Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1884)
- Date
- 1884-01-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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110 die Stadt bis weit in die Ebene hinein, ein Genuß, der ohne Anstrengung und vollkommen gefahrlos erreicht wird, da die bequeme Haupttreppe bis zu dem Dache geführt ist. Im Kellergeschoß, welches 1,60 m aus dem Terrain herausgehoben ist, befindet sich die Wohnung des Castellans, die Kaffeeküche und der Wichsraum, sowie die zum Betriebe nöthigen Wirthschaftsräume» als Kohlenkeller rc. Ferner, aber in vollkommener Abgeschlossenheit von den vorgenannten Räumen, die Küchen- und Mädchenzimmer und Vorrathsräume der Familienwohnungen. - Das Gebäude liegt mit der West- resp. Hinterfront ca. 3,5 m von der Rückgrenze des Grundstücks entfernt, wodurch der Platz zur Anlage der Abortsgebäude geschaffen wurde. Die Vorderfront liegt mit Rücksicht auf die von dort beleuchteten Schul- und Arbeitszimmer nach Osten, die Seitcngiebel berühren die Grenzen, so daß nur Vorder- und Hinterfront freiliegen. Durch diese Situirnng des Gebäudes ist die äußerste Eompendiosität erzielt worden; dasselbe macht dann auch mit seinem lustigen Vestibül, der massiven und bequemen Treppe, den hellen Eorridoren und der großen Uebcrsichtlichkeit einen vortheilhaften Eindruck auf den Beschauer, und zeugt von sorgfältiger Durcharbeitung. Alles ist solide ausgeführt und jeder Luxus streng vermieden worden. Die Fa^ade ist durch zwei weit vorspringende Eckrisalide kräftig gegliedert und macht mit ihrer gelben Verblendung, den Hausteingesimsen und dem maurischen Portal einen würdigen Eindruck. Gleich einfach und compendiös wie das Gebäude ist die innere Einrichtung durchgebildet worden. Ein jeder Schüler erhält einen eignen Schrank im sogenannten Schrankzimmer, mit je einer Abtheilung für Kleider, reine Wäjche, schmutzige Wäsche und Stiefel; in den Arbeitszimmern einen Stehpult mit verschließbarem Bücherschrank, einen Eßschrank im Kaffeezimmcr und ein Regal zur Aufbewahrung des Wichszcuges. Alle diese Möbel sind gleichartig numerirt, so daß eine gute Controlle erzielt werden kann. In den Arbeitszimmern befinden sich noch große Tische und Stühle, ebensolche Tische und Bänke in der Kaffeeküche. Die Subsilien der Schulzimmer sind vom Ingenieur Vogel aus Düsseldorf nach dessen Patenten in Schmiedeeisen mit Holzbeleg hergestellt. Daß mit der Heizung eine kräftige Ventilation aller Räume combinirt ist, mag hier noch Erwähnung finden; gewählt ist das System „Kaiserslautern" welches ja auch eine allgemeine Anwendung bei Schulbauten schon seit Jahren gefunden und fich vorzüglich bewährt hat. Dem Seminargebäude gegenüber,. mit derHauptsront aber nach Süden gerichtet, liegt mit 2 Seiten, der nördlichen und östlichen, an die Nachbargrenzen anschließend, die Synagoge. Für die Architektur derselben ist der maurische Styl gewählt worden. Auf dem 12 m breiten und 14 m langen Bankörper erhebt sich eine von.4 eisernen Säulen getragene Kuppel in Zwiebelform; leider kann man auf dem Grundstück selbst keinen Standpunkt für den Beschauer gewinnen, welcher einen vollkommenen Ueberblick des Ganzen gestattet; sehr entsprechend wirkt dagegen - das Innere. Leider. fehlt noch die Polychromst des Innern, welche ein unablässiges Attribut des maurischen Styls bildet und deren Fehlen deswegen auch sehr störend empfunden wird; vorläufig fehlt es an den nöthigen Mitteln. Die Synagoge enthält außer den Vorhallen und den Garderoben 160 Plätze für Männer und 80 Plätze ^für Frauen. An der Straße ist ein imposandes Portal schon im Rohbau vollendet; der Zugang ist mit Platten sauber belegt, die Grenzmauern sind mit Draht bezogen und mit wildem Wein und Ephen bepflanzt. Von dem Seminargebäude befinden sich zum Gebrauche für die Familien zwei getrennte Gärtchen, so daß das Ganze einen ebenso gediegenen wie anmuthenden Eindruck macht. Bei der geschäftlichen Behandlung ist die peinlichste Sparsamkeit Gesetz geblieben; dieser ist es denn auch zu verdanken, daß die Herstellungskosten sehr niedrig sind: Das Terrain kostet: 65,000 Mk. Das Seminargebäude kostet, soweit sich bis setzt absehen läßt, bei einer Grundfläche von 325 q® incl. der Terrainansüllung, der Grenzmauern, der Wege und Gartenanlagen rund 75000 Mk. Die innere Einrichtung, die vollkommen nen beschafft wurde, rund 12000 Mk. Die Synagoge in ihrem jetzigen Zustande, die aber nicht aus Seminarmitteln, sondern von der Religionsgesellschaft Adaß-Jefchurmn erbaut ist, kostet rund 17000 Mk.