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Der Israelit · 1909-01-21 · Heft 3 (21.1.1909) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 3 (21.1.1909)
Date
1909-01-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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8* Jahrgang M I. üdxecber Volhsffeimd »4« Vtlonats-Bcilage zum „Israelit Ycrantwortlicbc Redaktion r Rabbiner Dz. B. QXolf bi Köln. Esin» 15. Januar 1909. Dem Verein für die jüdischen Ante resse« Rheinland» sind die Rechte einer juristischen Person durch denHerr« Kultusminister verliehen morde«. Israels stampf und Sieg. Ein Epilog zum Chanukkahfeste. Als wäre es dazu berufen, den Gedanken des Dichterwortes zu illustrieren: „Das wahre Glück, o Menschenkind, O glaube es mit Nichten, Daß es erfüllte Wünsche sind, Es sind erfüllte Pflichten", tritt Israel in die Weltgeschichte ein. Freilich — und das ist wesentlich — nicht als ob es auf den Genuß der Welt zu verzichten hätte — im Gegenteil: es sollte dadurch des selbsttätigen Erwerbes dieses Genuffes nur überhoben sein. Er sollte ihm von selbst werden. Sein Volksdasein sollte den Gott in Natur und Geschichte lehren, der in gerechter Waltung die Güter dieser Welt dem in reicher Seaensspende zuteilt, der durch ein Leben höchster Sittlichkeit die Gewähr bietet, mit seinem Segen Segen zu werden. Allerdings ein ernstes und schwerwiegendes Moment, an dem nicht zu deuteln und zu rütteln ist: Gott in der Geschichte der Menschen. Es ist das zu betonen. Denn gerade heute weiß mancher nicht, wie sehr er diese grundlegende Wahrheit verletzt, indem er Anschauungen und Schlagworte sich zu eigen macht, die nur auf dem Boden der Leugnung Gottes erwachsen sein können. Wir heben hervor: Es ist ein Unterschied, ob man sagt, die Anhänger einer Anschauung sind Gottesleugner oder ob man sagt, sie handeln nicht folgerichtig und haben es sich nicht klar genug gemacht, daß die von ihnen mit vertretene Ansicht ihrer sonstigen Lebensauffassung und Lebensbetätigung direkt zuwiderläuft. Das betonen wir, um Mißverständnissen vorzubeugen. Wir wollen nicht Personen verletzen, sondern uns mit einer Sache auseinandersetzen. Also Gott in der Geschichte der Menschen, ist Israels Lehre. Auf di Geschichte und Aufgabe Jisroels überttagen heißt das: Wesen und Aufgabe des jüdischen Volkes liegt auf ideellem Gebiete. „Ein Reich von Priestern und ein absolut sittliches Volk soll es sein"/ doch nicht im Sinne einer Kirche, sondern im Sinne einer im praktischen Völkerleben stehenden sozialen Gemeinschaft, errichtet auf dem Boden des in der Tauro niedergelegten Gesetzes. An Israel und durch es will sich Gott unmittelbar ihm selbst und den Vötkern immer wieder und wieder offenbaren. Erfüllung göttlichen Willens ist die einzige Tat, die von uns gefordert wird. Dem Grade des Gehorsams entspricht die Lebensbedingung, die uns gewährt wird, entspricht das Wohl und Wehe, das wir seitens der Völker erfahren. Mit der vollendetsten Höhe der Lösung unserer einzigen Aufgabe, „Gott zu ehrfürchten, in Seinen Wegen zu wandeln, Ihn zu lieben, Gott zu dienen mit ganzem Herzen und ganzer Seele, zu beobachten die Gebote Gottes und Seine Gesetze," geht unsere Anerkennung durch die Völker Hand in Hand, die nie einen schönern Wortausdruck fand, als im jefajanischen Worte: „An diesem Ende der Tage steh: gegründet der Berg des Herrn an der Spitze der Berge und getragen von den Hügeln — und ihm strömen alle Völker zu." Es gehen dann große Nationen und sprechen: „Kommet, laßt uns hinaufziehen zum Berge des Herrn, zum Hause des Gottes Jakauws, daß es nns lehre von Seinen Wegen und auch wir wandeln in Seinen Pfaden, denn von Zion geht die Lehre aus und des Herrn Wort von Jeruscholajim." Das ist das Ziel. Was folgt daraus für die Aufgabe? „Die Tatsache," so schreibt Rabb. Hirsch, „daß Israels und der Menschheit Zukunft in der Vollendung Israels als des Priestervolkes des göttlichen Gesetzes gipfelt, verbürgt und besiegelt uns die Wahrheit, daß nur durch eine immer tiefere und vollere' Erkenntnis und eine immer treuere und voller Erfüllung dieses Gesetzes uns für die Zukur vorbereiten und uns der Geulah würdig machet können, und diese Tatsache bricht allen sogenannten das Gesetz antiquierenden Reformbestrebungen einerseits sowie allen in neuester Zeit" — geschrieben im Elul 5623, also im Sommer 1863 — „auftauchenden Bestrebungen, die Geulah auf materiellem Wege der Besitzergreifung und Agrikultur des heiligen Bodens zu fördern, unerbittlich den Stab. Wir haben das Land nicht für uns, sondern uns für dcks Land zu gewinnen und zu bilden im Gesetze und durch dasselbe." Unter diesem Gesichtspunkt des materiellen Strebens ist der Zionismus zu betrachten. Es ist das alte Streben, „zu werden wie die Völker ringsum." Für dieses Stteben sind zwei For- Feirilletorr. Um Raminfeuer. Es war so ein recht ungemütlicher Winterabend/ es regnete und schneite durcheinander, daß man bis aus die Haut durchnäßt wurde und auf dem glatten Asphalt es große Mühe kostete, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. „Brrr, wenn ich das gewußt hätte, wäre ich lieber allein auf meiner Bude geblieben als auf dem Wege zu Freund Dorfzaun Hals und Beine zu brechen", raifonnierte ein hochgewachsener junger Mann, als er bereits zum zweiten Male mit dem Schmutze der Straße gründliche Bekanntschaft machte. Nun hatte er aber bald sein Ziel erreicht, er bog in eine stille Nebenstraße ein und zog die Schelle an einem kleinen dreifenstrigen Häuschen. Ein Bursche öffnete ihm. „Ach, das freut mich, daß der Herr Cahnstein kommen, Herr Dorfzaun ist so verstimmt heute, der Besuch wird ihn sicher aufmuntern." „Ist denn etwas vorgefallen?" „Nichts weiter, der Herr hat Jahrzeit von seinem seligen Vater, vielleicht ist es das." „Nun, ich werde ja sehen." Cahnstein hatte sich kaum seiner naffen Ueberkleider entledigt, als eine der auf den Korridor mündenden Türen geöffnet und der Herr des Hauses sichtbar wurde. Er war ein kaum mittelgroßer, schmal aussehender Mann, das Gesicht zeigte deutlich die Spuren schweren Kummers. „Ah, Freund Cahnstein! Trotz des Wetters, das nenne ich treu. Sie sind mir doppelt 'willkommen. Ich habe Jahrzeit heute Abend, lassen Sie uns einen Perek Mischnajoth lernen. Es ist mir ja bei dem schlechten Wetter unmöglich nach Schul zu gehen, meine alte Freundin, die Gicht, plagt mich ohnehin genug." Die Herren traten ein. Es war ein großes Zimmer, deffeN Wände fast ganz mit Regalen voller Bücher bedeckt waren. Eine wohltuende behagliche Wärme herrschte. „So, nun wollen wir es uns auch behaglich machen", mit diesen Worten rückte er einen Sessel an den Ofen, in dem der Besucher Platz nehmen mußte. Er selbst holte sich einen zweiten herbei. Aber zur Ruhe kam er noch nicht, zuerst holte er die Mischnajoth, dann zündete er den Samovar an, auf dem er seinen berühmt guten Tee herstellte. Kaum saß er und sie hatten eben zu lernen begonnen, da sprang er wieder auf, um Cigarretten zu reichen, alles in solcher nervöser Hast, als ob es ihn nicht im Sessel duldete. Er ging dann auch beim Lernen auf und ab, in seine Gedanken war nicht die Klarheit zu bringen, die ihn sonst so auszeichnete. Er schloß auch bald sein Sefer. „Es ist nichts zu wollen mit mir, lieber Freund!" Cahnstein wollte aufstehen. „Nein, nein, so war es nicht gemeint, bleiben Sie nur sitzen, so war es nicht gemeint. Sie glauben nicht, welche Wohltat mir Ihre Anwesenheit ist ..." Er brach ab und begann von diesem und jenem zu sprechen. Aber der goldene Humor, der stets seine Unterhaltung belebte, hatte heute einem beißenden Witze Platz gemacht, der nichts scheute, sich aber am schärfsten gegen den Redner selbst richtete. Der Besucher erkannte ängstlich die krankhafte Gereiztheit seines sonst so liebevollen Freundes, er fürchtete durch seine Gegenwart die Erregung noch zu befördern und suchte deshalb nach einem Vorwand, sich zu entfernen, als Dorfzaun plötzlich auf persönliche Erlebnisse zu sprechen kam. Er vermied das sonst, Cahnstein wußte durch alte Bekannte seines Freundes, daß er geborener Bayer war, dann lange Jahre in Krakau gelebt, dort auch geheiratet hatte nach dem Tode der Frau, nach Deutschland zu M

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