Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1909)
- Date
- 1909-09-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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un<f Leb ,3sr«elif* {Illustrierte Beit age zum Darke Lbajim. Tie neue Arbeitsschule der deutsch -holländischen Chalukaverwaltung in Jerusalem. (Mit fünf Bildern.) In begeisterten Tönen haben unsere Weisen den sittlichen Wert der Arbeit gepriesen und zwar nicht nur den mittelbaren sittlichen Wert der Arbeit, der sich aus ihrem Charakter als Erzeugerin wirtschaftlicher Güter und damit der Grundlage aller Existenz ergibt, sondern ihren unmittelbaren erzieherischen Wert für die Bildung und Stählung des Menschenwesens. In ihren eigenen Reihen, unter den vom Geist der Thorasorschung geadelten Heroen der talmudischen Zeit, den vornehmsten Trägern der Ueberlieferung, fanden sich ja Schuster, Schmiede, Tischler, Handwerker aller Art, und es ist nicht wenig charakteristisch für die Selbstverständlichkeit, die dieser Erziehung zur Handarbeit in den Augen der Weisen s. A. innewohnte, daß sogar die überlieferte Verpflichtung des Vaters, den Sohn einem Berufe zuzuführen, in der Form roaout geprägt, also nuöitf (im engeren Sinne Handfertigkeit) als Mittel der Existenz vorausgesetzt wurde. Ebenso selbstverständlich allerdings war der Weisheit unserer Lehrer auch der große, das ganze Geheimnis des jüdischen Volksdaseins ausmachende Grundsatz, daß ohne Thorawissen, ohne die ganze Atmosphäre des Lernens und Lehrens auch der tüchtigste jüdische Arbeitsmann seinen Beruf verfehlt habe, %nb daß es keinen Stand in Israel geben dürfe, der nicht dus göttliche Wott: 12 TW nWl üüV sein Leben lang nach dem ganzen Ausmaße seines Könnens zu verwirklichen habe. Auf heiligem Boden, in Jerusalem, ist vor wenigen Monaten von den in neuerer Zeit ihre Ziele mit anerkennenswerter Energie verfolgenden Pekidim und Amarkalim zu Amsterdam ein Institut errichtet worden, das wir im Geiste der eben entwickelten Gedanken mit aufrichtigen Segenswünschen begr üßen möchten die Arbeitsschule D'Tin Bildete es einen Programmpunkt bei der Reorganisation der Chaluka, daß mit dem Ablauf des dreizehnten Lebensjahres jeder A n - spruch auf Chaluka erlischt, und an Stelle der Rente von Fall zu Fall Erziehungsbeiträge für die berufliche Ausbildung oder für das weitere Thorastudium der Kinder treten, so lag der Gedanke nahe, für diejenigen, die nicht weiter „lernen" wollten oder konnten, nach einer Ausbildungsstätte Umschau zu halten, der jüdische Eltern und eine gewissenhafte Verwaltung mit Ruhe Zöglinge anvertrauen dürfen. Wer die Verhältnisse im heiligen Lande kennt, weiß, daß eine solche Stätte in Jerusalem erst geschaffen werden mußte, und daß es nicht leicht war, sie zu schaffen. Dem Heimgegangenen Oberrabbiner Samuel S a l a n t y'piXT, der trotz seines hohen Alters in manchen Fällen noch immer seine Autorität geltend zu machen wußte, ist es zu danken, wenn die Schwierigkeiten, die sich in den Weg stellten, überwunden wurden, und die warmen segnenden Worte, die jener große Führer der Anstalt mit auf den Weg gab, sind ihr ein kostbares Angebinde. Handwerkerfchule der Pekidim c^n ■on i» Jerusalem Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die Erwägungen wirtschaftlicher Natur, welche die Vorbedingungen für die Gründung und Art der Einrichtung bildeten, und die in einer vom Jerusalemer Bureau der Pekidim ausgearbeiteten Denkschrift niedergelegt sind, hier wiederzugeben. Selbstverständlich hat die Anstalt in dieser Hinsicht aus den Erfolgen und Mißerfolgen ihrer Vorgängerinnen vieles zu lernen. Was ihre Eigenart bildet und was ihr die werktätigen Sympathien der gesamten religiös denkenden Judenheit sichern sollte, ist die Harmonie altjüdlscher Erziehungsgrundsätze, die Vereinigung von Thora und Arbeit^ die in ihr klarer nnd nachdrücklicher als je zuvor in die Erscheinung tritt, und die sogar die hier beigefügten Bilder aus den ertten Blick vor Augen führen. Wenn oben gesagt wurde, daß der Gedanke der Anstaltsgründung aus der Notwendigkeit erwachsen, ist das Programm der deutsch-holl. Chaluka-Reorganisation auszuführen, so gilt das von der En t - stehung, nicht aber von der Wirksamkeit des Instituts. Es kommt vielmehr allen Juden Jerusalems ohne Unterschied des oder der Abstammung zugute und es darf auch aus diesem Grunde auf die umfassendste Forderung Anspruch machen. Ueber die innere Einrichtung und die Aufnahmebedingungen heißt es in der erwähnten Denkschrift: „Die Anstalt in Jerusalem wurde zunächst nur mit einer Abteilung für das Schloffer- und Schmiedegewerbe und den damit zusammenhängenden Arbeiten eröffnet. Eine reguläre Werkstätte, die sich dieser Anstalt anschließt, wird auch sonstigen beschäftigungslosen Handwerkern Arbeitsgelegenheit bieten. Später hofft man die Einrichtung auf alle Arten Handwerk auszudehnen, je nach der materiellen Förderung, die das Unternehmen finden wird. Als Zöglinge sind Schüler der Talmud-Thora-Schulen u. der Jeschiwos gedacht, bei welchen von einer Fortsetzung ausschließlichen Thorastudiums kein entsprechender Erfolg zu erwarten istwas bei den meisten Knaben schon etwa im zehnten Jahre festgestellt werden kann. In den ersten sechs Monaten gehört nach den Statuten ein Teil der Zeit dem Thoraunterricht, der auch in den Lehrräumen der Anstalt erteilt wird. Die aus derJeschiba entlaffenen Zöglinge haben weiter täglich eine angemeffene Zeit die Jeschtba zu besuchen. Der größere Teil des Tages ist dem Handwerk und dem für das Handwerk erforderlichen Vorbereitungsunterricht gewidmet, wie Zeichnen, Rechnen, Physik, sowie dem Studium der heiligen Sprache in Schrift und Wort. Morgens gehen die Schüler an die Arbeit, die durch eine für das Mittagsmahl anberaumte Stunde unterbrochen wird, nach welcher sie die Arbeit aufs neue bis abends 11 Uhr aufnehmen. (Diese Stunde entspricht der 7. Abendstunde nach europäischer Zeit.) Dann folgt das Minchagebet, nach welchem noch eine Stunde Thnach und eine Stunde Chaje Odom oder Kizzur Schulchan Oruch, von den Fortgeschritteneren Sch. Aruch, gelernt und zuletzt Maariw gebetet wird. An jedem Rüsttag zum Schabbos wird die laufende Sidra durchgenom-