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Der Israelit · 1884-01-21 · Heft 6 (21.1.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 6 (21.1.1884)
Date
1884-01-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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84 bnngsvollen Leitung einen so erfreulichen Aufschwung genommen. Durch die Schenkung des Herrn Julius Ha r f f s. A., welche in zwei Häusern in Ehrenfel d, einer Vorstadt Kölns, bestand, wurde die Anstalt veranlaßt, dorthin überzusiedeln, um bald nachher in der Stadt selbst in gemiethetcn Räumen ihren Wohnsitz zu nehmen. Jetzt nun ist es endlich gelungen, unter göttlichem Beistände durch die Opfer- Willigkeit der vielen Freunde der Anstalt für diese ein großartiges, monumentales Gebäude herzustellen, das den hohen Zielen entspricht, die eine echt jüdische Lehrerbildungsanstalt sich zu stellen hat. Die eigentliche Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Plato. Eine volle Stunde lauschte die Versammlung den Worten des gewandten Redners in gespanntester Aufmerksamkeit. Derselbe knüpfte au die Einweihung der Stiftshütte an. Unsere Weisen machen itn Midrasch die Bemerkung, daß in den Versen 4. B. M. C. 7 B. 13 und V. 17, beim Opfer des Nachschon ben Aminadab bei den Worten urnpi und D’-nny sich jedesmal ein. überflüssiges Waw befindet und. deuten diesen Umstand dahin, daß sich das auf sechs Nachkommen Nachschons beziehe, deren jeder mit sechs Segnungen gesegnet worden sei. Von David heiße es (1. B. Samuel E. 16, V. 18: „Siehe, ich kenne einen Sohn des Jsai aus Bethlehem , der Harmonie kundig, einen tapferen Helden, einen Mann des Krieges, der Rede verständig, einen Mann von schöner Gestalt, und Gott ist mit ihm." Vom Messias heißt es (Jesaias C. 11 V. 1 u» 2): „Und es wird ausgehen ein Zweig vom Stamme Jsai's und ein Sprößling wird aus feinen Wurzeln wachsen, und es wird ruhen auf ihm der Geist des Elvi gen: ein Geist der Weisheit und Vernunft, ein Geist des Rathes und der Stärke, ein Geist der Erkenntniß und der Gottesfurcht." Von Daniel, Chanania, Mischael und Asaria heißt es (Daniel E. l B. 3 u. 4): Und der König befahl, ihm Jünglinge ans dem königlichen Hause Israels ausznsnchen, an denen kein Fehl sei, die schön von Ansehen und verständig in jeder Weisheit, die da kennen Wissenschaft, die da geeignet seien, Kenntniß zu verbreiten, und die Kraft genug besitzen, zu stehen im Palastc des Königs und sie zu lehren die Literatur und die Sprache der Chaldäer." An diesen Segnungen und Erfordernissen führte der geistvolle und gelehrte Redner die Ziele vor, die eine Lehrcrbildi ngsanstalt im Auge haben soll. Der zuletzt angeführte Satz namentlich findet seine Anwendung auf unsere Zeit. Jene jüdischen Prinzen lebten nicht mehr auf heimathlichem Boden, im jüdischen Staate. Daher hatten sie die Pflicht, sich mit der Sparche und Literatur ihrer neuen Heimath zu beschäftigen. Auch in der Gegenwart muß der Lehrer neben der zu allererst erforderlichen Grundlage des religiösen Wissens auch die durch Zeit und Ort gebotene wissenschaftliche Ausbildung erlangen. Zugleich mit der Liebe zu unserem angestammten Glauben müsie auch die Liebe zum deutschen Vaterlande und zu dem erhabenen Beherrscher desselben gepflegt werden. Hieran schloß der Redner das Gebet für den Kaiser, das kaiserliche Haus, die hohen Behörden und das deutsche Vaterland. Herr S. Mannsbach, der verdienstvolle Rendant der Anstalt, dessen, eifriger Initiative der größte Theil der Spenden zu verdanken ist, richtete darauf eine tiefergreifende Ansprache an die Versammelten, in welcher er die hohen Verdienste der bereits verstorbenen Gründer und Mitglieder des Vereins dankbar 'te. Wir nennen die Herrn S. H. Prag von » cldorf, Mabbiner Dr. Frenkek von (W eii) Frankfurt a. M. und M. I. Marx von Cöln. Nachdem Herr Mannsbach seine Rede geschlossen und die Seminaristen schon bereit standen, den Schlußgesang, anzustimmen, richtete das Curätorkum an uns die ehrenvolle Aufforderung, einige Worte an die Versammelten zu richten und als auch Herr Dr. Plato sich diesem Ersuchen anschloß, kamen r ir demselben gern und freudig nach. Auknüpfend an eine Erzählung unserer Weisen im Traktat Berachoch f. 3a wiesen wir auf den langen und beschwerlichen Weg hin, den Israel durch die Jahrtausende hindurch, zu wandern habe, auf die vielen und schweren Kämpft mit äußern und mit inner» Feinden und auf die langsame, oft unscheinbare, aber alle Kräfte in. Anspruch nehmende Arbeit, deren unendlich große Aufgabe es ist, dahin zu streben, daß keine Lücke eintrete in die Reihe der Geschlechter, von denen es heißt (Psalm 113, B. 4): „Ein Geschlecht wird dem andern preisen Deine Thaten, und Deine Hekdenwerke werden sie verkünden." Mit dem Schlußgesange der Seminaristen schloß dieser Theil der Feier. Es folgte nunmehr die Besichtigung des Hauses unter der Leitung des Erbauers desiclben, des Herrn Architekten B rö ckmann. Sowohl das Seminargebäude als auch die schotte praktische Einrichtung desselben, bei der sämmtliche Vortheilc, welche die moderne Wissenschaft an die Hand gibt, benutzt worden sind, fanden allgemeine Bewunderung; ebenso die prächtige Synagoge, welche sich im Hase des Seminargebäudes befindet. Um 3 Uhr Nachmittags versammelte sich ein großer Theil der Festtheilnehmer, 160 Personen, im Louisensaale zu einem Festessen. Die Reihe, der Toaste eröffnete Herr Rabbiner Dr. Plato mit einem mit Begeisterung ausgebrachten und ebenso

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