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Der Israelit · 1909-10-28 · Heft 43 (28.10.1909) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 43 (28.10.1909)
Date
1909-10-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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5. Jahrgang. M 10. TS) üdiöchcr Volkefrcund Msuatr-Veilage zm „ZrraeNt" YorantwertKcfx Redaktion! Rabbiner Dr. ß. (Qolf <■ Köln Cöln, 25. Okt. Mittwoch, den 17. November, wird in Cöln, Ringkaffee, Hohenzollernring 25 I, nachmittags 3 Uhr, die ordentliche Generalversammlung des Vereins für die Jüdischen Interessen Rheinlands (E. V.) stattfinden, wozu noch besondere Einladungen ergehen werden. Für den Stipendienfond des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E. B.) haben gespendet: N. N., Cöln 3 M. N. N., Cöln 3 „ Herr Eduard Herz-Flammersheim anläßl. des Ablebens seiner Gattin 5 „ „ Tierarzt Dr. Baehr-Hilden anläßl. der Beschneidung seines Sohnes 10 „ „ M. C.-Camp 3 „ „ Ferd. David-Rheurdt 3 „ „ Sigm. Kaufmann-Rheurdt 3 „ „ Zedokohkaffe-Rees 5 „ „ Männer-Chewroh-Rees 3 „ „ Frauen-Chewroh-Rees 3 „ „ Jakob L. Markus-Rees 4 „ „ N. N.-Cöln 1 „ „ N. N.-Cöln 10 „ „ N. N.-Cöln 10 „ „ Lehrer Max David-Kettwig 2 „ „ Laz. Wolf-Cöln 1 ,, Die ..Kette". Ein nicht genug zu beachtendes Moment in der Thora sind die Tonzeichen. Sie sind nicht nur als Interpunktion wichtig, ohne die man in keiner Sprache einen Text richtig zu lesen vermag, sie machen uns auch auf manchen Gedanken aufmerksam, an dem wir ohne dieses winzige Merkmal vorübergegangen wären. So findet sich an vier Stellen in der Thora das Schalscheles d. i. „Kette" genanntes Tonzeichen, und zwar I 19. 16 bei Lot, der vor der Zerstörung Sodoms noch „zögert", die Stadt zu verlassen, um sich zu retten. I 24, 12 „spricht" Elieser, der Knecht Abrahams im Gebet, Gott möge es ihm doch fügen, daß er die für Jsak bestimmte Gattin finde. I 39, 8 flieht Joseph die Zudringlichkeit seiner ägyptischen Herrin und „weigert sich", deren Wunsche zu entsprechen. III 8, 23 „schlachtet" Moses den Widder zur Einsetzung der Priester in ihr Amt als Freudenopfer. Aharon und seine Söhne hatten ihre Hände auf das Haupt des Opfertteres gelegt. Wenn das gleiche Tonzeichen sich an diesen vier Stellen findet, so sind sie gedanklich unter einander verbunden, und tatsächlich bilden sie eine „Kette". .Der erste Ring derselben wird durch Lot, der letzte durch Aharon und seine Söhne dargestellt. Lot war das leichtsinnige Mitglied des Abrahamshauses, dem der Vater früh entrissen ward. Wohl nahm Abraham sich seiner väterlich an und suchte, der Waise die Vaterstelle zu ersetzen. Er förderte ihn wie den eigenen Sohn. Lots Vermögen wuchs und wuchs und mehrte sich so, daß für zwei so reiche Leute, wie Abraham und Lot, neben einander kein Platz war. In des Vaters Hause hätte vielleicht Lot es nicht zu solchem Reichtum gebracht, und wer weiß, der moralische Eindruck des reichen und „doch" ernsten und denkenden, liebestättaen und das Gottesbewußtsein verbreitenden Oheims wäre vielleicht tiefer auf den Neffen gewesen, der, von weniger äußerm Glück umgeben, die allein glücklich machende Kraft der im Vaterhause üblichen Gottesleugnung durchaus vermißt haben würde. Ein klares Bewußtsein von Abrahams sittlicher Bedeutung hätten ihnl vielleicht die Augen geöffnet, und er hätte sich zu dem stets offenen und gastfreien Zelte des Oheims geschlichen, nicht um dessen Reichtum mit zu genießen, sondern um zu lernen Mensch sein. Wer aber will es Abrahams Güte verargen, wenn er der Waise alles bot, was in seinen Kräften stand, wenn er eher seinBaterherz überwinden konnte, den eigenen Sohn wegen bedenklicher Charakteranzeichen aus dem Vaterhause zu weisen, eher die Kraft besaß, seinen geliebten Sohn, den von der Vorsehung als Erbe seiner großen Bestimmung bezeichneten Jsak, auf dem Altar zu binden, um ihn — im nächsten Augenblick zu schlachten, als daß er dem nicht leiblichen Sohn, dem Bruderssohn, an dem er nur Vaterstelle 51t vertreten hatte, auch den geringsten Wunsch versagte? Er ließ ihn so reich werden, wie er selbst war, und auch nach seiner in äußeren Verhältnissen begründeten Trennung von ihm wollte er auch nicht den Schein des Verdachtes aufkommen lassen, als mache er sich mangelnder Teilnahme am Wohlergehen seines Mündels schuldig und führte feinet- I wegen einen ganzen Krieg gegen die mächtigsten Könige seiner Zeit. Freilich, das Glück, das Lot verwöhnte, hatte seiner sittlichen Lebensauffassung großen Schaden zugefügt. Abrahams Haushalt wurde aus „sehr großem Fuß" geführt. Alles warm bester Auswahl und in reichlichster Fülle vorhanden. Nur dem ernsten Auge ging aber darum der Blick für diesen sittlich hervorragenden Kern dieser beispiellos geübten Gastfreundschaft nicht verloren. Wie unvergleich viele mehr als die „dreihundert Seelen, die in Haran gewonnen und gebildet" wurden, mochten die Wohltaten des Patriarchenheims aus Freude an dem Wohlleben genoffen haben und verließen es ebenso gedankenlos, wie sie es betreten hatten. Am wenigsten hatte Lot gelernt, den die Gewohnheit abgestumpft hatte, und der über die bequeme Lebenseinrichtung, in der er sich recht behaglich fühlte, alle Leistungen der Pflicht als recht lästig empfand. Mochte er in Abrahams Hause auch aus Rücksicht auf den guten alten Oheim „mitmachen", sobald er selbständig' zu wählen hatte, zeigte es sich deutlich, wes Geistes Kind der gewesen, der in so „frommem" Hause erzogen war. Er wählte einen Kreis zu seinem Wohnsitz, in dem man nur Genuß und Vergnügen kannte und in welchem sittliches Leben und soziales Verhalten Begriffe waren, die als Rückständigkeit verlacht und verspottet wurden. Das wußte Lot sehr genau. Aber es zog ihn dorthin und mehr wohl noch seine Frau, die dem Aeußern so sehr huldigte, daß sie noch nach dem Grabe ihrer Habe schaute, als sie der Augenblick — in dem sie noch gerade ihr nacktes Leben in Sicherheit zu bringen hatten — eigentlich sehr eindringlich hätte lehren können, daß es Wertvolleres im Leben gibt, als Glücksgüter — und wäre es auch nur das Leben selbst und die Gesundheit. Ihr konnte Lot auch nicht zurufen, wie Abraham seiner Sarah, sie möge das Mahl für die Gäste bereiten. Frau Lot war zu vornehm dazu. Frau Lot hat dafür ihre Dienstboten. Da griff Lot noch eher selbst zu. Hatte er doch wenigstens einen solchen Liebesdienst noch einzuschätzen verstanden. Etwas aus Abrahams Hause haftete noch immer an ihm — und das Wenige war so verdienstvoll, daß es seine Rettung bewirkt hatte. Hatte er doch den Mut gezeigt, mit Gefahr seines Lebens seine Gäste zu schützen. Die in Abrahams Hause geschaute Gastfreundschaft war ihm sein Heiligtum, dem er alles — selbst das sittliche Wohl seiner Kinder zu opfern imstande war. Frau Lot hatte aber nichts vor sich gesehen und stand einem solchen Beginnen wie dem Bewirten von ,,fremden Leuten" völlig verständnislos gegenüber. Lot scheint sich überhaupt in sodomitischem Kreis eines gewissen Ansehens erfreut zu haben. Es gehört allerdings nicht viel dazu, sich in Sodom als abrahamitisch Gesinnten aufzuspielen. Abraham gegenüber hatte er sicherlich vorgegeben, er wähle sich diesen Wohnsitz, „um dort in abrahamitifchem Sinne zu wirken." Er hatte es ja auch tatsächlich dort bald zum Richter gebracht. Den Grad des Ernstes dazu aber können wir daran ermessen, daß ihm nette junge Herren aus den ersten Kreisen Sodoms als Bewerber um seine Töchter — und sein Vermögen — recht willkommen waren. Abraham hatte keine Familie in der ganzen Gegend gefunden, mit der er sich verwandtschaftlich hätte verbinden wollen und können,' ja er verzichtet lieber ganz auf die Verheiratung seines Sohnes, als daß er ihn auch nur in den Kreis seiner Familie hätte gebracht wiffen wollen. Damit hatte sich Lot sein Urteil gesprochen. Die Versorgung seiner Töchter im Sinne der „guten Partieen" lag ihm mehr am Herzen als die sittliche Fürsorge für seine Kinder. Als er darum zu seiner Rettung — Sodom verlassen sollte, da wurde es ihm schwer aus einem Gesellschaftskreise sich los zu reißen, in der er mit allen verwandtschaftlichen Gefühlen wurzelte. Sein „Zögern" hätte sein Tod werden können, wie die Wahl Sodoms als Wohnsitz statt Genuß seines Vermögens den Verlust desselben bedeutete. Lot hatte den Segen des Abrahamshauses mißverstanden. Er vertrug ihn nicht. Er wurde materiell gesinnt. Ganz andern Eindruck machte Abraham und sein Leben auf den völlig fremden Elieser. Ihm konnte Abraham ganz vertrauen. Er war gewissenhaft und umsichtig, verständnisvoll und bescheiden. Mit welcher Ehrerbietung sprichtervon seinem Herrn,von welch selbstverständlicher Ehrfurcht gegen den allgütigen Lenker der Schritte des Menschen ist er erfüllt. Und doch,

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