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Der Israelit · 1909-05-06 · Heft 18 (6.5.1909) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 18 (6.5.1909)
Date
1909-05-06
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 20 Nr. 18 5er Israelit 29. April 1909 eng geknüpft sei, damit auch nicht der Teil des Gehäuses den Haarboden ütl" schreitet und der Knoten am Hinterkopf oberhalb der Grube liegt, die sich am Ende des Schädels befindet. Wenn man Tefillin schel jad legt, sei man nicht zu bequem, den Aermel zurückzuziehen und den Arm vollkommen zu entblößen, um die Tefillin an die richtige Stelle zu legen. — Haupt und Herz sind die Mittelpunkte unseres körperlichen und unseres geistigen Lebens. Im erhobenen Haupte des Menschen — der Sitz des Denkens und Wollens, tief in der Brust in der Mitte des Körpers das Pochende Herz, das mit pulsierendem Leben alle Glieder des Organismus versorgt. Tatkraft, wie sie Herz und Arm bekunden, und Denkvermögen — alle unsere Körper- und Seelenkräfte, sie weihen wir durch die Erfüllung des Tefillingebotes täglich Ihm, dem Allgütigen, der sie uns verliehen. „Wir wollen tun und vernehmen,", so hat einst Jisroel am Sinai gesprochen, so sprechen wir täglich durch Mizwis Tefillin. Tun und erfüllen wollen wir den Willen unseres Schöpfers, auch wenn wir die tiefen Gedanken Seiner heiligen Worte noch nicht erfaßt haben, wir legen Tefillin schel jad zuerst, aber wir wollen auch eindringen und begreifen lernen und sinnen im Gottesworte, ohne Unterbrechung. 'Unmittelbar auf Tefillin schel jad folgen die Tefillin schel rosch. Unser körperliches Leben in seinen mannigfaltigen Aeußerungen sei geregelt und veredelt durch das Gottesgesetz, unser Geist, Anschauung und Gesinnung geläutert und geadelt durch den Gottesgedanken! So lehrt uns Mizwas Tefillin, wie wir unser Tagwerk aufzufaffen haben, was der leitende Gedanke, die Seele unseres ganzen Strebens und Ringens sein muß, damit wir uns nicht abmühen um leeren Tandes willen und nicht schaffen, was ohne Bestand ist. Alle unsere Kräfte sind dem Schöpfer geweiht, Ihm sollen sie dienen, Seine Gebote zu erfüllen und selbst was uns profan und ohne „religiöses" Interesse zu sein scheint — die Erhaltung unseres Körpers, Arbeit und Erwerb — auch diese gehöern zu der ununterbrochenen Gottesverehrung, die unser Leben ausmachen soll: um Gott dienen zu können, wie sein heiliges Gesetz es vorschreibt, erhalten wir unseren Körper und ergreifen wir einen Beruf,- denn unser ganzes Sein gehört Ihm an! Wir kommen nun zu den Tefillin selbst, ihrer Herstellung und ihrer Beschaffenheit. Es ist ohne weiteres klar, 'daß Gegenstände, die einem so helligen Zwecke wie Mizwas Tefillin entsprechen sollen, auch von einem hierzu geeigneten, würdigen Mann hergestellt sein müssen, auf daß dem Stoffe, dem die heiligende Beftmmung zugedacht ist, die höhere Weihe auch von enem solchen erteilt werde, der mit Verständnis und Ehrfurcht an die „Arbeit des Himmels", wie die Weisen s. A. sie nennen, herantritt. Es ist nicht gleichgültig, wer die Tefillin herstellt. Wer die körperliche Reife noch nicht erlangt hat, und wäre er auch bereits dreizehn Jahre alt, oder wer nicht des religiösen Zutrauens würdig ist, daß er alles für den heiligen Zweck von Mizwas Tefillin herftellt, alle diese sind zur Verfertigung von Tefillin nicht geeignet. Muß ja doch' von Anfang an das Material „lischmo", zum Zweck der Tefillin, hergeftellt sein, Leder und Pergament mit dieser Bestimmung gegerbt, alles Material, selbst Sehnen und Tinte, nur aus reinen Stoffen verfertigt sein, und darum nur die treueste Gewissenhaftigkeit und anerkannte Befähigung des Sofer eine Bürgschaft dafür, daß die Tefillin auch wirklich koschere Tefillin sind. -Schluß folgt.) Geburt Moser. (Schluß.) 13. Nach solchen Erfahrungeir wäre mancher am zweiten Tag — zu Hause geblieben. Er hatte genug gesehen. Im königlichen Palaste auf bequemem Diwan von Dienerschaft umgeben, d'? nur des Winkes harrt, lebt es sich bequemer, ft .(loser. Der erste Tag hätte „so sehr angegriffen", daß man zur „Zerstreuung" am zweiten Tage lieber einer Sängerin gelauscht oder einem munteren Spiele zugesehen, um die „aufgeregten Nerven zu beruhigen". Man hätte vielleicht wohl noch einmal sich für eine Geldspende für die „unglücklichen Armen" bereit gefunden — aber dem Schauplatz ihrer unseligen Oualen wäre man fern geblieben — für immer und hätte die Elenden ihrem Schicksal überlassen, das durch „Zusehen" ja doch nicht gebessert würde. So nicht ein Moses. Er ging — und jetzt gewiß nicht ohne Vorbedacht — auch am zweiten Tag hinaus. Hatte er am ersten Tag das Golus geschaut, das die Aegypter Israel aufgelegt hatten, so erlebte er am zweiten Tag die schlimmere Tatsache des Goluß, das sie sich gegenseitig bereiteten. Angesehene Männer waren es, einflußreiche, die sich stritten, beim Mannah, bei Korach, als es gegen Moses aufzutreten galt, „vertrugen" sie sich, jetzt „schlugen" sie sich. Schlagen sich bei solchem Goluß zwei Brüder, sagte sich Moses dann sind sie sich einander würdig. Darum spricht er gleich zu dem, der im vorliegenden Fall unrecht hatte: Warum schlägst du deines Gleichen? 14. Sofort darauf die bezeichnende Antwort, wenn der, dem sie gilt, recht hat, man aber der Wahrheit nicht die Ehre geben will. „Wer hat dich zum Mann gemacht? Du bist zu jung." Verblendetes Geschlecht, das seine Jngend zurückweist! Liegt es doch im allgemeinen in der Sache, daß die Träger des Fortschrittes und der Weiterentwicklung die Jugeud stellt! Besonders aber sehen wir in Israel die Jugend bevozugt. Abgesehen davon, daß immer der Jüngste der Geschwister zum Fortträger der Überlieferungen bestimmt gewesen, Abel Jsak Jakob Josef, Moses David, war die ganze nVlltt durch die Kinder veranlaßt, die gegen die Eltern Stellung genommen: Mirjam und die Königstochter. Willst du mich mit Worten töten, mich tot reden? Als Moses sah, welcher Geist in diesen „Alten" herrscht, da fürchtete er, daß auch die Jugend so versumpft sei und verzweifelte an einem Rettungsgedanken und an der Möglichkeit ferner hierzu bleiben, denn das Rettungswerk, das er, wenn er sich auch nicht für seine Person damit trug, so heiß ersehnte, hätte ihn dort nicht geduldet, wo er hilflos und ohnmächtig hätte zuschauen müssen. Er wußte nun den Fehler des Volkes; er konnte ihm selbst gefährlich werden. Der Nacken, der ans Joch gewöhnt ist, lehnt sich naturgemäß gegen den auf, der in bester Absicht die Gewohnheiten zu zerstören versucht. 15. Da kein anderer Zeuge da war, konnte ny“i£ es natürlich nur von den Beteiligten erfahren. Dieses Denunziantentum ist eine der häßlichsten Auswüchse, die der Druck zeitigt. Der Denunziant glaubt sich dadurch bei der Behörile „lieb Kind" zu machen und sich die Schwere des Druckes etwas zu erleichtern. Da es nun nicht heißt imrr? fwö nt? sondern lrn1? 'n trpn, so ist wohl anzunehmen, daß die angesehene Stellung, die Moses am Hofe inne hatte, die Ausführung der Absichten des Königs erschwerte. Der Midrasch sagt sinnig: von der Umgebung des Königs, die den Auftrag hatte, Moses zu bewachen, haben die einen ihn nicht gesehen haben wollen, die andern hatten nichts gehört und die Dritten hüllten sich in tiefes Schweigen. Man konnte ja doch nicht wissen, wie der Adoptivsohn der Königstochter einmal zu Ehren und Macht gelangen konnte. Es hatte niemand Interesse daran- „es mit ihm zu verderben". Dieses sympathische Verhalten der Hofkreise konnte dann Moses benutzen, um die Flucht zu ergreifen. Wie wenig Dichtung die Geschichte ist, welche uns die Thora da erzählt, können wir aus diesem trockenen Bericht von der Flucht mn'l ermessen. Eine Sage, ein Märchen, oder gäbe es nur einen Schriftsteller, der aus sich heraus diese Erzählung niedergeschrieben, würde sicherlich sich eine solche Stelle nicht haben entgehen lassen und hätte uns eine Abschiedsszene zwischen Moses und seiner Lebensretterin, vielleicht seiner Schwester. ausgemalt, wie sie poetischer und zugleich ergreifender nicht gedacht werden könnte. Fragen wir nun zusammenfassend, unter welchen Bedingungen des Geistes und des Herzens Moses das Licht der Welt erblickt und seine einzige Laufbahn angetreten habe, so können wir als Grundton seines Lebens den sittlichen Ernst erkennen, an dem nichts von Schwärmerei haftet. Die ernsteste Auffassuug des bittersten Lebensernftes, den er schaute und kostete, die sittliche Ewpörung über Verrohung und Entmenschlichung, die in ihm aufwallte und zur mutigen, keine Rücksicht kennenden Tat drängte, das felsenfeste Vertrauen zum Siege der Wahrheit und die unerschütterliche Zuversicht in die Erfüllu ig der dem Jakobsvolke winkenden Verheißungen bestimmen seinen Charakter. Das Zielbewußtsein seiner Pflicht bei völliger Ausschaltung seiner Person, die Sanftmut seines Empfindens mit hoheitsvollem Unmut der Rede und der Handlung, der Adel seiner Gesinnung mit dem unverlierbaren Vertrauen zur Menschheit, zeichnet die Blüte des Erziehungswerkes des ägyptischen Golus am Volke Israel, zeichnet uns durchsichtig und klar das Bild des „Mannes" Moses, der gewürdigt ward der Sendbote Gottes für sein Wort an die Menschheit zu werden. So wollen wir ihn die Kinder lehren. Eingesandt. Zur „Israelitischen Königsgeschichte" . 3» bcr jüngsten "Rümmer des 'Bolksfreundes ist die göttliche Erscheinung, die Elin am Horeb hatte, geschildert. Hierbei vermißt man eine Erklärung über die drei Naturerscheinungen, den Sturmwind, das Erdbeben urtd das Feuer, die der göttlichen Erscheinung vorangingen. Eine Deutung darüber ist um so eher zu fordern, als diese Stelle, insbesondere das Wort der Schrift „nicht im Feuer war Gott", zu einem vernichtenden Urteil gegen die sogenannten Fanatiker, gegen alle, die mit Feuereifer für unser heiliges Gesetz eintreten, ausgebeutet worden ist. Die Erklärung ergibt sich aber ganz einfach und ungezwungen aus der Erzählung der Schrift selbst. Die Deutung der drei Erscheinungen wird nämlich umnittelbar darnach unter Innehaltung der Reihenfolge von Gott selbst gegeben, „llnd Tu sollst Chasael zum Könige von Svrien salben und Iehu, den Sohn Rimschis, sollst Du zum Könige über Israel salben und Elischa, den -L-ohn Schafats, aus Abel Mechola sollst Du zum Propheten an Deiner Statt salben. Wer nun dem Schwerte Chasaels entrinnt, den wird Fehn töten, und wer dem Schwert Jehus entrinnt, den wird Elischa töten. Dann werde ich in'Israel 7000 übrig lassen, alle Knie, die sich dem Baal nicht gebeugt, und jeden Mund, der ihm keinen Kuß gespendet." Wer erkennt hier nicht in Chasael den Sturmwind, der von außen her, alles mit sich sortreißend, über das Land dahinbraust, und in Jehu das Erdbeben, das, von innen ausgehend, zu Boden stürzt, was haltlos ist, und irr den durch den Prophetenjünger Elischah zu verkündenden trasgerichten das Feuer des göttlichen Zornes, das lodernd die Feinde Gottes verzehrt'? Die drei Naturerscheinungen sind ,"7 vorbereitend müssen jene harten Schicksalsschläge der Verkündung wahrer Gotteserkenntnis vorangehen. Wie das sanfte Fächeln des reinen GottesodemS der Natur in seiner balsamisch erquickenden Wirkung erst verspürt wird, wenn ein Gewitter, die in der Atmosphäre enthaltene Spannung auslösend, mit heftiger Entladung alle nnreinen Dünste verscheucht hat, so müssen auch erst nmnnigsache Stürme über das Volk hinwegbrausen nnd es von schlechten Elementen reinigen, damit wieder ein Boden geschaffen werde, rein und empfänglich für die Aussaat der schlicht und still tönenden, aber tief eindringenden reinen göttlichen Wahrheit. Sie wird sich erst dem dreimal geläuterten Reste der 7000 Getreuen künden, die die in Stürmen mühsam bewahrten Heiligtümer der Vorzeit triumphierend in eine bessere Zukunft hinüberretten. Solche Kerntruppen wahrer Gottesstrener vorbereitet zu haben, ist aber das bleibende Verdienst Elias, llnd so scheidet er von der Städte der Offenbarung mir der neugewonnenen, trostreichen Erkenntnis, daß der wahre Erfolg heiligen Eifers für die göttliche Lehre nicht der Gegenwart, sondern der Zukunft angehört. ns=^i

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