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Der Israelit · 1909-06-10 · Heft 23 (10.6.1909) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 23 (10.6.1909)
Date
1909-06-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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|„ |ij.Tf,wll|,.,l"ll,nl i~r~'~-... Sette 13. Nr. 33 Der Israelit. 10. Juni 1909. r u!) es m ch hl te ch er >ie she se en ur ift te- >ege in Alle bisher gepflogenen Verhandlungen fixierte Behrend schriftlich und übersandte die Aufzeichnungen dem Redakteur der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" mit der Bitte um Veröffentlichung. Er erhielt folgende Antwort: Geehrtester Herr! So sehr ich den Eifer zu schätzen weiß, aus welchem Ihre Entwürfe hervoraehen, so hat mich eine lange Erfahrung mit den israelitischen Zuständen doch zu sehr bekannt gemacht, um ein Resultat aus Ihrer Aufforderung zu hoffen. Ich kann mich daher nur dem allschließen, was die Meinung des Dr. R i e ß e r hierüber ist. Aus diesem Grunde kann ich diese Verhandlungen in den Text der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" nicht aufilehmen. — Sollten Sie aber deni ungeachtet die Veröffentlichung wünscherr, so könnt' ich Sie nur darauf h rrweisen, daß sie als Beilagen der „Allg. Ztg. d. Judent." gegeberl werden kennten, wo Sie aber alsdann die Druck kosten zu tragen hätten. Hochachtungsvoll Philippson, Dr Magdeburg, 27. November 1845. So konnte Behren d also von dieser Seite auch nichts erhoffen. Er veröffentlichte alsdann seine Aufzeichnungen unter dem Titel „Aktenstücke und Aufforderung" im „Orient", Jahrgang 1846. Irgend welchen Erfolg scheint die „Aufforderung" nicht gehabt zu haben. Die Zeitungen nahmen gar keine Notiz von ihr. Damit waren die Akten über die Angelegenheit geschlossen. Q iücherschav. Das Judenchristentum im ersten und zweiten Jahrhundert von Privatdozent Dr. Gustav Hoenicke. Berlin 1908. Trotvitzsch u. Sohn. Preis M. 10. Die gewaltige Bewegung, die, siebenzigJahre vorder Zerstörung des zweiten Tenipels auf der Morijahöhe, aus dem Schoße des Judentums eine neue Religiori geboren, gehört sicherlich zu den bedeutendsten und schwerwiegendsten Vorgängen der Weltgeschichte. Interessant ist der Werdega«lg der neuen Religion, interessant die Geschichte ihrer ersten beiden Jahrhunderte, deren sie bedurfte, uni sich ganz von der Mutterreligion loszulösen. Die Provaaanda unter den Juden für die neue Religion, die im Anfänge vom Apostel Jakobus ins Werk gesetzt wurde, wurde mit Eifer betrieben. Nicht so zahlreich wareil die Gewonnenen, die als Judenchristen im Gegensatz zu den Heldenchristen bezeichnet werden, wie die, welche aus dem Heidentum dem Christentum zugeführt wurden. Anfangs'waren die unterscheidenden Merkmale sehr lvenige,' es dauerte sehr lange, bis die Beschneidung und die jüdischen Speisegesetze abgeschafft wurdendann aber ve schmolz sich Heidenchristentum und Judenchristentllin zu einem Ganzen. In dem vorliegeilden Buche untersucht nun der Verfasser in umsaffender und gründlicher Darbietung die Geschichte und Entwickelung des Judenchristentunitz in den beiden ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung. Den Stoff hat er in vier Kapit l geteilt : 1. Das Judentum im ersten und zweiten Jahrhundert,' 2. Die Verbreitung des Evangeliums unter den Juden' 3. Der Judaismus - 4. Die Nachwirkung des Judentums im Christentum. Darlll schließt sich eine kurze Betrachtung über den Miltäismus an. Es ist hier nicht der Ort, ausführlich auf das so reichhaltige Werk einzugehen, es ließe sich über manches reden, man braucht nicht mit allem einverstanden zu sein, was der Verfasser sagt, aber man gewinnt reiche Belehrung aus dein Buche und Hochachtung vor der fleißigen und gründlichen Arbeit, die es repräsentiert. Was uns hier besonders illteressiert, ist das, was der Verfasser über die Minim, denen er einen eigenen Nachtrag gewidmet hat, sagt. Die Bedeutung des Wortes etymologisch sicher festzustellen, ist bis jetzt noch nicht gelungen, sachlich steht es fest, daß dieses Wort zumeist auf Judenchristenangewendet wird, wenn auch nicht geleugnet werden kai»H daß bisweilen auch d!e Gnostiker als solche angesprochen lverdeu. Daß auch HeWenchristen unter diesem Wort verstanden 4 sein können, wie der Verfaffer meiirt, weil in einer Diskussion die Juden von einem Min als ein Volk bezeichnet wird, von dem sich Gott. abgewendet habe, ist ilicht erwiesen. Das hätte auch ein Judenchrist sagen können, bet auch bei Beibehaltung vieler jüdischer Pflichten doch die Erfüllung der alten Prophezeiungen in Jesus als eingetroffen betrachtet und diejenigen, die im alten Glauben verharrten, als solche ansah, die die Glückseligkeit verscherzt hätten. Die Animosität der beiden Parteien gegeneinander, wie sie in den gelegentlichen Diskussionen hervortritt, hat nur einen Sinn, wenn es sich um die Judenchristen handelt. Diese waren den Juden die gefährlichen Gegner, wie jene es auch diesen waren - sie waren die Abtrünnigen, sie waren eine Gefahr für den Glauben, für die Religion, die einen mußten kämpfen, um den alten Glauben sich zu erhalten, die andern jene niederzwingen, um die Berechtigung ihres Abfalls zu erweisen, und so entstand Streit, Haß und Verfolgung. Den unter Rom rechtlos ge wordenen Juden,' welche ihr einziges Gut, ihren alten Glauben bedroht und sich den infolge von Denunziationen entstandenen Verfolgungen, ausgesetzt sahen, stand keine andere Waffe sich zu wehren zu Gebote, als das Gebet, und so ist die als bekannte Gebetformel pTüSttbl entstanden. Dies alles hat einzig undallein die Judenchristen im Auge. Die Verbreitung des Christentums unter den Heiden jedoch störte die Juden in ihrer Ruhe nicht, und verletzte die Interessen des Judentums nichtim Gegenteil, es'konnte den Juden nur zur Befriedigung gereichen, daß die aus dem Judentum geborene und mit jüdischen Anschauungen durchsetzte Bewegung die Mission, das Heidentum zu bekämpfen und die Gottesidee unter den Heiden zu verbreiten, auf sich genommen hatte. Der Verfaffer hat in dankenswerter Weise alle Stellen aus dem Talmund zusammengestellt, in denen der Minäer gedacht isteine Uebersicht über diese Stellen ergibt das Eigentümliche, daß die Diskussionen und Kontroversen zwischen Juden und Mindern nur von Juden aus Palästina geführt wurden. Dieses darf uns ivohl zu dem Schluß berechtigen, daß unter diesen Minim, sofern sich die Verhandlungen nur auf solche mit Christen beziehen können, nicht Heidenchristen, sondern nur Judenchristen verstanden sein können. Hätten Diskussionen zwischen Juden und Heidenchristen stattgesunden, so müßten doch einmal auch babylonische jüdische Gelehrte an dergleichen Gesprächen beteiligt gewesen seinsollten sie einmal wirklich vvrgekommen sein, so waren sie für da - Judentum so wenig bedeutend, daß man es nicht nötig fand, sie der Nachwelt aufzubewahren, denn gegen das Heidenchristentum sich zu wehren, lag, wie gesagt, keine Veranlassung vor, in ihm, den: man Erfolge gönnte, sah das Judentum keine Gefahr - diese lag im Judenchristentum. Eine interessante, wenig beachtete Stelle, die über das Erwähnte Ausschluß geben dürfte, fft folgende: „Rabbi Abahu rühmte bei den Minüern den Rab Safra als einen großen Gelehrten, darauf erließen sie ihm auf dreizehn Jahre die Steuer. Eines Tages traf mall ihn, uild man legte ihm die Frage vor: Es heißt in den Propheten: „Nur euch habe ich erwählt unter allen Familien der Erde, darum ahnde ich an euch alle eure Sünden," wenn einer einen Aerger hat, läßt er den an seinen Freunden aus? Hierauf wußte Rab Safra keine Antwort zu geben, da war n»an so erbost über ihn, daß man ihn fast erlvürgt hätte. Als Rabbi Abahu dazu kam, fragte er. Was martert ihr den Rab Safra? Weil, so anttvortetell sie, dieser Mann, den du als großen Gelehrten rühm est, einen einfachen Bibel- Vers nicht erklären konnte. Habe ich euch denn gesagt, erwiderte R. Abahu, daß er eilt Bibelkenner ist, ein Mstchnagelehrter ist er. Wie kommt es denn, fragten sie dagegen, daß ihr, du und deine Genossen in der Bibel beschlagen seid? Worauf er erwiderte: wir, die wir häufig mit euch zusammen konrmen, legen uns auf das Srudiuni der Bibel, jene in Babylon aber haben es nicht nötig." (Ab. Sara 4 a.) Wenn auch der Anfang dieser Erzählung etrvas dunkel ist, so ist der Schluß doch klar. Rabbi Abahu war ein Palästinenser, seine Landsleute standeil in näherer Berührung mit den Judenchristen und mußten, irm auch ihre Allgriffe erwidern zu können, die auö Bibelaussprüchen sich konstruierten, in der Bibel beschlagen sein. Rab Safra hingegen, der aus Babylon stamnite, war auf das Studiuni der Bibel zu diesem Zlvecke nich so sehr angewiesen, weil in fetter Heimat wohl, keine, oder vöchstens nltr wenig Judenchristen waren, die feine Rolle spielten und zu Kontroversen nicht herausfvrderten. Was den Erlaß von Steuern betrifft, so ist es denkbar, daß in der betreffenden Stadl die Judenchristen das Stadtreg ment in derl Händen hatten, und da jüdisches Recht noch zum Teil voll ihnen gepflegt wurde, daß sie nach even diesem Recht Gelehrten die Stadtabgaben erließen. <S. Baba bathra 7b f.) Es sei uns zum Schluß gestattet, einige kritische Bemerkung' n anzufügerr, die an der Wertschätzung, welche wir dem vorliegenden Werk entgegeilbringen, durchalls nichts mindern sollen. S. 50. Der Ausspruch Schammais rns1 CJS ~OD2 0*7« bedeute: nicht: „blicke jedem ins Auge, der zu dir kommt," sondern: „empfange jeden mit freundlichem Gesicht." S. 51. Warum der Au spruch Hillels ’IH "Dl nur ein Beispiel seines entgegenkommenden Verhaltens und nicht ein „fundamentaler Lehrsatz" sein soll, ist aus dem ganzen Zusammenhang nicht ersichtlichüberhaupt bedarf das, was der Verfasser von dem Verhältnis des Sittengebotes zu den kultischen" Vorschriften sagt, lvie es in den pharisäischen Kreisen jener Zeit angeschaut wurde, 'er Korrektur. — S. 53 gibt der Ausdruck, R. Eliesor be erklärt, kein Mensch usw. zu der falschen Auffaffung Beranlaffung, als jei dieser Gelehne der Urheber des dort erwähnteli Spruches, wähchnd dieser ein Bibelvers (Kohelet 7, 20) ist, eine AusMftM die der Verfasser gewiß nicht wollte aufkonlmell laßM. — Das. Daß R. Elieser das Gebot, die Eltern zu ehren über das (Gelübde gestellt hat (Ned. 9,1.) ist unklar ansgedrückt und wird wohl wenig Lesern verständlich sein. — S.55. Die „neunjährigen Posaunenstöße" ist wohl ein Druckfehler, denn es gibt nur „neunmalige", den zu verbessern der Verfasser vergessen hat. — S. 108. Der Bericht über den versprochenen und durch die „Chutäer" vereitelten Tempelbau hat gar nichts Legendenhaftes: die Quellen sind als historisch nicht anzuzweifeln. Nur der Name des Kaisers bedarf einer Korrektur und statt Hadrian ist Trajan zu nennen, wie Joel („Blicke in die Religions- Geschichte") einwandftei nachgewiesen, so wie er auch festgestellt hat, daß „Chutäer" nur auf einer Verwechselung beruhe und hier „Minäer", also Judenchristen, zu substituieren fei. S. 259. Von einem Ritus des Küssens, der allerd ngs in Jakobus erwähnt wird und der in den Konventikeln der Judenchristen üblich war, ist bei den Juden nichts bekannt. Es ist vielmehr gar nicht unmöglich, daß mit Rüct sicht auf diesen Bruderkuß, der ja gleichsam zu einer religiösen Handlung sich gestaltet hat, ein Ausspruch gemünzt ist, welcher das Küffen unter Fremden als unzüchtig (Dl^Sn) verwirft. „Alles Küssen ist unzüchtig, außer dem Kusse der Huldigung, wie Samuel den zum König gesalbten König geküßt, dem Kuß des Wiedersehens, lvie Aron und Moses sich küßten, deni Abschiedskuß wie zwischen Naemi und Orpaeinige fügen noch bei : den Kuß der Verwandtschaft, wie Jakob die Rahel begrüßt hat." <Ber. r. 70,12.) — S. 397. Die Erzählung von Chananja, dem R Josua (Nichtsein „Freund", sondern sein „Oheim" " “TI"!) den Rat gegeben, Palästina zu verlaffen, hat nichts Dunkeles, lvenn wir sie ganz wörtlich nehmen, er sei voi» den Judenchristen trunken gemacht und in diesem bewußtlosen Zustande auf einem Esel reitend am Sabbath in die Stadt gebracht worden. Diese Bloßstellung duldete seinen ferneren Aufenthalt in Palästina nicht. Als Wortspiel ist liier fcOan Wein und Esel glücklich angewendet. Pros. A. -Lulzbach. Voltaires Briefwechsel. Ausgewählt und übertragen vonKätheSchirmacher. Leipzig,Jnsel-Berlag. 294 S. Geheftet 4 Mk. Seitdem man dm großm Dichter, Historiker und Aufklärer Voltaire gerechter beurtellen gelernt hat, ist daS Interesse für dm geistreichen Franzosen und seine Werke gestiegen. Einen nicht geringm Anteil an dem Berdimst, die ungebührlich aufgebauschtm Borwürfe gegm Voltaires Charakter auf das richtige Maß zurückgeführt zu havm, hat die Boltatre-Btographin Käthe Schtrmacher, die uns im dorliegmden Bande eine Auswahl aus der umfangreichen Korrespondenz des Dichters bietet. Zwei Fälle, in denen Voltaire für unschuldig Verurteilte mtt Erfolg etngetretm ist (CalaS und Sirvan) — es find zwei von vielen —, nehmen in der Korrespondenz einm besonders breiten Raum ein. In beidm Fällen hat er die nachträgliche Freisprechung der BerurteÜtm durchgesetzt, ja, er hat die Prozeßkostm bezahlt, dm Sohn der CalaS zu fich genommen, die Tochter verheiratet . . . Wer dächte nicht bet dieser Lektüre an daS Schicksal des unglücklichm Hilsner, der ein Opfer des Judenhasses gewordm, wie die CalaS und Si den Opfer des ProtestantenhaffeS warm! Zwar habm fich auch für HilSnrr bedeutsame Sttmmm erhoben, zwar kämpft auch hier der Verteidiger des Unglücklichm für die Wiederaufnahme des Verfahrens. Wo aber ist der. große Mann, zu dem Europa aufzuschauen gewohnt ist, dessen Stimme allemhalben tn der Zkulturwelt gehört wird, der mit so beispielloser Leidenschaft wie Voltaire für die Sache der Wahrheit — im Großen und im Etnzelfalle — kämpft, bis er den Sieg erringt? i> ögen die Großen unserer Tage, die Männer von unantastbarem Rufe und sittlicher Hoheit, diese Briefe eines Verworfenen lesen und fich an die Brust schlagen! Sd. Light irom Egyptian Papyri. \>on Charles H. H. Wrtght D. D. London, Williams & Norgate. 1908. 8 sh. Der fleißige englische Gelehrte CH. Wrtght, dessen Werke durch Gründlichkeit und im großm und ganzen durch besonnene Ablehnung maßloser Bibelkrtttk ausgezeichnet find, behandelt in dm ersten zwei Kapiteln seines BucheL die bekanntm Paphri-Funde in Affuan und Elephantine und tellt dabei den Text der letzterm in Uebersetzung mit. Das dritte Kapitel bespricht die drei Tempel außerhalb Jerusalems, dm Elephanttne-, den Onias- und dm samaritanischen Tempel. Überall verweist der Verfasser auf das wichtige Neue, das den Funden zu dankm ist. In dm zwei solgmden Kaptteln untersucht Wrtght einige Teile Daniels, über welches Buch er in dem Jahre 1906 zwei größere Arbeiten hat erscheinen laffen. — Der Megillath AntiochuS und anderen Apokryphen ist der Schluß gewidmet. Die Klarheit und praktische Knappheit, die Wrtght immer eigm ist, zeichnet auch dieses Buch aus, das in eigenartiger Weise popularisierende Darstellung und wissenschaftliche Untersuchung verbindet. — o—. r£gr] ,V’

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