Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1909)
- Date
- 1909-01-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Hr. 2 G>eue JO. Der Israeli». 14. Januar 19C9 Speyer, 7. Januar. Im Aufträge der „Bereinigung für das liberale Judentum" in Deutschland sprach hier Herr Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann aus Frankfurt a. M. behufs Gründung einer Ortsgruppe der Liberalen. Abgesehen von einer Leinen Minderheit konservativ gesinnter Gemeindemitglieder, die entsetzt waren über das, was von dem ftetmec als „Judentum" Präsentiert tzmrde, .traten natürlich die Anwesenden der Vereinigung bei, da man hier seit langem für die organisierte Neologie reis rst. Immerhin ist es in hohem Maße bedauerlich, daß drisch die Wühlarbeit der Liberalen der bewußte Gegensatz zum überlieferten Judentum in weiteren Kreisen stark verschärft wird. .'Viäesnt oousules! Marburg, 10; Jan. Aus dem etwa 1000 Einwohner zählenden Dorfe Münchhausen, Kr. Marburg, wird uns folgendes berichtet: Am vergangenen DienStag war hier eine Versammlung. Unser Reichstagsavgeordneter Herr Dr. Böhme hielt nämlich in der Beikerschen Gastwirtschaft vor zahlreichen Stühlen und Bänken einen groß angelegten Bortrag. Zur Diskuifion meldete fich niemand, weil außer dem Gendarm, der die Versammlung überwacht--, und Herrn Böhme kein lebendes Wesen erschienen war. Dr. Böhme dürfte wohl großen Beifall gefunden haben. Er gehört der antisemitischen Partei an und scheint seine Wähler schon gehörig enttäuscht zu haben. Landau (Pfalz), 10. Jan. In Einöd sollte ein Großvieh durch die Schußmaske getötet werden. Diese fiel jedoch herab, der Apparat entlud sich und der Schuß tmf den Metzgermeister Carius so unglücklich, daß er Mfolge der erlittenen Verletzungen starb. Schwetz, 7. Januar. Kürzlich fand hier auf öem Friedhofe der jüdischen Gemeinde die Einweihung der neuen Leichenhalle statt, zu welchem Bau der Rentier Gerson Rosenberg kurz vor seinem Tode der Gemeinde das erforderliche Baukapital schenkte. Der feierlichen Einweihung wohnten die Gemeindemitglieder vollzählig bei. Diez, 7. Januar. Die übermütigen Burschen, die während der Weihnachtsfeiertage aus dem hiesigen jüdischen Friedhof einige Grabsteine umwarfen und demolierten, sind sestgenommen worden. Eadtkuhuen, 10. Januar. Im „Ostdeutschen Grenz- Boten" ist folgendes zu lesen: „Wie tief gewisse Märchen im Volksglauben Wurzel geschlagen, und wie schwer dieselben auszurotten snid, beweist folgender Vorfall. In der Ortschaft P. ist bei dem Besitzer B. eine polnische Magd "bedienstet, die ein Kind, ein Mädchen im Alter von zirka 1 Jahr ibr eigen nennt. Ein jüdischer Händler, der selbst kinderlos ist und bei B. geschäftlich zu tun hatte, iah das Kind und faßte den Entschluß, dasselbe zu adoptieren. Er bot der Mutter eine Entschädigung von mehreren hundert Mark für Abtretung des Kindes «nd diese hatte auch schon Lust .einzuwilligen, als man ihr die bekannte Mär von den rituellen Zwecken erzählte, die mit solchen Adoptionen eventl. verfolgt würoen. Natürlich schenkte sie dem Glauben und der ganze Handel hat sich infolgedessen zerschlagen." Der jüdische Händler hätte doch, vorausgesetzt, daß die Geschichte überhaupt auf Wahrheit beruht, gewiß seine Laterltebe einem jüdischen verlassenen Kinoe widmen können, wo ihn eine solche blöde Verdächtigung erspart geblieben wäre. Bndapeft, 8. Januar. Trauer und Bestürzung herrscht in der Gemeinde Mezo-Keresztes. Der dornge Herr Rabbiner Salomon Klein hatte am Montag bei einem Leichenbegängnisse in Pußtacserepes zu fungieren. Nach der j-plS fuhr der Rabbiner mit seinem Wagen nach Hause. Unterwegs wurden die Pferde plötzlich scheu und gingen mit dem Wagen durch. Det Rabbiner sprang aus dem Wagen hinaus, fiel jedoch so unglücklich, daß er tot liegen blieb. vrreinrveren. Frankfurt a. M., 10. Jan. Am vergangenen Mittwoch sprach in der „Bereinigung Nachlaß Zwi" Herr Prof. Dr. E. Fink über „Naturwissenschaftliche Hypothesen im Lichte jüdischer Anschauung". L.te hohe Aktualität des Themas, sowie der Name der Redners hatten eine zahlreiche Hörerschaft herbeigelockt. Der Redner verstand es, auf rein wissenschaftlicher Basts mir großer Schärfe die von den modernen Naturphtlosophen aufgestellten Grundsätze als anfechtbare Hypothesen darzustellen und in sehr anschaulicher Weise darzutun, wie man als guter I e h u d i allen diesen Fragen emgegenzutreten hat. Letoer ist eS an dieser Stelle nicht möglich, auf den großangelegten Bortrag näher etnzagehen. Reichen Beifall lohnte die überaus interessanten und viele Anregungen emhaltenden Ausführungen und darf wbhl hier der Hoffnung Ausdruck verliehen werden, daß der Bortrag, um ihn einer weiteren Oeffenttichkeit zugänglich zu machen, recht bald in diesem £ bitte abgedruckt werden möge. B. Hamburg, 13. Jan. Sonntag abend 7 Uhr fang im großen Festsaale des „Logenheim" (Hartunastraße) eine Doppel-21'O"Feier seitens des Vereins „Mekor Chaj im" statt. Man hatte die noch unter Leitung des sel. Dr. G. P. Nathan begonnenm min 'VQiN NVVN mit sowie ’Tö'Jö *V7D vollendet. Die ältere Senermion war neben den aktiven jungen MitgltederndeS Vereins gut vertreten. An der Festtafel sahen wir Sr. Ehrw. Oberrabbtner Hirsch, Dr. Nobel, die Klausrabbtner Josef Cohn, Dr. S. Bamberger, Dr. Steingut, Dr. David Schlesinger, Rabbiner Bamberger Wandsbeck, Rabbiner DuraS-Altona, Lehrer Rothschild usw., sowie vonseiten des Synagogenverbandes Herr Präses Hermann Gumpertz. Im ganzen hatten etwa 180 Herren der Einladudung des Vorstandes entsprochen. Nachdem der 2"! den 'V^-Kommentar in ansprechender Weise vollendet und auf den Anfang der THin hingewtesen hatte, schloß Herr Dr. D. Schlesinger mit der letzten N2V/2 in N2'2N und begann mit elfcW- Vorher noch hatte der Vereins Präses, Herr fidor Jsaac, die Gäste freundltchst begrüßt und allen für ihr Erscheinen gedankt. Nach dem ersten Gange hielt in formvollendeter Weise der VizepräseS, Herr Eliefer Lo eben st ein, die Festansprache, worin er die Geschichte und die Ziele des Vereins „Mekor Chajim" behandelte und der inzwts l en Heimgegangenen Lehrer, Herr Dr. S. P. Nathan und Dr. I. Heinemann in Ehren gedachte. Der Herr Oberrabbtner hielt alsdann die mit großem Beifall aufgenommene Festrede, der fich die weiteren kulinarischen und geistigen Genüsie anschlossen, letztere dargeboten von Rabb. Dr. Nobel, Dr. Schlesinger, H. Rothschild, Herm. Bachrach, Dr. S. Bamberger, Herr Rabb. Dukas, Bamberger-Wandsbeck, M. I. Meyer und Wittmund. Besonders erfreute die Versammlung unser herrlich veranlagter Oberchasian, Herr Rosenblatt mit seinen wundervollen Darbietungen, wobei er von Oberchassan I. Dreiblatt kraftvoll unterstützt wurde. Um das Gelingen des Festes, welches einer echt jüdischen Kundgebung glich uno das beredte- Zeugnis für den religiösen Geist in unserer Gemeinde ablegte, hatten sich die Herren Julius Salomon mit einem selbstverfaßten hebräischen Liede und Herr Herbert Gotthold als Festdichter sehr verdient gemacht. Der Verein „Mekor Chajim", aus ganz kleinen Anfängen vor etwa 50 Jahren im Harste des fl. Herrn I. I. Bach rach entstanden, hat fich neben der Talmud Thora-Realschule um die Erziehung der Jugend und damit um die Erhaltung unserer Gemeinde hochverdient gemacht, wofür er neuerdings Vonseiten des Gemetndevorstandes mit einer vorläufig nur kietnen Subvention bedacht wurde. Wir rufen ihm zu: *plK2 Dv,n “llptt '2 pTH Ätfimgen, 10. Januar. Die „Israelitische Kinderhetlstätte in Bad Kisfingen" hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens (seit 1905) bereits 437 Kindern aus allen Teilen Deutschlands Aufnahme, Pflege und Heilung gewähren können. In herrlicher Lage, auf dem Wege zur Saline in einem schönen Garten erbaut, auf das Modernste, * chönste und Zweckmäßigste eingerichtet, entspricht die Kinderheil ätte allen Anforderungen, die an eine solche Anstalt gestellt werden können. Die Anstalt ist lediglich auf die öffentliche Wohltättgkeit gewiesen. Sie wird durch die jährlichen Beiträge der Mitglieder erhaltten. Leiber mußte alljährlich eine große Anzahl von Kindern zurückgewiesen werben, weil die Anstalt bis auf den letzten Platz besetzt war. Die Bereinsleitung ttägt fich deshalb mit dem Gedanken, ihren Wirkungskreis wesentlich zu erweitern. Aus diesem Anlaffe hat einender Gründer und Gönner der Israelitischen Kindcrheilstätte, der ihr bereits große Summen zuwendete, ihr neuerdings wiederum 5000 Mk. zugehen laffen. Möge dieses Beispiel edlen Sinnes Nachahmung finden, zum Bestm der armen leidenden Beinen! Rees (Nieberrhetn)s 11. Jan. Der gestrige Sonntag war ein wahrer Freudentag für unsere Gemeinde. Auf Beranlaffung unseres Lehrers Herrn Levisohn beehrte uns Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. holf aus Cöln mit seinem Besuche. Nachdem die religiösen Institutionen besichtigt worden waren, versammelte fich die ganze Gemeinde und viele auswärtige Gäste im kleinen Saale des Restaurants Sommer. Dort hielt der Herr Rabbiner einen zweistündigen Borttag über „Rom, Athen Jerusalem", der mit Begeisterung angehört wurde. Bon einer Diskusfion wurde Abstand genommen. Herr Dr. Wolf hat d. rch seinen gediegenen B rttag, durch seine ruhigen und sachlichen Antworten auf die vielen rituellen Fragen, die auf ihn förmlich einftürmten, sowie durch sein liebenswürdiges Wesen die Herzen aller, selbst der Neologen gewonnen, so daß der Vorstand beschloß, nach Einficht der Statuten dem orthodoxen Vereine isr. Gemeinden Rheinlands beizutreten. Als uns um 6 Uhr Herr Dr. Wolf verließ, begleiteten ihn eine stattliche Anzahl Herren und Damen zur Bahn und noch lange erscholl der Ruf: Aus Wiedersehn in ReeS! 8t. Satoraljanjhaly, 5. Jan. Unter dem Namen omro rnaan vereinigten fich nahezu 40 junge HandetsangesteUte, die eS fich zur Aufgabe machten, min zu lernen. An jedem mtP Nachmittag wird von einem min 72 ein Vortrag gehalten. Die htefige Talmud- Thora 'stellte den jungen Leuten einen eingerichteten Lehr,aal und E'IBD gratis zur Verfügung. Jüngsten tSm n2tP hielt Wüh. Alexander, Schulpräses der orthodoxen Gemeinde, einen Borttag, der auch von zahlreichen Gemeindemttgltebern besucht war, und forderte dte jungen Leute auf, auch an den Abenden der Wochentage fich min zu widmen. Dte von den Mitgliedern geleisteten Wochenbetttäge werden zur Unterstützung arm-r min '22 verwendet. Das Hauptverdienst am Zustandekommen dieser Bereinigung haben die jungen Kaufleute I. Friedman», Ormstein und Fried. A. n=sn Personalien. Frankfurt a. M., 12. Jan. Am 16. Jan. 186» trat Herr Meier Rothschild, hier, bei dem Bankhaus A. P erzbach als Lehrling ein. Bis heute, da er die Stelle eines Bureauchefs begleitet, ist er ununterbrochen in tteuer Pflichterfüllung tätig. Aus diesem Anlaffe .begeht genannte Firma dieser Tage das 40jährige Dtenstjubt'äum ihres treuen Bea t ten. Herr Rothschild erfreut fich in weiten Streifen einer außerordentlichen Beliebtheit. Hamburg, 4. Jan. Herr Oberkantor Joachim Dreiblatt beging am 1. Januar sein 2sjähriges Amtsjubiläum im Dienste des Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes. Er wurde an Stelle des im Jahre 1883 verstorben en Oberkantors H. M. Wertheimer gewählt und sowohl durch seine sonore Baritonstimme, wie auch durch seine musikalische Begabung hat er es verstanden, einen Ehrenplatz in der Reihe oer deutschen Kantoren zu behaupten. Seit zwei Jahren bekleidet er die Stelle eines Chordirtgenten in der neuen Synagoge am Bornplatz, doch fungiert er noch allsabbathlich beim Frühgottesdienst als Kantor. Nach einem Ständchen, dos ihm der Chor in der Frühe darbrachte, erschien der Synagogenvorstand, an der Spitze Oberrabiner Hirsch,, um dem Jubilar seine Glückwünsche daizubringen. Der erste Borfitzende, Herr Hermann Gumpertz, übereichte etne kost are Mappe, ein wertvolles Geschenk enthaltend, und feierte die Tätigkeit des Jubtlars zur Hebung des Gottesdienstes. Herr M. Strauß übermittelte eine kunstvolle Adreffe nebst einer größeren Spe de, zusammengebracht von Gememdemitgltedern; und auch sonst mangelte es nicht an vielen kostbaren Geschenken und Blumenspenden. Hamburg, 8. Jan. Der langjährige Kultusbeamte an der Gemeindesynagoge Kohlhöfen, Herr IS. Hey mann, ist nach längerer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben. Er war seit 1887 tn seinem Amt tätig. Zu der heutigen Trauerfeier im Sterbehause waren außer den Herren Obeirabbiner M. Hirsch, Rabbiner Dr. A. Nobel der gesamte Vorstand und dte Beamten des L ynagogenverbandes, sowie Deputierte des Deputiertenkollegtums und anderer Gemeindemstitutionen erschienen. Dte m? fand unter starker Beteiligung in Ohlsdorf statt. Nürnberg. 8. Jan. Vergangenen tpjj'l mV hielt der von der Adaß Israel gewählte Rabb. Dr. Klein seine Anttittspiedtgt. Die Synagoge war Freit g abend festlich beleuchtet und überall herrschte Feststimmung. Die Kultus gemeinde sandte etne Vertretung und auch Herr Rabb. Dr. Freudental war anwesend. In tiefdurchdachter Rede schilderte Herr Dr. Klein den Werdegang der Adaß und dankte sichtlich ergriffen;-j"2pn, daß er berufen sei, an dieser Stelle zu wirken, wozu er fich Gottes Hilfe erbat. Sein Programm gipfelte darin, daß der Jude erst dann Anspruch auf reltgtöfen Lebenswandel machen könne, wenn er jede N12t!2 ohne Unterschied anerkenne und pünktlich auszuführen fich bestrebe, denn alle Gebote find von j-["2pp| befohlen und gleichwertig. DaS Publikum war voll befriedigt und ist mit dem Amtsanttitt unseres Herrn Rabbiners unser Verein und seine Synagoge in ein neues Stadium getteten, hoffentlich bbsn n21Ö> wofür alle Voraussetzungen vorhanden find. 712V Nachmittag entwickelte in einem Lehrvorttage von 50 Minuten Herr Rabb. Dr. Klein zunächst die .1212 m2nx ni2CÖ '2D, daran anknüpfend nri'2D zui mTD und es war alles hingeriffen von seinen klaren, wunderbaren Ausführungen. Hoffen wir, daß Herr Dr. Klein seine mwn n2HK auf die Allgemeinheit überttägt und das Lernen wieder in den Vordergrund gestellt wird. Regensburg, 5. Jan. Im Januar 1908 waren es 25 Jahre, seitdem DistrtktSrabbiner Dr. Meyer in Reaensourg definitiv angestellt wurde. Dte provisorische Anstellung war im Januar 1882 erfolgt. Herr Dr. Meyer hatte gebeten, insbesondere mit Rücksicht auf dte Zustellung des Israelit! Sämtliche für unsere Post - Abonnenten bestimmte» Exemplare liefern wir der hiesigen Zeitungsstelle Donnerstag abend ein» so daß jeder Abonnent innerhalb Deutschlands spätesten- Samstag in den Besitz der Zeitung gelangen muß Sollte in der Z»stellung des Blattes eine Verspätung Vorkommen oder eine Nummer gänzlich auSbleiben, so bitten wir dringend, bei dem Postamte am Wohnort des Abonnenten reklamieren z« wollen. DaS betteffende Postamt ist verpflichtet, unverzüglich von dem hiestgen Post« zeitungSamt Nachlieferung der fehlenden Nummer zu verlangen. Erfolgt jedoch auf diese Beschwerde hin» keine Remedur, so bitten wir, erst dann «nS entsprechende Mitteilung zu machen. Nur Abonnenten, die unsere Zeituug unter Stteifband zugestellt erhalten» wollen direkt bei uns Reklamationen einreichen. Verlag des Israelit, ß. m. b. H. Frankfurt a. M.