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Der Israelit · 1909-07-29 · Heft 30 (29.7.1909) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 30 (29.7.1909)
Date
1909-07-29
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
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Sette 24 Nr. so Der Israelit. w die Befthlshabcrstcllcn ein. Und Streber nach einer guten Laufbahn leisten die sicherste Gewähr für gewissenhafte Dienstleistungen. Dann wird man Israels wohl Herr werden. Die beiden Heere lagerten einander gegenüber und wieder trat der Gottesmann zum Könige Israels hin und sprach: „Weil Aram gesprochen hat, nur ein Gott der Berge sei Gott, nicht aber ein Gott der Täler, drum werde ich diese große Menge in deine Hand geben, damit ihr erkennet, daß ich Gott bin." Sieben Tage lagerten die Schlachtreihen sich Segenüber, da plötzlich hebt am siebenten Tage er Kampf au und Israel macht hunderttausend Mann an einem Tage nieder. Alles übrige löst sich in wilde Flucht auf und sucht sich nach Aphel zu retten. Nochmalwerden siebenundzwanzigtausend Mann unter den Trümmern der Mauer begraben. Nur dem König gelingt es, sich zu retten, indem er sich verbarg. Ihm hilft nun eine List. Seine Diener sprachen zu ihm: „Wir haben gehört, daß die Könige im Hause Israels königliche Güte betätigen. Wir wollen härene Gewänder um unsere Lenden schlagen Und Stricke um unsere Häupter winden. So wollen wir vor den König treten, vielleicht finden wir Gnade und er schenkt uns unser Leben." Gedacht, getan. Und flehentlich bitten sie bei .Achab für das Leben ihres König- Ben Hadad. Sofort erkundigt sich der schwache Sieger teilnahmsvoll nach seinem „königlichen Vetter". Die Aramäer wagen kaum zu hoffen, recht gehört zu haben, und in verhaltenem Jubel über das Gelingen ihrer List wollen sie jauchzend sich schnell noch vergewissern, ob es des Königs ernster Wille sei, Ben Hadad königliche Ehren zu erweisen. Und Achab sprach „gewiß, laßt ihn kommen". Er läßt ihn neben sich im Wagen Platz nehmen. Da sprudelte Ben Hadad nur Dank und aus freien Stücken versprach er die Städte, die sein Vater Israel abgenommen hatte, herauszugeben und Handelswege nach Damaskus zu eröffnen — und, als wäre er der Sieger — setzte er in gewohntem Selbstgefühl hinzu: in Bundesfreundschaft werde ich dich ziehen lassen. LingesanM. Aus Lehrerkreisen wird uns geschrieben: „Bezüglich Ihrer sehr interessanten Ausführungen über die jüdische Bibliothek eines jüdischen Lehrers gestatten Sie mir auch ein Wort. Es gibt meines Erachtens auch noch jüngere Lehrer die mit '"en c/'w noch etwas anzufangen wissen. Ich kenne eine Menge jüdischer Lehrer, die eine schöne jüdische Bibliothek haben. Wenn aber ein großer Teil jüdischer Lehrer eine jüdische Bibliothek nicht besitzt, so spielt noch ein anderer Grund mit, nämlich die hohen Bücherpreise. Man bedenke einmal was Hirschs gesamte Werke für ein Geld kosten. Man bedenke, daß Maimo- »ides und andere Werke anzuschaffen den ganzen Gehalt des Lehrers draufgehen lassen. Ich habe mir von Hirschs Werken erst den Choreb und das Gebetbuch angeschafft. Sorgen Sie für billigeren Einkauf der Werke unserer Großen und viele junge Lehrer, denen es in der Seele weh tut nicht mit den Großen ihrer Zeit mit tun zu können, werden gerne ihrer Verpflichtung, eine jüdische Bibliothek sich anzuschaffen, Nachkommen. In einer kleinen Gemeinde ist der Lehrer oft der einzige, der besseres jüdisches Wissen hat. Wenn er eine schöne Bibliothek für wenig Geld hat, dann empfindet er auch die Schattenseiten seines Berufes nicht so sehr. In den Seminarien kann doch nicht alles gearbeitet werden und erst in der Amtszeit soll die Bibliothek das alles ersetzen, was noch fehlt. Es gibt noch viele blutjunge Lehrer, die auf ihr jüdisches Wissen ebenso stolz sind als auf ihr staamches Lehrerzeugnis und ebenso gibt es noch Gemeinden, die einen solchen Lehrer weit eher schätzen, ja innig lieben, der eher Raschi kann als Schillers „Moses-Sendung." Tatsächlich hörte ich einmal zwei Gemeindevorsteher über die Qualifikation ihrer Lehrer sich streiten. Der eine sagte: „Unser Lehrer ist ein wunder¬ 28. Juli 1909. barer Prediger. Wenn er spricht, gehen selbst die in die Synagoge, die nur einmal im Jahre kommen." Darauf sagte der andere: „Und wenn unser Lehrer lernt, dann meint man Moses und die Phropheten zu hören." Wer mag wohl von den beiden Recht haben? Schließlich möchte ich noch bemerken, daß da, wo dem Lehrer eine jüdische Bibliothek fehlt, er in der Regel auch deutsche Bücher nicht hat. Ich will in meinem Schreiben nichts Neues bringen, denn dies alles ist ja schon sattsam bekannt und wenn mein Artikel das eine fördern könnte, daß es noch viele geben würde, die meiner Ansicht sind, die dahin geht, daß vie Bücher billiger werde« müsse«, bin ich schon zuftieden. Der junge jüdische Lehrer weiß ganz gut, wo ihn der Schuh drückt, ihm ist klar, daß wenn ihm Handwerkszeug zur Verfügung steht, er auch arbeiten kann. Und was von dem jungen Lehrer hier im Besonderen gesagt ist, gilt für Alle. Man sollte Licht und Schatten gleichmäßig zu verteilen suchen. Wenn vom Büchermangel des jungen Lehrers gesprochen wird, sollte man auch von dem teuren Preise derselben sprechen." Der obigen Zuschrift haben wir nichts Wesentliches zuzusetzen. In dem besagten Artikel haben wir ja selbst den Kostenpunkt berührt. Schon, im 4. Jahrgang in Nr. 6 schrieben wir klagend: „Noch zehn Jahre, — und Hirsch wird, dreißig Jahre nach seinem Tode, aufleben, wenn seine Gedanken und Worte, ftei von den Fesseln des Buchhandels, ihren Triumphzug durch die Welt erst antreten können." Um so dankbarer müssen wir die hochherzige Spende von 500 Exemplaren des Choreb anerkennen, die ein viel genannter und doch nicht genannt sein wollender Herr gelegentlich der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages von Rabbiner Hirsch b„T stiftete. Der Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands E. H. hat seit seinem Bestehen es sich angelegen sein lassen, in seinen Gemeinden — und in erster Linie den in denselben wirkenden Lehrern gratis Schriften zu verteilen. Es sind bisher zu wiederholten Malen jedesmal in größerer Anzahl vergeben worden: S. R. Hirsch: Neunzehn Briefe, Choreb, Gesammelte Schriften, Der jüdische Sabbath. (Herausgegeben vom Verband derSabbathfreunde). Cohn: Talmudschatz, Münz: wmi min, Kaatz: Das Wesen des prophetischen Judentums. Arthur Kahn: Sabbathstimmungen. (Jüdischer Volksschriftenverlag). Wohlgemuth: cr-w n7DD. Hillesum: VKtt. Aron Markus: Zwischen zwei Stühlen, Die moderne Entwickelungstheorie in der jüdischen Wissenschaft. Judaeus: Eine ungekannte Welt. Duckes: in« D2N. M. Hirsch: Haftoroth. Lehmann: Sprüche der Väter. Wir rechnen zu dieser Verbreitung jüdischen Wissens auch die Lehrerkurse, die vom Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands seit vier Jahren allmonatlich in Cöln und St. Johann abgehalten werden, zu denen die Reisekosten g aübersetzt werden und für welche —in Cöln — die Talmud Thorah ihre Bibliothek zur Verfügung stellt. Die Preise für die jüdischen Bücher zu ermäßigen, dazu scheint uns momentan nur ein Mittel zweckmäßig zu sein. Die geringe Kauflust des Publikums, die hohen Preise der Bücher und die Unmöglichkeit, daß die Verfasser einen andern, als Kommissionsverleger finden, die hohen Druckkosten, die die Verfasser abschrecken, selbst die Drucklegung ihrer Werke zu besorgen, — alles das steht in Wechselwirkung zu einander. Und wenn nun erst das Werk gedruckt ist, wie groß ist dann der Leserkreis und wie viel der Auflage findet in der Kiste ihr welkes Ende, bis der Makulaturpreis alle Hoffnungen begräbt, die der ehrliche Autor während der fleißigen Arbeit auf sein Werk gesetzt hatte. Es bleibt daher nichts übrig, wenn der Verfasser will, daß seine Gedanken Leser finden, seine Arbeiten in bestehenden oder doch in vielleicht noch zu gründenden Zeitschriften erscheinen zu lassen. Freilich muß er dann zunächst auf manchen Vorzug der Buchform verzichte». Die Arbeit erscheint vorerst in Bruchstücken, der Verfasser setzt sich der Ansicht des Schriftleiters der betreffenden Zeitschrift aus. Aber seine Arbeit kommt wenigstens unter die Masse, WkIlKrzlift haben Gelegenheit, sie kennen zu lernen, sie verursacht ihm keine materiellen Sorgen, ja sie bringt ihm vielleicht so viel ein, daß er sich genügend Separatabzüge machen lassen kann, um schließlich doch in einem Band die einzelnen Arbeiten zu vereinigen. So hergestellt, wird das Erscheinen wohl einen gewissen Zeitraum in Anspruch nehmen, aber das Erscheinen ist sicher, der Leserkreis ist vorhanden und das Risiko ist ver- | miebeit. Das Buch kann später billig verkauft werden und wird dadurch doch noch einen Leserkreis erwerben. Im Gegenteil, jeder, der die Einzelerscheinungen schon gelesen und Gefällen daran gefunden hatte, wird gern das Buch feister Bibliothek einverletben. Auf belletristischem Gebiet besteht diese Gepflogenheit schon lange. Sie auf das Gebiet des Wissens zu übertragen, ist nur ein Schritt, und dem Publikum und den Verfassern wäre geholfen. DiesenPlan auszuführen, srnd bis zurGewinnung von genügend Abonnenten nur 1000 Mark nötig. WelcherMäcen jüdischer Wissenschaft spendet sie? LinUppell an das Uolk Israel! Bon I. Markus, Lehrer, Asseuheim. Unlängst stand in einer jüdischen Zeitung, daß eine jüdische Großgemeinde im Lande der Zwangsorganisation einen Ueberschuß von mehr als 100.000 Mk. hatte. Mochte diese Nachricht auf manchen Juden erfteuend gewirkt haben, auf mich übte sie gerade die gegenteilige Wirkung. Unwillkürlich dachte ich an die nach Hunderten zählenden Dorsgemeinden, die nicht allem verschuldet sind, sondern dem Prozesse der Auflösung mit Riesenschritten entgegengehen. rD'K "na. Warum stehen denn so viele Synagogen und Schulen geschlossen, verwüstet und verödet? Weil sie sie verlassen haben, jene Israeliten, die auf dem Lande zum Wohlstand gelangt sind, sich in den Landgemeinden zu beengt fühlten und daher in die Stadt zogen, ungeachtet dessen, daß sie der 10. Mann in der Gemeinde waren und' durch ihren Wegzug Synagogen und Schulen geschlossen werden mußten. Brauchen wir uns noch aufzuregen, wenn ein nicht jüdischer Gelehrter uns den Vorwurf (in doch etwas anderem Sinne! Anm. d. Red.) macht, wir Juden hätten keine Heimatsliebe? Darum ihr Wohlhabenden, nehmt es nicht so leicht mit Eurer Verantwortung vor Gott und Menschen, denket ihr Wohltäter nicht immer an jene großen Gemeinden, die Eure Wohltaten nicht bedürfen, denkt auch an die kleinen Gemeinden, bedenket sie mit Legaten, damit sie ihre Institutionen erhalten, ihren Lehrer besolden können. Dann wird unser 9. Aw zu einem Freudenfeste sich verwandeln. Wir brauchen dann nicht vergeblich an die Hilft der Regierung zu apellieren und die Hilfeleistung von 12 schulpflichtigen Kindern abhängig machen zu lassen. NUN «LN nnnv nn?n Warnung. Es werden in Rheinland nnd Westfalen viele als -wa bezeichnte Fleischwaren aus Berlin bezogen. In den Empfehlungen wird angegeben, daß die Herstellung der Fleischwareu „Mter Aussicht" geschieht. Wir machen darauf aufmerksam, daß, wenn kein Berliner Rabbinat ausdrücklich angegeben ist, der Vermerk „unter Aussicht" nichts weiter heißt, als „unter eigener Aussicht". Der Ausdruck wird zur Täuschung des Publikums gewählt, und die mter dieser Spitzmarke in den Handel gebrachte Ware kMN notorisch trepha sein. - ■ff'fifaVi Jf, ',?rrfe '•

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