Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1909)
- Date
- 1909-10-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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09. schte ufcr gen. hem chen reib, eits mg, ifcr, des cher als an men rper der mal gen ufig aut der ätte )en, nte, fsal imt Oer and der, ben L ner lte. äch es Nit Erttte ehr ine och ihr the s') vir zu t.) tll in. mit; in ,les > zu Um neu, alle und 2. o«- uttb ind» 1540 MW Der Israelit j) Ein Centralorgan iOr das orthodoxe Judentum Begründet ooi Dr. Lehmann in main 50. Jahrgang. 8ZL> Sranftfurf a. Oktober 1909. 6. JTlarSdteldiroan 5670. M 42. Abonnement pro Vierteljahr r Gewöhnliche Ausgabe Mk.1.50. HestauSgabe (Kunstdruck) Mk. 3.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr., Rußland l Rnb., England S ah., Amerika 60 cts., Niederlande 1.80 fl., Frankreich Fre. LS0. Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhand tragen, sowie direkt bei dem Verlag. HestauSgabe nur direst. Der Israelit erscheint jedm Donnerstag. Inserate; 30 Pfennig für die sechsgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Inserate» annahme nur durch Haasenstein u. Bögler A^G« Frankfurt a. M., und deren Filialen. Zahlungen können außer dirett an den Verlag erfolgen per: «ont» bei de« Postscheck.Amt Aranksnrt a. M. Bo. 344. Gonio bei der 8. ft» Postsparkasse «Sie» Vo. 79 006. Skonto bei de« ft. Postspnetnssenmnt Budapest R0.L84S4. Skonto bei der Sttgaer Skonnnerzbank in Riga und deren Filialen. der Nackdruck Ser Uttlhel unS eorresponSenren des „Israelit“ if! nur unter genauer Quellenangabe, und, Inwelt es lick um größere Rufffifce handelt, nur nadi vorheriger Genehmigung geftaftet Die Partei der Umöbnuna. Wenn der alte Hegel noch lebte, er würde an dem neuesten Exempel auf feine Geschichtsphilosophie, das innerhalb der deutschen Judenheit Wirklichkeit geworden ist, seine Helle Freude haben? Aus dem dialektischen Gegensatz altjüdischer Treue und modern-kritischen Abfalls ist ein neues Wesen geboren worden, das sich zum Neberwinder dieser Gegensätze geschaffen dünkt und uns mit kindlich treuherzigen Mienen die Worte entgegenflüstert: Da bin ich, die Partei der Versöhnung! Die Gründung war von der Logik der Geschichte gefordert, denn wenn die Jünger Hirschs und Hildesheimers sich zusammenfanden, um durch Organisation zu ersetzen, was an Persönlichem mit dem Heimgang ihrer großen Meister geschwunden war, wenn selbst Abraham Geigers Skepsis und Philippsohns weltverbeffernder Reformeifer die Epigonen zu einer Bereinsgiündung begeisterte, dann dürfen doch — schon aus Pietätsgründen — diejenigen nicht Zurückbleiben, die aus Zacharias Frankels und Heinrich Gr ätz ens Händen ihr Judentum empfangen haben. Tatsächlich ist die neugeschaffene „Freie jüdische Bereinigung" von deren Gründung wir bereits berichteten, die legitime Vertretung des Frankel-Grätzschen Geistesdie Polemik nach rechts und nach links, mit der sie ins Dasein tritt, gibt ihr deutlich genug das ^Gepräge des Breslauer Seminars, wenn auch — trauernd sei es festgestellt — drei oder vier ehemalige Schüler Israel Hildesheimers das Tischtuch zwischen sich und ihrem Meister zerschneidend, es über sich gewonnen haben, der Breslauer Flagge Gefolgschaft zu leisten. Ist die „Freie jüdische Vereinigung" hinsichtlich dieser wenigen, aus dem Lager der Orthodoxie offenbar längst abgeschwenkten Männer als ein Instrument der Klärung zu begrüßen, so erscheint sie uns in ihrem Wesen und nach ihrer voraussichtlichen Wirksamkeit als nichts denn eine große Begriffsverwirrung. Schon die „Liberale Vereinigung" leidet an starken inneren Widersprüchen. Sie leugnet das Fundament des Judentum-: die Göttlichkeit seiner Ueberlieferung, stellt sich vorbehaltlos auf den Boden der alles negierenden bibelkritischen und müht sich hoch mit dem auf Je ■ Dauer hoffnungslosen V genannte funkelnagelneue Religion zu begeistern. Daß dieser Versuch scheitern muß, fühlen die gescheiten Leute unter den „Liberalen" in stillen Stunden zweifellos selbst, aber sie vermögen ihren Kampf gegen die Orthodorie und die Diskreditierung des gesetzestreuen Judentums doch mit der Ausrede zu begründen, daß sie auf diese Weise vielleicht den oder jenen, der schon an der äußersten Peripherie des Judentums steht, vom letzten Schritte, von der Taufe, zurückhalten. Diese Rücksicht kann die neugegründete Vereinigung nicht als Existenzgrund für sich in Anspruch nehmendenn sie ist nicht radikal genüg, um in die Seelenstimmung der Taufkandidaten hineinzupaffen. Sie betont in ihrem Aufruf mit starken Worten, daß die Religion „sich nicht vom Leben meistern lassen dürfe" und schreibt der „Liberalen Vereinigung" folgende hübsche Widmung ins Stammbuch: Vorübergehend« Zeitströmungen und wiffenschastlichen Hypothesen, die mit Unrecht als gesicherte Ergebnisse der Wissenschaft ausgegeben werden und überdies zumeist außerhalb des Judentums aufgetaucht und gegen dasselbe gerichtet find, soll die durch Jahrtausende bewährte Kraft unseres ReligtonsgesetzeSes geopfert werden. Selbst in der Schule und in das Gotteshaus sollm diese verhängnisvollen Lehren hineingetragm werden. Die Jugend soll durch Verkündung haltloser Behauptung« über unser heiliges Schrifttum verwirr»- ja es soll selbst der Religionsunterricht dem oft unreltgiöfen Charakter des Famtlienhauses entsprechend erteilt werben. In ten Synagogen soll die hebräische, die Juden der ganzen Wett vereinigende Sprache noch weiter zurückgebrängt werden. Die Gemüter werden durch radikale Reformpläne, über deren Unwtrksauckeit die Geschichte längst chr Urtell gefällt hat, beunruhigtdie Eintracht im Innern, deren wir heute bringender als je bedürfen, wird gefährdetdie Schaar derjenigen, welche der Religion entfremdet find, wird durch solche, daS PietätSgesühl schwer verlebende Mittel nicht verringert, sondern vermehrt. Demgegenüber charakterisiert die neue Bereinigung ihre eigene Aufgabe wie folgt: Wir wollen danach trachten, der Religion ihre Macht über die Gemüter wieder zu gewinnen, damit sie wie in den Tagen unserer Väter das Leben wieder heilige und verkläre. Wir wollen die Einheit in den Gemeinden erhalt« und nicht den Zwiespalt in ihnen noch erweitern - wtr wollen die Autorität der Quellenschriften unserer Religion nicht erschüttern und unser Judentum nicht zum Spielball jeder modernen Strömung machen lassen r wir wollen daS jüdische Bewußtsein stärken. Bet aller Treue gegen die Heiligtümer unserer Väter dürfen und wollL wir unS jedoch auch den Ansprüchen der Zett nicht verschließen, soweit diese dem Wesen unsere- Bekenntnissenicht widersprechen. Durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Wissenschaft des Judentums das Leben des " udentums bedeutet, wollen wir ste pflegen und fördern, ie soll uns bet den auf die Geftawmg des modern« Lebens gerichteten Bestrebung« dm Weg für ere Wirksamkett weisen. der B«fichmmg sein, die Partei, welche die durch die Geschichte bestätigte Wahrheit vertritt, baß nicht Willkür, sondern Treue, nicht Niederretß«, sondern Aushau«, nicht Trennung, sondern Verbindung in unserer Zeit unS helf« kanndie Partei, die weiß, waS die Gegenwart verlangt, aber auch weiß, baß die Gegenwart ihrem Wes« nach die Vergangenheit, auS der ste hervorgewachsen ist, nicht verleugnen darfdie Partei, die eine Spaltung im Judentum verhüt« will Wenn ein jüdischer Hausvater mit Durchschnittsbildung diese von Glaube, Liebe und Hoffnung gesättigten Sätze liest, so wird er gewiß, in tiefster Seele gerührt, die neugeborene „Partei der Versöhnung" als den Inbegriff aller moralischen und religiösen Vollkommenheit begrüßen und den Fanatikern zur Rechten und zur Linken mit ihren maßlosen Forderungen und Ansprüchen schleunigst einen Absagebrief schreiben. Es gehört schon einige Vertrautheit mit der Religionsgeschichte des letzten Jahrhunderts dazu, um das liebliche Geläute dieser Friedensglocken richtig zu verstehen und aus der Pastoralen Musik den eigentlichen Sinn der darin „vertonten" Begriffe herauszuhören. „Wie in den Tagen unserer Väter" soll die „Religion" das Leben wieder „heiligen und ver« nären"! Hier stock' ich schon — mit Verlaub, welche Religion bekennt Ihr, verehrte Herren? Diejenige der „Väter", die so einfältig waren zu glauben, daß der Weltengeist uns sein Wort zum ewigen Lernen und Lehren gereicht, daß in Thora und mündlicher Lehre Gottes Wort an seinen Diener noch heute zu uns spreche oder — oder die Religion der Breslauer Lehrer, denen dieses Fundament des Judentums, schon stark ins Wanken geraten war? Woriir besteht das „Wesen des Bekenntnisses", das den „Ansprüchen der Zeit" nicht geopfert, worin das Unwesentliche, das preisgegeben werden soll? Was ist Euch „Wissenschaft des Judentums"? Die alte jüdische Wissenschaft, wie'sie noch heute in den Jeschiwoth und Bothe Midrasch des Ostens und Westens gepflegt wird, die lebendige a l t j ü d i s ch e Wissenschaft, die in der chr göttlichen Lehre fürs Leben, fürs Erfüllen forscht und lernt oder jene berühmt gewordene „Wissenschaft des Judentums", die sich zum kritischen Richter einfetzt über die Vergangenheit und die nach dem Vorbilde der Frankel und Grätz die Gebilde ihrer eigenen religiösen Phantasie und die gerade^ aktuellen Tendenzen der Zeit in Geschichte Ueberlieferung hineindichtet? Das find nur einige wenige Fragen^ beim ersten Anblick dieser Sammlung schwommenen Redewendungen aufdr' Verfasser hab«t dem Kundigen die ' s 1