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Der Israelit · 1884-01-21 · Heft 6 (21.1.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 6 (21.1.1884)
Date
1884-01-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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geehrten Geburtstage Montefiorcs, fo wird von dort berichtet, war es. als die Häwter der jüd. Gemeinden Jerusalems sich zur Feier des bedeutungsvollen Tages versammelt batten, und die Vorlage zur Eonftitnirung eines Vereins n'i^n rv.00 m^n) „Zur Ehre Moses und Judith" mit grobem Wohlwollen aufnahmen. An der Spitze des Vereins stellten sich der Oberrabbiner der Aschkenasim. Samuel Salant. Die Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland.. Hannover, 45. Jan. Jeder bi Leser Ihres geschätzten Blattes wird mit Betrübniß von dem Vorgehen der Mission in Jerusalem und dem unheilvollen Gelingen ihrer Bestrebungen Kenntniß genommen haben. Es war ein trauriges Loos, das der russischen Emigranten in Jerusalcln harrte. Entblößt von allen Mitteln, sich in fremdem Lande eine Existenz gründen zu können, reichten die Unterstützungen, welche die Gcmeindekaffe in Jerusalem den mnx tv "w bieten konnte, nicht dazu aus, der unsäglichen Noch auch njw 'p steuern zu können. Verzweiflung trieb die Unglücklichen zu einem unseligen Schritte — in die Hände der Mission. Während lue armen Emigranten durch die geheuchelte Humanität der Miflion das Leben vor Verderben zu retten wähnten, stürzten sie sich in ein größeres Verderben — in den Nachen der Scelenfängcr. Denn früh genug trat die Mission mit ihren wahren Absichten an's Tageslicht. Die von ihr Unterstützten mußten Vorträge der Missionsprediger anhören. Ihre Kinder mußten die Emigranten dem Molach weihen, sie in die Missionsschule schicken. Welch' jammervolles Geschickt- Vergebens eiferten die Nabbinen in Jerusalem gegen das schändliche Vorgehen der Mission. Ihre schwache Waffe, der verhängte Cherem auf alle diejenigen, welche von der Mission Unterstützungen annehmen, zersplitterte gegen die mächtige Waffe der Mission, gegen den alles blendende Mammon. Vergebens warnte der „Chawazeleth" die Emigranten vor den heuchlerischen Missionären. Wobl sind die edlen Gönner Jerusalems, die Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer, Dr. Lehmann, Dr. Salvendi u. A. auch hier hülfreich eingetreten, allein bei der Große des Elends war es nur momentane Hülfe. Eine beständige Abhülfe war nothwcndig, dringend. Der hundertste Geburtstag des gefeierten Philanthropen und Fürsten Jerusalems, ■'"« n’fj, Moses Montefiorcs, rief in den Herzen aller Verehrer dieses Mannes und aller Zionsfreunde den Wunsch wach, ein dem Helden würdiges Denkmal, eine wohlthätige Stiftung zur Verewigung des Namens Montesiores zu schaffen. Während aber noch viele darüber nachsinnen und prüfen, welches Werk dem Streben Montefiorcs am meisten entsprechen dürfte, haben die jüd. Gemeinden Jerusalems ein solches geschaffen. Am 48. Marchcschwan, an dem hundertste interne Leitung wurde in die Hand 13 vertrauensvoller Männer gelegt, die wohl geeignet sind, dem Vereine eine Zukunft zu schaffen. . Wie au* den wohlgeordneten, ganz nach curo- 1 päischem Muster verfaßten Statuten zu ersehen ist,! hat sich der Verein zur Aufgabe gestellt, Arbeit, Handwerk und Geschäft unter der jüd. Bevölkerung Jerusalems zu verbreiten und zu heben. Zunächst . richtet der Verein sein Augenmerk auf die russischen Emigranten — ö'rru miy1? —, deren oben geschildertes Elend hauptsächlich das Entstehen des Vereins veranlagte. Diesen will der Verein die Mittel in die Hand geben, sich durch Fleiß und Arbeit ihren Unterhalt beschaffen und ihren.Kindern eine angemessene Erziehung zukommen lassen zu .können. Der Jugend bietet der Verein hülfreichcn Beistand, besonders' beim Erlernen eines Handwerks; es sollen aber die Bestrebungen des Vereins in derselben Weise der gesammten jüdischen Bevölkerung zu Gute kommen. Es ist wahrlich ein großes Werk, das hier kn's Leben gerufen ist. Es ist ein Werk das ganz in dem Sinne Montefiorcs geschaffen und daher wohl das regste, ungethcilte Interesse verdient. Man wird sich wohl Noch dessen erinnern, mit welchen Opfern der edle Montefiore vor vielen Jahren dahin strebte, Arbeit und Handwerk unter der jüd. Bevölkerung Jerusalems zu fördern. Die jüdische Bevölkerung war damals noch nicht reif, die Wohlthat und den Segen eines solchen Strebens anzuerkennen. Welch' erfreuliche Thatsache ist cs nun, daß jetzt die gesammte jüd. Einwohnerschaft in Eintracht und Harmonie aus eigenem Antriebe und aus eigenen spärlichen Mitteln ein solches Werk geschaffen. Wenn man aus dem Berichte des Vereins ersieht, welche allgemeine Tbcilnahme die jüd. Bevölkerung Jerusalems dem Verein entgegenbringt, wie Leute, die selbst mit Entbehrungen zu kämpfen haben, ihr Scherflein, sei cs auch nur einen Beitrag von 3Pfg. wöchentlich, dem Vereine opfern, so ist es ebenso erfreulich wie rührend. Jetzt scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein, da auch unsere Glaubensgenossen in anderen Ländern sich des lange gehegten Werkes annchmen und die

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