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Der Israelit · 1909-01-07 · Heft 1 (7.1.1909) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 1 (7.1.1909)
Date
1909-01-07
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 20 Der Israelit. Nr. 1. 7. Januar 1808.' ihre zugemessene Zeit, soll's anders sein mit den Berbern? nur Ihr Juden lebet ewiglich. Auch Ihr mußtet sterben, aber Ihr habet den Tod überwunden und lebet heute wie die Seligen in einer neuen Welt". „Aber nicht in einer besseren, in einer Welt des Scheines und des Kampfes. Du aber o Herr, beruhige Dich,- weil jene alte Völker dahin siechten und versanken, müßer auch Ihr deshalb gehen?" „Wir werden es," sprach erleise, „leb'wohl." ... „Dein Vater hatte sein Leben vollendet". Nochmals warf sich Badis an die Brust. des Veziers. Doch bald raffte er sich auf, „mein Vater hat Recht, zu viel Kultur, zu wenig Mut, es wird in Zukunft anders werden. Aber," setzte er hinzu, „sollte er auch darin Recht haben — vielleicht ist dies Reich schon verurteilt in den Sternen — gleichviel, ich bin sein König, muß mit ihm stehen und fallen." „Noch bist Du nicht sein König!" „Wie meinst Du das", brauste Badis auf, „hat es mein Vater nicht als letzten Wunsch geäußert?" „Wer wagt es, mir den Thron streitig zu machen?" „Wie Du weißt, Dein eigener Bruder". Bereits habe ich die Stimmung im Lande zu erkundschaften gesucht und ich muß Dir gestehen, die Aussichten für Dich sind nicht günstig". Badis zitterte. „Wohl stehen die Araber auf Deiner Seite, sie schätzen Deine Wahrheitsliebe und sind Dir dankbar, daß, wenn das Ohr Deines Vaters ihnen verschlossen war. Du Ihre Wünsche und Beschwerden mir überbrachtest. Dagegen ist Dein eigener Stamm, die Berber — und sie sind die Mächtigen im Lande — ganz auf Seite Deines Bruders, auch mich hassen sie, wie willst Du sie bezwingen?" „Auch die vornehmen Juden dieser Stadt sind Deine und meine Feinde, während die große Maffe der armen Söhne Israels Dir treu ergeben sind". ( Badis sprach: „Die Araber sind äußerst zahlreich im Lande vielleicht können wir sie zu einer Tat begeistern. Wollen wir nicht einmal ihre Stimmung persönlich kennen lernen?" „Gerade jetzt," sagte Samuel, „haben sie in ihrem Kaffeeyause eine Versammlung. Kleiden wir uns in Bauerngewänder, färben wir das Antlitz mit schwarzer Tinte, setzen wir uns eine Dschoba auf das Haupt, so können wir ungehindert und unerkannt ihrer Versammlung beiwohnen". Badis war einverstanden und die beiden Männer begaben sich auf den Weg, nachdem sie ihre Verkleidung vollzogen hatten. Die Aufgabe, die in unserer Zeit der Presse zugefallen, der öffentlichen Meinung öffentlichen Ausdruck zu verleihen, Mißstände zu rügen und die Stellung des Volkes zu den Regierungen festzustellen, diese Aufgabe lag zur Zeit der Araber den Märchenerzählern ob. An eine der größten Moscheen der Stadt war eine Halle angebaut, ihrem ursprünglichen Zwecke gemäß sollte sie als Armenküche, sogenanntes Jmaret, dien n, worin die Armen nach dem Gebete gespeist wurden. Seit langem aber war sie zu einer Art Kaffeehaus geworden, in der die Araber alle wichtigen Versammlungen bei einer Schale des echt arabischen Getränkes abhielten. Wände und Pfeiler waren mit großen Tafeln geschmückt auf denen die Namen Gottes, des Propheten, der vier ersten Kalifen und viele Koransprüche in kalligraphischen Verschlingungen aufgemalt waren. Von der Decke herab hing ein Kronleuchter. Der Fußboden war mit Teppichen und Strohmatten bedeckt. Bänke und Stühle fehlten ganz. Die Eingeladenen saßen der Sitte gemäß mit überschlagenen Beinen auf dem Boden. Der Vorsteher der Moschee, der Scheich wollte einige neue Märchen erzählen. Auch viele Juden und Bauern waren geladen, weil man von ihnen wußte, daß sie zu Badis hielten. Der Scheich stellte sich in die Mitte und unter lautloser Stille begann er: „Ein König starb und hinterließ zwei Söhne. Den Einen nannte er Wahrheit, den Anderen Lüge". Bereits nach diesem ersten Satze unterbrach ein Beifallsgemurmel den Redner, der nunmehr fortfuhr: „Mit der Lüge hat sich der König immer gut vertragen. Sie erzählte ihm, wie glücklich er sein Land gemacht, wie er es bereichert, erhoben, erleuchtet, gewißermaßen aus Nichts geschaffen habe. Der König weidete sich an diesem Lobe. Einstmals wollte sein anderer Sohn, Wahrheit bei ihm vorsprechen, aber der jüngere Bruder Lüge widersetzte sich dem Empfange. Er kenne sagte er, diesen Schwarzseher und Allesbesserwisser. Jedoch der König empfängt ihn." l Fortsetzung folgt.) >■ ' >-' -| Landeshuter |==B Leinen- und Gebild -Weberei F. V. Grünfeld Königl., Qrossherzogl. u. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W., Liipzlgintnni 21-2. Grösste Auswahl aller Wäscheartikel für deg Hausbedarf. üHfertiioDi ganzer üisstüiigei. Preisliste mit Abbildungen sowie KostenansoblSge zn Diensten. (7959) Für den Inseratenteil Ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die lm Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen rituellerwaren oder sonstige Angaben reilglonsgesetzlichen Charakters anfihre Zuverlässigkeit zn prüfen. 1 Heneraf-Anzeiger . - 1 für Uiiruberg-Fiirlh =-=-= Korrespondent oon u. für Deutschland «»parteiisches Organ für Jedermann. Gratis - Wochenbeilage: :: :: :: „Am hiirrslichen Herd Gratis - Monatsbeilage: „Bayerischer Karrd- *wfr Forstwirt". Postabonnement Mord 1.65 vierteljährlich. Lüglich 16—44 Seite» Umfang. Reichhaltiger Lesestoff. Anflage " über 58000 Exemplare. 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