Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1909-10-12 · Heft 40 (12.10.1909) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 40 (12.10.1909)
Date
1909-10-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449352-2449393--65940-2508604
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Gettc L 9tu 40. 12. Oktober 190» mit dem Kerl", und wenn allabendlich auch noch Lieder gesungen werden, deren Inhalt an Gehässigkeit gegen die Juden nichts zu wünschen übrig läßt. Ich habe mich an Ort und Stelle erkundigt und in Erfahrung gebracht, daß dies von den Wirten und Hoteliers, ebenso von den Bewohnern der Nordseeinsel selbst am meisten bedauert und verurteilt wird. Was mich aber am meisten in Erstaunen setzte, war, daß ich darüber belehrt wurde, daß das Juli-Publikum sich besser benehme, als das August-Publikum, und wenn man bedenkt, daß im August Rheinländer und Westfalen dorten vorherrschen, so sollten die Rheinländer und Westfalen nicht allein ihr Bedauern darüber aussprechen, sondern auch dafür Sorge tragen, daß hier wirklich Wandel geschaffen wird." Das ist gewiß eine traurige Erscheinung, aber fast noch trauriger ist die Tatsache, daß sich immer noch Juden finden, die die liebliche Antisemiteninsel Borkum nicht umschiffen können. Krh«»eir, Bern, 6. Okt. Die in der Schweiz lebenden türkischen Juden hatten sich an die türkische Regierung gewandt mit der Mitteilung, daß ihnen das Hausiergewerbe verboten worden sei. Der Minister des Auswärtigen leitete sofort die nötigen Schritte ein und hatte die Genugtuung, daß die Schweizer Regierung die Aufhebung der freiheitswidrigen Bestimmung veranlaßte. Wenn Juden anderer Staaten in Rußland den schmachvollsten Ausnahmebestimmungen unterworfen werden, so handelt es sich für die betreffenden Regierungen meistens um eine „innere Angelegenheit des befreundeten Nachbarreiches." Man sieht, daß den Jungtürken die Losung Recht und Freiheit, unter der sie gekämpft und gesiegt haben, kein leerer Schall ist. Gestervetch. Wien, 4. Oktober. In der Versammlung des „Verbandes österreichischer Tierschutzvereine", die am 1. Oktober hier stattfand, wurde ein Antrag des Delegierten des Karlsbader Tierschutzvereines, städt. Tierarztes Otto Fritsch, auf Stellungnahme gegen das Schächten, aus dem Grunde abgelehnt, weil die Meinungen über diesen Punkt scharf auseinandergehen und der Verband ohnehin grundsätzlicher Gegner des Schächtens ist. Warum nun der Verband eine Sache, die doch nach eigenem Geständnis zum mindesten noch nicht geklärt ist, grundsätzlich bekämpft, bleibt sein Geheimis. Ungarn. Budapest, 5. Oktober. Die Altofner orthodox-israelitische Religionsgemeinschaft be-- schloß einen neuen Tempel zu bauen und von der Stadt die unentgeltliche ueberlassung einer Baustelle zum Tempelbau zu erbitten. Eine Deputation der Religionsgemeinde unter der Führung von Moritz K l e k s und des Rabbiners Groß trug nun dem Magistratsrat Geza Almädy die Bitte vor, er möge dahin wirken, daß' die Kommune dem gedachten Zweck das Grundstück Zsigmond-utza 33 widme. Magistratsrat Geza Amady sagte bereitwillig die Erfüllung dieser Bitte zu. Mit dem Bau soll demnächst begonnen werden. RuMand. klusweilungen ohne Enöe. Petersburg, 5. Okt. Laut einer speziellen allerhöchsten Erlaubnis haben sich in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zweihundertsechsundsechzig jüdische Familien in den Städten des Kubaner Kreises ansässig gemacht. Vierzehn von jenen Familien haben vor zehn Jahren von der höheren Administration die Erlaubnis erhalten, sich in Jekatexinodar niederzulaffen und mit Handelsbetrieben zu befassen. Bor einigen Wochen erhielten diese jüdischen Kaufleute plötzlich eine Verfügung des Gouverneurs, wonach sie bis Ende Oktober d. Js. ihre Geschäfte liquidieren und die Stadt verlassen müssen. Unter den Ausgewiesenen befinden auch sehr wohlhabende Kaufleute, die einen geschäftlichen Jahresumsatz von 7—800,000 Rubeln haben. Der vor kurzem aus Jekateriuodar hierher zurückgekehrte Dumaabgeordnete Pokrowski wird sich im Aufträge der ausgewiesenen Juden beim Kriegsminister für eine Aufhebung der Ausweisunasversrigung verwenden, deren Ausführung nach Pokrowskt's Meinung dem gesamten dortigen Handels- und Industriebetrieb schweren Schaden zufügen würde. Wird der Kriegsminister diesem Gesuche Folge leisten? Die russiche Regierung pflegt sonst bei Ausweisungen von Juden in „selbstloser" Weise auch die allgemeinen Interessen der russischen Bürger wenig zu berücksichtigen. Petersburg, 6. Okt. Die Regierung hat es mit der Verwirklichung der „Erleichterungen", die sie für jüdiche Schüler und Studierende gewährt, nicht besonders eilig. Mehrere Wochen sind seit der Bekanntmachung der betreffenden Ministerratsbeschlüffe verflossen, und noch hat es die Negierung nicht für nötig gehalten, entsprechende Instruktionen an die Schulleiter ergehen zu laffen, obgleich das neue Semester schon längst begonnen hat. Die Schuldirektoren verfahren inzwischen bei der Aufnahme von Juden nach den alten „Prozentnormen", und Tausende von jungen Juden harren mit Bangen der Entscheidung über das Los ihres Studienganges. In der Ausführung von beschränkenden Maßnahmen gegen die Juden ist die Zarenregierung nicht so saumselig. Und dabei sind die neuesten „Erleichterungen" für Juden nicht gerade sehr hochherzigsie bedeuten vielmehr einen Schritt vorwärts und zwei rückwärts. Während die jüdischen Prozentnormen in den staatlichen Schulen etwas erhöht wurden, sind sie andererseits für Juden in den Privatschulen — in denen bisher Juden ohne Beschränkung Aufnahme finden konnten — neu ein ge führt worden. Aber selbst die Ausführung der kleinsten Verbesserung für die Juden kann die Regierung nicht so leicht über sich bringen. Die Verzögerung in der Erteilung von entsprechenden Instruktionen an die Schulleiter soll besonders vom „schwarzen" Kultusminister und vom Marineminister veranlaßt sein, die gegen jede „Erleichterung für Juden" sind. Daß der „Tsuschimaminister" über Bildungsfragen mit entscheidet — kann in Rußland nicht weiter Wunder nehmen. Petersburg, 29. September. Der hierher zurückgekehrte sibirische Dumaabgeortnete Beleußow berichtet über Maffenausweijungen von Juden aus Sibirien. Kinder, Greise und Kranke werden nicht geschont. Ein alter bettlägeriger Jude ist unterwegs gestorben.. Selbst eingeborene Juden werden ohne jeden Grund ausgewtesen. Es heißt, daß ' dieses barbarische Vorgehen der sibirischen Administration auf eine Verordnung der Petersburger Zentralregierung zurückzuführen ist. Früher wurden und noch jetzt werden allerhand „Verbrecher" nach Sibirien verbannt—die Juden aber, die man doch sonst als Verbrecher behandelt, werden sogar von dort ausgewiesen . . . Moskau, 29. September. Das Programm des demnächst hier stattfindenden Monarchistenkongresses, zu dem seitens der reaktionären Parteien große Vorbereitungen getroffen werden, enthält auch folgende Resulation: „Alle außerhalb des Ansiedlungsrayons wohnhaften Juden sollen vom Militärdienst ausgeschlossen werden und dafür eine Militärsteuer leisten- Juder dürfen keinerlei Aemter in Regierungs und gesellschaftlichen Institutionen bekleiden, keine Schulen, Apotheken. Buchhandlungen und Verlagsanstalten halten - außerden soll es ihnen verboten sein, sich der russischen Sprache zu bedienen," Durch die Annahme dieser Resolution hoffen diese „Patrioten,, ihr Vaterland zu „retten". Arnerika. New Aork, 29.. September. Obgleich das Gewaltregiment des Einwanderungskommiffars auf Ellis-Island dank den Bemühungen angesehener jüdischer Männer etwas gemildert worden ist, steht es doch noch schlimm genug um die unglücklichen Einwanderer, die diese „Teufels- Insel" betreten. Dies beweist auch die Ziffer der im Monat Juli zurüktransportierten jüdischen Einwandererihre Zahl betrug 327, während im gleichen Monat des Vohrjahres nur etwa 40 von diesem harten Schicksal betroffen wurden. Im ganzen kamen in d. I. über 8000 jüdischer Einwanderer hierher, davon 6000 aus Rußland. Das Hauptübel liegt darin, daß das Einwanderungsgesetz solche Immigranten ausschließt, die wahrscheinlich „der öffentlichen Fürsorge zur Last fallen" werden. Dieser vieldeutige Ausdruck läßt sich natürlich, wenn man keinen guten Willen hat, auf 90 Prozent der Einwanderer anwenden, da ja alle nicht als Millionäre nach Amerika kommen. Das Handelsamt hat jetzt allerdings ausdrücklich festgestellt, daß eine „Belastung der öffentlichen Fürsorge" schon dann als. ausgeschlossen erscheinen muß, wenn für die betreffenden Einwanderer von Hilfsgesellschaften gesorgt wird. llelmkcdm. Frankfurt a. M., 10. Okt. Vom 15. Oktober ab ist die Jüdische Bibliothek und Lesehalle, Langestr. 33, wie folgt geöffnet: Bon Montag bis Donnerstag von 1—4 Uhr nachmittags und von 8—10 Uhr abends. Am Freitag Abend nach Schluß des Gottesdienstes bis 9 Uhr. Am Samstag von Vzil—1 Uhr vormittags und von 3—7 Uhr nachmittags. Frankfurt a. M-, 10. Ott. Der „Jüdische Frauenbund" (Vorsitzende Fräulein Bertha Pappenheim, Frankfurt a. M.) hat durch seine Ortsgruppe Frankfurt a. M. ähnlich wie es die christlichen BahnhofSmtsfionen bereits getan haben, in den Bahnhöfen, dm Eisenbahnabteilen und an sonst viel besuchten Orten der Stabt Schutzplakate für allein reisende Frauen und Mädchen anbringen lassen. Sie sollen fie auf. Gefahren aufmerksam machen und ihnen in allen größeren Städten Deutschlands Adressen nennen, darunter auch einige Auswandererbüros, an die sie sich um Rat und Hilfe wenden können. Nürnberg, 1. Oktober. Gegen die vom Magistrat beasichtigte Festsetzung der Höhenlage der Schniegltngerstraße hatte die israelittsche Kultusgemeinde, welche in dortiger Gegend einen neuen Friedhof eröffnet, Einspruch erhoben. Diesem Einspruch ist nunmehr vom Magistrat Rechnung getragen worden. Oldenburg, 10. Oktvr. Am min fand hier im Hause des Herrn Landrabbimrs Dr. Mannheimer ein EVO des Schabhossckiur auf C h u m e s ch mit R a s ch r statt, an dem sich eine große Anzahl Gemeindemitglteder beteiligten. Bei dieser Gelegenheit wurde eine min niöbn 7N2N gegründet, die tn dem neuerbauten Schulhorte m einem besonderen Lernzirnme' ihre tmilPtP abhalten wirb. Crartsheim (Württbg.), 5. Olt. Der Bau einer neuen Synagoge am hiefigen Platze ist nun genehmigt worben und es dürfte somit bald mit den Bauarbetten begonnen werden. Kiel, 7. Okt. Die Einweihung der neuen Synagoge ist nach neuer Bestimmung auf den 28. November veuegt orden. Fraustadt (Pos.), 3. Okt. Da die Zahl der Mischen Schüler der hiesigen jüdischen Schule jetzt auf 9 gesunken ist und voraussichtlich noch weiter sauen wirb, so haben die Repräsentanten die Auflösung der Schule beschlossen. Die jüdischen Kinder werden der evangelischen Schule zugeteilt. An dieser Schule wird dann dauernd ein jüdischer Lehrer angestellt. Petersburg, 5. Oktbr. Der Berkehrsmtnister hat eine Verfügung erlaffen, der zufolge beim Bau der Eisenbahnlinie Tumen-Omsk Juden und Polen alS Arbeiter oder Techniker nicht zugelaffen werden dürfen. Und doch behaupten die Verbändier, die Regierung fei nicht genügend „echtrussisch"! Kiew, 5. Oktober. Der hiesige jüdische Kaufmann '>■. I. Lteberrnann hat 80 uiO Rubel für die Errichtung einer Talmud-Thora-Schule in Kiew gespendet ww zum Unterhalt derselben je 3000 Rubel jährlich für zehn Jahre zugesichert. lamilirnnacdllcdtt«. Geburten: Eine Tochter: Jacob Rosenherm, (StrauS) hier, Königswarttrstr. 11. — Dr. Bamberger» (Markus) hier, Langestr. 57. — Ein Sohn: Moritz Oppenheimer, hier, Waldschmidtstr. Verlobte: Rahe! Winter, Mendel""Bamberger« Cöln-Dad Kisstngen. — Martba Girdisky, Rev. H. B- Whscheik, Pretoria-Germiston < Transvaal). Verst erbe»; Raphael Rosen heim er, hier, Äkerianstr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.