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Der Israelit · 1884-01-17 · Heft 5 (17.1.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 5 (17.1.1884)
Date
1884-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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66 Mit Lebensgefahr zieht er aus, um den gefangenen Lot zu befreien, mit geringer Schaar nimmt er den Kampf auf gegen vier mächtige, siegreiche Könige. —' Für Abimelech, den König von Gerar, der ihm sein Weib geraubt hätte, betet er, nachdem dieser, durch .Krankheit gestraft, ihm die Gattin znrückgegeben hatte. „Und es betete Abraham zu Gott, und Gott sandte Heilung dem Abimelech und den Seinen." Und wie in Abrahams Leben das Prinzip der weitgehendsten Menschenliebe vorwaltete, so hatte Jizchak die Gerechtigkeit zur Grundlage seines Handelns und Thuns, gemacht. Sein Grundsatz war min pn nn 3-p' „das Recht muß Recht bleiben und alle entgegenstehenden Hindernisse überwinden." — Nur dcßhalb bevorzugte er den Esaw; denn dieser war der Erstgeborene. .Wohl hatte er Ursache diesem zu zürnen, der götzendienerische Frauen in sein Haus gebracht hatte — ein Kummer, der ihn noch schwerer traf als seine fromme Gattin. *) Trotzdem war das Nechtsgefühl. in ihm so. stark, daß er dem ungerathenen Sohne den Segen und die. Bevorzugung nicht entziehen wollte. Und als er gewahrte, daß er den jünger» Sohn gesegnet hatte min pnsp mm "ino ny rrna, „da erschrak Jizchak — es kam über ihn ein großer Schrecken gar sehr", denn er fürchtete, das Recht verletzt zu haben. Als er, lehren die Weisen im Midrasch, gebunden auf dem Altäre lag und das Schlachtmesier am Halse fühlte, war sein Schrecken nicht sogroß gewesen. Erst» als Gottes Stimme ihm zurief 'w iro 02, „Du hast Recht gethan, hast den gesegnet, dem der Segen gebührt," beruhigte er sich und bestätigte später ans freien Stücken die den Jakob crtheilten Segnungen. Mehr als die Liebe und mehr als das Recht, ist die Wahrheit; sie ist die Grundlage, auf der die Liebe und das Recht beruhen müssen, sonst wird die Liebe eine verfehlte und das Recht zum Unrecht. Die Liebe Abrahams wollte dem auf Abwege gerathenen Iischmaäl nicht wehe thun und hätte dadurch fast den Bestand seines Hauses gefährdet, wäre Sarah nicht eingctretcn und hätte Jizchak vor der Verführung durch den älteren Bruder geschützt. Das unbeugsame Nechtsgefühl Jizchaks wollte dem entarteten Sohne Esaw nichts entziehen und hätte beinahe die Zukunft seines Hauses untergraben, wäre Niwkah nicht für den edlen, frommen Sohn ekngetreten. Jakob aber erzog alle seine Kinder zur Wahrheit und für die Wahrheit, und als sie sein Sterbelager umstanden, da konnten und dursten sie es aussprechen: „Höre, unser Vater Jisraöl, der Gott, der dein Gott ist, Er ist auch unser Gott. der. einzige Gott!" — Und der glückliche Vater richtete sich auf in seinem Bette und sprach : ..Gepriesen der Name der Herr- *) Vergleiche ^"sre l'Jjadjaimm zu 1 B. M. 6. 26 B. 3-». lichkeit Seiner Negierung immer und ewig!" — Immer und ewig — jetzt hatte die Wahrheit eine dauernde, eine ewige Stätte gefunden auf Erden kn den Herzen der Söhne Israels. Liebe,. Recht und Wahrheit sind die Grundsäulm der sittlichen Weltordnung; sie sind vereinigt in dem Volke, das von den Vertretern dieser großen Grundsätze, von Abraham, Jizchak und Jakob stammt. „Gelobt sei Gott, der die dreifache Thora dem dreifach geeigenschafteten Volke verliehen hat." Die Mizwoth, die uns Gott gegeben, sind die Zeichen der Liebe, die..uns mit Ihm verbindet, die Mischpatim sind die Zweige, Blüthen und Früchte, die auf dem Baume des Rechts gewachsen, und die Beobachtung der Chuckim ist der Beweis, daß wir die ewige Wahrheit anerkennen. (Fortsetzung folgt.) Briefe aus Ilrrgam. . ir. Preßburg, 13. Tebeth. Wie oft aber auch vow deutscher Seite in der wohlwollendsten Absicht in dem in meinem ersten Briefe gezeichneten Sinne einer vernünftigen Umgestaltung der bestehenden Verhältniffe das Wort geredet wurde, so kann man stets'— da eine sachliche Widerlegung der gerügten Mißstände nicht möglich ist — den fast stereotyp gewordenen Einwurf aus den leitenden Kreisen der hierländifchen Orthodoxie hören: .,Ja, die kennen die dasigen Verhältniffe nicht,. diese wissen nicht, wie die Gemeindezustände l in Ungarn beschaffen und beurtheilen sie nach ihren i eigenen." — Daß aber dem nicht so ist, daß vkek- , mehr die Vertreter und Vorkämpfer des orthodoxen : Princips in Deutschland über die nng.-jüd. Verhält-! nisse sehr wohl, ja vielleicht besser als die Leiter; eben dieser Partei in Ungarn unterrichtet sind, davon zeugt uns unter Anderm schon allein die Thatsache. daß keiner derselben — so viel uns bekannt — sich für die Abschaffung der , Jeschlboth und deren Ersetzung durch ein nach deutschem Muster eingerichtetes Rabbiner-Seminar ausgesprochen, sondern stets und immer nur eine zweckentsprechende, heilsame Reorganisation der Jeschiboth in einer Weise,.die gerade ihre Fortexistenz den reformistischenRabbiner- S e m iü a r i e n g e g e n ü b e r v e r b n r g e n kö n n t e, einzig und allein als zwingende Zeitforder u n g beton en. So oft, in diesen. Blättern von einer Umgestaltung des jetzigen Jeschibah Wesens

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