Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1884)
- Date
- 1884-01-21
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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- Odesa 1× ep/1000834
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— 58 — IDie 1&11# Jerusalem, Jen 27. Elal 5tVU>. Indem ich Ihnen hiermit Abrechnung über die mir gesandten und zum Besten der russischen. Flüchtlinge verausgabten Summen überreiche, gestatten Sie mir wohl einige Worte als .Erläuterung hinzuzufugen: Wie Sie wissen, sind von den Comite’s in London und Paris grössere Summen zur Verfügung gestellt worden, um die Flüchtlinge in ihre Heimath zurück zu befördern. Bevor dies Geld ankam, war es meine Aufgabe, unter den dringenden Fällen die dringendsten zur Unterstützung auszusuchen. . . Während jene Fonds '(circa sechszehntausend Francs; ihrem Zwecke gemäss verwendet wurden, konnte ich aus Ihren Mitteln die jungen Leute bedenken, die sich einem Handwerke gewidmet hatten, und jetzt, da der Reisefond leider erschöpft ist, muss ich wieder auf meine alte Aufgabe zurückgreifen. Ich gestehe Ihnen offen, geehrter Herr Rabbiner, dass ich der Sache herzlich müde bin; ausnahmsweise kann ich mich ihr nicht entziehen, aber ich würde es als eine Wohlthat betrachten, ganz davon befreit zu sein. Nicht dass ich meiner Pflicht Genüge gethan zu haben glaube, wenn ich nun bereits an die anderthalb Jahre unseren unglücklichen Brüdern unendliche Opfer an Zeit und Mühe bringe; diese Thätigkeit hat nicht durch meinen Willen, sondern durch die Macht der Umstände ihren Abschluss gefunden. — Wer nur irgend tüchtig war, wer noch ein Gefühl.in seiner Brust trug für das Entwürdigende dieses Zustandes, der wählte lieber die Rückkehr in das alte Sklavenland, als dass er länger anf dem heiligen Boden das vergiftete Brod der Mission genossen hätte. Sic ersparen mir die Schilderung derer, die zurückgeblieben sind, welche das Haupt der hiesigen Bekehrer, einen abtrünnigen Juden, als ihren Herrn verehren. — Der Anschlag eines Theiles derselben auf den ehrwürdigen Rabbi Samuel Sa laut hatte sie genügend gekennzeichnet. Von diesen Kreisen also muss ich mich fern halten. Dagegen war es mir eine grosse Freude, vor Kurzem eine Mutter mit sechs Kindern nach Odessa senden zu können, welche durch den würdigen Vorsteher vom Ko lei Horodeo, Herrn Jsrael Horwitz, bewogen wurde, mit ihren Kindern aus der Mission auszutreten. Den Mann hatten wir stimmt der Familie vor einem Jahre znrückgeschickt, nun war er wieder gekommen, um wenige Wochen nach seiner Ankunft plötzlich zu sterben. Einen jungen Mann, der bereits dreizehn Monate in der Mission weilte und dicht vor der Taufe stand — er war sogar wegen seiner Fähigkeiten zu der edlen Laufbahn eines Judenbekehrers bestimmt!!! — habe ich mit vorläufigen Unterhaltungskosten und einem Billet nach Odessa versehen. Ich verhehle nicht, dass ich mein Misstrauen gegen solche Menschen nicht zurückdrängen kann, aber vielleicht ist doch hier einem fast Verlorenen der Weg zur Rettung geöffnet, und auch dieses Vielleicht ist schon eines Opfers werth. Selbstverständlich sind solche Fälle nicht häufig, sie kommen aber doch hin und wieder vor. Schon ist mir neuerdings ein reuiger Jüngling aus