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Der Israelit · 1909-08-26 · Heft 34 (26.8.1909) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 34 (26.8.1909)
Date
1909-08-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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5- Jahrgang. M 8. üdiöcbcr Volhöfrcund 144 Monsis-Veilage zum „Zrraelit TmatwortKdu Redaktion r Rabbiner Df. ß. Ödolf fa Köln. Für den Stipendienfond des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E- V.) gingen ein: Frl. Charlotte Kra 3 Mk., N. N. 5 Mk., X. Y. 3 Mk., N. N. 100 Mk., N. N. Rees 1 Mk. Fortsetzung in der nächsten Nummer. Man hat schon lange eingesehen, daß die Rofch-Haschonoh-(5orrefpondenz nicht viel mehr als eine große Belästigung bedeutet und eigentlich nur der Post Vorteil bringt. Man hat daher zu Ablösungen aller Art gegriffen, um Wohltätigkeitseinrichtungen das Geld zuzuweisen, das sonst zu Porto-Auslagen vergeudet wurde. Wir erlauben uns, unfern Stipendienfond, aus welchem bedürftige Lernende jeden Berufes unterstützt werden sollen, für solche Ablösung zu empfehlen. Geldsendungen wolle man gefl. z. H. des Herrn Rabbiner Dr. Wolf, Cöln, Hohenstaufenring 141 richten, damit die Veröffentlichung an dieser Stelle erfolgen kann. Als Ablösung von der R o s ch - H a s ch o n o h- Correspondenz gingen dem Stipendienfond des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E. V.) zu: Samuel Grünsfeld- Cleve 5 Mk., Rabb. Dr. Moses Auerbach- Peffach Tikwoh (Palästina) 5 Mk., Alex. Heymann - Stommeln 3 Mk., Jakob Salomon- Cöln-Deutz 3 Mk., Lehrer Emil Silbermann-Vallendar 2 Mk., Salomon Gottschalk-Mülheim (Ruhr) 4 Mk., B. Lewertoff-Cöln 3 Mk., Felix Müller-Düsseldorf 2 Mk., H. Hosfmann-Norderney und'Effen 5 Mk., M. L. Munk-Cöln 5 Mk., Jakob L. Marcus-Rees 3 Mk., B. Bernhard-Rees 1 Mark, Lehrer Lcvisohn-Rces 2 Mark, S. Hanauer-Enskirchen 5 Mk., L. Kallmann- Cöln 2 Mk., Abr. Cohn- Calcar 1,50 Mark, C.Bermann-Cvln 3 Mk., N. N.-Neuß 3 Mk., Rabb. Dr. Wolf-Cöln 3 Mk. Fortsetzung in nächster Nummer. Die religionsgesetzlichen Vorschriften für Rosch- Haschonoh, Jaum Kippur und Sukkauß sind in den Nummern 9 und 10 des 2. Jahrganges dieser Blätter zu finden. Cöln, 25. August 1909. Sonntag, den 12. September nachmittags 3 Uhr soll ein Delegiertentag des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands (E. V.) in Cöln, Ringkaffee, Hohenzollernring 251, stattfinden. Herr Referendar Jsi Kahn wird über das Thema referieren: „Wie stellen wir uns zu einer Zwangsvereinigung der preußischen Juden?" Der Delegiertentag ist für die Mitglieder des Vereins öffentlich. Besondere Einladungen an die dem Verein angcschlossenen Gemeinden und Korporationen sowie an sämtliche Einzelmitglieder sind ergangen. Wclrväm und wrwärts. Der Elul läßt die Posaune erschallen. Sie bläst zur Rückkehr. „Rückkehr" ist des Elul- Monats Losungswort. Die Menschen haben Meere überbrückt, Berge durchstochen, und nun überstiegen sie die Grenzen der Länder. „Vorwärts" lautet ihr Wahlspruch. Vorwärts drängt uns die Zeit, vorwärts wollen wir sie selbst leiten. Da ruft uns die Thora zurück, der Schöpfer ruft uns zurück, der doch die Welt geschaffen, damit sie fortwirke, sich entwickele, sich vervollkommene, der Schöpfer, der den Menschen bestellt hat, das All zu beherrschen und immer mehr der Kräfte und Geschöpfe sich untertänig zu machen. Wir müssen, sollen vorwärts. Und dennoch zurück? Nein nicht dennoch, sondern grade darum zurück. Weil wir vorwärts sollen, darum müffen wir zurück. Wir gleichen dem Schiffer, der den Kampf aufnehmen muß mit den Wogen aus der unermeßlich weiten Flut. Immer weiter hinaus treibt ihn die Welle, immer weiter bringt ihn der Ruderschlag seiner kräftigen Arme, sein Wille, sein Sehnen, sein Hoffen. Der Leuchtturm an der Küste bleibt in Treue fest, nicht wankend, sein Freund. Zu ihm kann, zu ihm muß immer wieder sein Blick sich lenken, wenn er sich nicht planlos verlieren will, und wie frohlockt er, wenn er nach Stunden und Tagen und Wochen banger Gefahr in verzweifeltem Kampfe gegen die wildstürmenden Elemente den Leuchtturm an der Küste entdeckt, in Treue fest, den nie' wankenden Freund. „Land, Land"! Er hat sich nicht verloren. Die Fluten haben ihn Feuilleton. Um Kaminfcucr. (Fortsetzung.) Ein alter, treuer Freund meldete mir, daß das langjährige Leiden allmählich die Kräfte meines Vaters aufgezehrt habe, und daß voraussichtlich nur noch eine kurze Spanne Zeit ihm gehöre. Am liebsten wäre ich sofort zum leidenden Vater geeilt, doch hielt mich eine Scharlacherkrankung unseres älteren Knaben zurück. Es waren doppelt schwere Tage, die noch schmerzlicher waren durch die Unfähigkeit meiner Frau, das kranke Kind zu pflegen. Sie störte durch leidenschaftliches Klagen die Ruhe des fiebernden Knaben und konnte ihm nicht die geringste Hilfe leisten, nicht das kühlende Getränk reichen, nicht den Umschlag wechseln. Als auch der Kleine von der schweren Krankheit ergriffen war, gebärdete sie sich so unvernünftig, daß sie aus dem Krankenzimmer entfernt werden mußte. Als endlich die Gefahr gehoben war und ich die Reise zu meinem Vater, dessen Kräfte nach des Freundes Bericht stetig abnahmen, antreten wollte, überhäufte mich meine Frau mit bitteren Vorwürfen, daß ich ihr die Pflege der Kinder allein überlassen wollte! Ihr die Pflege der Kinder! Ich wußte die Rekonvaleszenten in bester Hut bei der Krankenpflegerin, die unter Aufsicht meines Schwagers die Behandlung der fast Genesenen weiter führen konnte. Als ich das Rosa auseinandersetzte, bekam sie Nervenkrämpfe, ihre zufällig anwesende Mutter überhäufte mich mit schweren Anklagen und erklärte, die Tochter sei total erschöpft von den Anstrengungen und sie müsse für einige Wochen auf das Gut der Eltern. So geschah es. Nur daß nach 3 Tagen die Damen ein elegantes Bad aufsuchten, in dem Rosa Entschädigung für die Sorgen der letzten Zeit fand. Ich wartete die Wochen der Ansteckungsgefahr ab, brachte dann die Kinder zu meinem Schwager, dessen liebevolle Frau sie gern während meiner Reise bei ihren Kindern behalten wollte. Nun ging es in jagender Eile der Heimat zu. Die letzten Berichte lauteten sehr ungünstig, sollte ich den Teuren nicht mehr antreffen? Ich hatte mir an alle größeren Stationen Drahtnachrichten bestellt, die nichts gutes melden konnten. Eine halbe Stunde trennte mich noch von meinem Ziel, da hielt Plötzlich der Zug aus freiem Felde. Erschreckt erkundigte man sich nach der Ursache. Es herrschte seit einigen Stunden furchtbares Unwetter. Dadurch war der sonst harmlose Fluß zum rauschenden Strome angeschwollen und hatte die Eisenbahnbrücke fortgerissen. Ein Glück war es, daß der Zug sich nicht auf derselben befand. Mit mehrstündiger Verspätung kam ich in der Heimat an. Ich eilte ins Vaterhaus. Vor der Haustüre stand ein Kanne Wasser. Der Anblick krampfte mir das Herz zusammen. Zu spät. Langsam schleppte ich mich die Treppe hinauf. Der Freund, der mir die Nachrichten geschickt hatte, trat mir tränenden Auges entgegen. „Er hat ausgelitten, vor einer Stunde. Seine letzten Worte waren Segenswünsche für Sie und Ihre Kinder." Die Tage bis zur Lewajoh sind mir wie ein schwerer Traum, die Chewrah übernimmt ja die Pflicht, für den Dahingeschiedenen zu sorgen,. so konnte ich mich dem Schmerze ruhig überlassen. Kurz vor der Lewajoh kam mein Schwager, — meine Frau konnte ihre Kur nicht unterbrechen — um mir zur Seite zu stehen. Schweren Herzens trennte ich mich von der Heimat, als die Schiwah vorüber war. Das Vaterhaus wurde, auf des Verstorbenen Wunsch zu einer frommen Stiftung verwendet. (Schluß folgt.)

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