Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 48 (3.12.1908)
- Date
- 1908-12-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Feuilleton-Beilage zu Nr. 4(8 des „Israelit" euilleton. Zämyei da kagla. Line jüdische Erzählung aus der spanisch-maurischen Zeit. Zweite» K«ch. (Fortsetzung., „Wo kommt Ihr her, mein Freund," fragte Samuel, ,,und welche Geschäfte führen Euch hierher?" „Mein Name ist Jerucham ben Salmon, ich bin wie mein Vater Ärlmvn den Jerucham und wie mein Großvater das Oberhaupt einer Karaim-Gememde in Alexandrien in Egypten. Wir legen großen Wert auf die Ausbildung, und Entwicklung der. hebräischen Sprache und da wir erfahren haben, daß hier in Andalusien unter den Juden bedeutende Männer erstanden sind, die gleichfalls mit Leidenschaft und Feuer dieser edlen Wissenschaft obliegen, so hat man mich hierhergesandt, damit ich die Schriften dieser Männer abschreiben lasse. Ihr, edler Herr, werdet mir gewiß dazu verhelfen können." „Wir werden in meinem Hause, das Du während Deines Aufenthaltes Mer als das D einige betrachten kannst, noch Gelegenheit haben, auf Dein Anliegen näher einzugehen," antwortete Samuel ausweichend. „Und Ihr, der sich mir als Rabbi Kalonymos bezeichnet hat, wo führt Euch Euer Weg her?" „Der große Strom, Rhenus genannt, der zwischen den Ländern Gallien und Germanien fließt, dessen Ufer sind meine Heimat, die Provinz, in der ich wohne, heißt Lotharien und mein großer Lehrer Rabbenu Gerschom hat mich beauftragt, dem Gaon Rabbi Hai den Von ihm verfaßten Talmudkommentar zu überbringen. Ich hörte man von dem Glanz und der Blüte, die das Judentum unter Eurer Führung in diesem Lande erreicht hat und deshalb nahm ich .meinen Weg über Hispania, damit ich meinem großen Lehrer als Augenzeuge von all dem berichten kann, was ich hier gesehen." „Ha-Tora chauseres l'achsanjah sch'lah," *) entgegnete Samuel, „wenn Dü dem großen Gaon vie Erklärungen des Weisen aus Lothar bringest.Doch wie geht es denBrüdern amRhenus?" -/Jetzt geht es Gottlob wieder gut, sprach Kalonymus, vvr einigen Jahren bewirkte R. Simon ben Jsak ben Abun, ein Mann von talmudischer Gelehrsamkeit, poetischer Begabung, *) Dt' Tbora kehrt in ihr früher s Heim zurück. frommer Gesinnung und großen Reichtümern, der aus dem Reiche der Franken stammend sich in Mainz dauernd niedergelassen, bei den» Kaiser Heinrich H die Aufhebung des Edikts der Judenausweifungen. Die Juden dürfen in ihre Wohnorte und die Zwangstäuflinge öffentlich zum Judentume zurückkehren. Mein großer Lehrer Gerschom verhängte über alle den Bann, die es sich etwa herausnehmen sollten, die Zwangstäuflinge wegen ihres vorübergehenden Abfalls vom Judentume zu beschimpfen." „Euer Lehrer ist ein großer Mann," sagte Samuel, „er, der für seine Person in Dingen unseres heiligen Glaubens so stark, so peinlich, so unbeugsam ist, er übt anderen gegenüber die weitgehendste Nachsicht, wie er möge es viele geben in Israel." Auch aus Sizilien, aus Bagdad, aus Afrika waren Fremde anwesend, die alle Unterstützung oder Hilfe von dem Minister für ihre notleidenden Brüder erwarteten, sie alle redete Samuel freundlich an und ihnen allen stellte er seinen Einfluß und sein Vermögen zur Verfügung. Zweites Kapitel. Als das Fest seinen Höhepunkt erreicht hatte, da sollte zum Schlage gegen Samuel ausgeholt werden. Joseph ibn Migas gab dem Rabbiner von Saragossa einen Wink und dieser bat um das Wort. Bereitwillig ließ chn der Gastgeber reden. „Wir Juden," begann der Rabbiner zitternd vor innerer Erregung, „sind und bleiben das merkwürdigste Volk der Erde und kein Nichtjude, der mit Verständnis unsre Geschichte kennen gelernt, wird sich der Ueberzeugung verschließen können, daß wir das auserwählte Bolk Gottes sind. Schon daß wir uns jetzt über tausend Jahre lang trotz der schwersten und blutigsten Verfolgungen, die wir von Heiden, Persern und Chnften zu erdulden haben, als ein Volk und bis zum heutigen Tage unserem ursprünglichen geistigen Charakter treu nicht nur erhalten haben, sondern uns auch fort und fort geistig und körperlich ausbreiten, diese Tatsache allein müßte jeden davon überzeugen, daß wir für eine höhere Sendung bestimmt sind. Wir sind die Träger des Gottesglaubens in seiner höchsten Reinheit und die Reinheit des Gottesglaubens trägt uns durch die Zeiten und Völker. Schauen Sie sich um, teure Freunde und Festgenoffen, in allen Ländern der Erde — überall finden Sie eine Zeit der Rohheit, des geistigen und sittlichen Verfalles — weil man die Juden drückt und knechtet — nur da, wo man uns Luft und Licht gönnt — wie hiec in diesem gesegneten Lande unseres teuren Fürsten — finden Sie Blüte und Gedeihen. Aber nur dann bringt den Völkern die Freiheit der Juden Glück, wenn diese unter sich die größte Einigkeit walten lassen. Uneinigkeit unter den Kindern Abrahams hat stets ihnen selbst und anderen Unheil verursacht. Es ist deshalb unsere höchste Pflicht, überall, wo sich auch nur Keime des Unfriedens zeigen, solchen mit Kraft entgegenzutreten und eingedenk des Spruches der heiligen Schrift- „Ermahnen, ermahnen sollst du deinen Freund", km Ansehen der Person zu achten, wo es sich darum handelt, dieser heiligen Pflicht Genüge zu leisten. Von der Zeit der Verbannung Israels aus seinem Lande ist kein Jude mehr so hoch gestiegen als du Samuel, du bist der edelste, der bescheidenste und fähigste Mann deiner Zeit, aber sage mir, Ibn Nagdela, warum befeindest Du so sehr den bedeutendsten jetzt lebenden Gelehrten den Abdulwalid Merwan Ibn Ganach?" Es ist schwer, die Gefühle zu beschreiben, die Samuels Brust während der Rede des Saragosser Rabbis bewegten. Er wollte auffahren angesichts dieser, wie es ihm zuerst schien, schweren Beleidigung, die man als Gast an seiner Tafel ihm entgegenzuschleudern wagte, doch im gleichen Augenblick sagte er sich, daß ein Mann wie der Rabbi von Saragossa weit davon entfernt sei, ihm zu nahe treten zu wollen, daß ein solcher Mann wohl nur in Erfüllung seiner Pflicht handeln könne. Vielleicht befand er sich wirklich im Unrecht und war sich seines Fehlers seither nicht bewußt. Er antwortete deshalb ohne die leiseste Spur einer Erregung vollkommen sachlich und erweckte damit die Bewunderung aller Festestetlnehmer. „Ich hatte das hohe Glück", sprach Samuel „Wasser zu gießen aus die Hände des großen Meisters Rabbi Jehuda ben David Chajugg, das Andenken des Gerechten sei zum Segen. Mit schöpferischem Geiste hat mein großer Lehrer den Grund zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis der hebräischen Sprache gelegt, auch einen Teil des Aufbaues dieser Erkenntnis in sorgfältiger musterhafter Weise ausgeführt. Aber das Gebäude mußte in den übrigen wesentlichen Teilen weitergeführt, in dem Geiste und nach den Vorschriften des Gründers beendet werden. Ich erkenne an, o Rabbi von Saragoffa, daß der von Dir Genannte an dem Weiterbau des großen Werkes mit scharfem Geiste und emsiger Schaffenslust arbeitet. Nun aber hat er sich daran nicht Genüge sein lassen, er hat Steine aus dem Bau des Meisters herausgenommen und seine eignen dafür eingesetzt. Du aber mußt auch anerkennen, daß nicht jeder mit seiner Art und namentlich mit dieser Art des Weiterbaues einverstanden sein muß und ich bin Einer, der zu diesen letzteren gehört. Abulwalid war es nicht vergönnt aus dem Munde des Großen deffen Meinungen zu vernehmen, ich aber, der zehn Jahre zu seinen Füßen gesessen, für mich ist es unabweisbare Pflicht, mich genau an ihn zu halten." „Willst Du nicht zugeben, Vezier", antwortete der Saragosser, „daß ein Mann wie Ibn Ganach, der sein ganzes Leben der jüdischen Sprachwissenschaft weiht, der selbst seinen Beruf als Arzt nur wenig ausübt, um sich dieser seiner literarischen Wirksamkeit hinzugeben, daß ein solcher Mann eher imstande ist, das richtige zu treffen, als ein Mann, deffen Zeit zum größten Teile Staatsgeschäften und wie ich gerne gestehen will, auch dem Talmudstudium und der jüdischen Poesie, gewidmet ist?" ' (Fortsetzung folgt.) Firiu imrafruftH ist Ale Redaktion nicht TcrantwortUeh; lasbesaidara ist as aamhllessllchSaeha Aar Lasar. Ala ha ta«aratsBtsW antti»H*inm F.iipfRiilBng»ii rttaeller Warna oder soastlgaAigahea rellglOBsgesetzllehsa Charakters aaf lhrs Zuverlässigkeit zi prflfei. e*«.« BAD KISSING EN xo Hotel ü, Pension Heizfeld. xd Große-; dagemge Jahr »fittu — Magst», «tthrit der «enen Synagoge. — Telephon 108. Mascttm » MuzaMMuH« in bester Ausführung walzend, stuppelnd und schneidend gleich« zeitig, sowie Teigdrechmaschinen, beide Maschinen für Hand« oder »krafAetrieb. Kerner Mazzenverpackoorrichtmtgen liefert 11599] C»rl Hechel, ITSrilerf 8 jO * ' JUMNTHEUtzllk» 4» Frendenstadt. W interstati oaa: ErhAiwig 24. Deslar. er. TBO Rotel BBd Pension XD - A. Kalb - gut Möbl. Fremderqimmer. 111687 Anmeldungen erusiwscht längstens bis 18. Dezember. 09* Zur gell. Beachtung. '-WA Amberger Stopfgfinse* ES wird nachdrütllichst darauf hingewiefen, daß die a«S Amberg bezogenen Stopfgänse religionsgesetzlich als genutztauglich 0P3) nur angesehen werden Wunen, wenn auf den Kopfe naben dem Koschersiegel des dortigen Schochet Herr« Godlewsky ein von d efem handschriftlich anSgefiillter Zettel mit Angabe der Schächtzeit und feinem NamenHug befestigt ist. DaSKontrollieren der Speiseröhre (Weschet) liegt den Beziehern der Gänse ob. Die Gänse werden in Awoerg nicht gesengt oder gebrüht. (11580 Snlzbürg, (Oberpfalz), Cbeschwan 5889. 9hwlm De. M. Weinberg. Mikikttrabbintr.