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Der Israelit · 1884-03-13 · Heft 21 (13.3.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 21 (13.3.1884)
Date
1884-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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deren Asche zur Reinigung nothwendig war, vorgetesen wird. Nur die Rcinigungsvorschiften, soweit sie die jüdischen Ehefrauen betreffen, sind für ganz Israel in Kraft geblieben. Das heilige Gottesgesetz beginnt mit der Heiligung der Kinder Israel schon lang vor der Geburt derselben, mno, Reinheit heißt das große Wort, welches die Existenz des künftigen jüdischen Weltbürgers vorbereiten soll. Die Vorschriften darüber gehören zn den heiligsten und wichtigsten unserer Religion, und für die Verletzung derselben bestimmt das Gesetz eine der schwersten Strafen n-o 2m. Es ist eine traurige Erscheinung in unserer Zeit, das; diese so ungemein wichtigen und erhabenen Vorschriften so vielfach verletzt werden. In mancken großen Gemeinden gibt es gar kein rituelles Frauenbad (Mikmah) mehr. Das Leben all dieser Männer und Frauen wird dadurch ein unjüdischcs, ein vom Standpunkt der jüdischen Religion aus verbrecherisches; ihre Kinder sind ,tu »m, an denen ein unauslöschlicher Makel haftet. In. andern großen und kleinen Gemeinden wird diese heilige Institution vernachlässigt und nur von Wenigen benutzt, und wieder in andern Gemeinden ist die Mikwah in Verfall gerathen und entspricht den Anforderungen des jüdischen Religionsgesetzes nicht. Das sind traurige Zustände. O, ihr Frauen in Israel, ihr Töchter unserer frommen Mütter, in Eure Hände ist ein so wichtiger Theil des religiösen Lebens gegeben. Euch liegen so heilige Pflichten ob, die das Wohl, und das Glück Eurer Gatten und Eurer Kinder bedingen! Möchten doch unsere Worte Eingang finden in Eure Herzen! Gott hat Euch von mancher Pflichterfüllung befreit; dagegen hat der allgütige Gott die Grundbedingung wahrhaft jüdischen Lebens die mno, die dem Gesetze entsprechende Reinheit, Eurer Gewissenhaftigkeit anvertraut. Jahrtausende hindurch haben die edlen Frauen Israels diese heiligen'Pflichten streng und treu und sorgfältig beobachtet, oftmals unter den größten Opfern und Schwierigkeiten. Wo immer eine jüdische Familie sich ansiedclte, war die Errichtung eines rituellen Frauenbades eine ihrer ersten Sorgen. Von jeher waren Israels edle Frauen, ihre Reinheit und Sittlichkeit, der Stolz unsers Volkes. Entäußert Euch nicht dieses großen unschätzbaren Gutes; erziehet Eure Töchter so, daß sie den edlen Ahnfrauen unserer Nation ähnlich werden. Auch die Frau hat zu kämpfen und einzustehen für unsere heilige Religion, Gott hat bei der Schöpfung des Weibes gesprochen: nr» n;- ft nv-rr Ich will ihm eine Gehilfin machen, ihm gegenüber. Und unsere Weisen fügen hinzu: vu» nsi nm Wenn der Mann erstrebt, was gut und recht ist, so sei ihm die Frau eine Gehilfin; wenn aber der Mann das Unrechte will, so trete sie chm entgegen. Auch das Abscheiden der Challah, des Priester« . kuchens vom Teige, erinnert an den priesterlichen Beruf der jüdischen Hausfrau. Sie soll im Hause walten mit freudiger Sorgfalt, und an die Bereiiung dcs Brodes knüpft sich eine ihrer heiligen Pflichten, ein Symbol der Häuslichkeit. Auch die Vernachlästigung dieser Pflicht hängt auf's Engste mit so mancher traurigen Erscheinung der Gegenwart zusammen. So manche Frauen vernachlässigen ihre Häuslichkeit und stürzen dadurch sich und die Ihren ins Verderben. Eine verkehrte Erziehung trägt vielfach die Schuld. In großen Städten und in wohlhabenden Familien werden die jungen Mädchen weniger zu künftigen Hausfrauen als zu vornehmen Damen erzogen voll Ansprüche an das Leben. So mancher jüdische Jüngling wagt es nicht, eine Ehe zn schließen, weil er fürchtet, den an ihn gestellten Ansprüchen zur Bestreitung eines vornehmen Haushaltes nicht genügen zu können. Andere stürzen sich in gewagte Geschäfte und Spekulationen, um das zu erringen, was, die anspruchsvolle Gattin fordert. Theater, Bälle, Toilette, Schmuck, große Gesellschaften und Caffeevisiten erfordern einen ungeheuren Aufwand. Alle diese Dinge erregen den Neid und dje Mißgunst unserer Mitbürger. Sie drängen gewaltsam auf den Gelderwerb hin. So tragen die genußsüchtigen und anspruchsvollen Frauen dazu bei, Juden und und Judenthum in den Augen der Mitbürger hcrabzusetzen und den Judenfeinden Anlaß zu Schmähungen und zu Angriffen zu geben. Nicht so will es unsere heilige Religion. no'JD ibo ra mm Selbst eine jüdische Prinzessin soll ihren Beruf in ihrer Häuslichkeit suchen und finde». Durch weise Sparsamkeit soll die jüdische Frau das, was der Mann erwirbt, zu erhalten und zu vermehren suchen. Nicht für die Außenwelt, für ihren Gatten und ihre Kinder soll sie leben, die Noth der Armen lindern, die Hnngerigen, die ihr Haus aufsnchcn, sättigen und die dlackten bekleiden, die armen Kranken aussuchen in den Hütten des Elends — das ist echt jüdische Weiblichkeit. 'Typ onytto ww nso r,V 1» Reinheit, Sittlichkeit, Häuslichkeit, Wohlthätigkeit — das sind die Ruhmeskronen des jüdischen Weibes! Sie sind es, welche die Judenfeinde entwaffnen und unserem Volke zum Segen und zum Heile gereiche,;. (Forts, folgt.)

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