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Der Israelit · 1909-05-13 · Heft 19 (13.5.1909) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 19 (13.5.1909)
Date
1909-05-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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'4, i-'-t-. -^l.1.^-..1'.- k -V1' ■ IT Nr. 1.9. 13. Mai 1909 Der Israelit. Seit 9 irgend welchen Ursuchen vermiffen muß. Die vdm Ministerium des Innern genehmigte Liste enthielt ursprünglich nur 32 Namen der bekanntesten rabb nischen Autoritäten, vornehmlich aus Littauen. Es gelang jedoch dem Komitee, noch die nachträgliche Genehmigung für weitere 6 Mitglieder zu erhalten, so daß die Zahl der Beteiligten, die in geschlossener Versammlung ihre Beratungen abhalten, 38 beträgt. Wir sehen darunter die berühmten Kapazitäten, Rabbi C h a j i m Soloweizik ans Brest, Rabbi Oser Grob zenski aus Wilna, Rabbi Schapira aus Woloschin, die Rabbinen aus Petersburg, Odessa, Poltawa, Krementschug, Wittebsk, Tschernigew, Pinsk, Karlin u. v. m. Besonders freudig begrüßt werden auch die gefeierten und ungemein einflußreichen chasfidischen Rabbinen aus G)ur und Lubawitz, die als Vertreter der polnischen Gemeinden an den Versammlungen teilnahmen. Unter den be- ' deutenden Laien Mitgliedern der Versammlung befinden sich die Herren Getz aus Wilna und ' Jacob Halevy Lipschitz ausKowno. Schon am Vorabend der Versammlung konnte man das friedlichste Einvernehmen zwischen den chassidischen und den littauischen Größen beobachten, was als gutes Omen für den Gang der Verhandlung betrachtet werden durfte. Um 10 Uhr abends wurde die Versammlung eröffnet. Als Ehrenvorsitzender wurde Rabbi David Fri e dmann-Karlin gewählt. Als Vorsitzender Rabbi Grodzenski-Wilna, zu Beisitzenden und Schriftführern : Rabbiner Tr einin-Petersburg und Lipschitz-Breft. Nach einigen Begrüßungs - Ansprachen und Aufstellung der Tagesordnung wurde die Versammlung auf Dienstag vertagt. In der Dienstags-Sitzung, die um 12 Uhr mittags begann, wurde vom Vorsitzenden das vom Ministerium genehmigte Arbeits-Programm der Konferenz bekannt gegeben. Das Programm umfaßt folgende Punkte: 1. Anerkennungder RabbinenseitensderRegierung. 2. Erziehung s fragen. 3. Die Bewahrung der Schüler an den Elementar- und höheren Schulen vor Sabbatentweihung. 4. Gesetzestreue Organisation. ö. DieSabbatruhehinsichtlichdesneuen Sonntagsruhegesetzes. 6. Das Schächt- Verbot in Finland. 7. Beratungen in betreff der von der Regierung demnächst einzuberufenden Rabbinen-Kommission. Zn Punkt 1 der Tagesordnung wird nach Anhörung eines eingehenden Referates über die Anerkennung der Rabbiner und nach einer eifrigen Diskussion über diesen Gegenstand mit Stimmenmehrheit folgende Resolution gefaßt: „Es soll bei der Regierung auf eine Anerkennung der wirklichen Rabbiner nachdiücklichst hingearbeitet werden, besondens sei darauf zu achten, daß alle religiösen Angelegenheiten, wie die Aufsicht über die Gemeinde-Jnstitutonen religiöser Art, sowie die Handhabung und Vollziehung von Trauungen und Ehescheidungen ausschließlich ihnen übertragen werden, während die Matrikenführung nach wie vor den von der Regierung damit betrauten Beamten überlassen bleiben soll." In der Mittwochs-Sitzung wurde von einigen Mitgliedern beantragt, auch die Frage einer Besserung der soziales Lage der Rabbiner in die Beratungen aufzunehmen, wogegen aber von der Mehrheit der Versammlung geltend gemacht wur e, daß die erste und heiligste Pflicht der versammelten Rabbiner es sei, unter Hintanftellung der eigenen materiellen Interessen, die geistigen Gesamtinteressen des Volkes wahrzunehmen, und sie von dieser Voraussetzung sich in ihren Verhandlungen und Beschlüssen leiten lassen müssen. Daraufhin wurde zum folgenden Punkte der Tagesordnung, der die Rabbinerkommission betrifft, übergegangen. Der Vorsitzende macht in einer längeren Rede auf die Mängel der früheren Rabbinerkommission aufmerksam, die darauf zurückzuführen waren, daß sie in ihrer Mehrheit nicht aus wirklichen Rabbonim, sondeon aus zum Teil mit dem jüdischen Religionsgesetz wenig vertraute^ Kronrabbinern bestanden. Hatte doch selbst eine russische Zeitung, die der Voreingenommenheit nicht verdächtigt werden könne, eine solche Kommission als Rabbinerkommission ohne Rabbiner bezeichnet Nach eingehender Diskussion wird eine vom Rabbiner Friedmann-Karlin vorgeschlagene Resolution angenommen, in dem Sinne, daß die Rabbincrversammlung eine nach dieser Richtung aufklärende Petition an d^s Ministerium einre.chen soll, mit der Bitte, nur wirkliche Rabbiner, die mit den geistigen und materiellen Bedürfnissen des Volkes vertraut seien, in die Kommission zu wählen. Der folgende Punkt der Tagesordnung betrifft die Organisation der Gesetzestreuen. Nach einem kurzen Ueberblick des Vorsitzenden über die Entstehung des Verbandes „Knesserh Jisroel", seine Entwicklung und die gewaltigen Hemmnisse aller Art, die er zu überwinden hatte und noch hat und die zuweilen eine vollständige Lähmung feiner Tätigkeit verschuldeten, werden auf Antrag des Rabbi aus Lubawitz, der für eine Vereinigung aller Gesetzestreuen, auch der C h assidim in Polen in einer Organisation energisch eintritt, die Statuten des Verbandes verlesen, worauf sich eine sehr fruchtbare Diskussion anschließt, die zum hochwichtigen Beschlüsse führt, im Sinne des Antrages die Gesamt -Organis ationder B'KT für RußlandundPoten zu gründen. Zur Prüfung der bei der Staturen- Verlesung geltend gemachten Wünsche und Abfassung neuer Statuten wird aus der Mitte der Versammlung eine siebengliedrige Redaktions- Kommission gewählt. Zur Beratung des folgenden Punktes über die Sabbatruhe werden auch mehrere Laien, zumeist Kaufleute, als Sachverständige zugezogen. Herr L i p p i tz - Petersburg referiert eingehend über den „Stand der Sonntagsruhe in der Duma", worauf mehrere Kaufleute über manche Gegenstände Auskunft erteilen und praktische Vorschläge machen. Die Vertreter aus Petersburg halten eine sofortige Intervention bei der Duma-Kommission für unumgänglich notwendig, da ein Abwarten bis zur Einberufung der Rabbinevkommission große Schäden gur Folge haben könnte Mit Rücksicht auf die Gefahr, die aus einer zweitägigen Ruhezeit der jüdischen Kaufleute dem ganzen wirtschaftlichen Leben des Landes drohe, halten sie das größtmöglichste Entgegenkomnien der Regierung in dieser Beziehung für sehr wahrscheinlich. Herr Getz-Wilna, meint dagegen, daß die Versammlung aus formellen Gründen und durch die ihr von der Regierung gezogenen Kompetenz Grenzen keine direkten Vorschläge an die Duma Kommission machen könne. Es!ei denn, daß die Rabbiner nicht als Mitglieder der Versammlung, sondern im Romen ihrer Gemeinden die nötigen Lchritte unternehmen wollten. Er hält es für empfehlenswert, durch eine Deputation auf die Führer der verschiedenen Fraktionen der Duma in dieser Beziehung aufklärend einzuwirken. Der Antrag wiro voit den Vertretern aus Petersburg, d e über die Stimmung im Ministerium und in den Duma-Kreisen orientiert sind, unterstützt. Fast alle Mitglieder äußern ihre Meinung in dieser für den Fortbestanb des Judentums so eminent wichtigen Frage, worauf einstimmig der Beschluß gefaßt wird, das Ministerium zu ersuchen, einen von den Rabbinern präzisierten Antrag betreffs der Erhaltung der Sabbatruhe für die jüdischen Bürger Rußlands der Duma Kommission zu überweisen, damit bei der Beratung des Sonntagsruhegcsetzes im Plenum auch der Sabbatantrag der Rabbinerversammlung erledigt werden könnte. Die Beratungen werden morgen fortgesetzt. Uernitecbtes. Frankfurt a. M., 12. Mai. Wie man uns mit teilt, wird das von Herrn Leon Sch Marzbach verfertigte und in fast allen Großstädten Europas von Fachleuten wie vom Publikum wegen seiner künstlerischen Ausführung und histor.schen Treue bewunderte Mode ll de^ Tempels in Jerusalem von Lonntag den 16. d. M. ab auch hier (Allerbeiligenstr. 7« I) ausgestellt. ES ist zu hoffen, daß der eigenartigen Ausstellung auch hier baS weitgehendste Jntereffe entgegengebracht wird. Eine eingebenbe Würdigung des seltenen Kunstwerkes behalten wir uns für eme spätere Nummer vor. Berlin, 10. Mai. Der Ausschuß zur Errichtung einer jüdischen Blindenanstalt teilt mit, daß der Bei ein in den ersten Monaten schon an 1750 Mitglieder mit 22 000M. Beiträgen erworben hat. Neustadt a. d. Hardt, 5. Mai. Bor kurzem fand hier im Saalbau die Iah.eSversammlung des Israelischen 5kreis - Asyl-Vereins für die Pfalz, e. B. mit dem Sitze in Spever a. Rh. statt. Wie aus den Be, Handlungen zu entnehmen war, ist das Stammkapital des Verein ’, der erst vor Jahresfrist g gründet wurde, schon auf mehr als 60.000 Mk. angewachsen. Es besteht die Abstchr, schon bald an den Bau des Heimes heranzugehen, in welchen di alleinstehenden alten oder erwerbsunfähigen GlaubenSgenoffen in sorgloser Ruhe ihren Lebensabend genießen können. Warschau, 8. Mai. AuS Plonsk wird berichtet, baß dort eine Frau Sara Rina Arend im Alter von 102 Jahren gestorben ist. New - No-k, 30. April. Der bekannte jüdische Philamrop Schiff hat neuerdings 100000 Dollar zur Gründung eines jüdischen Lehrerseminars in Eincinatii gespendet. Aus die em Lehrerseminar sollen hauptsächlich Lehrer für die in Amerika eingeführten jüdischen Sabbat-Schulen hervorgehen. Uereto$we$en. ™ Kraukfnrt a. M., 10. Moi. Donnerstag, den 30. Mai, vorm. 10 Uhr ankangend, findet dahier die Generalversammlung des Unabhängigen Vereins israelitischer Lehrer im Großherzogtuw Hessen im Hörsaal de Israelitischen ReligionSaesellschaft i Schützenstraße 13) mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Rechnungsablage. 3. „Die hebräische Grammatik in der Religionsschule, insbesondere ihre Beziehung zum Lesen," Referent Herr Realschuldirekt°r Dr. Lange, Frankfurt a. M. 4. „Die Fürjorgekaffe für hesfis.iie Gemendebeamte") Referent Herr Lebermann- Darmstadt. 5. Festsetzung d,r Bertetlungsquote aus unserer Htlfskaffe für 1910 6. Anträge. 7. Mitteilungen. Gäste sind willkommen. Wieu, 11. Mai. Im Festsaale des Hotel Central sprach gestern Abend vor einer vielhundertköpfigen Menge auf Einladung des Vereins der Sabbalhfreunde Herr Moritz A. Loeb aus Frankfurt a. M. über die Bewegung zur Erhaltung der Sabbathruhe. Herr Loeb ieffelte durch lx/8 Stunden sein Publikum, daS den Ausführungen des Redners mir lebhaftem Jntereffe folgte. Nach einer Darlegung der sozialen und hygienischen Wichtigkeit einewöchentlichen Ruhetages, der Schilderung des hohen fittlichen Einflusses, der speziell dem jüdischen Sabbath mit seiner geistigen Kräftigung innewohnt, kennzeichnete der Redner die im modernen Berkehrsleben unüberwindltch scheinenden Hinderniffe, die sich der Sabbathruhe entgegenstellen, und sein .aus dem Herzen komme der Appell, stch durch diese Schwierigkeiten nicht abhalten zu lasten, dieses herrlichste Kleinod des Judentums, das in seiner Anlage utn Stimmung durch einen anderen Ruhetag nicht ersetzt werden kann, zu wahr«», fand offene Herzen. Herr Loeb gab alsdann einen Rückblick auf die Entwicklung der rerchsdeutschen Vereine, der großevl Jntereffe begegnete und in allen Anwesenden den lebhaften Wunsch rege machte, auch bei uns größtmögliche Ausdehnung der Bereinstätigkeit zu erzielen. Mit grdiegenen Ratschlägen über die Art, „wie man es machen mutz', schloß der Bortrag, der für die Propagierung der Sabbathheiligung von unschätzbarem Werre ist. — An der hierauf folgenden Diskussion nahmen teil Herr Lehrer Plohn, die Herren Rabbiner Di. Feuchtwang, Dr. David, Reich - Wien V, Reich-Baden. Der Borfitzende, Herr Moritz Felsenburg, dankte den, Vortragenden für den Genuß, den er unseren Gästen ge boten. In gehobener Stimmung und in dem tröstlichen Bewußtsein, daß auch im Großstadtgetrtebe noch Sinn für echtes Judentum zu finden ist, wurde die imposante Versammlung geschloffen, der tm Herbst oder Winter mehrere Borträge folgen werden. Pmonaliei. Escha», 10. Mai. Am 1. Mai waren es 25 Jahre, daß Herr Lehrer Lehmann sein Amt in Eschau angc treten hat. Die Gemeinde und die dazu gehörenden Filialen ließen fichs nicht nrhmen, aus diesem Anlaß den Jubilar durch eine kleine Feier zu ehren. Anwesend bei derselben waren Herr Lokal) chultnspektor Pfarrer Mahei, Herr Bürgermeister Roth, die israelitrschen sowie die christlichen Kollegen von Nah und Fern. Der Jubilor und seine Famiue wurden von zwei Herren des Komitecs in seiner Wohnung abgrholt und nach der Brauner Voll and geführt, wo die Fein stattfand. Hier sprach zuerst Fräulein Gerta Strauß einen Prolog, worauf Herr Mosbacher von hier eine schöne Ansprache hielt und das Geschenk der Gemeinden Eschau und Sommnau, bestehend in einem prachtvollen Divan, über eichte. In» Namen dn Gemeinde Röllbach sprach Herr Rosen - stock und übergab als Geschenk von der Gemeinde einen kostbaren Pokal. Sämttiche Schüler und Schülerinnen trugen paffende Gedichte vor. Nachdem Herr Pfarrer Mayer und Herr Lehrer Grünsfeld von Klein-

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