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Der Israelit · 1909-07-29 · Heft 30 (29.7.1909) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 30 (29.7.1909)
Date
1909-07-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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> - vi«.. i jv. .» Nr. 80. 29. Juli 1909.__ Gegen den Antrag sprach Herr Schmidt- Wien, der der Ansicht war, daß das Ostaftika-Projekt, welches gleichfalls zu neuerem Studium empfohlen würde, eher in das Arbeitsgebiet der Jca als der Jto gehören. Dr. M. L. Goldberg hielt ein Referat über die Schaffung eines Jto-Fonds zur Bestreitung der Propaganda und Unterstützung von Pionieren. Zangwill sprach sich gegen die Schaffung eines „Pionier-Fonds" aus, weil dies die Maffen nur unnützerweise verwirre und zu vorzeitiger Auswanderung reizen würde. Dr. Wunderlich sprach über „Organisationsfragen" und meinte, daß eine Bolksorgani-. sation keinen besonderen Nutzen bringen könnte. In Rußland sei die Verbreiterung der Organisation durch die Gesetze beschränkt, während in Deutschland der Hilfsverein und die Allianz gute Dienste leisten. Es genüge überall Zentren von Vertrauensmännern zu schaffen. Er ist überzeugt, daß wenn einmal der Moment gekommen sein wird, auch die Maffen werden gewonnen werden können. In der Diskussion über dieses Referat griff Ingenieur G i n s b u r g - Zürich, Zangwill an, weil er der Demokratie zu wenig Konzessionen mache. Anstatt die Jto zu einer Bewegung des Volkes durch das Volk zu machen, unterschätzte Zangwill die Macht des Volkes. Schmidt-Wien meinte dagegen, daß das bestehende Statut es jeder Federation möglich mache, ihre Arbeit den Verhältnissen des betreffenden Landes entsprechend zu führen. In der Schlußsitzung referierte Dr. Jochelm a n n über die Emigration nach Galveston, und Herr Schmidt über die Auswanderung aus Galizien und die Notwendigkeit ihrer Regulierung. Herr Schmidt erklärte, daß diese Frage vor Allem Geldmittel beanspruche, da es sich um die Bewältigung großer Vorarbeiten handle. Aus Grund dieses Referates stellten die Herren Joseph Fels 50 Pfund Sterling, Scheiro 100 Rubel und Ingenieur Tropp 50 Rubel für diesen Zweck zur Verfügung. Nach längerer Debatte einigte sich die Konferenz schließlich in folgenden drei Beschlüßen, welche als das Endergebnis der Konferenz angesehen werden kann. 1. Die Konferenz hat die Berichte des Präsidenten über die Kolonisationsmöglichkeiten in Mesopotamien und anderen Ländern, sowie über die Cooperation mit anderen Organisationen und Personen mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. 2. Die Konferenz hält den gegenwärtigen Moment für geeignet, die Jto-Organisation entsprechend auszubauen. 3. Mit Rücksicht auf die günstigen Ergebniffe der Galveston-Emigration beschließt die Konferenz ihre Aufmerksamkeit der Regulierung der allgemeinen jüdischen Emigration zuzuwenden, und empfiehlt den Jto-Vereinen dieses Arbeitsgebiet in Betracht zu ziehen. London, 21. Juli. Der„Jewish Chronitle" veröffentlicht den Wortlaut des Ende 1906 vom russischen Ministerrat dem Zaren unterbreiteten geheimen Memorandums über die Lage der russischen Juden. Das Memorandum ist insofern wertvoll, als es die Unhaltbarkeit der chikanösen russischen Judengesetzgebung, welche die Juden ins Lager der Revolution treibt, offiziell und feierlich zugesteht und eine bescheidene Reform vorschlägt. Dagegen zeigt schon die Tatsache, daß das Schriftstück, obgleich es vom Zaren der Duma überwiesen wurde, nach zweieinhalb Jahren noch, völlig wirkungslos geblieben ist, wie wenig nach der praktischen Seite von der Einsicht der gesetzgebenden Faktoren in Rußland zu erhoffen ist. gpcankveidj. Paris, 16. Juli. (Mitteilung aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraelite Universelle.) Eine Delegation von aegenwärtig in Paris weilenden ottomanifchen Parlamentsmitgliedern hat sich am Donnerstag den 15. Juli nach oen Der JSraüit.__ Bureaus der Alliance Jsraelite Universelle begeben, wo sie von dem Präsidenten Herrn Leven und Mitgliedern des Central-Komitees empfangen wurde. Die Delagation bestand aus den Herren Dr. Riza Tefvik Bey, Deputierter von Adrianopel, Midhat Bey, Deputierter von Serres, Sasson Effendi, Deputierter von Bagdad, Bustani Effendi, Deputierter von Beirut, Mazliah, Deputierter von Smyrna. Die Herren waren begleitet von dem Kapitän Ismail Djanbulet Bey und von Herrn, Affee, Mitglied der nach Frankreich entsandten ottomanifchen Finanz-Studien- Kommission. Herr Dr. Riza Tefvik Bey. Deputierter von Adrianopel, dankte dem Präsidenten der Alliance für seine sympathische Begrüßung. Er erklärte, daß er das Erziehungswerk der Alliance Jsraelite Universelle in der Türkei sehr zu schätzen wisse, weil er, ein Muselmane, seine erste Erziehung diesem Wer? verdanke,' auch habe er nicht aufgehört, ihm seine große Sympathie öffentlich zu bezeigen. Das Wohlwollen, das die Türkei den Juden entgegenbringe, sei nur gerechtfertigt. Ihre intellektuelle Tätigkeit, ihre reinen und friedlichen Sitten werden viel dazu beitragen, um den' Fortschritt des Landes zu entfalten. Wie bisher, so könnten sie auch in Zukunft auf den Geist menschlicher Brüderlichkeit aller Mitbürger zählen, welcher konfessionellen oder Volksgruppe diese auch angehören. Eine Andeutung auf die zionistische Bewegung beantwortete der Redner dahin, daß es geraten sei, diese Bewegung nicht zu unterstützen. Die Türkei habe im Sinne, ihre Türen allen Verfolgten offen zu halten, die zu ihr kommen, um ihre Kräfte zu brauchen oder ihre Kapitalien nutzbar zu machen. Sie würde eine Bewegung nicht dulden, die das Auftollen einer in Wirklichkeit nicht existierenden jüdischen Frage bezwecke, einer Frage, die hervorzurufen nicht im Interesse der Israeliten liege. Herr Leven erklärte, daß diese Auffassung den Ansichten der Alliance voll entspräche. Die Alliance habe es bisher verstanden, dem Zionismus fernzubleiben, und habe vermieden, ihn in irgend einer Art zu ermutigen. (Wir haben die schon seit voriger Woche vorliegende Mitteilung zurückgehalten, weil die Dr. Riza Tewfik Bey zugeschriebene Aeußerung gegen den Zionismus in auffallendem Widerspruch zu früheren Reden dieses Staatsmanns stand. Inzwischen wird auch aus London berichtet, daß Riza Tewfik Bey sich ähnlich geäußert habe, eine bloße Suggestion von seiten der Alliance Jsraelite also nicht vorliegt. Die Angelegenheit liegt trotzdem nicht so einfach, wie es nach der Mitteilung der „Alliance" scheint, und wir werden eingehender darauf zurückkommen. D. Red.) Rumänien. Bukarest, 19. Juli. Eine große und lärmvolle Kundgebung gegen die Juden veranstalteten dieser Tage Studenten in Turn-Severin. Im dortigen Theater wurde das Trauerspiel „Manasse" aufgeführt. Da es durchwegs jüdischen Inhalts ist, hatten sich zu der Vorstellung zahlreiche jüdische Familien eingefunden. Nach dem ersten Akte begannen zirka 30 Studenten zu lärmen, zu pfeifen und die jüdischen Zuhörer zu beschimpfen. Um dem Skandal ein Ende zu machen, schritt die Polizei ein und forderte die Lärmenden auf, sich aus dem Theater zu entfernen. Diese wollten der Aufforderung keine Folge leisten. Im Gegenteil sie warfen bereitgehaltene faule Eier auf die Bühne und ins Publikum, auch stürzten sie sich auf die Polizisten, von denen mehrere verwundet wurden. Erst nachdem mehrere Studenten verhaftet worden waren, konnte die Vorstellung fortgesetzt werden. Nach Beendigung derselben setzten die Studenten die judenfeindlichen Kundgebungen auf der Straße fort. Sie zogen an der Spitze eines inzwischen angesammelten Pöbels durch die Straßen und schrien: „Meder mit den Juden! Man muß die Juden ausrotten!" Bor Sette Y dem Kaffee Europa mißhandelten sie einige jüdische Männer und Frauen. Abermals schritt die Polizei ein und stellte mit großer Mühe die Ruhe wieder her. Türkei. vle riaflonalitäfenfraae. Konstantinopel, 19. Juli. In dem Lokale des jungtürkischen Komitees in Saloniki fand eine Versammlung statt zum Zwecke einer Versöhnung der Nationalitäten. Der Vorsitzende, Dr. Nasim Bei, schilderte die Gefährlichkeit der Lage, der gegenüber es angebracht sei, daß sich alle türkischen Völkerschaften verbrüderten. Als aber die Vertreter der Bulgaren auf die Abwesenheit der Rumänen, und die Griechen auf die Abwesenheit der Arnauten aufmerksam machten, wurde die Sitzung vertagt, damit auch die Vertreter der genannten Völkerschaften eingeladen würden. Auf Vorschlag Dr. Nasim Bejs wurde der Vorsitz in der gemischten Kommission, die gebildet wurde, einem Israeliten und zwar Herrn Vitalis aus Strumnitza übertragen. Diese Wahl darf als symptomatisch gelten für das Vertrauen, das die rivalisierenden Völker in die Loyalität der „jüdischen Nation" setzen. Gerade in der Türkei dürften die Juden dank ihrer eigentümlichen Stellung, die sie vielfach über den Parteien stehen läßt, berufen sein, auf das öffentliche Leben einen bedeutsamen Einfluß zu gewinnen. Daß sie diesen Einfluß nur zum besten des oSmanischen Reichsgedankens verwenden werden, darüber herrscht nirgends Zweifel. Wäre es nur um die jüdischen Verhältniffe im Innern so gut bestellt, wie sie nach außen hin hier sich immer günstiger gestalten. Jlmetiba. Eine neue Man;. - Don Sen jfldifdien Kolonien in Argentinien. N e w-Aork, 1. Juli. Vorige Woche fand in New-Uork die Gründung einer „Allianz rumänischer Juden in Amerika^ statt. Zum Ehrenpräsidenten wurde Professor Dr. Salomon Sch echter gewählt, der in längerer Ansprache die Organisierung philantropischer Anstalten für die rumänischen Juden in Amerika und die Unterstützung rumänischer Einwanderer als Hauptziele der Allianz hinstellte. Als erste Aufgabe stellte sich die neugegründete Allianz die Errichtung eines AltersversogungshauseS für rumänische Juden. Zum geschäftsführenden Präsidenten wurde Herr M a x R u b i u und zum Schriftführer Louis D i amand gewählt. Die spanischen Zeitungen von Buenos AyreS veröffentlichten vor Kurzem einen von mehreren jüdischen Kolonisten unterfertigten Auftuf, in welchem die Kolonisten eingeladen werden, behufs Abhaltung eines jüdischen Kolonistenkongreffes sich zusammenzusinden. Der Zeitpunkt deS Kongresses soll erst bestimmt Vierden. Im Auftuft heißt es u. a.: „Die 18 jährige Praxis hat uns gelehrt, daß die Fortschritte und die Rückschritte der Kolonisten nur von den Kolonisten allein abhängen. Es ist daher schon Zeit, daß wir uns der durch die Erfahrung unS gewiesenen besten Mittel bedienen, die uns unsere Existenz zu sichern geeignet wären. Behufs Beratung über diese wichttgen Lebensfragen wird ein Kongreß einberufen werden, in welchem jede Kolonie durch fünf gewählte Delegierte vertreten sein soll. Wir glauben, daß auch die Herren, in deren Händen die Verwaltung der Jca die Wichttgkeit der Einigkeit unter uns begreifen und den Nutzen, den ein solcher Kongreß bringen kann, verstehen und daher auch ihrerseits Vertreter auf den Kongreß entsenden werden. DieS umsomehr, als auf dem Kongresse auch die Frage erörtert werden soll, weshalb die Jca sich weigert, von Kolonisten, die ihre Schuld auf einmal ent^ richten wollen, um einen „reinen" Kontrakt zu «- ^jaOaMtiiiSäkäauliUääeäitltSiäii

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