Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1909)
- Date
- 1909-12-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Dezember 1909. •**'"_;.~* . \;±\" :'*/-rV;^;T,^ _'r'-"’‘V--W- Der JSraM * Seite 11. Ro . 51 ÄZr. GüttmannS auf dem Breslauer Judentage fall 7 in 5000 Exemplaren bezogen und an die Mitglieder der Vereine verteilt werden. Die dyn dem Frankfurter „Montefiore-Beretn" eingerichteten gemeinschaftlichen Freitagabene werden den Verbandsvereinen zur Nachahmung empfohlen. Ehenso soll auch die Veranstaltung von gemeinschaftlichen Sederabendrn angeregt worden. Die praktische Ausführung jedes einzelnen dieser Programmpunkte wird mit innerer Notwendigkeit den Widersinn des konfessionslosen, „neutralen" Judentums erweisen, daS in Wirklichkeit nichts anderes bedeutet als daß abwechselnd Grundprinzipien des überlieferten Judentum- oder modern „freisinnige" Anschauungen — verleugnet werden. Daß nicht nur das kompromißlüsterne, vom Leben saturierte Alter, sondern auch die Jugend zu solcher Umneblung aller religiösen Klarheit erzogen werden soll, ist eine überaus traurige Erscheinung. Entgegenwirken können ihr die gesetzestreuen Kreise im Jntereffe der Gesamtheit nur durch positiven idealen Wettbewerb, durch verdoppelte Rührigkeit und zähe Organtsationsarbeit. * Emde«, 14. Dezember. Gestern Abend hatte der „Asylveretn für hilfsbedürftige Mitglieder der hiesigen Synagogengemetnbe" aus Anlaß des 25jährtgen Bestehens des israelitischen Asyls D'BION? ncriD rra zu einer Jubiläumsfeier nach dem Tivolisaale eingeladen, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Die städtischen 5kollegten, die dem segensreich wirkenden Verein seit seiner Gründung fördernde Sympathien entgegenbrtngen, hatten auch gestern Abend Vertreter entsandt» die auf das freundlichste vom Beretnsvorfitzenden Herrn Iako b P els zusammen mit den übrigen Ehrengästen begrüßt wurden. Ein finniger Prolog, von HerrnjjR i e s aus Bunde gedichtet und von Fräulein Adler verständnisvoll vorgeirazen, leitete das Jubiläumsfest ein. Herr Pels gab dann in seiner Begrüßungsansprache einen kurzen geschichtlichen Ueberbltck über die Tätigkeit des Vereins, der aus kleinen Anfängen frisch emporgewachsen sei und nunmehr daran denken könne, der Heimstätte hilfsbedürftiger Glaubensgenossen auch äußerlich ein neues Bild zu geben. Der Redner schloß mit einem Katserhoch, nachdem er das Telegramm wiederholt hatte, mit dem des großen Kaisers Gemahlin Augusta einst aus Koblenz die Begrün sung des Vereins begrüßt hatte. Herr Landrabbiner Dr. Löb feierte nach ernster Würdigung der schönen Ziele des Asylvereins und nach dankbarem Aufblick zu dem Lenker der Welt, der die Arbeit der Stifter und des Vorstandes so fichtbarlich gefördert, die gegenwärtigen Leiter der Wohlfahrtsanstalt, insbesondere Herrn Jakob PelS, der allein noch von den zehn Gründern unter uns weile. Herr Senator I. v. Bollhuts Smeding überbrachte die Glückwünsche des Magistrats und gab als Dezernent deS städttschen Armenwesens seiner besonderen Freude über die ihm gewordene Einladung Ausdruck. Für das Bürgervorsteher-Kollegium sprach dessen Wortführer Dr. Zorn. Damit war die Reihe der Festreden beschlofien und hübsche Aufführungen eines packenden BolksstückS und lustiger Posten folgten. Reicher Beifall errang sich Herr Oberkantor Weiß mit zwei Ltebervorträgen. Nach wetteren mustkaltschen Gaben übergab Herr Katzenstein dem Asyl ein großes Porttät des bewährten Borfitzenden Herrn Pels, dem er noch lange Jahre des Glücks und gesegneter Arbeit wünschte. Karlsruhe, 7. Dez. In dem Verein ÜTW hielt vergangenen Sonntag Herr Samson Bunenwteser etnm Vortrag über das Thema: „Fraüenfrage und Judentum". Der Redner führte u. a. aus, daß im heutigen Zeitalter der Industrie und Technik sich die Frau mehr dem Alltagsleben widmen könne und müsse. Das Bestreben, unsere Töchter in die Stadt zu verheiraten, sei aus verschiedenen Gründen zu bedauern, weil es mit dazu bettrage, daß die jüdischen Landgemeinden immer mehr abnehmen und etngehen Der Redner kam auch auf die Schwierigkeiten der Verheiratung jüdischer Mädchen sowie auf die Zunahme von Mischehen zu sprechen. Alsdann zitterte'Herr Buttenwteser Stelle» aus oen Werken der Schriftstellerin Ellen Key, um fie den biblischen Frauengestatten und der jüdischen Anschauung überhaupt, g'geyüberzustellen. An den Bortrag schloß stch eine lebhafte uyd anregende Diskussion an, welche noch manches tnterefsame Moment in dieser wichtigen Frage ergab. Die zahlreiche Beteiligung an dm Bortrage sowie der Schturtm gaben zu erkennen, wie eS der Verein versteht, seiner Devise: ro D'iTini»*? 0"N yv gerecht zu werk n. I. P. Mannheim, 15. Dezember. Im »Bere in für jüdische Ge schichte und Literatur" sprach am Montagabend Herr Provinztalrabbiner Dr. Bamberger auS Hanau über „Rabbi Metr aus Rothenburg". Dieser hervorragende Gelehrte, so führte der Redner aus, der. nicht nur wegen seiner' w ffenschastltchen Bedeutung, sondern auch wegen seines tragischen Geschicke« eine interessante Persönlichkeit ist, wurde im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts wahrscheinlich in Worms geboren. Seinen Beinamen „auS Rothenburg" hat er von dem Ort, an welchem er am längsten gewirkt hat. Daß er, wie manche -behaupten, von Kaiser Rudolf zum Obe.rabbtner der de. tschen und iranzösischen Juden ernannt worden sei, ist Äbtzt zp erweisen - seine Wirksamkeit allerdings erstreckte sich nicht nur auf Deutschland und Frankreich, aus den entferntesten Orten wurden an ihn, als an eine allgemein anerkamtte Autorität, Anfragen religiöser Art gerichtet, Änd wir besitzen Sammlungen seiner zahlreichen Gutachten, die stch auf die verschied, nsten Gebiete deS relt- Stftfen Lebens beziehen. Die Leiden, welche die Juden amalS in Deutschland zu erdulden halten, veranlaßten viele zur Auswanderung und auch Rabbi Meir beschloß im Jahre 1286 mit seiner Familie und seinen Freunden nach dem Morgenlande zn ziehen. Kaiser Rudolf, der von der Auswanderung so vieler seiner „Kammerknechte" eine Schädigung seiner Finanzen befürchtete, wollte derselben einen Damm entgegensetzm, und eS scheint, baß aus diesem Grunde R. Metr, der schon in der Lombardei angekommen Ivar, durch dm Grafen Meinhard von Görz verhaftet und auf Befehl deS Kaisers nach Enfisheim, später nach der Burg Wafferburg im Elsaß gebracht wurde. Wenn auch seine Haft eine milde war, so lastete der Berlust der Freiheit -och schwer auf seiner Seele. Die Anerbietungen seiner Glaubensgenossen, chn durch hohe Geldsummen auSzulöien, lehnte er aber starb 1293 im Gefängnisse. Auch nach seinem Tode hielt man, um ein Lösegeld von den Juden zu erpreffen, die Leiche zurück und erst im Jahre 1807 gelang es einem edlen Manne, Alexander Wimpfen aus Frankfurt a. M., mit Auf Opferung seines ganzen Vermögens die Herausgabe der Leiche zu erwirken, wofür er stch als Entgelt nur ausbedang, an der Sette des Rabbi auf dem Wormser Friedhofsetn Grab zu erhatten. — Mit einem Ueberbltck über die Schriften R. Metrs, der auch als liturgischer Dichter chervortrat, schloß der Redner seinen äußerst intereffantm und lehrreichen Bortrag. Würzburg. 14. Dez. Am Sonntag, 12. Dezember fand hier im Saalbau deS Hotel Goldschmidt die erste unter Beteiligung weiter Kreiser begangene C h a n u ck a feter der „Israelitischen Kinderbewahr Anstalt" statt. Der große Saal vermochte kaum die Zahl aller Erschienenen zu faffen. Die rührige Borsiandsbame Frau H. Rosenthal ervffnete den Abend mit einer Ansprache an daS Publikum und dankte allen Erschienenen für ihr herzliches JNtereffe. Nach kurzer Pause, während der die Kinder der Anstalt auf einem Podium gruppiert wurden, erhob stch der Borhang zum zweitenmal und ein herzerhabendes Bild bot sich den Augen: die Kinder mit ihren freudestrahlendes Gestchern in schöner Festeskletdung. Hierauf ergriff der Kassierer deS Vereins, Herr Hermann Buxbaum, das Wort zu einer warm empfundenen Ansprache, die den Kleinen Ursache und Bedeutung des ChanuckafesteS, den „Großen" den tiefen Ginn desselben vor Augen führte und in der Erkenntnis gipfelte, daß im begeisterten Kampfe für die Ideale auch mit kleinen Mitteln Herrliches angestrebr und gegen Uebermacht erreicht werden kann. Nach Entzündung der Lichter und dem von den Kindern vorgetragenen 'jijnV fanden noch gelungene Borträge und Splelauf.ührungen der Kinder statt, worauf Herr Rabbiner Bamberger in einem Schlußworte seine Freude über die gewonnenen erbebenden Eindrücke kundgab, den echt jüdischen Geist der durch Frl. Stern geleiten Erstehung hervorhob und dem Wunsche Ausdruck verlieh, daß dieser Geist der Anstalt stets erhalten bleiben möge. Nun wurden die Kinder noch durch reiche Geschenke bedacht und es war eine wirklich freudige Stimmung, die stch aller Anwesenden, bemächtigte. Samter, 19. Dez. Am letzten Tag. raun fand in der hiesigen Chewra rDO ein qvd auf rtt'OVD statt. Zunächst wurde das Geber verrichtet, alsdann trug Herr Rabbiner Dr. W r e s ch n e r die letzten Teile von pjjpip' vor und erklärte die letzte Mischna in sehr sinnreicher Weise. Hieran schloß sich ein Festesten und gemütliches Zusammensein der Mitglieder. ES wurden noch rmn ^31 gesprochen und jüdische Gesänge vorgetragen. Möge der Verein noch lange blühen und gedeihen. Antwerpen, 11. Dez. Am letzten nav ’KSttD hielt der „Verein zur Pflege der Interessen der jüdischen jungen Leute in Antwerpen" (CPTina maon) in den Lokalitäten deS Restaurant Meyer seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Nachdem stch weitaus der größte Teil der Mitglieder eingefunden hatte, eröffnete um 9 Uhr abends der P ästdent des Bereins, Herr Dr. A. RoSner die Sitzung. Er begrüßte mit kurzen Motten die Anwesenden und entrollte ein anschauliches Bild von der Tätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre. Es wurden regelmäßige Sch urtm abgehatten, bet denen /DTOVD auch VO1N bet guter Beteiligung gelernt wurde. Am besten war der njwYan besucht. Nachdem er mit warmen Worten die Gafte aufgemuntert hatte, die Schiurim mehr zu unterstützen, ertettte er dem Schatzmeister, Herrn L. Strohbinger, daS Wort zur Ablesung deS Koffaberichtek. Die Jahresemnahmen setzen stch hauptsächlich aus Mitgliederbeiträgen zusammen. An Spenden waren nur ca. 50 Frcs. zu ver etchnen. Als Kaffenbestand wurde 255,75 Fres. angegeben. Nachdem der bisherige Vorstand sein Amt niedergelegt hatte, mußte \u einer Neuwahl gechrittcn werden. ES wurden von )en 5 Vorstandsmitgliedern 4 wtedergewählt, sodaß der etzige Vorstand sich auS folgenden Herren zusammensetzt: Dr. A. Ros ner, Präses- L. Strob ln ger, Kasierer - N. L e v i, Beisitzer und H. U l l m a n n und Ph. PrinS, Sekretäre. Budapest, 13. Dez. Am 12. Dezember, abends 7 Uhr, bat die hiesige unter Leitung ihres rühmlichst bekannten Radbumer Herschkovits J"OB23 beendet uno aus diesem Anlasse ein erhrbenoes Stjuinfest veranstaltet.' Nach dem QVD hielt Rabbiner HerschkowttS einen halachischen Borrrag in geist.eicher Weise die Schlußworte der J"i30D mit der ersten rOPD verbindend. Nachher folgte einr glänzend gelungene Hl2CD an der über 100 Personen tetlnahmen. Herr Z gnatz Braun begrüßte im Namen des Vorstandes die Gäste, worunter auch ein'ge tllustre Persvnltchketn waren, und die BereinSmitalieder. und hielt, an die Schlußworte der beendeten J13DÜ anknüpfenb, eine mit vielen schönen exegetischen Auflegungen gewürzte Festrede, worauf Rabbiner Herfchkowitz in einer meisterhaften und inhaltsreichen Rede antwortete. Sehr tteffend sprachen noch die Herren Rabb.ner Feldmann, Dr. Adler, Mayer Freund und vi le andere, und wurden auch nahmhaste Be rüge für die ÄN2N für die armen mifl uud für p# gespendet. r Personalien. Wiesbaden, 20. Dez. Kommenden lppl 'o rot? sind 40 Jahre ve flössen, seitdem unser allverehtter Rabbiner Herr Dr. L. Kahn als Rabbiner der altiSraeltttschen Kuitusgemeinde tätig ist. Im Jahre 1869 wurde er hterherberufen, um in unserer Weltkurstadt, wo ein Dr. Abraham Geiger gewirkt, das Banner deS altüberlieferten Judentums wieder aufzupflanzen. Mit der Aufopferung seiner ganzen Person und voller Selbstverleugnung machte er sich an daS große Werk und schuf auf steinigem Boden eine nbnp/ in der der altjüdische Geist wieder auflebte. Um sich allen Huldigungen, die ihm seine dankbare Gemeinde zugedacht hatte, zu entziehen, verbttngt er diesen Tag in stiller Zurückgezozenhett bei seinen Kindern in Fulda. Möge es ihm vergönnt sein, noch viele Jahre in ungeschwächter Kraft und voller Gesundheit zum Segen seiner Gemeinde und deS Gesamtjudentums zu wirken, mwi w "jntp 't X. Stuttgart, 20. Dez. Durch Verfügung des Kgl. Ministeriumfür Kirchen und Schulweien ist Herrn Rabbiner Dr. M Kahn in Eßlingen das BeztrkSrabbtnat Mergentheim üvertragen worden. — Die Gemeinde Freudenthal, deren Rabbiner der Genannte war, hat demselben einen silbernen Pokal durch die Herren Vorsteher überreichen lassen. Kiel, 9. De;. Als Rabbiner der hiesigen Gemeinde ist der bisherige Prediger der Kieler israelitischen Gemeinde, Herr Dr. Cohn von der Regierung anerkannt worden. Laudeck (Wpr.), 3. Dez. Der älteste Veteran unserer Stadt, Herr Rentier Abraham Levy, wurde gestern Mlr mtttlättschkn Ehren zu Grabe getragen. Da Herr Levy eine sehr populäre Persönlichkeit war, geleiteten seinen Sarg viele Angehörige aller Konfesstonen. Herr Rabbiner Lew ko witsch - Schnetdemühl hielt eine eindrucksvolle Leichenrede. Goldbach, 7. Dez. Am letzten 712V 2*1P haben wir eine wahre rttflt' Frau Dtna Löwenthal, zur letzten Rahe bestattet. Die große Beteiligung seitender Bevölkerung zeugte von ihrer allselltgen Beliebtheit. Im Atter von nur 37 Jahren mußte sie ihre segensreiche Lebensbahn beschließen, betrauert auch von Arme« und Obdachlosen, die bei ihr stets gastliche Aufnahme fanden. Burghaun (Hessen Nassau), 4. Dez. Der von hier gebürtige verstorbene Kaufmann I. N u ß b a u m hat der israelitischen Gemeinde Burghau o» 10000 Muk zum Synagogen-an und 30000- Mark für wohltättge Zwecke vermacht. Die Zinsen sollen alljährlich am Todestage des Spenders an ote Ortsarmen vertritt werden. Oftrowo, 16. Dez. Kaufmann Max Giro wurde zum Mitglied der Handelskammer in Posen gewählt. Untergltertheim, 15. Dezbr. Unter zahlreicher Beteiligung wurde gestern nachmittag im Alter von 85 ahreu Witwe Jda Bravmann zu Grabe getragen. >te erfreute sich wegen ihreliebenswürdigen Wesens allgemeiner Wettschätzung. Neto Nvr?, 18. Dez. Am 2. SiSlew ist der weitberühmw Rabbi Israel Sturmann im Alter von 86 Jahrm nach kurz r Krankheit gestorben. Er war ein iV3 21dl, wie fie. hierzulande selten zu finden find. Er war der Stolz bec Gemeinde "dvtdn |VDTv Der Verblichene hatte lange Jahre als ami by2 und als n^on an den fungiert. Gesegnet war sein Leben uad gesegnet fei sein Andenken n*32ün* Briefkasten. A. B. L. Das Gedicht wird honoriert. Natürlich können Sie über das Honorar zugunsten eines wohl» tätigen Zweckes verfügen. N. L. G. i« G. Bericht die Anschuldigung auf Wahrheit, so ist hier Rückficht cm falschen Platz. Es ist. Jdre Pflicht. Ihre Wahrnehmung Ihrem zuständigen Rabbiner m tzuteilen, dem eS obttegm wird, die Sache gründlich zu prüfen. O. G. i» B. Ihr Trinkspruch ist sehr hübsch, eignet sich aber alS Attikel für die große Oeffentttchtpit tilAL Rekte« Donf.