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Der Israelit · 1909-12-16 · Heft 50 (16.12.1909) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 50 (16.12.1909)
Date
1909-12-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ein Centralorgan lir das orthodoxe Jndentnm i Begründe! doh Dr. Lehmann in lüainz 50. Jahrgang. - „b.lW „ m - 16. vereinbar 1909. Sranhfurf a. M.. Sen 4. 7ewas 5670. M BO. Abonnement pro Vierteljahr r Gewöhnliche Ausgabe Mk.1.S0, HrstanSgabe (Kunstdruck) Mt. 3.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 8 Kr., Rußland 1 Rub., England 8 sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1.20 fl., Frankreich Frs. 8.50. Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhand! nagen, sowie direkt bei dem Verlag. HrstanSgabe nur direkt. Der JSraelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltene Lo'onel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnferatenannahme nur durch Haasenstei» u. Vogler L-G» Frankfurt a. M., und deren Filialen. Aahlnnge» können außer dirckt an den Vnckag erfolgen per: Lonto bei de« Pastfcheck-Anet »rankfnrt a. 9R. «o. 344» «onto Bei der ft. ft. Postsparkasse «ie» 9t». 79 MB. «onto bei hem ft. Postsparkaffenamt «nbapest 9t».184M» «oato Bei Bef BNgaer CMUKefitttl int «iga und deren Filialen. * ver Nachdruck Ser Hrflhel und Correfpon9en?en 9es „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und. soweit es fltfi um gröbere nuQflfel handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gestattet i A. J. C. 0. Die „Kölnische Zeitung" veröffentlicht unterm 14. Dezember folgendes Telegramm ihres Korrespondenten aus Konstantinopel: K 0 n st a n t i n 0 p e l, 14. Dez. Auf Aeußerungen deS Kammerpräsidenten Achmed Rifa und des ini crs Hamada, daß die Ansiedlung jüdischer Einwanderer in der Türkei zur Urbarmachung brachliegender Ländereien erwünscht sei, hat die Allgemeine jüdische Kolonisations-Organisation durch den Botschafter in Berlin Osman Nisami Pascha, der Regierung einen Anstedlungsplan vorgeleg. A s Vertreter hat Dr. Alfred Nossig mit der Regierung in KonstantiNopel unterhand lt. DaS Ergebnis soll den jüdischen Großgemeinden mitgeteilr werden, um die Einwanderung und Anstedlung in allen Provinzen der Türkei durch ein Gesetz zu regeln. Hervorragende türkische Patrioten haben einen Ausfluß gebildet für weitere Schritte. Mit der Reserve, die die verworrenen politischen Verhältniffe der Türkei jedem Beurteiler naturgemäß auferlegen, sei zur Erläuterung dieser Nachricht, die uns in ähnlicher Form auch von unserem Konftantinopler Berichterstatter gemeldet wird, folgendes bemerkt: Wir haben schon im Spätsommer d. I. ausführlich dargelegt (stehe Leitartikel Nr. 33 „Kon ftantinopel und Jerusalem"), daß das Mißtrauen der führenden jungtürkischen Politiker gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina in bedrohlichem Maße wachse, und daß diese Konstellation auch vom religiösen Standpunkte auf's tiefste zu beklagen sei. Inzwischen haben sowohl die Führer der Zionisten in wochenlanger persönlicher Tätigkeit, als angeblich auch der Chacham Baschi sich eifrig bemüht, die der Einwanderungfeindlichen Strömungen zu überwinden, zum Mindesten die seit Monaten'als „nahe^ bevorstehend" angekündigte Abschaffung des palästinensischen Judenleibzolls alias „roten Zettels" durchzusetzen — alles umsonst. Die türkische Regierung witterte nach wie vor staatsgefährliche jüdische Autonomiegelüste und schreckt vor jeder noch so leisen Betonung des ^jüdischen Nationalgedankens zurück. Wenn es jetzt den Vertretern der Allgemeinen jüdischen Kolonisations-Organisation in der Tat gelungen sein sollte, die maßgebenden türkischen Kreise freundlicher zu Kimmen, so wäre das an und für sich ein ganz bedeutender Erfolg, für den die jüdische Gesamt- ' ' der A. J. C. O. zu hoher Anerkennung ~M" ist,- , Freilich wird alles auf den Inhalt des Einwanderungsgesetzes ankommen, das vorbereitet werden soll. Möge die türkische Regierung in diesem Gesetze sich so weitgehend wie nur immer möglich gegen jeden von Ar befürchteten jüdisch-nationalen Chauvinismus wahren — das werden so ziemlich alle Kreise der Judenheit gerne hinnehmen, vor allem diejenigen, denen die unveräußerliche nationale Eigenart des jüdischen Volkes nicht Selbstzweck, sondern lediglich Basis und Mittel seiner weltgeschichtlichen religiösen Pstichtaufgabe ist. Allein zwei Bedingungen müßte das neue Gesetz jedenfalls erfüllen, wenn eS für die A. J. C. O, für die jüdische Gesamtheit und für die Türkei selbst irgendwelchen Wert haben soll. Einmal muß es der jüdischen Einwanderung alle Länder der Türkei und nicht etwa alle — mit Ausschluß Palästinas öffnen. Eine solche Einschränkung würde auf die jüdischen Maffen, wie auf die Geldgeber — von wenigen fanatischen Assimilanten abgesehen — als Mißtrauensvotum und Demütigung wie ein kalter Wasserstrahl wirken und nicht geeignet fein, die moralischen Vorbedingungen für eine gesunde JmmigrationSbewegung zu schaffen. Dann aber wären Garantien dafür zu erlangen, daß die in den türkischen Untertanenverband übertretenden Juden als Individuen wie als Gemeinden in religiöser Hinsicht volle Freiheit der Betätigung erlangen. Heute steht die Sache so, daß eine vorsintflutliche Konsistorial- Verfassung die ganze türkische Judenheit der religiösen Bevormundung eines ganz kleinen Kreises von Konftantinopler „Notabeln" unterwirft, die in religiöser Hinsicht kaum eine Gemeinschaft mit den Hunderltausenden türkischer Juden haben. Diese Berfaffung steht im krassesten Widerspruch zu den liberalen Grundsätzen der konstitutionellen Türkei und bedarf dringend der Abänderung im demokratischen Sinne. Kann das auch nicht von heute auf morgen geschehen, so müßten doch prinzipielle Zusagen in dieser Beziehung von seiten der Regierung gegeben werden, sollen die religiösen Kreise der Judenheit an dem großen Werke zum Besten des Ganzen Mitwirken, und sollen nicht im Gegenteil die russischen Maffen, auf die es ankommt, in der gefährlichsten Weife abgeschreckt werden. Bisher haben die in Palästina eingewanderten Juden blutwenig nach der religiösen Verfassung ihrer türkischen Gläubensbrüder gefragt, denn sie selbst blieben Ausländer und regelten ihre religiösen Angelegenheiten selbst. Das aber soll und muß ja anherwerden. Es ist der neuen Türkei nicht zuzumuten, auf die Dauer Zehntause" von Einwohnern aufzunehmen, die fremder Konsularhoheit unterstehen, und deren türkrsche- Staatsbewußtsein infolgedessen sich unmöglich ent» J falten kann. Will die türkische Regierung indiesen Zehntausenden ebensoviele treue türkische,! Staatsgenossen gewinnen, dann muß sie die', psychologischen Vorbedingungen dafflk^ schaffen und den russischen Juden gestatten, ivr türkischen Reiche nach ihrer Väter Facon selig zu werden. ] Nicht nationale, wohl aber religtö se Auto^ nomie und Bewegungsfreiheit ist'-, die wir fordern^ müssen, und die jüdischen Massen werden «M politisch-nationale Träume um so leichter rmW lieber verzichten, je mehr sie in religiöses Beziehung ein von altjüdischrm Geiste getragene-^ Gemeindeleben entfalten und damit das einziges Palladium ihres tausendjährigen Goluslebendie Thora, in vollem Glanze sich bewahrenl können. , Den Boden hierfür zu beretten, halten wüH in diesem Augenblick für eine der wichttgsten ArW gaben der A. J. C. O., von deren Lösung die gelemS in mindestens ebenso hohem Maße abhängige sein wird wie von den übrigen wirtschaMchm? und politischen Faktoren, die es komplizieren. ' Sn russifdi-jaSlfdier Kongreß. | In Kowno hat eine große Versammlung^ stattgesunden, die sich statt Russisch-jüdi^ scher Kongreß nannte. Man weiß nichtrechD von welchen jüdischen Körperschaften dieser Kon^ greß beschickt wurde und noch viel weniger, naM welchem Wahlmodus die Delegierten ihr Mandat/? für die russische Judenheit zu sprechen, zu ver-I handeln, und der Regierung Vorschläge zu untevD breiten erhalten haben. M Der zur Zeit berufene politische Fü. der russischen Judenheit^, der Dumadeputtei Ntsselowitsch, sprach in seinemBegrüßung schreiben" der Versammlung baS Recht ab, als Hesamtvertretung der russischen Ju

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