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Der Israelit · 1909-05-13 · Heft 19 (13.5.1909) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 19 (13.5.1909)
Date
1909-05-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit J Ein Centralorgan för das orthodoxe Jadentun l( Begründet non Dr. Lehmann in llbinz ssss 50. Jahrgang. bss Sranhfurfa. M.. den 15. mal 1909. 22 lior 5669. M i». Aboi»«e«e«t pro Vierteljahr: Gewöhnliche Ausgabe Mt. ILO, HeftauSgabc (Kunstdruck) Mk. 3.—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Lr., Rußland 1 Und.. England 2 uh., Amerika 50 cts., Niederlande 1.20 fl., Frankreich Frs. 2.50. Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Berlag. HestauSgabe nur direkt. Der JSraelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haasenstein u. Bögler A.-G. Frankfurt a. M.» und deren Filialen. Zahlungen können außer direkt an den Verlag erfolgen per: Conto bei de« Postscheck-Amt Franksnrt a. M. Sio. 344. Conto bei der ft. ft. Postsparkasse Wien Ro. 796W. Conto bei brät ft. PostsparkassenaHstt Budapest St». 18 484. Conto bei der Stigaer Connnerzbank in Big« und deren Filialen. Der flachflrucfc 9er Rrfihel un9 Correfpon9en?en 9es „Israelit“ ift nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fidi um größere Hufffifte hanöeft, nur nach uorheriger Genehmigung gestattet Judentum undTriedensbeweamtg. Bon Dr. M. Ascher in Neuchritel. Vorüber ist die Zeit, da ein Mensch den anderen zum Sklaven machen konnte, die Zeit ist überwunden, wo das Faustrecht galt. Alle Welt denkt daran sich nun auch von den Banden der inneren Sklaverei zu erlösen, wir wollen zum Bewußtsein unserer Menschenwürde kommen. Wir möchten alle Vorurteile abstreifen, daß wir nicht mehr meinen, eS könne Umstände geben, unter denen wir das schuldlose Individuum abschlachten dürfen, nur weit es einen anderen Waffenrock trägt als wir. Der Krieg, die letzte Fessel menschlicher Knechtschaft, das armseligste Zeichen menschlicher Verirrung, soll zu den Trümmern der Weltgeschichte geworfen werden. Der Krieg soll schwinden, wohlverstanden, der Krieg, nicht der edle Kampf der Geister. Wenn wir uns nach Frieden sehnen, so meinen wir nicht Friedhofsfrieden, Friedhofsfrieden aber wäre es, wollte der natürliche Lebenskampf erlahmen. Es ist nur der Friede gemeint, der als Gegensatz zum Krieg gedacht wird, und ein solcher Friede ist das Heil der Menschheit. Ein neuer Tag bricht an, ein Tag der Erlösung. In allen Ländern der Kultur sind Friedensgesellschaften gegründet. Ein neuer Geist belebt die Völker, „die Waffen nieder" heißt das Parolewort. Dem Krieg wird Krieg geschworen und Freiheit und Glück zeigen sich uns in einem ganz neuen Lichte. Wohl ist es noch nicht gelunaen, den Krieg zu überwinden, und immer wird man noch von Zeit zu Zeit von zerstampften Aeckern, blutgetränkten Auen, verbrannten Hütten hören, aber schon jetzt wirkt die internationale Friedensvereinigung auf die freundliche und friedliche Gestaltung der internationalen Verhältnisse gar mächtig ein. Die Ideen der Friedensbewegung sind in der ganzen Welt verbreitet und bilden einen Faktor im heutigen Bölkerleben, mit dem gerechnet werden muß Die positiven Erfolge der Friedensbewegung laffen sich nicht mehr bestreiten, zumal sich leicht Nachweisen läßt, daß ihre Ideen direkten günstigen Einfluß auf die praktische Politik genommen haben. Auch in solchen Kreisen, wo man alles mit einem «en Achselzucken abzutun pflegt, sieht man tte schon genötigt, die Friedensbewegung ernst zu nehmen; Eine ganze Reihe verhängnisvoller Kriege sind schon durch die Institution der Schiedsgerichte verhindert worden und die Organisation derselben gewinnt von Tag zu Tag mehr an Bedeutung. Wahrlich, die Friedensbewegung ist eine herrliche Bestrebung, und Sünde wäre es, wollte man sich von ihr fernhalten. Jude und Christ, alle fühlen den inneren Wert der Bemühungen um das Gute. Wie schmerzlich berührt es jeden Bibelverehrer, daß man allgemein wähnt, die Bibel verherrliche den Krieg. Um nicht Anstoß zu erregen, schalten einige ehrenwerte Friedensapostel die Bibel aus dem Bereich ihrer Betrachtungen einfach vollständig aus. Andere, welche wohl wissen, welch wichtigen Faktor die Bibel bei den Bolksmafsen bedeutet, greifen nur solche Stellen der Bibel heraus, die ihnen leicht als Beweise Dienste leisten können, verschweigen aber alle Stellen, die sich nicht mit ihrer Meinung decken. Gern hilft man sich damit, daß man allen Schimpf auf das „alte Testament" wälzt, um das „neue Testament" um so lichter in den Vordergrund zu stellen. Man wirft mit Zitaten um sich: „Du sollst deine Feinde lieben", „wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen", man macht sich vergessen, daß an so und so vielen Stellen im neuen Testament ohne jeglichen Tadel von Krieg die Rede ist. Man erwähnt andererseits aus dem alten Testament nanSa Vft 'n „Gott ist ein Kriegsherr". B'övn nnna natp r\x ’rnaum „Ich werde ihren Namen unter dem Himmel tilgen" S2 PTTTfl xb nav „Du sollst niemanden am Leben laffen" d,tSp •p’r ainn re? cmi dk nSaxi. „Und du sollst aufreiben 'hie Völker und darfst nicht Mitleid mit ihnen haben" usw. Man vergißt jedoch ganz ^ia2 ^mS rormi und hundert Stellen, die uns den Frieden zur Pflicht machen. So läßt sich leicht alles beweisen, was man nur beweisen will. Wer jedoch gründlich die Bibel liest und unbefangen an ihr Studium geht, muß zu der Ueberzeugung kommen, daß es Wahnsinn sei zu glauben, das „alte Testament verherrliche den Krieg. Wie, Gott, der Allmächtige, der Schöpfer aller Wesen, Er könnte befohlen haben, daß aus Mordlust oder Ländergier ein Mensch gegen den anderen das Schwert erhebe? Wahrlich, das kann nicht der Normalzustand sein! Es sollte uns zumindest doch stutzig machen, daß dieselbe Thora, die sagt „«"rav bi irnn kS" uns sonst Liebe und Erbarmen lehrt und Barmherzigkeit und Milde selbst gegen Tier und Pflanze, um wie viel mehr erst gegen Menschen befiehlt. Selbst jeder nüchterne Laie muß unbedingt einsehen, daß es dem Schöpfer aller Wesen höchstes Ziel sein muß, daß alle seine Geschöpfe im Glück und Frieden leben. Warum aber, das mag in erster Linie die Frage sein, an deren Beantwortung wir schreiten müssen, um die Stellung deS Judentums zur Friedensbewegung zu erörtern, warum mag unS wohl die Thora den Krieg gegen die Völkerschaften Kanaans zur Pflicht machen? Unsere Aufgabe ist uns nicht sehr schwer gemacht. Aus vielen Berichten ergibt sich, daß bei Kanaanes Völker Raub und Mord und widrige Verbrechen an der Tagesordnung standen. Witwen und Waisen drücken war gestattet, schwerste Unsittlichkeit w ir Regel, alle Begriffe keuscher Scheu waren geschwunden. In Klpl lesen wir: wpn xb na-arav nimt onaca p* mewaa xb nÖtt Q2DK X'ZQ ’2K “IttK IP22 pK rnrvaai ♦laSn xb orrnprni rtcrpn „Nach dem Werke des Landes Mizraim, darin ihr wohntet, sollt ihr nicht handeln, und nach dem Werke des Landes Kanaan, wohin ich euch bringe, sollt ihr nicht handeln, und nach ihren Gesetzen sollt ihr nicht wandeln." Dazu bemerkt 2"n und wird von zitiert: D’SpSipa cnato bv an'vrav tjo SpSipa Stnv 12 ww aipa jmm niai*n Saa |mxv Taa natp mnx iraB -wx;San ja ♦oSiaa o’SpSipa Saov wzzv paar Hieraus entnehmen wir, daß die Handlungen der Aegypter und Kanaaniter verderbter waren als die der anderen Nationen, und daß die Nationen, welche von den Israeliten bezwungen wurden, sittlich verdorbener waren als aLearchere«. Nachdem in n"' ftly'1 alle furchtbaren Sünden angeführt werden, die jedem Menschen Ekel einfiößen: nSan kS “[an rrrun T3* nana S221 rwx ’22tra 22m xb 12? dki 'ui '121 “]n22tf |nn xb schließt der Abschnitt mit den Worteru nS* S22 '2 nSk S22 ixaan bx nx '2 'ui v2'2va nStfa a* *wx a’ian ixav2 D2,:aS -ivt p*n itpp San ronnn S2 22«av2 d2xik pkn x’pn kSi p*n Kaani .22'2aS “iv* 'un nK rmp “ivo nm „Verunreinigt euch nicht durch all dies, denn durch all dies verunreinigten sich die Bömer, die ich wegtreibe vor euch her usw. Denn all diese Greuel taten die Menschen des Landes vor euch, und unrein wurde das Land. Damit das Land euch nicht ausspeie, wenn ihr es verunreinigt so

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