Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1909)
- Date
- 1909-04-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Der Israelit. Sette 14. Nr. 15. 15 April 1909 Die Angeredete wandte den Kindern ihr leuchtendes, verklärtes Gesicht zu, das Auge blickte noch immer in die Ferne, als sie langsam jedes Wort extra betonend begann. „Ja, das ist auch meines Vaters Lied, nicht wahr es ist schön? Er sang cs unS als Wiegenlied und später, als wir schon größer waren, da sangen wir mit und lernten es bald auswendig." Und sie wiederholte es jetzt, wehmütig, leise, gehaucht, beinahe verklingt der Schlußvers. Vor Rahels umflorten Blicken stand jetzt das Elternhaus, so wie es am Freitag Abend zu sein pflegt. Wenn nach den frommen Sabbathgesängen, den Semiroth Vater noch sein Lieblingslied sang. Und gerade als hätten die Kinder erraten, was die liebe Lehrerin beschäftigte, so baten sie Rahel, sie möchte doch von Zuhause erzählen. Und sie tat es mit der ihr eigenen Wärme und Herzlichkeit. Bild um Bild entrollte sich vor den aufmerksam zuhörenden Kindern. Welch neue Welt tat sich da auf, so einfach und doch so traut. Gerdas für gewöhnlich blasse Wangen färbten sich matt rot und in ihre für ihr zartes Atter so düster blickenden Augen trat ein warmer Glanz. Also es gab Liebe in der Welt? Liebe, Güte und Frömmigkeit, wahre aufrichtige Hingabe an Gott den Vater und die Erfüllung seiner Gebote machten io glücklich, wie sie es hier zu hören bekamen. Wenn es doch hier bei ihren Eltern auch so sein könnte? — Rahel hatte schon längst zu erzählen aufgehört, aber die Kinder waren noch immer im Banne des Gehörten. „Rahel, eitte singe uns Deine frommen Sabbathlieder von Zuhause" sagte endlich Gerda, indem sie den Arm um die Freundin schlang. Nach vielem Bitten hatte sie es erreicht, daß sie die ja um nur wenige Jahre ältere Lehrerin so nennen durfte. Das gewissenhafte Mädchen gestattete es schweren Herzens, sie wollte das Kind nicht noch mehr der Mutter entfremden, als es ohnehin schon genug der Fall war. Rahel zögerte noch, sie hatte es der Frau Berg versprochen, den Kindern kein hebräisch zu lehren. Sie würden es zloar von dem wenig Singen nicht erlernen, aber immerhin sei es nicht richtig, die Kinder auf diese Weise anzuregen. Als sich jetzt aber auch Ernst aufS Bitten verlegte, da konnte sie nicht widerstehen, so wie ein abgeleiteter Fluß, sobald das Hemniß entfernt ist, in sein altes Bett strömt, so flössen Rahel die lieben andächtigen Gesänge von den Lippen. Zuerst „Lecho Daudi", dann das Semiroth und zum Schlüsse „Jigdal". War sie dem: noch unter fremden Menschen? Sie hatte die Vision, daß sie Zuhause in der Synagoge, in dem lieben alten Gotteshause mit der frommen Gemeinde den Jigdal singe. Heller Lichterglanz und frohe Festgesichter! — Ein heftiges Schluchzen ließ sie erschrocken zusammenfahren. Gerda war es, die so weinte. Rahel war zu Tode erschrocken. Was hatte sie getan? Sie wußte vor Schreck kaum, wie sie das leidenschaftliche Kind beruhigen sollte. Aber da hatte Gerda schon ihre beiden Hände erfaßt. „O wie schön war das Rahel, o wie innig, wie warm und froh," weiter kam sie nicht, denn Frau Berg rauschte ganz in Seide gekleidet ins Zimmer. (Schluß folgt). Nr <«» toseratentell ist die Redaktion nicht verantwortlich; insoesoncere ist es ausschliesslich Sache der loser, die 1» Inseratenteil enthaltenen Empfehlnngen ritueller Waren oder sonstigeAnpben religio asgesetzllchen Charakters auf Ihre Zuverlässigkeit zn prüfen. Die israelitische Kultusgemeinde Schifferstadt Bezirksamt Speyer hat die Stelle eines (12449 Religionslelirers n Vorbeters z« besetzen. Derselbe bezieht einen fixen JahreSgebalt von 600 Mk. und außerdem freie Familien-Wohnnng bei der Synagoge Nebenverdienst durch Schächten rc. beläuft sich auf etwa 300 Mk. jährlich. Bewerber um diese S.elle, welche auch Ausländer sein können, wollen ihre mit Zeugnisie belegten Gesuche bis längstens 18. April er. bei dem Unterzeichneten einreichen. Schifferstadt. 1. April 1909. Der Synagogen-JIti$$cl)u8.’ Leopold Mayer, Kultusvorstand. Dringende bitte! [ Teuere Glaubensbrüder und barmherzige Schwestern. | Oeffnet eure Herzen und Hände durch tatkräftige milde! Gaben und erwerbt euch Gottes Segen, auch diesmal. Eine febr achtbare.Witwe “cn ntPK mit Waisen sind I durch das Hinscheiden ihres Ernährers, der berühmter Lalmid-Ehacham Amitti u. großer Jerei-Schomaim N'Nd'lN war, (und infolge seiner vieljährigen anhaltenden Krankheit v'b ganz existenzlos geworden), in bitterste Rot, Armut und in größtes Elend geraten. ES ist aussichtlich durch mildtätige Gaben den schwer Heimgesuchten v'vlv'l rutf?» eine Existenz gründen zu können. Wir hoffen, jeder Edeldenkende wird sich erbarmen und nicht versäumen» an dieser wichtige« Wohltat nach besten Kräften zu beteiligen. Gaben werden erbeten an Rabbiner 8. Barnberger, Sennheim, Elsaß. Joseph Oepen, "SSi “■ Spezial-Atelier für (12146 MC* Scheitel und Perrucken. M Hotel Weil 12439) Wildbad Unter jfufsicftt. Celepfton 4$. Eröffnung: Ende Mai. Uerein Isr. Krnnkeicheim Da-Ueuenahr. Gesuche um Aufnahme unbemittelter Israeliten (beiden Geschlechts), für welch.- eine Badekur in Neuenahr ärztlicherseits als dringend notwendig und geeignet empfohlen wird, sind unter Beifügung eines ärztl. ÄtiesteS, sowie genügenden Bedürfnisn chweiseS bis spätestens den 25. April er dem Unterzeichneten einzusenden. Moritz David ln Bonn, Vorsitz. (12454 Berlin W., Acfcenbacbstr. 3. Wollmann’scfies Töditerpeosiooal Schulunterricht n. Fortbildungskurse Marie Kutnewsky. (8814 RüOesheimer- WIÜQD AUEN RflOesheimersfrasse 5 vT l£iuDaJJ£iiia Strasse 3 — israelitisches Töchter "Pensionat — gogrflndat 1874. Geschwister Sobernhelm, Erste Reftrsnxsn. Gründliche wissenschaftliche und häusliche Ausbildung. (13307 1 international de demolsellts isr. di7i‘*6 p*r~ Dr. M. Ascher, Henchitel (Snlwe) Situation magnifique — langnes modernes —education religiense et individuelle — meilleures refßrences. 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