gehört, daß Sie durch die Freundschaft Ihrer Hoheit ausgezeichnet werden. — Kennen Sie auch den Bruder Ihrer neuen Mama nicht?" j „ „Ich kenne Niemanden von der neuen Verwandtschaft/'" „Ich hatte das Vergnügen, den Schwager Ihres Herrn Papa in Breslau kennen zu lernen. Ihr Herr Vater muß ein generöser Mann sein. Er hat seinem armen Schwager 106,000 Thaler geschenkt, wofür dieser die ehemaligen Wolkcnberg'lchen Güter zurückgekauft. hat. Und er muß Aussicht haben, noch mehr Geld von Ihrem Papa zu erhalten. Ein Bekannter von mir hat die Pläne für das neu zu erbauerwe Schloß gesehen. Das wird ein prachtvoller Bau, im Nenaiffencestyl ansgeführt, werden, so prachtvoll, wie ihn nur ein Millionär projcctiren kann. — Man munkelt in Breslau davon, daß Ihr Papa seinem Schwager Ihre Hand zugesagt habe nnd daß Herr von Wolkenberg sich daraufhin mit so großen Plänen trage. Darf man Ihnen gratutuliren, mein gnädiges Fräulein?" Bernhardine blickte ihren Besuch groß an. „„Mein Fräulein,"" sagte sie, „„ich begreife nicht, wie Sie so indiscret sein können! Ich muß sie inständigst bitten, mich mit solchen Reden zu verschonen."" Bei diesen Worten stand sie auf und setzte eine silberne Schelle, die auf dem Tische stand, in Bewegung. Das Kammermädchen erschien an der Thüre. „Fräulein von Plötz soll kommen," rief ihr Bernhardine zu. „Verzeihen Sie," sagte Fräulein von Minkowitz, „wenn ich Ihnen wehe gethan habe. Es war das durchaus meine Absicht nicht. Aus Freundschaft für Ihre selige Mutter wollte ich Sie auf gewiffe Dinge aufmerksam machen, die man mit Ihnen vor hat. Glauben Sie mir, ich meine es gut mit Ihnen." Das Fräulein empfahl sich. „Der Pfeil sitzt," sprach sie im Fortgehen vor sich hin. „Dieses energische junge Mädchen wird, sich nicht so ohne Weiteres.verkuppeln lassen!" Bernhardine schickte die Gesellschafterin, die sie hatte rufen lassen, wieder fort. Sie mußte allein sein, allein mit ihrem unaussprechlichen Schmerz. Sie warf sich auf den Divan und fing bitterlich an zu weinen. „Mein liebes Mütterchen," sprach sie schluchzend, „warum hast Du mich so früh verlassen! Deine Befürchtungen sind nur allzufrüh cingetroffen. Aber ich werde nicht über mich bestimmen lassen. Mag dieser Wolkenberg komiuen, ich werde sein Portemonnaie nicht werden. O, diese Schändlichkeit, Pläne auf den Besitz meines Vermögens zu gründen, noch ehe er mich, noch ehe ich ihn habe kennen gelernt!

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