Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-02-25 · Heft 16 (25.2.1884) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 16 (25.2.1884)
Date
1884-02-25
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449423--19683-2509178
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 73 — M'uräe uv8 Lun mit dem Hinselieiden des Herrn M. S. ein Tlieil unseres Ich’s, ein wahrhaftiges Glied von unserem Körper genommen, so haken wir mit dem Hinscheiden unseres hochverehrten Präsidenten Herrn J. Löbel gleichsam den Kopf verloren. Was Hr. L. uns gewesen, flau wissen wir Alle, und wenn es bei einem Menschen heisst: Sofo mochiach, „Sein Ende liefert den Ausweis“, so hat hier das Ende dieses Mannes bewiesen, welche Gesinnungen er für die Colonisation hegte, indem er einen so bedeutenden Betrag unserem Zwecke testamentarisch vermachte, dessen Zinsen auf ewige Zeiten seinen Namen verherrlichen werden. Herr Löbel war inder vollen Bedeutung des Wortes ein Doresch tob Leamo wedober Sekalom lekol Sareo, ein das Heil und Glück seiner Brüder mit Herz und Seele erstrebender Mann.*) Ehre dem Andenken dieser beider Männer! „Im C.-C. ist durch seinen unerwarteten Tod eine Lücke entstanden, die schwer auszufüllen sein wird, denn sein praktischer, durchdringender Geist hei der Ausarbeitung der Statuten, des Reglements tur die Colonie etc., wird stets fühlbar sein. All' sein Sinnen und Trachten wer die ganze Zeithindurch nur auf das Zustandekommen der ersten Colonie und auf Mittel, wie selbe zu erhalten, gerichtet. Er war einer von denjenigen, die in aufopfernster ' Weise dem .Wöhle der Allgemeinheit ihre Zeit und Kraft widmen, ein uneigennütziger, 'ehrlicher Charakter, und Gott wird ihn sicherlich seinen verdienten Lolin droben finden lassen. Denn wenn wir ancli seine irdische Hülle hier in’s Grab senken, sein Geist ist jetzt, in den lichten'Höhen, um ein Meliz Jöscher zu sein für seine unterdrückten Glaubensgenossen. Er war einer der Bahnbrecher für die Idee der Colonisation PalästinaV, und Samarin wird in den spätesten Geschlechtern Zeugniss ablegen von den Bestrebungen und Bemühungen des Verstorbenen. Leider war es ihm nicht gegönnt, sein Werk gekrönt zu sehen! Er ist wie ein Feldherr’gestorben mitten in seinen Plänen und Arbeiten, auf dem wahren Felde der Ehre, der Ehre Israels. Denn der Verstorbene war durch und durch Jude, der sich seiner Religion nicht geschämt, er hat als Jude gelebt und ist als Jude gestorben. Seine Collegen werden gewiss bestrebt sein, unverdrossen das Werk der Colonisinmg weitevzufühven, und gebe Gott, mit gutem Erfolge!** ' . „Samarin legt jetzt Trauer an auf sieben Tage, der Verstorbene hat es überreich verdient. Wenn auch hier ein Grabstein seine irdische Hülle decken wird, in Samarin hat er sieh ein tmvergängliches Denkmal errichtet!“; *) Herr Isaak Löbel starb in Wien am 11/23. Mai 1883, das C.-C. konnte der Beerdigung nicht beiwohnen schickte aber der trauernden Familie eine < ’ondotenzadresse, in welcher es dem tiefen Schmerze über den unersetzlichen Verlust Ausdruck gab und dann fortfuhr: „Die Mitglieder des C.-C. waren stolz auf ihren Präsidenten, und nicht nur sie allein, sondern silmmtliehe Comitees ftir Jischub Erez hakedoschali in Rumänien, die ihm das grösste Vertrauen schon dadurch bewiesen, dass die Colonie „Samarin und jTantoura“ im heiligen Lande auf den Namen Isaak Löbel gekauft wurde, was seit 1800 Jahren, seitdem die .Inden durch politische Ereignisse von grösster Bedeutung. Reich und Selbstständigkeit verloren — nicht, geschehen! „Wenn es nun einmal in den unerforschlichen Beschlüssen des Ewigen bestimmt sein sollte, der jüdischen Nation in später Zukunft ihr angestammtes Vaterland wieder in seiner Gnade zurückzuerstatten, — dann werden die künftigen Generationen Gelegenheit haben, den Namen Isaak Löbel stets nur segnend auszusprechun, und „Wer Seinen Namen nur wird nennen, Dem wird er klingen süss und hold, Und mancher Grosse soll bekennen, Der Rulim sei etwas mehr als Gold.“ . Nachdem nun der Verdienste des Verstorbenen Erwähnung geschehen, heisst es ferner: „Der so früh aus dem Leben Geschiedene war für die Idee der Colonisation Palästina^ so sehr beseelt, dass er den Vorsatz äusserte: wenn Seine Gesundheit es ihm erlauben werde, eine Beise nach dem heiligen Lande zu machen, um eben die Colonie zu besuchen und dort verschiedene Pläne zu verwirklichen, die seit lange seinen Geist beschäftigtendenn er legte grosse Theilnahme für die Leiden seiner Glaubensgenossen an den Tag, und war er stets bestrebt, zu Linderung derselben beizutragen. „Leider war es ihm nicht gegönnt, sein Vorhaben auszufuhren, aber das C.-C. ist wohl zu der Hoffnung berechtigt, dass die Kinder das Werk fortsetzen werden, welches ihr ehrwürdiger Vater begonnen, und kann die geehrte Familie in dieser Hinsicht auf das C.-C. voll rechnen, dass es zur Verewigung des Andenkens des nun in’s bessere Jenseits Hinübergegangenen sein Möglichstes beitragen werde. .„Die Trauerkunde ist nun in ganz Rumänien verbreitet, und aus allen Städten und Gauen des Landes sind dem C.-C. telegraphische und schriftliche Beileidsbezeugungen in de» rührendsten Ausdrücken zugekommen , welche den Beweis abgeben für die überaus grosse Sympathie, welche die Judenheit hierzulande dem Manne entgegenbringt, der sich um sie so sehr verdient gemacht und im Begriffe war, noch mehr zu thun, denn: „Unvergesslich bleibt dem Volke, Der das Volk nie vergisst!“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.