Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 40 (12.10.1909)
- Date
- 1909-10-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet non Dr. Lehmann in IKainz 50.3aiiroano. Sranhturt a. M., Sen 12 Oktober 1909, 27. Ttfdiil 5670. M 4V. Abonnement pro Vierteljahr: Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50, HestauSgabe (Kunstdruck) Mk. 3.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr., Rußland 1 Rab., England 2 sh., Amerika 50 cts., RrederlarLe 1.20 fl., Frankreich Frs. 2.50. Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Berlpg. HestauSgabe nur dirett. Der JSraelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechsgespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haasenstein u. Vogler A^G* Frankfurt a. M.» und deren Filialen. Zahlungen können außer direkt an den Verlag erfolgen per: Eonto bei de« Postscheck-Amt Frankfurt a. M. 9t». 344. ikonlo bei der ft. ft. Postsparkasse «Sie» 9t». 79665. «ottto bei de» ft. PostsparkassenaaMPndapest 9to. LS 484. Aonts bei der Rigaer ÄonuK^VMU in 9tig<e und deren Filialen. Dar Nackdruck Ser Artikel uns eorrewonSenren des „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es lick um größere nufffifce bandelt nur nach vorheriger Genehmigung gehottet Die ft U«mmee «mfaßt ««r 4 Seite«. Die nächste Nummer eeschei«t De««ee»- t«s, de« 14. Oktober. l.» «, Kochemmkscha«. VIe Nukklörungsarbell Ser rumSnlldien lugenS. Wir haben uns bereits in der letzten Nummer [mit dem Kongresse der Akademiker in [Bukarest des eingehenden besaßt, in der Meinung, daß es vom höchsten Interesse für die Zukunft Rumäniens überhaupt und besonders für die der dortigen Juden sein muß, von welchem Geiste die Heranwachsende gebildete Jugend dort zurzeit beherrscht ist. Bedenkt man, oaß diese überall die Bannerträgerin des Rechtes und lder Freiheit ist, und sich immer in ider vordersten Reihe befindet, wo es gilt eine Ibeffere Zeit vorzubereiten, so begreift man, daß lauch die Juden Rumäniens mit fieberhafter I Spannung dem Verlaufe des rumänischen Kon- Igreffes folgten. Biel konnte, das wußte man ischon am ersten Verhandlungstage, von derrVer- Isammlung, die unter der Aegide von Jo rga und |j£ u % q stand, nicht erwartet werden. Allein was der Kongreß an frommen Wünschen zum Ausdruck »rächte und an praktischen Resultaten zeitigte, mbertrifft noch um ein bedeutendes die gehegten Befürchtungen. Die rumänischen Akademiker Willigen nicht nur die Ausrottungspolitik der Regierung, sondern wollen sie den Juden gegenüber noch wesentlich verschärft wissen. Und diese verblendete Jugend wagt es, von Recht, Wqhrheit und Freiheit zu sprechen, und eine weitere Resolution zu faffen, die ungefähr lautet, daß sich die akademische Jugend verpflichte, für die fünf Millionen Bauern, die keine Vertretung im Parlament haben,in demokratischem Sinne zu wirken. Sie wollen die Bauern organisiren und durch unermüdliche Aufklärungsarbeit sie für den sozialen und wirtschaftlichen Kampf stärken und wappnen.. Wie diese Aufklärungsarbeit vor sich gehen würde, und gegen wen sich der neu entfachte Kampf richten soll, darüber haben die Verhandlungen, die von Anfang bis zu Ende sich im antisemitischen Fahrwasser bewegten, nicht den geringsten Zweifel gelassen. Und doch hätten die jungen Herren, wäre es ihnen wirklich um die Aufklärung der Bauern zu tun, jetzt die beste Gelegenheit dazu. Einer der größten Grundbesitzer Rumäniens hat plötzlich seine Zahlungen eingestellt. Die Passiven betragen mehr als 3 Millionen, und der Schuldner heißt Varile Miklesku, ein vollblütiger Bojare, der auch früher Abgeordneter und Präfekt gewesen ist. Der saubere Rumäne hat durch einen betrügerischen Vertrag mit seinen Hintermännern sein ganzes Vermögen der Verfolgung der Gläubiger entzogen. Man stelle sich vor, ein Jude hätte ähnliches begangen. Wieviele spaltenlange Artikel hätten sich dann mit dem Fall befaßt und ihn als Beweis für die „gerechte Behandlung" der Fremden seitens der Regierung nach allen Seiten ausgeschlachtet. Nun aber schweigen die Zeitungen mit Ausnahme der wenigen liberalen Blätter, indes die akademische Jugend Beschlüße faßt, den rumänischen Bauern aus demokratischer Grundlage beizustehen, und sie über die Lage aufzuklären, die Bauern, denen man von oben die Ueberzeugung beibringt, daß an ihrem Elend, dem materiellen wie dem geistigen, einzig die Juden schuld seien. . . . orrespondenzen und Nachrichten. Deutsche» Weich. B.'erlin, 9. Okt. Wie erinnerlich, hatte bei der vielerörterten Kriegsgerichtsverhandlung gegen den Grafen' v. Gersd.0Lf wegen vorschriftswidriger BchandlunF^E Mschen Einjährig- Freiwilligen Bloch, der sich das Leben nahm, der Vertreter der Anklagebehörde, Kriegsgerichtsrät W al t er, gesagt: „Nun ist aber die jüdische Abstammung noch nie ein Vorzug gewesen." Der „Zeutralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" wandte sich wegen dieser Aeußerung beschwerdeführend an den damaligen preußischen Kriegsminister v. Einem und erhielt jetzt von deffen Nachfolger nachstehenden Bescheid: „Kriegsgerichtsrat Walter hat die Untersuchung mit größter Gründlichkeit und Objektivität geführt und fich dabei insbesondere von jeder Voreingenommenheit gegen das Judentum ferngehalten. Auch bei der Vertretung der Anklage in der Hauptverhandlung am 19. April 1909 hat er fich ernstlich bemüht, die Straferhöhungs- und -verminderungsaründe vorurteilslos gegeneinander abzuwägen. Bei einem Versuch, die Handlungsweise des Angeklagten psychologisch zu erklären, hat er dann neben anderem allerdings auch ausgeführt: „Für einen Vorzug haben wir Deutsche die jüdische Abstammung nie gehalten." Der staatsrechtlichen Gleichstellung der Religionsbekenntnisse hat er nicht zu nahe treten und auch die Begehung der strafbaren Handlungen gegen einen Angehörigen des jüdischen Glaubens nicht milder beurteilen wollen. Er hätte sich aber sagen müssen, daß diese Aeußerung geeignet war, das Empfinden jüdischer Staatsbürger zu verletzen. Ich habe ihm daher das Geeignete eröffnen lassen, von Heeringen." Mag auch diese Antwort in manchen Punkten nicht als befriedigend gelten, so berechtigt sie doch keineswegs zu der Befürchtung, daß der neue Kriegsminister vom Wege der konfessionellen Vorurteilslosigkeit, den zu gehen Herr v. Einem ehrlich bestrebt war, abweichen könnte. Berlin, 1. Oktober. Auslandspässe wurden von den preußischen Behörden in dringenden Fällen ausnahmsweise auch Ausländern erteilt. Die russische Regierung hat nun aber mitgeteilt, daß russische Staatsangehörige zur Reise nach Rußland mit russischen Pässen versehen sein müßten. Der Minister des Innern hat daher angeordnet, daß diesseits für russische Staatsangehörige und solche Ausländer, bei denen der Besitz der russischen Untertanenschaft in Frage kommen kann, zur Reise nach Rußland Pässe nicht mehr ausgestellt werden dürfen. Köln a. Rh., 8. Okt. Von einem rheinischen Leser wird der Kölnischen Bolkszeitung" geschrieben: „Bei dem Besuche unserer Nordseebäder mußte ich erfahren, Wß die alten bedauerlichen Mißstände dort noch herrschen. Man sollte es doch nicht für möglich halten, daß, wenn sich ein JSraelit in Borkum am Strande sehen läßt, ihm von dem Publikum, welches doch Anspruch auf Bildung machen will, zugerufen wird „HeraM MMMWMdWmMWiWWW