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Der Israelit · 1909-09-29 · Heft 39 (29.9.1909) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 39 (29.9.1909)
Date
1909-09-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Gelte 14. Nr. 89. Der Israelit. 29. September 1909. zu-erkennen und . zu genießen, ja im Künstler selbst Nach—Schöpfer derselben zu werden. Dann wird er aber auch erkennen, daß es eine geistige und eine sittliche Wahrheit gibt, die derselbe Gott ihm gereicht, die schönste Harmonie in einem Leben der ganzen Menschheit nach seinem Wort und Willen zu verwirklichen. Dann wird die Kunst selbst zu einem der tiefsten Ausdrucksmittel der Gottesverehrung und des harmonischen Glückes derselben werden. So also erblickt der einheitlich denkende Jude in der Kunst das Ringen nach einer reinen ungetrübten Harmonie des Lebens und in der Tatsache, daß Tausende von Individuen sich ihr in reinstem Idealismus und oft unter den größten Opfern und Entbehrungen weihten und immer wieder weihen, die Garantie der Erreichung dieses Zieles durch die Gesamtmenschheit. Bei diesem weiten Blick und Ausblick stört ihn dann nicht, daß die Kunst so oft das Sinnliche im Menschen zum Lebensziel erhoben hat und dadurch düsen nicht über sich hinausheben konnte. Auch nicht, daß sie oft geradezu zum beredtesten Ausdruck einer direkten Auflehnung gegen Gott und sein Sittengesetz geworden — ein geistreiches AperQu Victor Hugos über Architektur, ich glaube, in Notre dame de Paris, faßt den Turmbau zu Babel so auf —; er sieht in all dem vielmehr das Suchen nach etwas Verlorenem und ist des Findens, des Zusammenfindens mit seinem eigenen Ideal, am Ende gewiß.§ Dem jüdischen Menschen, der diese einheitliche Betrachtungsweise aller Erscheinungen der Menschheitsgeschichte, wie »"ninsie lehrt,nicht kennt, bietet die Kunst allerdings gewisie Gefahren. Gar leicht kann auch er für sich das Höchste in herzbezwingendem Schönheitsstreben erblicken und Auge und Sinn verlieren für die Harmonien des jüdischen Gesetzes-Lebens. Dann: Die Fragen, die der Geist des Menschen, der die Welt ohne das Faktum Gott betrachtet, geformt und in sich bekämpfenden, sich ergänzenden Systemen beantwortet, sie werden eindringlicher, greifbarer, gefährlicher, wenn der Künstler, der Dichter, sie in der zündenden Sprache der Kunst stellt oder beantwortet. Diesen Gefahren verfällt namentlich gern unsere Jugend. Sie will Schönheit, sie will Feuer, will Begeisterung und wenn sie all' das in Kunst, in Poesie findet, so macht sie sich leicht die Gedankenkreise und Lebensanfchauungen der Geister zu eigen, die ihr diese gegeben. Es gilt, schon in ihr mit dem Bewußtsein der Wahrheit unserer Lebenslehre dasjenige der Bedingtheit aller andern geistigen Erscheinungen zu wecken. Vor allem aber gilt es, ihren Sinn zu wecken für die Harmonie und Schönheit des jüdischen Denkens und Lebens, der jüdischen geistigen Welt, die Gott in mir, uns zur Erfüllung und zum Ausbau geschaffen, auf daß sie ihnen lebendig wird und bleibt als Welt- und Lebensanschauung, für die die reinste, feurigste Begeisterung sie fort und fort erfüllt. Das hat uns Samson Raphael Hirsch geehrt, er hat unser Auge geöffnet für die tausendfache Schönheit und Harmonie der min in ihrer weltumfassenden Ganzheit. Er hat es uns gelehrt in feinem, tiefstes philosophisches Denken und glühendstes, begeistertes Fühlen harmonisch vereinigenden Schrifttum, das selber als Ganzes vor uns steht wie ein ausgereiftes, ewiges Kunstwerk. iWrfcha«. Talmud und Neues Testament. Bon Rabv. Dr. Arthur Marmor st ein. 1906. Selbstverlag (Btnkovci in Slavonten). 54 S. In vorliegender Schrift verfolgt der Verfasser den Zweck, die falschen Anschauungen über den Talmud, wie fie in einer gleichnamigen Schrift von Professor Eduard König zum Ausdruck kommen, richtig zu stellen. Daß über den Talmud von Nichtkennern oder solchen, die es nicht wissen wollen, in anmaßender und nicht fetten gehässiger Weise oft abfällig geurteilt wird und ihm Grundsätze und Lehren unterschoben werben, -die ein niedriges Niveau auf ethischem Gebiete verraten lassen, während als Quelle alles ethisch Erhabenen und Schönen daS Neue Testament gepriesen wird, ist bekannt Aber ebenso ist rS unwiderlegbar, wie der unbefangene Kenner bezeugen muß, daß die Ethik des Neuen Testaments nichtanderes alS jüdische E htk ist, daß cs keine erhabene fittliche Lehre im Neuen Testament gibt, die nicht tm jüdischen Schrifttum, bczw. im talmudtscheri„ nachzuweisen wäre. Etwas anderes will der Verfasser auch nicht sagen, wenn er S. 12 etwas unbeholfen Talmud und Neues Testament als „Zweige eines und desselben Baumes" bezeichnet. Der Verfasser ist mit Ernst an die Lösung seiner Aufgabe gegangen, es wäre aber besser gewesen, wenn er, um eine Anficht oder einen angegriffenen Ausspruch eines Rabbiners zu verteidigen oder ins richtige Licht zu stellen, nicht zu Deuteleien seine Zuflucht genommen hätte, sondern bei dem wörtlichen Wortstnn geblieben wäre. Es nützt nichts, wenn er „Hillel" von dem von König gemachten Borwurf der Inferiorität, im Hinblick auf fHT^TiDr '^BK/ befreien will, behauptet, dieser Ausdruck bedeute: „einer Schändlichkeit verdächtig sein." Wir behaupten, daß die Erklärung des Verfassers falsch ist, daß l^tPafi nmpn nichts anderes bedeutet, als das Gericht anbrennen lassen oder versalzen, und daß derjenige, der diesen Ausspruch getan, darum doch nicht der fittiichen Inferiorität beschuldigt werden kann. Allein d r Verfasser erbringt einen Beweis dafür, daß n^pfi „verdächtigen" oder als „verdächtig erscheinen" bedeute, denn im Sifre Nr. 235 heißt es: nb DEV) n« 'b nmpn rfo 'bk '^bk ^12' -anan mWp •ana*r srnbs b"n nrpipn *6 ktp bnpann *na*rr anan niWp na anan riAAr l«a niöKrr annn nAAr aAiro wpa ]bnb D’SirD wpa» Das soll also als Beweis dafür gelten, daß A'lvan niT^pri bedeute, sich einer „schändlichen Tat", nämlich des unkeuschen Lebenswandels verdächtig machenabgesehen, daß zwischen den.beiden Ansichten in der Mlschna gar kein Unterschied wäre, denn der Verdacht eines unkeuschen Lebenswandels wäre doch j-q k^B 131 rvni?/ hätte der Verfasser bei ganz wenigem Nachdenken sich sagen müssen, daß die ganze Stfrestelle Wort für Wort eine Widerlegung semer eigenen Auffassung ist. Kann es denn deutlicher gesagt werden, daß der Sifre entschieden Stellung gegen die Anficht nimmt, die ein geringfügiges Vorkommen als giltigcn Scheidungsgrund anerkennt, daß unter a'^IIN TlAAp nicht jeder beliebige Borwurf, den der Mann machen könnte, verstanden sei. sondern nur, wie dieses Wort an anderer Stelle bedeutet, der Borwurf unsittlicher Führung. — WaS nun das '131 nnnpn selbst betrifft, so ist es ersichtlich, daß dieses eine hyperbolische Redensart ist, welche den Gegensatz zü 13*1 illp recht prägnant Ijen orhehen will, um zu sagen, es bedürfe nicht erst deS Ehebruchs, um eine Ehescheidung zu rechtfertigen, sondern auch relativ geringere Zwischenfälle in der Ehe, die Zerwürfnisse schaffen, können Grund für eine Ehescheidung sein. Dgß auch heute in dieser Beziehung beide Anstchtcn in der nichtjüdischen Welt ihre Vertreter haben, ist bekannt. ES bedurfte also gar keiner Künstelei in der Auslegung, um Hillel vor den Augen der Welt, resp. E. König, gegenüber zu rechtfertigen. Aber selbst wenn die angeführte Anficht ganz Ungeheuerliches enthielte, hätte der Verfasser nicht Htllels Integrität durch erkünstelte und unrichtige Auslegung der Worte zu erweisen brauchen, denn Hillel hat mit der ganzen Geschichte nichts zu tun. Was man Herrn König verzeihen kann, kann man dem Talmudisten und Rabbiner nicht nachstehender Verfasser hätte nicht Beth Hillel, die Schule Hillels mit dem Lehrer Hillel verwechseln dürfen. Der angeführte AuSspruch rührt von der Schule H:llels und nicht von dem Meister her, und für daS, was die Schüler lehren, ist der Meister nicht verantwortlich,, wenn er es auch in unseriu Fall sein dürfte. Obgleich es fich hier möglicherweise um Tradition und nicht um Interpretation handelt, kann man nicht sagen, die Schüler hätten gewiß tm Sinne des Meisters gesprochen, denn erwiesenermaßen find die Schüler auch mttui ter der entgegengesetzten Meinung gewesen wie Hillel selbst. (Vgl. Kethuboth 53a Pos. pKtP) Denselben Borwurf der falschen Aulegung müssm wir tn bezug auf dte Worte plllBl jAtfB erheben, die wörtlich zu nehmen find und nicht Befördern und Nichtbesördern bedeuten. So cbenhin betrachtet, mag jene Stelle in Aboda zara unser Empfinden stemüartig berühen, aber auch nur obenhin betrachtetverstehen wir jedoch geschichtlich und psychologisch die Stelle aufzufassen, so werden wir sie bald als Notschrei und Notwehr gegen Bestre ungen erkennen, dte Judentum und Juöenheit aufs schwerste getroffen haben. Es wenden fich diese Worte gegen a'^B und D’HDIB/ gegen dte inneren Nattonalseinde, gegen die jüdischen Apostaten, welche den Bestand deS Judentums bedrohten und gewalttätig gegen dte vorgingen, dte dem Judentum neu. geblieben waren, und gegen die Denunzianten, die um blinkenden Lohn durch verläumderifche Anklagen Hunderte und abermals Hunderte dem Messer der herrichenden Römer überliefert haben. Bedenken wir dies, da verstehen wir den Ausbruch des Hasses, wie wir dte flammenden Wort. Arndts verstehen, die die Zeitgenossen in zündender Rede aufforberten, Mann für Mann mtt Franzosenblut das'Etsen zu röten. Wtr brauchen nichts zu verheimlichen, zu verhüllen oder zu umschreiben - die beste Abwehr gegen unberechtigte Angriffe ist Offenheit und Wahrheit - dies läßt der Verfasser, gewiß in bester Absicht, tn zwei wesentlichen Punklen vermissen und dielet so dem Gegner neue Angriffsflächen, und darum dursten wir oieS nicht unbesprochen lassen. Doch soll uns dieses nicht zurückhalten, das ernste Streben des Verfassers zu betonen und das vie e Gute und Belehrende, das die kleine Schrift enthält, gebührend anzuerkennen. . ' 8. Die Geistesstörungen -ei den Inden. Eine klinisch-historische Studie von Dr. Max S i ch e l. Leipzig, M W. Kaufmann 1919. 8i S. 2,- Mk. Das wachsende Interesse für die Rassenbiologie und -Pathologie der Juden hat tn den letzten Jahren eine größere Anzahl Publikationen über diesen Gegenstand y.rvorgebracht. Die vorliegende Studie verfällt in einen historischen und statistisch-klinischen Teil. Der erstere, der die psychopathischen Mitteilungen aus Bibel und Talmud kurz zusammenstellt, kann hier nicht krittfch beleuchtet werden, weil das über den Rahmen einer Recension htnausginge, und weil dieser Teil im wesentlichen eine Skizzierung der neueren Literatur, nicht eine Mitteilung eigener Anschauungen darstellt. Mer klinische Teil ist, wie die vielfachen tenmni technici zeigen, nur für den ärzt lichen Leser bestimmt, so daß für den Nicht-Mediziner im wesentlichen nur der historische Teil und die Sch ußkapitel, welche die mehr praktischen Fragen behandeln, übrig bleiben. Für die einzelnen Krankheitsformen gibt Verfasser sowohl eine Zusammenstellung. aus der einschlägigen Literatur als auch Angaben über eigenen, übrigens nicht sehr umfassenden Erfahrungen. Er kommt zu dem bisher wobl von allen Autoren bestätigten Resultat, daß bei den Juden eine hohe neuropathische Veranlagung besteht, und daß einerseits der Alkoholismus mit seinen Folgeerscheinungen, sowie die Epilepsie bei den Juden seltener als bei Ntchtjuden Vorkommen, andererseits aber eine besondere Neigung der Juden zu gewissen Krankheitsbildern besteht, zur Dementia praecox,. dein manisch-depressiven Irresein, der Hysterie, vor allem aber zum angeborenen Schwachsinn. Mit Recht würdigt der Verfasser in den Scmußkapiteln die Faktoren, denen es zuzuschreiben ist, daß bei den Juden nicht die Zahl von Fällen zur statistischen Feststellung oder überhaupt zur vollen Entfaltung gelangt, die der tatsächlichen Veranlagung entspricht, sondern daß diese Zahl bald zu klein, bald zu groß erscheint. Somit bleibt die Grundlage für einen Vergleich mit der Veranlagung der Nichtjuden schwankend. Gleichwohl bleibt die Tatsache bestehen, daß, wenn man auch aus der stärkeren jüdischen Frequenz der Heilanstalten relattv keinen Maßstab für stärkere Veranlagung gewinnen kann, schon die relativ gleiche Frequenz bei dem Fehlen der alkoholiftischen Nervenerkrankungen unter Juden zweifellos für eine stärkere neuropathische Veranlagung der Juden spricht. Der alte Satz, daß die Juden stärker als die Ntchtjuden zu Geisteskrankheiten disponiert sind, der nach allen bisherigen Mitteilungen nicht anzuzweifeln ist, wird auch von Sichel an mehreren Stellen anerkannt - jedenfalls kann von einem Gegenbeweis nicht die Rede sein. Gleichwohl läßt der Verfasser stellenweise unklare Behauptungen einfließen, die den Satz zu bezweifeln scheinen. Es ist klar, daß die Tatsache der erhöhten Disposition von der Frage, ob eine primäre Rasseneigentinnlichkeit oder eine Anpassung an äußere Umstände oder eine üble Folge dauernder Einwirkungen vorliegt, garnicht berührt wird. Auch Fischberg, auf den sich Sichel beruft, hat in seiner geistvollen Arbeit die hohe Resistenz der Juden gegen d e tuberkulöse Infektion nur bestätigt und nicht bestritten - er hat nur diese Erscheinung unter Ausschaltung der Annahme eines primären immanenten Rassemerkmals neu mottviert. Auch Sichel sucht den Begr'ff des Rassemerkmals auszuschalten, er übt ferner an den statistischen Zahlen nach beiden R chtungen hin Krittk, aber weder bestreitet er deutlich die erhöhte Disposition, noch könnte er sie bestreiten, sowohl nach allen vorliegenden, wie seinen eigenen Ermittelungen. Die Ausdrucksweise ist aber in diesem Punkte so unklar und schwankend, daß Drei»fuß in seiner Recension (Zeitschrijt für Demographie und Stattstik der Juden) Sichel für seine Ansicht, daß die Zahl der jüdischen.Irren nicht relativ zu hoch sei, in Anspruch nimmt. Diese Unklarheit beeinträchtigt den Wert der Arbeit. Die letzten Kapitel, über Selbstmord, Belastung, Kriminalität, Prognose usw., find in für den Laien verständ icher Form geschrieben, ur d ihre Lektüre ist umso empfeh enswerter, als das Bewußtsein und Verständnis der Juden in punkto Rassenbiologie wenig ausgebild t ist. Die Schrift stellt eine fleißige und interessante Arbeit dar, die einzelne neue Anregungen bietet. 8d. Jüdische Legende». Von L e o T o l st o i deutsch von Emanuel Mischnajewsky Runin. Berlin-Leipzig J909 Curt Wigand. Es sind bekannte Perlen auS der Agada, die Tolstoi hier in einfacher schöner Sprache erzählt, Perlen, deren Glanz dem Juden, nicht fremd ist und denen Hunderte nicht minder strahlender Kleinodien aus dem reichen Schatze unsres Schristums an die Seite gestellt werden könnten. Aber es wäre ein gutes Werk, das Büchlein in christlichen Kreisen zu verbreiten. Dort könnte es manches hartnäckige Vorurteil beseitigen helfen und den Bölkem erzählen von der „unendlichen Seelengröße dieses Bo'kes", die denr Verfasser, wie er bekennt, aus diesen Legenden aufgegangen ist. . — m

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