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Der Israelit · 1909-11-18 · Heft 46 (18.11.1909) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 46 (18.11.1909)
Date
1909-11-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit Ein Centralorgan für das orfhodnxe Judentum Begründet oon Dr. Lehmann in ülainz 50. üahraema. „ m . 18. ttopember >009. Sranhfurt a. nt.. 9en g Kislero 5"67n. M «6. ABonnement Pro Vierteljahr: Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50, HeftauSgabe (Kunstdruck) Mk. 3.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn r Kr-, Rußland l »uv., England s sv., Amerika SO et«., Niederlande 1.20 fl., Frankreich Fra. 2.60. Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HeftauSgabe nur direft. Der JSraelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: SO Pfennig für die sechsgespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haasenstein u. Vogler A^G« Frankfurt a. M., und deren Filialen. Zahlnnge» können außer direft an den Verlag erfolgen per: Lonto bei de« Postscheck-««! Frankfurt a. M. Sto. 344. «onto Bel der St ft. Poftsparkaffe «Sie» Sto. 79 605. «onto Bet de» 5k. Postfparkaffenamt Budapest «0.18494. Lonto Bei der Rigaer EonrmerzBank in Riga und derm Filialen. ver NsckSruck Ser Nttlkel unS eorrelvonSen?en öes „Israeli!** iff nur unter genauer Quellenangabe, und, low eit es Ihfi um größere nufffifee handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gehaftet. Da$ Wolf'-Bevölkerungsgesetz und das Bevölkerungs- Problem der Inden in Deutschland. Bon Dr. Rudolf Wassermann in Münchm. (Schlich.) * Bon der Bevölkerungsen twicklung Bayerns erhalten wir zunächst folgendes Bild: a) Verhältniszahlen. Bayern Es wurden geboren auf;e Ivoo Einwohner von je ioco Einwohn, gleicher Konfession starben Bon je lOuo Einwohnern betrug d. Geburtcn-Ueberschusi bei den Christen Juden Christen Juden Christen Juden 1876 4>9 34,4 31,8 18,6 14,1 15,8 1880 39,6 31 4 28,8 18,6 10,8 12,9 1885 39 2 27.2 29,2 17,4 10," 9.9 1890 30,1 22,2 27,3 16,3 8,8 6,0 1895 38 6 19.1 26,2 143 12,4 4,8 1900 8 0 18,1 25,4 13,5 12 6 4.6 1902 38,96 18,33 23,1 12,1 15,8 6 2 1904 38 56 18,02 23,53 12,80 13,96 4,81 190 35,72 17,49 22,66 13,05 13,06 4,44 1906 3 ,91 18,47 21,39 12,36 14,52 611 1907 34,54' 17,45 20,81' 12,66 13,73' 4,79 b) Absolu te Zahlen. Bayern ES wurden geboren Es starben Ueberfchub der Geburten über die.Sterbefälle 'bei den Christen Juden Christen Juden Christen Juden 1876 221,450 1740 153,210 939 68 240 801 1880 207,988 1680 151,483 992 56,505 688 1885 205,143 1457 152,264 930 52,879 527 1890 200 240 1197 151,731 875 48,509 322 1895 214,7. 2 1031 145,042 771 69,690 260 1900 233,097 995 155,668 740 77,429 255 1902 238/450 1007 141,292 165 97,158 342 1904 237,026 990 144,074 703 92,952 287 1905 231,093 968 146 588 722 84.505 246 1906 233 335 1022 138,397 684 93,938 338 1907 228,603 969 137,645 703 91,028 266 Wir sehen also: Auch hier ist die Geburtenziffer rapid gesunken. 1740 Geburten im Jahre 1876 stehen im Jahre 1907 nur noch 969 gegenüber, während die Zahl der Sterbefälle in den entsprechenden Jahren 939 bezw. 703 betrug, So konnte es kommen, daß im Jahre 1876 auf 1000 Juden noch 34,4 Geburten treffen, 1907 nur 17,45 und daß der Geburtenüberschuß in diesen drei Jahrzehnten von 15,8 auf 4,79 gefallen ist. Aber auch in Hessen zeigt sich das gleiche Bild, obwohl man dort, da es an Großstädten fehlt, etwas günstigere Verhältnisse erwarten sollte. a) Berhältniszahlen. Durchschnittlich jährlich. ES wurden geboren auf je 1000 Einwohner Bon je 1000 Einwohnern Auf je lovv Einwohner betrug d. -v e H c it gleich. Konfession starben Geburten-Ueberschuß Christen Juden Christen Juden Christen Juden 1866/70 37,3 31,7 27,0 18,8 10,3 1 ,9 1871/75 39,6 87,1 32,6 27,4 25,3 19,7 11,7 1^ 12,9 1876/80 31,6 18,6 13,0 lc81/85 337 26 8 23 9 16,6 9,8 10,2 1886/90 32,6 24 0 23,2 16,3 9,4 7,7 1891/95 33,2 22 6 22,3 15,9 10,9 6,7 1896/1900 342 19 8 20,1 15,5 14,1 4,3 1901/04 34,0 19,0 19,1 14,3 14,6 4,7 b) Absolute Zahlen. H e s s e n wurden geboren starben Ueberschus; der Geburten über die Sterbefälle bei den Christen! Juden Christen Juden Christen Juden 1866/70 1871/75 1876/M 1881/85 1886/90 1891/95 1896/1900 1901/04 30,371 32,762 33,241 30,950 30,924 32,914 36,0 2 38,480 803 834 828 708 620 566 48» 464 21,954 22,924 22,331 21,930 22,024 22,109 21,224 21,573 476 505 488 437 420 400 380 350 8,417 9,838 10,910 9,020 8,900 10,805 14,778 16,907 327 329 340 271 200 166 106 114 Aus den Berechnungen, die Regierungsrat Knöpfel angestellt hat, ist zu ersehen, daß auf 1000 Juden gegenwärtig (1901 —1904) nur 19 Geburten kommen, während sie 1876—1880 noch 31,6 aufzuweisen hatten, was im Geburtenüberschuß 4,7 gegen 13 zum Ausdruck kommt. So ergibt sich denn bei einer vergleichenden Betrachtung eine große Uebereinstimmig der drei Staaten: Auf lOvoJu den treffenden im Durchschn. der Jahre Preußen Bayern Hessen Ehen. . . . 1876/80 1896/00 14,0 14,5 14,2 15,1 13.4 13.5 Geburten. . 1876/80 1896/00 1901/04 32.4 21.4 18,86 33,3 19,0 18,02*) 31,6 19,8 190 Sterbefälle . 1876/80 1896/00 1901/40* 18,9 15,4 14,2 19,2 13,9 12.8') 18,6 15,5 14,3 Geburtenüberschuß 1876/80 . 1896/00 1901/04 13,5 5,6 4,66 14,1 5,1 4,8') 13,0 4/8 4,7 ') 1904. Hier wie dort die nämliche Erscheinung! Man kann uns also nicht vorwerfen, daß wir preußischen Zustände grundlos für ganz Deutschland verallgemeinern. Was sind die Ursachen dieser Erscheinung? Da muß zunächst gesagt werden : Bei den Juden sind fast alle diejenigen Ursachen vorhanden, die sonst zu einer Verminderung der Geburtenziffer führen, aber es kommen doch eine Reihe von Erscheinungen hinzu, die ihnen eigentümlich sind. Brentano hat in seiner Schrift „Die Malthussche Lehre und die Bevölkerungsbewegung der letzten Dezennien" besonders auf drei Momente aufmerksam gemacht, die bei zunehmendem Wohlstand haupsächlich zur Abnahme der Fruchtbarbarkeitsziffer führen. 1. Zunahme der Geschlechtskrankheiten 2. Zunahme der Geisteskrankheiten. 3. Abnahme des Zeugungswillens. Was den 1. Punkt betrifft, so fehlt uns hierüber begreiflicherweise das Zahlenmaterial, das hierüber allein Klarheit schaffen könnte. Jedoch erscheint es zu mindestens sehr wahrscheinlich, daß die Juden, nachdem sie einen so außerordentlich hohen Bruchteil der städtischen Bevölkerung bilden, auch unter dieser typischen Großstadterscheinung in entsprechendem Maße zu leiden haben. Anders steht es mit dem 2. Punkt. Wir besitzen nämlich ein ausgiebiges Zahlenmaterial dafür, daß die Juden besonders stark zu Geisteskrankheiten neigen (im Jahre 1871 kamen aus 10,000 Christen im Deutschen Reich 8,6 Geisteskranke, auf 10,000 Juden 16,1), und in der Fachliteratur herrschte darüber nur eine Stimme. (Vgl. dazu statt vieler: Sofer, Zur Biologie und Pathologie der jüdischen Raffe, Zeitschrift f. Statistik u. D. d. Juden, H, S. 85 ff.) Daß endlich die überall vorhandenen Ursachen, die im allgemeinen zu einem Zurücktreten des Zeugungswillens führen, auch für die Juden in starkem Maße in Betracht kommen, bedarf fast keines Beweises. Es genügt, sie namhaft zu machen. Verfeinerte Kinder- und Gattenliebe führt zweifellos auch in so vielen jüdischen Ehen zu einer geringeren Kindeszahl. Bon den speziellen Momenten verdienen besonders die ^Zunahme der Uebertritte bezw. Austritte und Mischehen Erwähnung. Bedeuten die eueren einen direkten Verlust von jährlich etwa ZOO Personen, wie eine Enquete des deutschisraelitiscken Gemeindebundes gelehrt hat, so haben die Mischehen die Bedeutung eines indirekten Verlustes, da, wie Knöpfel gyeigt hat, nur *4rV,-V ^-• YJ-'r'Vf- -S->W7'tfrfv

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