Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1909)
- Date
- 1909-05-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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n. q net, lger ifeft Die rm, i553 brrim. g- V. l.' (j Der IsroeHf J) Ein Centralorgan für das orfbodoxe Judentun Begründet hob Dr. Leknann in mainz 50. Jahrgang. sa Sranhfurf a. M.. den 6 Mal 1909. 15.1)or 5669. M 18. Khotraement Pro Vierteljahr r Gewöhnliche Ausgabe Mk. ILO, Hrstausgabe (Kunstdruck) Rk. S,—. Auslandspreise: Gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Lr., Rußland 1 Lud., England 2 sh., Amerika 60 vts., Mederlande 1.20 fl., Frankreich Fra. 2.60. Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei dem Verlag. HestauSgabe nur direkt. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Suferate: SO Pfennig für die scchsgcspallcnc Eolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haasenstein u. Vogler A.»G.. Frankfurt a. M.» und deren Filialen. wir bitten um umgebenge klnfengung Ser noch rllckttSnSlgen ttbonnementsbettSge wr das I. unö tt. Quartal. Die am 10. Mai nocb ottenttebenSen östtSge werden obne wettere venacbricbttgung unter Sulcbiag Ser hotten Surcb Nachnahme erhoben. Verlag des ..Israelit", 6m. b. 6. MMWWMW WMMW Der neue Organi$ation$cntwtirf Nr die „lldiscfte Religions* SerellrchaN" in Preußen. III. Die Leiftungsunfähigkeit und -er Zer fall zahlreicher Landgemeinden ist eine nicht wegzuleugnende Talsache. Sie ist seit ihrem Vorhandensein von der Orthodoxie stets offen und frei anerkannt worden und bildet den Gegenstand ihrer ernstesten Sorge und Ueberlegung. Es ist ferner für die Orthodoxie ohne weiteres selbstverständlich und bedarf mithin keinerlei Begründung, daß es heiligste Pflicht der Gesamthe t ist, den um ihre Existenz kämpfenden Landgemeinden mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zur Hilfe zu kommen und sie durch Rat und Tat zu kräftigen und widerstandsfähig zu machen. Denn die Orthodoxie erblickt, das mag nochmals wiederholt werden, in den Landgemeinden ihre sicherste Stütze, ihre Kerntruppen, aus denen sie bis jetzt noch immer die in den Großstädten vom-Geiste des Abfalls und der Neuerungssucht gerissenen Lücken zu ergänzen im Stande war. Die Landgemeinden zu erhalten und zu fördern heißt mithin im eigensten Interesse der Orthodoxie tätig sein. Aber die preußische Orthodoxie erblickt in den vom D. I. G. B. seit Jahr und Tag von neuem edierten Plänen und Entwürfen lauter Versuche mit günzlich untauglichen Mitteln, sieht in der ganzen Art, wie diese hochwichtige und folgenschwere Angelegenheit von D. I, G. B. von Anbeginn an behandelt worden ist, einen ungeheuren, mit Ernst und Nachdruck zu rügenden MkßKriff. Es hat der D» I. G. B. von Anbeginn an sich nicht gescheut, die offenkundige Not der Landgemeinden zu einem in seiner Hand höchst wirksamen Agitationsmittel für seine auf eine repräsentative Zusammenfassung des preußischen Gesamtjudentums hinzielenden Sonderbestrebungen zu gestalten. Zumal der Staatsregierung gegenüber hat er immer wieder aus dem Hinweis auf die für die Dauer ohne Zweifel unhaltbaren Zustände in diesen kleinen Gemeinden sich die besten und sichersten Waffen geholt, um für seine organisatorischen Wünsche sich ein geneigtes und willfähriges Gehör zu verschaffen. Mit aller Deutlichkeit muß deshalb zum Ausdruck gebracht werden, daß der D. I. G. B. durch dieses von ihm beliebte Vorgehen sich um die preußische Judenheit schlecht verdient gemacht hat. So wenig in politischen Dingen fundamentale nationale Interessen an die Gewährung sonderparteilicher Wünsche und Forderungen geknüpft werden dürfen, ohne daß das Vaterland ernstlich gefährdet und ein gedeihliches Zusammenarbeiten von Regierung und Parlament zur Unmöglichkeit wird, ebensowenig hätte cs jemals der D. I G. B. wagen dürfe», die Frage der Rettung und ErhaltungderLandgemeinden mit dem ganzen Schwergewicht seiner auch in neologenKreisenaußerhalbBerlins keineswegs allgemein geteilten Privatabsichten zu belasten. Die gesamte bisherige Tätigkeit des D. IG. B. hat bis zur Evidenz erwiesen, daß für ihn die Rettung der Landgemeinden keine hinlängliche Motivationskraft hat, als daß sie allein schon ihn zu ausschließlich sachdienlichem, von jedem Egoismus freien und zielbewußten Handeln veranlassen könnte. Nur unter der für dieOrthodoxie schlechterdings unannehmbaren Bedingung der Schaffung einer Gesamtorganisationhat derD.J. G. B. bis auf den heutigen Tag sich bereit erklärt, an der Sanierung der Landgemeinden mit zu arbeiten. Er hat dadurch immer von neuem die Orthodoxie in die beklagenswerte Notwendigkeit versetzt, diesen schmählichem Kuhhandel zurückzuweisen und chre gesamten Kräfte auf die rein negative Tätigkeit der Abwehr des drohenden Organisationsgespenstes zu konzentrieren. Der D. I. G. B. trägt vor der Geschichte die traurige Verantwortung da-ür, daß im Angesicht der mit jedem Tag zunehmenden Landmisöre die preußische Judenheit den lächerlichen und empörend.» Anblick eines Parallelogramms sich gegenseitig aufhebender Kräfte darbietet. Es ist höchste Zeit, daß bieser Zustand ein Ende nehme. Höchste Zeit, daß der D. I. G. B. aufhöre,, die Aufmerksamkeit der Staats- Regierung, sowie der öffentlichen Meinung von der dringenden Forderung des Tages abzulenken und mit seinen phantastischen Träumen von Einheit und Gesamtrepräsentation immer wieder von neuem störend zu befassen. Höchste Zeit, daß die Kräfte der Orthodoxie frei werden, auf daß sie, längst gehegtem Wunsche entsprechend, ihre Pläne betreffend die Landgemeinden reifen lassen kann, wobei sie kühl und sachlich zu erwägen haben wird, wie weit ohne Gewifsensgefährdung ein Zusammenarbeiten mit der Neologie sich bewerkstelligen läßt. Eindringlich und mit allem Ernst bitten wir den D. I. G. B., bitten wir alle die in diesem Verband an führender Stelle sich besindenden Männer, sofern sie nicht mit Blindheit geschlagen find, auf den nämlichen Boden sich zu begeben und von hier aus ihre mit den nun einmal bestehenden Verhältnissen rechnenden Vorschläge der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Die Einheit des preußischen Judentums ist dahin. Sie ist dahin im Verlauf einer Zeitbewegung, deren Ende auch heute noch nicht abzusehen ist. Kein Gesetzesparagraph wird diese Zeitbewegung eindämmen oder gar ignorieren können. Es kann nickt die Aufgabe des D. I. G. B. sein, das Werk des Propheten EliaS zu übernehmen, von dem geschrieben steht, daß er dermaleinst auSgesandt würde, die Herzen der Väter den Söhnen, die Herzen der Söhne ihren Vätern zurückzuführen. Wo aber die Herzen nicht für einander schlagen, da muß jeder Versuch einer zwangsweise geschaffenen einheitlichen Repräsentation an seiner inneren Unwahrheit zu Grunde gehen. IV. Wir haben in unseren vorstehenden Ausführungen die allgemeinen Grundlagen der zu schaffenden Organisation einer eingehenden Würdigung unterzogen. Hier war naturgemäß in erster Linie die innerhalb des Judentums vorhandene tiefgehende Spaltung zu berücksichtigen und vor allem festzustellen, wieweit es dem Entwurf gelungen sei, beiden Richtungen gerecht zu werden. Wir haben gesehen, daß an dieser Schwierigkeit der Entwurf nicht minder gescheitert ist, als seine Vorgänger. Wir halten das Problem für unlösbar und können daher den Redaktoren in weitgehendem Maße mildernde Umstände zubilligen. Die volle Schärfe der Verurteilung muß sie aber treffen, wenn sie ohne jede zwingende Veranlassung, gewissermaßen aus freiem Antrieb, sich in diametralen Gegensatz zur Orthodoxie begeben,^wenn sie es wagen, Zahlungen können außer direkt an den Verlag erfolgen per: Conto hei hem Poftscheck.Wl«t Frankfurt o* 9t. No. 344* Conto hei der ft* ft* Postsparkasse Wien No. 796ML Conto hei hem ft. Postsparkasse»«« Budapest No. 18424. Conto hei der Rigaer Conmrerzhank in Riga und deren Filiale». Der nadtdrucfc der Rrflhel unö Corre|ponöen?en des „Israeli!"!tt nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fldi um größere Rufffibe handelt, nur nach vorheriger Genehmigung geftaftet <*k- 1