Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1884)
- Date
- 1884-02-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449417--19540-2509029- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XXV. Jahrgang. MIO. KI Ern Central-Organ für das orthodoxe Judenthnm. Herausgkgebm von Dr. Lehmann in Main;. Montag. de» ». Februar 5644 (1884). Diese Zeitung erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedeSinal in mindestens 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oestereichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 8 fl. österr., fur'S Ausland 16 Reichs-Mark an die Erpedition franco einzusenden. Inhalt (Hsuptblatt): Leitende Artikel: Zur Charakteristik der Antisemiten in Ungarn. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen - Deutschland: Mainz. Aus Riederhessen. 2 nal München. Berlin. BreSläu. — Oesterr.- Ungar. Monarcbie: Wien. — Rußland u. Polen: Warschau. — Feuilleton: Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners. Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin, -öknrz bei CzerwinSk. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. Tabor. Qedenburg. — England: RamSgate. — Rußland: Petersburg. — Feuilleton: DaS alte Ghetto in Venedig. Inhalt der Illnstrirten Extra-Beilage: Ghetto in Venedig. Originalzeichnung von Herm. Kaulbach. Leitende Artikel. Im GharakleriM der Antisemiten in Ungarn. Von H. K. (Schluß.) Der zweite journalistische. Kämpe der Antisemiten in Ungarn ist Herr Ivan Simonyi, der Redacteur des „Westungarischen Grenzboten" in Preßburg, eines deulschgeschriebenen Blattes. Deutsch geschrieben, wohl; aber in welchem Deutsch geschrieben! Die Original-Artikel des Blattes, vornehmlich jene des Redacteurs, strotzen von grammatikalischen und orthographischen Fehlern, über die sich jeder Schuljunge entsetzen muß. In Deutschland wäre ein so geschriebenes Blatt unmöglich; in Ungarn florirt es und spielt sogar eine gewisse Nolle. Die Deutschen meinen, die sprachlichen Schnitzer Simonyi's wären verzeihlich, da er doch ein Magyare sei; die Magyaren aber behaupten, er sei ein deutscher Sprachgelehrter, was sein mangelhaftes Ungarisch entschuldige. Ob der Mann je eine höhere Schule besucht hat, erscheint sehr fraglich. Das. Maß seiner Unbildung ist jedenfalls ganz unglaublich. Hier ein bezeichnender Zug. In einer der > letzten Sitzungen des ungarischen Abgeordnetenhauses gebrauchte ein Redner das berühmte Wort Mac Mahons auf dem erstürmten Malakoff: „J’y suis, j’y reste,“ ein Citat, das längst überall in der gebildeten Welt als „geflügeltes Wort" acccptirt ist. Herr Simonyi reflectirte später auf das Citat, sagte aber: „Je suis, je reste.“ Spöttisch riefen ihm einige Abgeordnete zu: „Es heißt: „j’y suis, j’y reste.“ „Verzeihung," sagte Herr Simonyi , „aber ich habe das Citat nicht gut gehört." Natürlich verzeichnete das stenographische Sitzungsprotokoll nach diesen Worten „allgemeine Heiterkeit im Hause." Mit solcher sind wohl auch die Zeitungsartikel Simonyi's zu begleiten. Der „Westungarische Grenzbote" hat auch ein Feuilleton, für welches die nothwendigen Artikel seit vielen Jahren auswärtigen Blättern einfach herausgeschnitten werden. Es ist übrigens charakteristisch, daß Simonyi Jahre lang sein Blatt durch einen Juden redigiren ließ, sich mit ihm trefflich vertrug und erst später zu einer besseren Einsicht gelangte. Ivan Simonyi ist ein Mann, der von jeher bemüht war, von sich reden zu machen. Bei seiner geringen Begabung, seinem geringen Wissen und seinen confusen Ideen war das.allerdings schwer möglich. Er erreichte eS selbst in dem kleinen Preßburg trotz verzweifelter Anstrengungen nicht, auch nur eine „lokale Größe" zu werden und siel