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Der Israelit · 1909-08-19 · Heft 33 (19.8.1909) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 33 (19.8.1909)
Date
1909-08-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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so. Jahrgang. ssa Sranhfurfa. m.. — ssa M 33. Der Israeli «ii\\ EinCenfralornan Iflr das orthodoxe Jadentum llflBto will IM Ir. LÄMIW in l!vi« Hhotmement pro Bierteljahrr Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50, HestauSgabe (Shmftbmä) Mk. L—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr., Rußland 1 Bub., England 2 sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1.20 fl., Frankreich Frs. 2.60. Abonnement» bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HestauSgabe nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate r 30 Pfennig fiir die sech-gespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haasenstein u. Bögler A^G„ Frankfurt a. M., und deren Filialen. Zahlnngen können außer direkt an den Verlag erfolgen per: Conto Bet de« Postscheck«Sl»t Frankfurt a. M. Sko. 314. Conto hei der K. K Postsparkasse Wien Sko. 796«. Conto hei de« ft. Postsparkasfenmnt Budapest Sko. 18424. Conto hei der «igaer Conrmerzbank in Sttga und deren Filialen. Der ttachSruck Ser ttttlhel unS eorrefponSenzen des „Israelit" Iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fldt um größere HuRflfee handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gehottet stourtautinopel umi Zewralem. Als vor einem Jahre die konstitutionelle Türkei wie mit einem Zauberschlage aus den Trümmern eines tausendjährigen Absolutismus sich erhob, und die lauernden Erben des „kranken Mannes" in den europäischen Hauptstädten mit sauersüßen Mienen dem Patienten zur Wiedergenesung gratulierten, da herrschte eine durch und durch ehrliche Freude über den Wandel der Dinge vor allem im Lager der Zionisten. Zwar mußte die Wiederaufrichtung eines lebenskräftigen ottomanischen Reiches eine radikale Aenderung der bisherigen Jnterpretationdes zionistischen Programms bedingen, das sich die „öffentlich-rechtliche" Sicherung der jüdischen Heimstätte wohl als eine Art Neutralitätserklärung von seiten der Großmächte vorgestellt hatte, allein um so näher und greifbarer zeigte sich den Hoffenden die Möglichkeit, in dem jungen ottomanischen Reiche mit seinen zahlreichen Nattonalitäten auch für die jüdische Natton, die in der Türkei offiziell sogar schon jüdische Natton genannte, freie polittsche Entfaltung und schließlich, eine Art provinzieller jüdischer Selbstverwaltung in. Palästina zu erlangen. So war dem seiner Zeit an dieser Stelle gekennzeichneten Ergebnis des 8. Kongresses: „Preisgabe der Herzlichen Charter-Politik und Pflege des wirtschaftlichen Zionismus mit politischem Endziel" durch die geschichtliche Entwicklung ein unverkennbar günstiger Resonnanzboden geschaffen worden. Das erste, was man in der neuen Aera erwartete und erwarten durfte, war die Aufhebung des Einwanderungsverbotes für Palästina und die Abschaffung der nur für Juden geltenden, also demütigenden, roten Aufenthaltsscheine. Die Reden einiger jungtürkischer Größen, namentlich Ahmed Riza Beys, bestärkten in dem Glauben, daß die Türkei keinen sehnlicheren Wunsch kenne, als unter Benutzung der idealen Anziehungskraft der alten jüdischen Heimat große Massen jüdischer Immigranten nach Palästina zu ziehen und ihnen dann dort, sobald sie nur erst die Mehrheit der Bevölkerung ausmachten, nationale Selbständigkeit in irgend einer die Integrität deS Reiches nicht berührenden Form zu gewähren. Das wäre zwar nicht der Herzliche Judenstaat aber doch immerhin.ejn ^dkdtwon gewesen, und äS würbe: vor allem ein foDeS stäüüich anerkanntes jüdisches keit der zionistischen Gedankengänge mit unwiderstehlicher moralischer Kraft aufgedrängt haben. Schon die Tatsache indessen, daß die Türken trotz wiederholter Anregungen an die Aufhebung der Einwanderungsvorschriften gar nicht zu denken scheinen, mußte tiefer Blickende an dem aufrich richtigen Wohlwollen der türkischen Regierungskreise für die politisch-zionistischen Hoffnungen zweifeln lassen. Immerhin konnte man dabei den Einwand geltend machen, daß nur die inneren Wirren und die natürliche Schwerfälligkeit der Bureaukratte die Aufhebung der anttjüdischen oder besser antizionistischen Besttmmungen bisher verhindere. Auch als vor einigen Wochen die Berliner Alliance-Leitung in der ihr eigenen denunziatorischen Art und Weise sich den „ottomanischen" Patrio tismus als Bundesgenossen zu ihrem Kampfe gegen den Zionismus heranholte, und als gleich darauf die bekannten Alarmnachrichten aus Konstantinopel den besorgten Berliner Herren recht zu geben schienen,, glaubten wir noch an die Möglichkeit, daß es sich hier in der Tat mehr um Wünsche der assimilationsfreundlichen Alliancekreise als um polittsche Tatsachen handeln könne. Die Rundreise der türkischen Parlamentsabgeordneten und die Re den jedoch, welche diese Herren, insbesondere die jüdischen Abgeordneten Nissim Mazliah und Sassoon und vor allem der einflußreiche Dr. Riza Tewfik, während dieser Reise gehalten haben, müssen indessen jeden nüchternen Beobachter davon überzeugendaß hinter dem assimilatorischen Alliance- Rauch doch ein recht bedenkliches Feuer brennt, daß mächtige Gegenströmungen gerade in der neuen Türkei der zionistischen Politik sich entgegenstellen und daß die Interessen aller Palästina-Freunde von dieser Konstellation leider aufs tiefste berührt werden. Wie bemerkt, beteiligten sich an der Rundreise zwei jüdische Abgeordnete, deren Aeußerungen für die Sttmmung der begüterten und einflußreichen türkischen „Israeliten" zweiftllos typisch find.. Die beiden Herren konnten sich gar nicht genug tun in der Verurteilung jedes Gedankens an autonome jüdische Siedelungen in der Türkei. Ausschließlich zu wirtschaftlichen und s ozia len Zwecken könnten die Juden als Einzelne in die. Türki einwandetn, Ja, es wxrde die angelegentliche Sorge der türkischen Regierung sein^ die Ansammlwg einer großen Zähl jüdischer ‘ ' W Piüäftkm zn verhindere. sich die Amalgamierung der verschiedenen Rassen im türkischen Reiche um so rascher vollziehen könnte. Die türkische Regierung müsse in dem zionistischen Programme die Gefahr des Entstehens einer „jüdischen Frage" in der Türkei erblicken, und sie werde daher in keiner Form den zionistischen Wünschen entgegenkommen können. Daß dieser radikal ablehnende Standpunkt des Herrn Sassoon bis zu einem gewissen Grade mit seinen von der Alliance-Atmosphäre beeinflußten allgemeinen Anschauungen zusammenhängt, kam in manchen weiteren Aeußerungen dieses Herrn allerdings zum Vorschein Ist ja seine ganze Sorge offenbar darauf gerichtet, das Vertrauen in die Loyalität der türkischen Juden aufrecht zu erhalten, das heute — wie Herr Sassoon meint — „dank der Tätigkeit der „Alliance Jsraelite" noch felsenfest sei und das angeblich durch die zionistischen Bestrebungen erschüttert werde. Man würde also den Mitteilungen der beiden jüdischen Herren — auch Nissim Mazliach sprach sich in analogem Sinne aus — vielleicht nicht allzu viel Bedeutung zuzuschreiben brauchen, wenn nicht auch Dr. RizaTewfik sich, in würdigerer und judenfreundlicherer Weise zwar als seine jüdischen Kollegen geäußert,der Sache nach aber doch einen 0 ähnlichen Standpunkte eingenommen hätte. j er, der sich selbst als „Zionisten^ bezeichnete, beruft sich auf die Entstehung des politischen Zionismus aus den Voraussetzungen der alten Türkei und zieht daraus den Schluß, daß diese Form der zionistischen Bestrebungen unter de» veränderten Verhältnissen keinerlei Berechtigung mehr habe. Auch er fordert die Juden auf, aus ihrer Seele jeden Gedanken an jüdische Auto?, norme zu verbannen, und sucht darauf hinzuwirken, daß die in die Türkei einwandernden Juden ihr Augenmerk nicht ausschließlich auf Palästina, sondern auf andere Landstriche, wie z. B. Mesopotamien, lenken möchten. Wenn man bedenkt, daß diese Aeußerungen eines dem Zionismus. an sich wohlwollend gesinnten türkischen Staatsmannes, nicht etwa bei dem Empfang im Pariser Alliance-Bureau, gefallen sind, sondern gegenüber zionistischen Interviewern, daß sie in ähnlicher Form sogar bei dem von Francis Montefiore gegebenen Bankett wiederholt wurden, so kann kein Zweifel darüber sein, daß mindestens ein starkes Mißtrauen gegen die jüdische Palästina - Einwanderung in den maHzebenoen türkischen Kreisen zur Zeit vorhanden ist. Alle diejenigen, die aus religiösen Und soa lr nGründw den Wrmsch hegen, daß Palästina

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