Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1884)
- Date
- 1884-02-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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253 OberrabbincrsKunsiatt aus Großw ardein nach der bedeutenden Gemeinde Nadautz und über das segensreiche Wirken desselben dort, ist bereits in diesen Blättern ausführlich berichtet worden. .— Hoffentlich kann ich Ihnen in meinem nächsten Briefe recht viel Erfreuliches mittheilen. L-g. Engla u d. London. Am 11. d. M. ist der Chef-Redakteur (Editor) der „Times", Mr. Thomas Chenery, gestorben. Er ist, wie die Times in dem ihm gewidmeten Nachrufe schreibt, ein Opfer der anstrengenden und aufreibenden Arbeit seines Berufes geworden,. der seine ursprünglich kräftige Natur nach und nach unterlag. CH. hatte sich den philologischen und orientalistischen Studien gewidmet, in denen er später Ausgezeichnetes leistete. Neben seiner journalistischen Thätigkeit setzte er stets seine orientalischen Studien fort. Er war ein Meister im Griechischen, Türkischen, Arabischen und Hebräischen, , und als in England die wissenschaftliche Commission zur Revision der Uebcrsetzung des Alten Testaments zusammentrat, wurde Mr. Chenery als Mitglied in dieselbe berufen. Der Verstorbene war ein Freund der Juden und ein eifriger Forscher ihrer Geschichte und Literatur. Er war eines der ersten ComitLmitglieder der hebr. Literaturgesellschast und hat in ihren Publikationen recht viel Vortreffliches, namentlich über den Midrasch gebracht. Zur Zeit, als die russischen Juden so schrecklich verfolgt wurden, trat er in der „Times" sehr warm für sie auf. Wie vcrsirt er in der hebr. Sprache war. ergibt sich aus folgender Mitthcilung des ,,Jcw. Ehr." Während. der russischen Judenverfolgung richtete der verstorbene Prediger Green eine Zuschrift an die „Times", und fügte in einem Privatschrcibcn an seinen Freund Ehenery das bibt. Wort 2'-o?-.Q -'inin folgender Orthographie bei 210 no idj/u -»am, was der Verstorbene wohl verstand und zu würdigen wußte. Liverpool, 10. Febr. Sir Moses erfreut sich wieder normaler Gesundheit und nimmt nach wie vor wieder reges Jutcrcffc an Juden und Judcuthum uv' Lw.i. In den beiden vorige Woche in London abgchalteuen Sitzungen der „United Synagogen" und der „Anglo Jewish Association" wurde das beklagenswerthe Factum constatirt, das; von den nahezu 50,000 jüd. Seelen in London bloß . 6200 Mitglieder der vereinigten Synagoge sind, und daß es namentlich eine erhebliche Anzahl sehr reicher deutschen isr. Familien gibt, die weder zu einer Synagoge gehören, noch zu einer jüd. Wohlthätigkeits- Anstalt etwas beitragen und nur bei Gelegenheit eines Todesfalles sich als Juden zu erkennen geben, so daß ein hervorragendes Mitglied sich äußerte, sie verehren anstatt Gott den n'L.-i und daß eben diese Pietät im Aussterbcn begriffen sei. Das Executiv- Comite ist beauftragt,^ Schritte in dieser Sache zu thun. O, würden doch diese Leute nach dem Ausspruch handeln DDroDj jon o Dn'i£'j?i Dmctpi D’Dj/n ornrui.“ R u ßlan d. Petersburg, 13. Febr. Die hiesige jüdische Wochenschrift „Woßchod" bringt einen neuen Beitrag zu der willkürlichen Behandlung, welcher die Inden im Innern des Reiches immer noch ausgcsctzt sind. Man hatte beschlossen, einer Reihe von y Ictfcii, in denen die Juden dauernder Wohnsitz gesetzlich gestattet war, die Namen von Dörfern zu geben. Zwei Flecken des Tschernigow'schen Gouvernements wurden auf diese Weise in Dörfer umgewandelt; als diese Umwandlung aber geschehen war. erhielten die Juden, die in dem Flecken unbehindert wohnen durften, den Befehl, auszuwandern. Mau meint übrigens in hiesigen jüdischen Kreisen, daß solche Thatsacheu nur zur Kenntniß des Ministers gebracht zu werden brauchen, um eine Abänderung zu erfahren. . Petersburg. In dem weiten russischen Reiche finden sich viele Gegensätze in Bezug auf die Behandlungen der Inden. Während die Juden in dem eigentlichen Rußland allen möglichen.Beschränkungen und Ansuahmsgcsetzen unterliegen, erfreuen sie sich in dem russichen Kaukasus ziemlich vieler Freiheiten und genießen dieselben Rechte mit den andern Einwohnern den Landes. Neuerdings hat der Minister des Unterrichts auf die Petitionen^ vieler daselbst wohnenden Juden die Directoren der Schulen angewiesen, diejenigen isr. Schüler, deren Eltern es wünschen, vom Besuch des Unterrichts am Samstag zu dispcnsiren; nur seien die Ellern verpflichtet, durch Privatunterricht das Versäumte am Sonntage nachholen zu lassen. Kiew. Wie^ Kicw'schc Blätter berichten, hat der Konscil der Kicw'schen Universität den Antrag des Professors Erhardt über Beschränkung der Zahl der Studircndcn mosaischer Konfession an der mcdiciuischen Fakultät auf 10 pCt. angenommen. Es ist sehr zweifelhaft, ob der Konsei! überhaupt ein Recht hat, solches zu thun, denn in den Universilätsstatuten existirt ein derartiger Artikel nicht. Das Ministerinm der Bolksauskläruug dürfte daher diese eigenmächtige Verfügung nicht unberücksichtigt lassen.