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Der Israelit · 1908-12-10 · Heft 49 (10.12.1908) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 49 (10.12.1908)
Date
1908-12-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Feuilleton-Beilage zu Nr. 49 des „Fsraelit euilleton. Samuel da Nagicl. Sine jüdische Erzählung aus der spanisch-maurischen Zelt. Zweites Auch. (Fortsetzung.) »Du führst äußere Momente an, die mit der Sache selbst wenig zu tun haben. Mancher verwendet viel Kraft und viel Zeit für einen Gegenstand und findet die Wahrheit nicht, einem anderen kommt sie wie ein Geschenk Gottes im Traume. Doch bin ich ja nicht der einzige Gegner Rabbi Jona's. Bereits als er in seinem „Ergänzer" in gegen 20 Fällen der Ansicht Chajuggs andere entaegenstellte und 40 mal dessen Ansicht bekämpfte, erschien in Saragossa selbst ein Buch der Vervollständigung, das auch die Mangelhastigkeit seiner Kritik nachwies. Und der Verfasser dieses Buches wurde von Jbn Ganach mit großer Rücksichtslosigkeit angegriffen und mit beißendem Spotte von ihm überschüttet. „Mag dies immerhin sein, du aber hast deine Pfeile aus dem Verborgenen gegen meinen Freund abgeschossen, nicht wie es einem großen Manne, wie du es bist, geziemt." „Du irrst, Rabbi, niemals habe ich * meine Gegnerschaft gegen Merwan in Abrede gestellt. Im Kreise meiner Schüler habe ich an Rabbi Jona's Arbeiten Kritik geübt,' und stellte eine Gegenschrift in Aussicht. Einer meiner Schüler gelangte nach Saragossa und berichtete deinem Freunde darüber. Dieser aber wartete meine Schrift nicht ab, sondern i ab einen Bericht über jene Einwendungen sofort heraus. Diese Schrift, die Dir ja auch bekannt, nannte er Taswija, (Vergeltung), well, wie er schrieb, unter den Gründen zu seiner Herausgabe auch der war, seinen Kritikern ihr häßliches Tun zu vergelten, in dem sie sich mit einer Sache befaßten, die sie nicht verstanden." „Du hast aber darauf auch nicht geschwiegen, denn deine später gegen Abulwalid gerichtete Streitschrift „Rasail al rafaik" (Sendschreiben der Genoffen) ha( es zwar an Wohlwollen, aber nicht an Hohn fehlen lassen." „Nun, sollte ich Rabbi Jona darin zu nahe getreten sein, so hat er es mir in seinem Buche, „Die Beschämung", die auf meine Schrift folgte, reichlich vergolten. Ich erinnere nur an das eine, daß er auf mich das Wort des Dichters anwendete: »Nicht schlägt der Feind dem Toren so schwere Wunden, wie er sie selbst sich beibringt." Doch es sei ihm verziehen, denn ich freue mich, daß ich die Beranlaffung zu einem Buche war, in dem der Gelehrte die ganze Fülle und Schärfe seines großen Geistes leuchten lassen konnte. Vieles Herrliche befindet sich in dem Buche, mit dem auch ich vollkommen übereinstimme." „Ich sehe zu meiner unendlichen Freude, daß du kein persönlicher Gegner Merwans bist, läßt sich denn nun nicht auch eine sachliche Einignng erzielen?" „Ich kann von meiner Meinung nicht abweichen, daß die Zeitwörter mit schwachem mittlerem Wurzelbuchstaben nur zwei Konsonanten zur Wurzel haben, der dritte Wurzelbestandteil ist der zwischen beiden liegende lange Vokal, darauf muß ich beharren." * „Aber die Verba, deren dritter Wurzelbuchstabe das Heh ist, haben eigentlich das Jod als dritten Wurzelbuchstaben, was aus der Konjugatton dieser Verba ersichtlich ist." „Diese Meinung erkenne auch ich als richttg an. In meinen zweiundzwanzig Schriften zur hebräischen Sprachkunde, die unter dem Gesamttitel Alastagna „Buch des Genügens" als einheitliches Werk jetzt von meinen Schreibern vervielfältigt werden, wirst du Aehnliches finden können." „Es würde mich freuen, wenn es mir gelungen sein sollte, zwischen Samuel und Jona Frieden zu stiften, und des Ministers rückhaltlose Anerkennung des Saragoffer Arztes mit nach Hause nehmen zu können." „Du irrst mein Freund, wenn wir uns auch auf grammatikalischem Gebiete vielleicht verständigen können, niemals aber kann ich es gutheißen, daß Abulwalid sein Messer an den geheiligten Text legte und behaupte, es sei aus Versehen an der Stelle des richttgen oder ursprünglich gemeinten Wortes ein anderes gesetzt." „Auch du irrst mein Freund, Abulwalid will nicht die Integrität des mafforetischen Textes angreifen, er will nur die stilistische Eigentümlichkeit der Bibel feststellen." Samuel schüttelte mißbilligend sein Haupt. „Diese Bibelverbesserung ist keine Wissenschaft mehr, im Gegenteil sie ist ein geistiger Mangel und hier liegen die Grenzen von Abulwalids Begabung. Auch werde ich niemals dulden, daß mein Lehrer Chajugg weiter angegriffen und daß er der Mängel und Jrrtümer geziehen werde." Der Disputation lauschten die Anwesenden mit der größten Spannung. War doch zu jener Zeit der wissenschaftliche Sinn und namentlich der Sinn für die Gesetzmäßigkeit der Spracherscheinungen durch die wachsende Vertrautheit mit der arabischen Sprache und Literatur unter den Juden mächtig gefördert worden. Aber Einer lauschte der Unterhaltung mit ganz besonderer Aufmerksamkeit, öfters schien er sich an dem Wettstreit der Männer beteiligen zu wollen, doch hielt er, sichtlich immer sich selbst bezähmend, an sich. Jetzt aber duldete es ihn nicht länger und er bat die Streitenden ums Wort. Neugierig musterte man den Jüngling mit dem tiefschwarzen Vollbatte und den durchgeistigen Zügen. Als ihm Samuel zu reden gestattete, begann er: „Ich bin einer der Fremden, die du Samuel ohne sie zu kennen, aus der Herberge hast holen lassen damit sie an deinem Freudenfeste teilnehmen. Du wirst mir verzeihen, wenn ich meinen Namen vorerst' nicht nenne, aber nach alledem, was ich hier gehört habe drängt es mich zur Aeußerung. Wahrlich, Jedermann erkennt, daß Samuel sowohl wie Jona die beiden berufenen Schüler Chajuggs sind. Sie gürteten sich mit Macht zum Streite, um Verborgenes ans Licht zu fördern, sie wetteiferten in ihrer Kunst und schaatten Heer gegen Heer. Ihre Kämpfe und ihre Meinungen sind vereint in ihren Büchern, sie bilden zusammen eine große Tat, auf die das Judentum stolz fein kann und steht Chajugg in den Augen Samuels so hoch, daß er dem Sohne Ganachs das Recht der Weiterbildung und Vertiefung der Grundlagen der hebräischen Grammattk nicht zugeftehen will, so darf ihm das Niemand verübeln. Zeitgenossen fehlt eben noch der genügend objektive Blick, um ihre Bedeutung gegenseitig ttchtig erkennen zu können. Erst späteren Geschlechtern wird es Vorbehalten sein, die Bedeutung unserer beiden großen Männer ganz zu würdigen." Ein nicht enden wollender Beifall folgte diesen erlösenden Worten des wunderbar schönen Jünglings mit der melodischen Stimme, die wie ein Sphärengesang durch den Raum tönte. Samuel aber sprach: „Ich danke Dir mein teurer Freund, für deine herrlichen Wotte. Hast Du auch Deinen Namen mir nicht genannt und staubtest du, daß der dir inzwischen gesproßte gart dich mir verbergen könnte, so irrst du. So wie du eben gesprochen, kann nur Einer sprechen. Komm an meine Brust, mein teurer Sohn: Salomon Jbn Gabirol. Drittes Kapitel. Es war an dem Tage nach dem Beschneidungsfeste. Für den Nachmittag waren wiederum alle Gäste des ersten Tages von Samuel in die große Halle geladen. Am Bormittage hatten die aus den anderen Städten des Fürstentums hier anwesenden Rabbiner und Vorsteher mit den Spitzen der Granadiner Gemeinde im Hause Jsak ben Leons eine vertrauliche Besprechung. Als alle Eingeladenen im Hofe um den Springquell herum Platz genommen hatten, übergab, der Hausherr dem ältesten der anwesenden Rabbiner ein scharfes Messer zur Prüfung. Dieser prüfte es auf das sorgfältigste und überreichte es seinen Kollegen zu dem gleichen Zwecke. Als das Messer von allen für gut befunden war, ließ der Hausherr mit diesem vor den Augen seiner Gäste ein junges Reh schlachten, am Spieße braten und einzelne Teile mit fttschen Mandeln und Pftrsischen herumreichen, nicht ohne daß zuvor das Messer nochmals einer Prüfung durch die Gelehtten unterzogen und das Blut des Tieres feierlichst unter den erforderlichen Segenssprüchen bedeckt worden war. Als man sich genügend gestärkt hatte, sprach der Hausherr seine Gäste also an: „Ich habe Euch, meine teuren Freunde, gebeten, diesen Morgen bei mir zu verbttngen, weil ich wichttge Dinge mit Euch zu beraten habe." Ben Leon machte eine Pause, um den Eindruck seiner Wotte zu prüfen. Zwischen ihm und ibn Migas herrschte eine ständige Eifersucht, ben Leon fühlte, daß er in weit höherem Maße die Eigenschaften besitze die Gemeinde zu leiten. Jbn Migas aber konnte sich größeren Einflusses bei seinen Brüdern rühmen, auch hatte er ein bedeutenderes Vermögen wie ben Leon. Dieser benutzte nun jeden Anlaß, Jbn Migas seine geistige Überlegenheit fühlen zu lassen. Auch Heute bot sich ihm dazu eine willkommene Gelegenheit: Er fuhr deshalb in seiner Rede fort: „Ihr Rabban von Saragossa, werdet es mir gewiß verzeihen, wenn ich mix erlaube, Euch darauf aufmerksam zu machen, daß Ihr einen Fehler beginget, als Ihr unseren Rabban dessen Fehde mit dem Grammatiker Abulwalid zum Vorwurfe machtet. Es ist nicht nur für die eigene Person gefährlich, den Großen ihre Schwächen vorzuhalten, es. ist auch der Gesamtheit wenig förderlich, wenn man einem Mann, dem wie Samuel unser Volk so viel zu verdanken hat, zu nahe ttttt. Ich würde, teurer Rabbi, geschwiegen haben, wenn ich nicht erkannt hätte, daß Eure Weltfremdheit und Eure Unerfahrenheit im Umgang mit den Großen dieser Erde arg mißbraucht worden ist. Ihr seid den Einflüsterungen eines Mannes gefolgt, von dem Ihr nicht wußtet, daß er ein Feind des Veziers sei. Deshalb gestattete ich mir, Euch dies kundzutun, damit die übrigen Tage des Festes in ungetrübter Heiterkeit verlausen." Jbn Migas wurde abwechselnd blaß unh rot bei dieser Rede seines Nebenbuhlers. Seither hatte er sich nie offen als Feind Samuels gezeigt, im Gegenteil suchte er stets den Schein zu wahren, als seien die damaligen uns bekannten Vorgänge am Hofe des Königs ihm ganz aus der Seele entschwunden. Nun war Leon im Begttffe vor aller Welt seinen imJnnersten verborgenen Haß gegen den Vezier kund zu machen, das durfte unter keinen Umständen geschehen, denn es konnte ihm mehr wie seine Stellung in der Gemeinde kosten. Sein Vermögen, ja sein Leben stand '•i rv

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