Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1909)
- Date
- 1909-11-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449352-2449398--66029-2508698- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fcv Sette 14. Nr. 45. Der JSraelit. 11. November 1909. lichster Ausnützung des Landes wurde — immer durch theoretische Belehrungen unterstützt — praktisch ausgeübt. Das gab einen regen Wetteifer,- denn abgesehen davon, daß jeder das bestgepflanzte Beet haben wollte, war auch der Ertrag gar nicht zu verachten. Jeder Teilnehmer erhielt nämlich das freie Verfügungsrecht über seine Ernte, und viele, viele Körbe voll schönster Gartenerzeugniffe fanden den Weg zu den Eltern der Seminaristen als Zeichen ihres flleißigen Landwirtschaftsbetriebes. Es ist hier nicht an gezeigt, den ganzen Lehrgang des Gartenbaukurses vorzuführen, nur soviel sei gesagt, daß es gelang, wenn auch nicht firme Lehrgärtner, so doch recht beachtenswerte Dilettanten heranzubilden. Die guten Folgen des Betriebes zeigten fich nach den verschiedenen Seiten hin. Die körperliche Anstrengung bildete einen erfreulichen Ausgleich zur geistigen Beschäftigung. Der Gesundheitszustand wurde dadurch günstig beeinflußt. Die Seminaristen wurden inniger mit der Natur vertraut. Das Beobachtungs- und Urteilsvermögen wurde geschärft, eine gewifle Selbständigkeit erzielt. Der Nutzen, den unter Umständen selbst ein kleines Stückchen Land abwerfen kann, wurde erkannt, Lust und Liebe zu landwirtschaftlicher Tätigkeit geweckt. Ein sicherer Beweis dafür liegt in der Erscheinung, daß selbst während der Ferien diejenigen Seminaristen, die in der Nähe Würzburgs wohnten oder günstige Fahrtverbindung dahin hatten, wiederholt kamen und ihren Gartengeschäften oblagen. Es ist wohl zu erwarten, daß die Freude am Gartenbau auch nach dem Seminaraustritt Vorhalten wird und daß die angehenden jungen Lehrer im Interesse landwirtschaftlicher Tätigkeit auch draußen in ihren Gemeinden anregend, Lust und Liebe weckend, wirksam sein werden, und das ist ja eigentlich das Hauptziel mit, welches erreicht werden soll. Auch die Schattenseiten der Neueinrichtung sollen nicht verschwiegen werden. Es ist nkcht zu leugnen, daß hin und wieder eine Störung im regelmäßigen Verlauf der Lehr- und Studierstunden sich ergab, wie auch anderseits unabänderliche Umstände mitunter hinderlich in den Gartenbaubetrieb eingriffen. Ein wesentlicher Grund hierfür lag allerdings in der ziemlich beträchtlichen, räumlichen Entfernung des Gartengrundstückes vom Seminar. Wenn den Seminaristen ein nahe gelegener Garten zur Verfügung gestellt werden kann, werden viele Störungen in Wegfall kommen. Wohl werden sich die Pachtbeträge dann wesentlich höher stellen, doch dürfte angesichts der wirklich schönen Erfolge dieser Punkt für die Simon-Stiftung kaum in die Wagschale fallen. Dann ist zu hoffen, daß die Einrichtung der Gartenbaukurse, welche zunächst von der König!. Regierung versuchsweise und widerruflich genehmigt wurde, zu einer ständigen und damit erst wirklich erfolgreichen werde. Zum Schlüsse sei noch auf das rege Interesse hingewiesen, das von verschiedenen Seiten dem Seminar-Gartenbau entgegengebracht wurde und sich in zahlreichen Besuchen des Arbeitsfeldes sowohl während als außer der Arbeitszeit dokumentierte. Von größeren Verbänden sei besonders die „Frankenloge" erwähnt, deren Präsidium sich sehr eingehend von dem Betrieb Kenntnis verschaffte und wiederholt den Arbeitsstunden beiwohnte, auch mit seinen Beifallsäußerungen nicht zurückhielt. Jedenfalls ist der Beweis geliefert, daß das Seminar in Würzburg nicht nur wissenschaftlich auf der Höhe der Zeit steht, sondern auch eifrig bestrebt ist, die Lehrer für ihre sozialen Aufgaben in der jüdischen Diaspora zu befähigen. StaiiZtkcdes au; vberderre«. Anläßlich des Inkrafttretens des hessischen Fürsorgegesetzes wurden in Oberhessen statistische Erhebungen über das Einkommen der jüdischen Religionslehrer gepflogen, deren Ergebnisse uns vorliegen. Sie gestatten, obwohl sie keinen amtlichen Charakter tragen und deshalb auf unbedingte Zuverlässigkeit keinen Anspruch erheben, doch einen ziemlich genauen Einblick in die Lage der jüdischen Lehrer unserer Provinz. Es sind im ganzen 37 Lehrer angestellt, von denen zwei als sogen. Reallehrer — Elementarlehrer an höheren Schulen — und vier als Volksschullehrer an Simultanschulen wirken. Von den 31 Religionslehrern besitzen vier die Rechte eines Volksschullehrers — aber nur zwei Drittel des Gehalts eines solchen. Von den übrigen 27 haben acht ein Einkommen über 2000 Mk., acht ein solches über 1500 Mk., elf Kollegen bleiben noch darunter,- vier haben sogar weniger als 1200 Mk. Leistungsunwiüige Gemeinden gibt eS in Oberheffen nur in geringer Zahl, ihnen stehen viele andere gegenüber, die recht große Anstrengungen machen, um einen Kultusbeamten zu erhalten. Nach einer auf Grund vorstehender Erhebungen angestellter Schätzung genügen ca. 2400 Mk., um das Grundgehalt aller Religionslehrer auf 1200 Mk. zu bringen. Da sich die größeren Gemeinden Oberheffens schon vor ca. 5 Jahren bereit erklärten, jährlich 5500 behufs Subventionierung der leistungsschwachen aufzubringen, so ist es bedauerlich, daß sich bis heute noch eine ganze Anzahl Lehrer mit einem unzulänglichen Gehalte begnügen muß. Bezüglich der Reliktenversorgung ist zwar durch das Fürsorgegesetz ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen, indem ziemlich viele Kollegen in der betreffenden Kaffe Aufnahme gefunden, aber auch hier gibt es noch Beamte, die weniger glücklich, resp. deren Gemeinden wenig entgegenkommend waren. In den letzten 25 Jahren hat sich die Zahl der jüdischen Lehrer Oberhessens kaum geändert. Fünf Lehrerstellen sind eingegangen, darunter drei mit ganz jammervollen Gehältern, dagegen wurden vier neue gut dotierte Stellen geschaffen. Wenn es einer bisher als Filiale versorgten Gemeinde gelingt, einen geprüften Lehrer — nur solche werden in Hessen zugelassen •— zu engagieren, so wäre der Status genau derselbe wie vor einem Viert ljahrhundert. Willkürliche Entlassuugen werden seitens der Behörden nicht mehr geduldet. Im allgemeinen sind unsere Verhältnisse in einer fortschreitenden Besserung begriffen, aber sie sind, noch weit davon entfernt, daß man sie als günstig bezeichnen kann. Als das ungünstigste Moment müssen wir die Gepflogenheit der Gemeinden an sehen, daß sie eine Gehaltserhöhung nur bei einem Stellenwechsel eintreten lassen, wenn sie nämlich einsehen, daß sie für den bisherigen Gehalt keine ordnungsmäßig vorgebildete Lehrkraft mehr erhalten. Dagegen entschließt sich nur selten eine Gemeinde zu einer Mehrleistung, um den Lehrer für dauernd an sich zu fesseln Im Gegenteil, sobald man merkt, daß er sich auf eine dauernde Niederlassung einrichtet, dann hört in der Regel jedes Entgegenkommen auf. Nur ein einziger Religionslehrer Oberhessens steigt in seinem Einkommen nach einer mit dem Vorstande vereinbarten Gchaltsskala. eomrponäenren u.llacbticdlen. Frankfurt a. M. Montag, 27. Dezember d. Js., findet dahier im Saale der Israelitischen Männerkrankenkaffe, Rechneigrabenstr. 18, nachmittags 4 Uhr, die 10. ordentliche Generalversammlung der Achawa mit folgender Tagesordnung statt: 1. Neuwahl der Verwaltungsmitglieder, 2. Beratung ev. Anträge. iHMflührrf Aus Westfalen. Ich bin heute in der Lage, Ihnen eine angenehme Nachricht zu senden. Es wirten zwar im Lande der Eichen, besonders im Münsterlande, ziemlich viel gesetzestreue Lehrer, aber es fehlte ihnen bisher wegen der räumlichen Entfernung an jedem Zusammenhang. Es hat sich nun zunächst für die Kreise Ahgus, Borken, Burgsteinfurt und Coesfeld eine freie und zwanglose Vereinigung gesetzestreuer Lehrer, pim D^an genannt, gebildet. Wir Pflegen bei unseren Zusammenkünften vor allem die freie Aussprache über alles, was auf die Praxis bezug hat. Begrüßungsreden und Geschäftsberichte gibt es nicht, wohl aber kann sich jeder Rats erholen über das weite und schwierige Gebiet des )n)ö, auf dem sich besonders jüngere Kollegen — aber auch ältere bei einem Stellenwechsel — so leicht Blößen geben. Auck über Fragen der synagogalen Funktionen, Kasualien u. dgl. wird bereitwilligst Auskunft erteilt. Die Kollegialität soll, dem Namen unserer Vereinigung entsprechend, besondere Pflege erfahren. So wollen wir, um nur eins erwähnen, durch gegenseitige Vertretung es jedem Mitglied ermöglichen, jährlich mindestens vier Wochen dienstfrei zu bekommen und — um auch das Negative' nicht zu vergessen — wir wollen dafür sorgen, daß Fälle von 712) )'vv durch Halten von Grabreden im Amtsbezirk eines Kollegen u. dgl. nicht mehr Vorkommen. Nach dieser Richtung gedenken wir sogar über den Rohmen unserer Vereinigung hinauszugehen und eklatante Fälle von kollegialer oder vielmehr unkollegialer Rücksichtslosigkeit schonungslos an den Pranger zu stellen. Ebenso klären wir unsere Mitglieder über ihre Rechte und Pflichten innerhalb ihrer Gemeinden auf und erteilen sachgemäßen Rat, um einerseits der Willkürherrschaft der Vorstände. wirksam zu begegnen, anderseits jeden Kollegen auf dem Wege strenger Korrektheit und strengster Pflichterfüllung zu erhalten. So bietet sich, abgesehen von der Fortbildung, ein weites Feld für unsere Tätigkeit und wir hoffen, durch sie nicht nur unserem Stande sondern auch dem gesetzestreuen Judentum zu dienen, denn jeder Zusammenschluß gesinnungsverwandter Genossen zu gemeinnützigem Wirken stärkt die Gesamtheit. Ist unser Kreis auch nur klein, wir bleiben unverzagt eingedenk des Wortes: vNdr '3 toyon! Aus Bayern. Von dem Vorsitzenden der Kommission zur Ausarbeitung eines Normalanftellungsvertrags für bayerische Religionslehrer, Herrn Kollegen H. Translateur in Miltenberg a. Main, werden wir um Veröffentlichung des folgenden Aufrufs ersucht: Um weiteres Material über die verschiedenartigen Verhältnisse in den bayr. Kultusgemeinden zu erlangen, ersuche ich alle bayrischen Kollegen dringend, mir Abschriften ihrer Anstellungsverträge möglichst bald zu übersenden. Es wird ausdrücklich betont, daß von den mitgeteilten Verhältnissen nur diskreter Gebrauch gemacht und daß besonders keine namentliche Erwähnung stattfinden wird. Vorschläge, die geeignet sind, unsere Arbeit zu fördern, werden gerne angenommen. Hcherscha». Die Gevote des Judentums. Bon Jehuda Halevt. Kommissionsverlag von Hans Kaptuller in Tilftt. Preis 50 Pfg. Ein Kollege mit warmem Herzen findet in diesem Schrift i eit beredte Worte zur Verteidigung feiner Religion gegen Asstmtlantentum und Abfall. Das Rüstzeug zu dieser Abwehr— von einer Bekehrung, auf die daS Motto hinwetst, wird wohl kauni die Rede fein können — ist durchaus moderner Art und obwohl auf dem Boden des traditionell-gesetzestreuen Judentums stehend, verschmäht es der Berfaffer doch beispielsweise nicht, gegen Abtrünnige und Asstmilanten Heine ins Feld zuführen. Die Sprache ist, von einigen Härten abgesehen, edel und maßvoll auch da, wo Strenge an, Platze ist. Wir empfehlen das Werkchen allen Kollegen. Sie begegnen manchem neuen Gedanken und manchem allen in schöner Form. vtteNrarttn. Herr« M. in A. Wie Sie auS der Korrespondenz in der heutigen Nummer „Aus Westfalen" entnehmen werden, ist das, was Ihnen vorschwebt, dort bereits verwirklicht. Die großen Konferenzen haben unleugbar den Nachteil, daßeS nicht zu einer gemütlichen Aussprache über daS kommt, was dem Lehrer auf dem Lande am meisten am Herzen liegt. Die bayerischen Lehrer schätzen ihre Fortbtldungskonferenzen gerade deshalb so hoch, weil fie ihnen Gelegenheit bieten, ihre Erfahrungen gegenseitig auszutausch.n. Auch die ländlichen BeztrkSlehrerkonferenzen in Hessen finden nicht immer an demselben Ort statt und der Inhalt ihrer Beratungen ist häufig auch: Besprechung von Standesangelenbetten. Hoffentlich bringen Sie auch in Oberheffen etwas AehnltcheS zustande.