Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1909)
- Date
- 1909-05-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 14. Nr. 21. Der JSraeltt. 25. Mai 1909. alle darin übe-ein, daß sogar die uns prophezeite Er lösung durch unsere Mitwinung herbeigeführt werden könne Rothschild: Ja, Mosche ist aber von Gott gesandt. Behrend: Natürlich, Alles durch und mit Gott. Obschon ich den großen Unterschied zw schen Moscheh und mir erkenne und mich mit demselben zu vergleichen eine Absurdität sein würde, so bin ich doch in der Hinsicht mit ihm zu vergleichen, daß ich ebenso wie er, der Hochbegeisterte, unter göttlichem Einfluß handle, und daher m Ermangelung eines* Andern e bötig bin, das Unternehmen zu leiten. R o t h s ch i l d: Zu Ihrem Borhaben gehören große Geldmittel. Behrend: Eben diese verlange ich von Ihnen. Rothschild: Wie schon gesagt, ich will mit der Dache nichts zu tun haben. Damit war die Unterredung beendet. (Schluß folgt.) u rücherscharr. Unterwegs. Bon Heinrich Grünau. Jüdischer Verlag. Cöln 1909. Herr Leo Winter liebt das Fräulein Gina und findet bei ihr Gegenliebe. Aber zum Heiraten ist Geld nötig und das fehlt aur beiden Seiten. Ta reißt Herr Leo Winter mit blutendem Herzen sich von der Geliebten los, nimmt die Taufe an, eröffnet sich dadurch freie Bahn, seine nicht gewöhnliche GeschästSgewandtheit und Arbeitskraft zur Geltung zu bringen, gelangt allmählich zu Reichtum, Ehre und Ansehen und landet endlich alß Schiffsbaudirektor in einer großen Hafenstadt, wo er mit Weib und Kind - er hat inzwischen eine reiche Partie gemacht und ist Vater zweier Kinder, Richard und Irene, geworden - ein Leben herrlich und in Freuden verbringt. Ta begeht er die llnvorsichtigkeit, zur musikalischen Ausbildung seiner Tochter ausgerechnet den Musiker David Lubetzki, dessen Namen schon den Juden verrät, ins Haus zu nehmen. Das war nicht klug von ihm. Musiker sind gefährliche Leute und man kann ihnen gegenüber gar nicht wachsam genug sein. Das hätte Herr Winter bedenken sollen. Aber nun ist's zu spät. Lubctzkr ist Künstler und Zionist dazu. Kann es Wunder nehmen, daß Irene sich sterblich in ihn verliebt und daß Richard, der Sohn des Täuflings, Zionist wird? Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Herr Winter wittert Unrat und entläßt Knall und Fall den INusiker. Aber Richard, der sich nun Iiuben nennt, verläßt in Unfrieden das väterliche Haus und Irene welkt merklich dahin. Sie soll einen Baron von altem Adel heiraten, der sich vom Vater die Mitgift in Form von ungeheuren Darlehen pränumerando hat avsbezahlen lassen. Zu schwach, dem väterlichen Drängen zu widerstehen, gibt sie ihre Einwilligung zur Verlobung. Mer just am Verlobungsabend entläuft der saubere Baron und läßt die aufatmende Braut und den geprellten Vater sitzen. Letzterer ist geprellter als man meinen sollte. Er ist geradezu ruiniert. Sein ganzes Geld hat er in wirklich unbegreiflichem Leichtsinn statt in sicheren Staatspapieren in dem Baron angelegt. Nun muß er's büßen. Es ist klar, daß ihm nichts übrig bleibt, als sich zu erschießen. 'Nur ist nicht recht ersichtlich, warum er diese Prozedur nicht im stillen Kämmerlein vornimnit. Es gehört doch wirklich eine ungewöhnliche Geschmacklosigkeit dazu, sich auf offener Straße zu erschießen, zum Gaudium der gaffenden Gassenjungen. Mer was soll ich sagen? Es war nun einmal so. Auf offener Straße hat er sich erschossen und war gleich ganz tot. Ter Musiker Lubetzki, der an allem Schuld ist — denn Musiker sind gar gefährliche Leute uird inan nimmt sie nicht ungestraft ins Haus — hat „Boruch Tajan hoemes" gesagt, wie er's hörte, und das ist schön von ihm. Im llebrigen aber finden nun zwe, Verlobungen statt: 1. Irene Winter verlobt ftch mit David Lubetzki, was vorauszusehen war; 2. Rüben < recte Richard) Winter verlobt sich mit Hanna F-riedn-ann, der Tochter jener Gina, die der verflossene Schiffsbaudirektor weiland gröblich verraten hatt-. Beide Paare aber gehn nach Palästina, denn außerhalb Palästinas fühlen sie sich nur „unterwegs". Und weil dem so ist, darum heißt das ganze Stück „Unterwegs" und ist ein Drama in 3 Akten, das Heinrich Grünau versaßt hat und im Jüdischen Verlag, G. in. v. H., 1909 erschienen ist. Ich wollte „Unterwegs" wäre zu Hause geblieben. Denn es ist ein gar schlechtes Drama. Keine einzige der Hauptpersonen hat individuelles Leben. Aus ihnen allen spricht der Verfasser. Und ach, er spricht so viel, so überaus viel. Das Drama mag für zionistische Hausbühnen, für Makkabäerfeiern re. sich ganz gut eignen. Warum aber die Oeffentlichkeit vamit belästigen? In ihrem Interesse sprechen wir den Wunsch aus, es möge der Muse des Herrn Verfassers gefallen, künftighin sich auf anderen Gebieten zu versuchen, denn von dramatischer Begabung hat Verfasser nicht einen Funken. Und ewig den Willen zu loben, wo die Kräfte so schwach sind, wer könnte das über sich bringen? I. B. Nätsel des Seelenlebens von Camille Flamma rion, Direktor der Sternwarte zu Juvisy-Paris. Auwrisierte Uebersetzung von Gustav Meyrink. Preis Mk. 5.—, geb. Mk. 0.—. Verlag von Julius Hofsmann in Stuttgart. Der Verfasser, der sich in der wissenschaftlichen Welt eines angesehenen Namens erfreut, bringt in seinem Werk eine Fülle von Material bei, das die Unzulänglichkeit unsrer gewöhnlichen Vorstellungen von den Bedingungen des Seelenlebens erweist. Im wesentlichen sind es die tele patischen Manifestationen Sterbender, d. h. das Auftauchen räumlich ganz entfernter Personen im Moment ihres Sterbens vor den Augen ihrer fernen Verwandten oder Freunde, ferner Gedankenübertragungen und zeitliches Fernsehen, was der Verfasser zur Unterstützung seiner These behan beit. Obgleich Flammarion den größten Wert darauf legt, daß die uns übernatürlich erscheinenden psychischen Er scheinungen zweifellos durchaus im Rahmen Naturgesetz tichen, uns nur noch unerkennbaren Geschehens bleiben, so enthält sein Tatsachenmaterial doch eine sehr nachdrückliche Mahnung für die superklugen Leute, die ihre Alltagserfahrung für der Weisheit letzten Schluß halten und alles verspotten, was sie nicht verstehen. In diesem Sinne geht von dem Buche auch eine — gar nicht beabsichtigte — stark religiöse Wirkung aus; es lehrt Ehrfurcht vor den Tiefen des Geheimnisses, das trotz aller Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Forschung noch immer über der Schöpfung lagert. — m. Die jüdisch-aramäischen Papyrisnude in Atzrran und Elephantine und deren Bedeutung für die Bibelknnde. Bon Dr. M. Rosen mann. Separatabdruck aus der Zeitschrift „Die Wahrheit". Wien 1909. 8 S. ' Vorstehende Schrift gibt fich als Vortrag gehalten im israelitischen Reltqionslehrervereiu „Esra". Die Papyri, in aramäischer Sprache, ähnlich der der beiden Elephantintschen Urkunden abgefaßt, sind anerkanntermaßen für die Geschichte der Juden in der nachexiltschen Epoche von eminenter Bedeutung. In Elephantine, dem südlichen Egypten, nächst der äthiopischen Grenze aufgesunden, bezeugen diese Papyri — was an und für sich schon wichtig genug —, daß es schon zu Cyrus Zeiten (559—529) eine jüdische Kolonie, unter persischem Scepter stehend, gegeben, die einen Tempel besaß, in welchem Opfer dargebracht wurden. Daß fich also Achaschwerosch's Macht bis „Aetiopien" erstreckt hatte, beruht mithin auf einer unbestrettbaren Tatsache. Aber auch auf andere Vorgänge werfen die Papyrussunde Helle Streiflichter. In gewohnter Meisterschaft behandelt Barth etnige dieser Paphrttnschriften im Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1907. Ueberraschmd sind die Schlüffe, die er aus diesen Funden gezogen. Unabhängig von Barth machte Rosenmann dasselbe Thema zum Gegenstände einer Untersuchung, als deren Frucht vorstehender Vortrag ersch enen ist. Die Resultate, die sich ihm an der Hand seiner Untersuchungen ergeben, find sie auch weder völlig neu, noch durchgängig von schlagender Beweiskraft, verdienen immerhin Beachtung. So z. B. ist die Zusavlmenstellung von Xerxes — 2? Y"i1tPrTK—ttnKv£TT iS. 5) eine längst anerkannte Tatsache. Die Opferungsftage außerhalb des Nationaltempels (S. 6) hat Barth wohl befttedigend belöst. „Man war . . . der Ansicht, daß mit der Zerstörung des Tempels das Verbot, ein-n anderen Tempel zu errichten und dort zu opfern, nicht mebr bestehe . . . Eine solche Ansicht wird . . . Megilla 10a... ausgesprochen. . Allerdings suchten die Elephantiner im Interesse ihres Tempels um die Hülfe des Jerusalamer Hohepriesters nach, nachdem das Nattonalhetltgtum in der hl. Stadt längst wieder errichtet war. Darauf antwortete Barth sehr richtig: In jenen Kreisen in Jerusalem stand damals das religiöse Leben mit den gesetzlichen Vorschriften in starkem Widerspruch. Beweis besten: das Verbot der Mischehen, bas ebenfalls außer Acht aelaffen wurde. Richtig bemerkt aber Rosen mann: daß daß deutero nomische Verbot dennoch in Jerusalem in Geltung stand, beweist der Umstand, daß die Elephantiner auf ihre Bitte an den Hohpriester keine Antwort erhielten (ibid). Eine weitcre Zusammenstellung von p mit ln den Papyris C und D ist ebenfalls beachtenswert, wie nicht minder der Schluß auf die Aechtheit der Megilla (ibid.). Zum Schlüsse eine Bemerkung meinerseits. Papyrus T, den Barth (a. a. O ) veröffentli i t, berichtet: „Und nachdem sie also getan hatten, trugen wir . . . Trauerkleider, fasteten und beteten wir . . ." (B. 15). Ferner: „und... wir fasten . . . , haben uns nicht Oel gesalbt, noch Wein getrunken." (20—21.) Hiernach wurde in Elephantine drei Wochen getrauert, wegen der Zerstörung deS Tempels in Jerusalem. Jerusalem. Dr. Grünhut. Die Geschichte der Juden in Palästina seit dem Jahre tf© nach Chr. Eine Skizze von Lic. Dr. H ö l ch e r. Leipzig, Hinrichs 1909. 64 S. Obwohl in populärer und anregender Form geschrieben, ist die Skizze doch eine wissenschaftliche und mit großer Sachkenntnis aus geführte Arbeit die reiches Lob verdient. Hölscher gibt eine Darstellung der Geschichte der Juden in Palästina von der Zeit der Apokalvptik, der Entstehung des Christentums bis zu den Tagen von Damascus und der Gründung der Alliance. Und doch ist es nicht die Geschichte der Juden eines bestimmten Landes, sondern es ist die Geschichte der Juden, gruppiert um die in Palästina spielenden Ereignisse. Es ist nicht ein Ausschnitt aus der Gesamtgeschichte der Juden, wie ihn die historische Spezialforschung oft in so ungenießbarer Form produziert, sondern es ist ein groß ausgefaßtes Gesamtbild, dessen einzelne Züge sämtlich nach demselben Centralpunkt ihre Richtung nehmen: dem Land Palästina. Wo immer auswärtige Ereignisse in die palästinensischen Verhältnisse hineinspielten — und wann war das bei dem Wandervolk der Juden nicht der Fall? —, da werden sie knapp und übersichtlich geschildert, auch wenn diese Schilderung nicht unbedingt in den Rahmen des Themas gehört: der Siegeszug der Araber wie die Vertreibung oer Juden aus Spanien, die Kreuzzüge wie die Metzeleien Chmielietzkis. Das reiche Material ist zu einem wohlgegliederten, logisch aufaebauten Ganzen verabeitet. Nirgends wirkt die Fülle der Einzelheiten erdrückend. In einzelnen Urteilen ist wohl der christliche Theologe herauszuhören. Mit Respekt aber muß der freie Blick Hölscher s,seine relative Vorurteilslosigkeit,sein Gerechtigkeitssinn erfüllen. Mit rücksichtsloser Schärfe hebt er mehrfach die Tatsache hevor, daß erst mit der Einführung des Christentums im oströmischen Reiche die eigentlichen systematischen Judenverfolgungen und die Intoleranz gegenüber der jüdischen Religion als permanente Er scheinung auftauche. Gegenüber der christlichen Intoleranz von Byzanz hebt er die in religiösen Dingen weitgehende Toleranz nichtchristlicher Völker hervor, der Römer und besonders der islamiitschen Beherrscher Palästinas, der Araber und der Türken. Mit Abscheu berichtet er von dem Treubruch des christlichen Kaisers Heraclius und seiner mönchischen Berater. Ja selbst in ~ den düstersten Bildern entgehen ihm nicht die vereinzel en Lichtpunkte. Selbst bei geistigen Verirrungen der Juden anerkennt er den Ernst und die Energie mit der sie ihren Ideen nachgingen, und wenn er von der Zeit mystischer Schwärmerei svricht, in der Geisterspuk und Torenbeschwörung im Schwünge waren, so vergißt er nicht, daß doch immerhin „ein heißer Pulsschlag religiösen Lebens diese Gemüter erfüllte." Mir empfehlen die übrigens sehr anspruchslos und nüchtern und doch recht temperamentvoll geschriebene Skizze auch den Kennern jüdischer Geschichte. Auch ihnen wird sie in ihrer künstlerisch geordneten Darstellung Freude bereiten und Belehrung bieten. Sd. Die kalte Wittib, eine Straßburger Geschichte aus der Zeit des großen Judenbrennens. Bon Edward Sorg. Bd. 69 der elsässischen Bolksschriften, Verlag Heitz-Straßburg. 138 S. Mk. 2.—. Die Fabel, die der Erzählung zu Grunde liegt, ist dürr, spindeldürr. Es ist die Geschichte des Junkers, der das jüdische Weib, das er liebt, aus den Flammen errettet und erst sterbend erwirbt. Der Phantasie des Verfassers fehlen die kühnen Schwingen. Auch erscheint mir die Zuführung des Kindes zur christlichen Taufe dem Zusammenhänge nach psychologisch unmöglich. Und doch muß man die ersten hundert Seiten mit gespanntem Interesse lesen. Denn wie hier von dem ehrbaren Bürger und Wirt David Andres zu Straßburg die Geschichte des großen Judenbrennens zur Zeit des schwarzen Todes erzählt wird, das ist so schlicht und wahr und ergreifend, das; wir zum ersten Male diese Ereignisse, die uns in der kurz registrierenden oder der historisch erzählenden Grätzschen Form geläufig sind, in ihren Einzelheiten miterleben. Indem hier auch die Gegner sprechend, handelnd, diskutierend eingesührt werden, der Bischof, der Ammeister, die Herren vom Rat, gewinnen die schaurigen Vorgänge wie die Personen und Zeitumstände an lebendiger Natürlichkeit und wirken in dieser dem Leser suggerierten historischen Wirklichkeit umso mächtiger, als der Stil der Erzählung — ein biederes Lutherdeutsch — den Eindruck noch verstärkt. Dieser Stil macht uns auch die stellenweise äußerst breite Darstellung selbst dort genießbar, wo sie inhaltlich kaum noch etwas bietet. Sobald die Schilderung der roßen Judentragödie beendet ist, und sich die Erzählung em Einzelschicksal der geretteten Jüdin zuwendet, vermag der Verfasser unser Interesse nicht mehr zu fesseln. —r. rsgri verbr freier vom dersel sitze i beim < Reis« äüüh >l\ '' i 11 f Wir foftülb Gehalt werben Z Ba u lasse, DorSj ve Für 1 von ca. Bo Töchters akad bei eine, außer M Bewe: 15. Jun der isr. Wir späteste einen ti währte s Unver vorzugt. 1800 S erbeten. 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