Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1909)
- Date
- 1909-11-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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5. Jahrgang JK IL iS) üdiöcber Volhefrcund Monats-Veilage tnm „3$raelir ▼«HMrtwratcfc« RaUbtfoas Rabbiner Dr. B. Qbtf te Köln. Kriefkastcn der Redaktion. Infolge unserer Ankündigung in Nr. 9 und 10 gingen uns vielfach Anfragen betreffs der „KibliothrK des jüdischen Ualksfreundes" zu. Wir teilen daher unseren Lesern nochmals hierdurch mit, daß auf die „Hibliothek des jüdischen Uolksfreundes" vom 1. Aemrrar 1910 ab ein besonderes Abonnement eröffnet werden muß, um das Unternehmen für die Dauer zu sichern. Der Abonnementspreis für die „Hikliochek des jüdischen Uolksfreundes" ist auf den geringen Preis von Einer Mark für das Jahr bemessen worden. Jede der zwölf Lieferungen im Jahr stellt sich also noch nicht auf 9 Pfennig. Wie im Oktober und November wird auch im Dezember des lausenden Jahres den Lesern des „Indischen UstKsfreirrrd" die „HiblischeK -es jüdischen Uolksfreundes" geliefert. Man abonniert auf die „Bibliothek -es jüdischen Uolksfreundes" beim „Uer1ag des „Israelit", Frankfnrt a. M., Hansahans. frieSdott-lrage. Schon im 3. Jahrgang Nr. 5 haben wir in dem Artikel „eine welke Friedhofsblüte," die Pflicht gestreift, unseren Toten die ewige Ruhe zu sichern, lieber die praktische Frage verbreitete sich sodann der Vorstand des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen in seinem letzten Bericht über die Tätigkeit des Vereins vom April 1907 bis August 1909 in Nr. 8 des laufenden Jahres. Leider nimmt man es mit dieser Pflicht, zu deren Würdigung man doch wirklich nicht orthodox zu sein braucht, sehr vielfach erschreckend leicht. Um so bedauerlicher erscheint aber eine Verfehlung in dieser Richtung dann, wenn gar keine Notwendigkeit zum Abtreten des jüdischen Friedhofs vorliegt und eine Enteignung gar nicht zu befürchten steht. So kommt es in letzter Zeit allenthalben in den beiden westlichen Provinzen recht häufig vor, daß die Stadt das Terrain des jüdischen Friedhofes e werben will und sogar sich verpflichtet, dasselbe 99 Jahre nicht zu berühren. Sie gibt dann der jüdischen Gemeinde dafür ein etwas größeres Gelände und gewinnt dadurch die Stimmen der besten Rechenkünstler. Hundert Jahre scheinen eine so lange Zeit, daß sie sich um das, was dann geschieht, nicht sorgen zu brauchen wähnen. Das wäre freilich richtig, wenn es sich um Dinge handelte, deren Leistung nicht in unseren Händen liegt. Indes ohne Not die dereinstige Schändung der Gräber, wenn auch nur möglicherweise, zu veranlassen, dürfte unser Gewissen doch etwas erschweren. Merkwürdig, daß es immer dieselben Kreise sind, deren Pietät sonst der einzige Beherrscher des religiösen Gebietes in ihrem Herzen ist und die sie in diesem Punkte, die Toten ruhen zu lassen, so völlig im Stich läßt. Das Heer bezahlter Leute bei allen Ehrendienstleistungen bei Verstorbenen, die zum Garten umgewandelte Totenstätte, die zu Kunstwerken gewordenen Grabsteine, sind der Gradmesser für den Wandel der Gesinnung und der Werte. Es ist die Liebe geschwunden und die Opferfreudigkeit und Dienstbereitschast, wenn aus dem Menschen für das Bewußtsein ein bloßer Körper wird, dessen Niederlage im Kampf gegen die zersetzenden Elemente der Natur das Ende für immer bedeutet. Mit Blumen, die wir der Selbstgefälligkeit unseres eigenen Lebens pflanzen, dessen Staubgedanke uns unangenehm berührt, mit prunkvollen Grabmälern, in denen wir unsere Leistungskraft anbetend verherrlichen, ehren wir den Toten nicht, dessen eigenhändige Bestattung wir — unter unserer Würde halten. Freilich wäre der Mensch nur das genießende Wesen, als welches er in so mancher hypomoderner Anschauung dieser Kreise lebt, so mag er den Genußmitteln gleichen, die, abgestorben, mit Abscheu aus dem Bereich des Lebens entfernt werden. Ist der Mensch aber nicht nur Körper, trägt er einen Funken des ewigen Seins in seiner Brust, der ihn auch im Leben zum Menschen geadelt, dann reicht unsere Liebe zu ihm in die Ewigkeit, und was einstmals der Träger seiner Erscheinung war, achten und ehren wir als die Hülle, in der das Leben uns entgegentrat, zerfällt auch der Leib und kehrt der Staub zurück zum Staub, dem er entnommen, ja, ist uns auch gleich der Staub des Grabhügels, unter dem der Tote schläft, gerade der Gegensatz zur sittlichen Freiheit, das Vergängliche im Gegensatz zum Ewigen, das Irdische im Gegensatz zum Geistigen, und ist darum jedes Wachstum aus dem Grabe als Merkmal des Todes, der Vergänglichkeit, als Träger der höchsten Gefahr menschlicher Sittlichkeit, verboten, so zerreißen wir doch nicht das Band der Liebe, das den einzelnen Toten mit dem Lebenden verbindet. Für immer bleibt sein Andenken uns heilig, und was an sein einstiges Dasein erinnert, bleibt unangetastet. Sein Körper, der lebend, wenn er litt, ein Gegenstand sorgsamster Wartung gewesen, bleibt uns auch im Tode ein teueres Vermächtnis und Teil eines uns ehemal liebwerten Menschen. Wenn eine frevle Hand halbwüchsiger Burschen in gedankenlosem Treiben anerzogenen Judenhasses einen Grabstein ausreißt oder gar nur beschädigt, dann erheben gerade jene Kreise am lautesten die Klage über die gestörte Friedhofsruhe und antisemitische Umtriebe, dieselben, die kalt bis ans Herz hinan mit einem Federstrich es wagen, die Gebeine ihrer Eltern zur Schändung zu verurteilen und ihre Ruhe zu stören in „fortschrittlicher" Anerkennung dessen, was wahre Menschlichkeit von uns fordert. Israelitische llönigsgeschlchie. So endet der glänzende Sieg bei weitem nicht mit dem Erfolg, den er hätte bringen können. Achab fühlt sich nicht als Sieger, und ob die Kraft der Herzensgüte oder die Schwäche der Gutherzigkeit die Friedensbedingungen diktierte, ob es Mitleid mit dem Besiegten war oder die befriedigte Sucht, vom nichtjüdischen König als gleichberechtigt angesehen zu werden, ob Eitelkeit, dem Nichtjuden Großmut erweisen zu können, oder ob israelitisches Staatsinteresse eine solch schonende Behandlung des besiegten Erzfeindes erforderlich machte, der sein Versprechen gar nicht ganz einzulösen dachte, brauchen wir nicht zu untersuchen. Wir wollen das Gottesurtell darüber hören, das in folgender Begebenheit zum Ausdruck kommt. Einer der Prophetenjünger sprach zum andern: „im Namen Gottes schlage mich." Der Mann aber weigerte sich, ihn zu schlagen. Da sprach er zn ihm: „weil du auf die Stimme Gottes nicht gehört hast, drum wird dich ein Löwe töten, sobald du von mir gehst." Da sie sich getrennt hatten, begegnete jenem ein Löwe und tötete ihn. Da traf er einen anderen Mann und bat ihn: „schlage mich doch." Da schlug ihn der Mann, bis er ihn verwundete. So stellte sich der Prophet dem König entgegen, indem er sich durch Asche, die er sich um die Augen strich, unkenntlich machte. Als der König vorüberziehen wollte, da schrie er zu ihm auf und sprach: „Dein Diener war in den Krieg gezogen, da kam ein Mann mit einem Gefangenen zu mir und sagte, bewache diesen Mann. Wenn er vermißt wird, dann steht dein Leben für seines oder du mußt einen Kikar Silbers zahlen. Ich aber war hier und da beschäftigt, und der Gefangene entkam." Da sprach Israels König zu ihm: „Du hast dir dein Urteil selbst gesprochen." Da entfernte der Mann die Asche aus seinem Antlitz, und der König erkannte ihn als Jünger der Propheten. Er aber sprach zum König: „So hat Gott gesprochen, weil du den Mann, der in meinem Netze war, hast entkommen lassen, darum tritt dein Leben für sein Leben ein und dein Volk für sein Volk." Den König regten diese Worte sehr auf. Aber wie wenig klug er gehandelt hatte, kam ihm erst zum Bewußtsein, als die Friedensbedingungen nicht erfüllt wurden. Wenn auch Aram nicht mehr Israel anzugreifen wagte, so wußte es