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Der Israelit · 1908-12-03 · Heft 48 (3.12.1908) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 48 (3.12.1908)
Date
1908-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 3. Dezember 1908 wütig: Die Schaffung einev hebräischen Literatur, die bei allen nötigen und sprachlich berechtigten Neubildungen in ihrem Grunotone eine jüdische Literatur bleibt und an das historische Judentum anknüpst, einer Literatur, die jeder jüdische Bater ohne Bedenken seinen Kindern empfehlen kann. Nach dieser Richtung enthält aber der Aufruf leider nicht die leiseste Andeutung. Cni bono? Wiederholt sahen sich die ernsthaften jüdischen Preßorgane Deutschlands im Laufe dieses Jahres vor der peinlichen Notwendigkeit, unmotivierte und gehässige Angriffe auf den „Hilfsverein der deutschen Juden" zurückzuweisen. In der Regel hatten diese Angriffe, abgesehen von ihrer persönlichen Spitze gegen die Leiter des Hilfsvereins, noch die positive Tendenz, die „Alliance Jsraelite Universelle" zu verherrlichen oder mindestens deren Verdienste auf Kosten des „Hilfsvereins" herauszustreichen. Einer dieser literarischen Ueberfälle ist sogar in dem offiziellen Organ der Deutschen Konferenzgemcinschaft der „Alliance", Ost und West, veröffentlicht worden. Den Gipfelpunkt der unerhörten Kampagne aber bildet ein vorige Woche erschienener Artikel des Pariser „Univers", der dem verdienten Leiter des Hilfsvereins, Dr. Paul Nathan, Beranlaffung zu folgender energischer Abwehr gibt: Berlin, 30. Nov. Hochgeehrter Herr Redakteur! Erlauben Sie mir, daß ich in Ihrem geschätzten Blatt einen gegen mich gerichteten Angriff gebührend zurückweife, der in gleichem Matze eine Manifestntio:. hämischer Niedertracht und aufgeblasenett Ignorantentums in jüdischen Angelegenheiten darstellt. Handelte es sich nur um meine Person, so könnte ich erwägen, ob dem in Betracht kommenden Skribenten gegenüber verachtungsvolles Schweigen nicht angebracht wäre, aber da zugleich ernste Interessen des Judentums in Frage stehen, wäre es sträflich, wollte ich mich aus vornehmtuender Bequemlichkeit der Aufgabe entziehen, die gebotene össentliche Abstrafung vorzunehmen. Der Fall ist der folgende: Die jüdische Oefsentlichkeit muhte sich die Frage vorlegen, ob die möglicherweise bevorstehende Konferenz über die orientalische Frage nicht die Gelegenheit bieten könnte, die Leiden unserer Glaubensgenossen in Rumänien und die Verletzung des Berliner Vertrages seitens der rumänischen Regierung gegenüber unfern Glaubensgenossen, vor das Forum der Großmächte zu bringen. Es war daher nicht erstaunlich, daß. die jüdischen Zeitungen Ende Oktober und Anfang November „aas zuverlässiger Quelle" die Mitteilung brachten, daß die Alliance Jsraelite Universelle in Paris Schritte unternommen habe, um die Frage der Verletzung des Berliner Vertrages seitens der rumänischen Regierung vor die geplante Orientkonferenz zu bringen. Und es __Drr «Hamit war erfreulich, daß ein jüdischer Politiker von dem Scharfblick und der Erfahrung Lucien Wolfs sich über die Chancen eines solchen Vorgehens öffentlich und unumwunden in der Jewish World am 16. Oktober ausgesprochen hat. Wolf ließ es sich klugerlveise angelegen sein, Illusionen zu zerstreuen, und er sagte offen, daß der Kongreß keine Gelegenheit bieten werde, bei welcher wir von den Mächten irgend welche Genugtuung erlangen könnten, aber gleichwohl sei es nötig, die rumänische Jnbenfrage vor die Mächte zu bringen, damit durch Schweigen kein ungünstiger Präzedenzfall geschaffen werde. Wesentlich später, bereits gegen Mitte November, konnte die jüdische Presse Mitteilen, der Hilfsverein habe sich an das Auswärtige Amt in der gleichen Angelegenheit gewendet, und das Auswärtige Amt habe unter Anführung von Argumenten, wie sie sich bei Lucien Wolf finden, hervorgehoben, daß, wenn der Kongreß zustande käme, Deutschland die Initiative zur Diskussion der rumänischen Judenfrage kaum ergreifen könne, und dies um so weniger, als man bisher deutscherseits aus Gründen der allgemeinen Politik jede Initiative bei Aufstellung des Programms für eine eventuelle Konferenz vermieden habe. Ter wesentlichste Inhalt dieser Unterredung auf dem Auswärtigen Amt war, daß, die deutsche Regierung durch »ihre Erklärung sich zu dem Standp uift bekannte, es könne die Verletzung des § 44 des Berliner Vertrages an und für sich für eine Diskussion der Großmächte in Betracht kommen, wenn auch der geplante Kongreß aus Gründen der allgemeinen politischen Lage eine solche Diskussion im j e tz i g e n Augenblick kaum werde vornehmen können. Diese Klarstellung, die zu erwarten war, hat ihre Wirkung nicht verfehlt: denn wenn es auch bisher leider unmöglich war, ein Einschreiten der Großmächte in Rumänien selbst herbeizuführen, so weiß doch jeder Politiker, welche Bedeutung die Feststellung Hut, daß nicht allein nach dem Urteil der öffentlichen Meinung der aufgeklärten zivilisierten Welt, sondern daß auch nach der Ansicht von großen Staaten Rumänien einer Verletzung des Berliner Vertrages schuldig sei. die vor das europäische Forum bei sich bietender Gelegenheit gezogen werden kann. Diese Vorgänge nimmt der Univers Jsraelite in Paris vom 27. November zum Anlaß, um einen Artikel über den Hilfsverein, in Wahrheit, um einen Schmäharttkel vor allem über den Unterzeichneten zu veröffentlichen. Er nennt den Unterzeichneten den tatsächlichen Inspirator des Hilfsvereins,- er nennt das Borg-.hcn in der rumänischen Frage sträflich, uittt er behauptet, daß reklamesüchtige Eitelkeit die Triebfeder meiner Handlungen zu gunsten des Judentums sei. Diese Behauptung wird mit einer Beschimpfung der gesamten deutschen Juden als Deutschen verknüpft, wie sie nur chauvinistische Hetzblätter niedrigster Art. zu verbreiten pflegen. Bon meinen verschiedenen Reisen in dem Orient sagt er, daß in Nachahmung eines berühmten Vorbildes ich „ i n der Türkei meine L a n d u n g in Tanger vollzogen hätte". Vielleicht bin ich auch nach Rußland während der Hochflut oer Revolution mit dem trefflichen Stettauer aus London und __«r. 48 Feinberg aus Petersburg und nach Rumänien während der Bauernrevolten als Poseur gegangen. Es ist charakteristisch, wie hier die Besprechung, jüdlscher Angelegenheiten durch einen an den Haaren herbeigeschleppten Hinweis auf die Marokkopvlitik zu vergiften versucht wird. Und soll es üblich werden, . den niedrigsten Chauvinismus aufzureizen durch Me höhnische Gegenüberstellung, daß freilich die als leichtfertig nnd windbeutelig verschrienen Franzosen eine Frage wie die rumänische reiflich und mit Ruhe stn dieren.- „in Berlin hat man so viel Bedachtsamkeit nicht von Nöten". „Freilich, es mußte wieder einmal dem deutschen Judentum bewiesen werden, daß eZ allein imstande sei, die schwierigsten Probleme zu lösen, ^und daß es allein und ohne Zeitverlust die deutsche Omnipotenz in Bewegung setzen werde, um den rumänischen Israeliten zu Hilfe zu kommen". Dieser Artikel, der mit den niedrigsten Mitteln die französischen Juden gegen die deutschen Juden zu hetzen sucht, ist unterzeichnet Benzev, voraussichtlich wieder ein Pseudonym. Zur Charakteristik dieses Machwerks muß noch -ines hinzugefügt werden. Das primitivste Gebot des Anstandes verpflichtet dazu, sich zu vergewissern, daß ein persönlicher Angriff sich wenigstens an die richtige Adresse wendet. Ich habe nun weder die Schritte des Hilfsvereins in Bezug auf die rumänischen Juden inspiriert, noch war ich an diesen Schritten in irgend einer Weise beteiligt, weil ich zu jener Zeit krank in Montreux darniederlag; freilich, diese Schritte billige ich durchaus und in jeder Beziehung, weil die Beweise für ihre Nützlichkeit mir bereits vorliegen. Welch ein Gentleman also dieser Herr Benz?«! Schließlich sei aus der Fülle der Unwahrheiten, die Herr Benzev vorträgt, noch eine herausgehoben. Er behauptet, daß die Alliance Jsraelite Universelle sich mit der Bitte an uns gewandt habe, im Augen- - blick nicht vorzugehen. Ich konstatiere, daß der HilsZ verein in dieser Angelegenheit niemals eine Zuschrift der Alliance erhalten hat. In den Angriffen dieser Art gegen den Hilssverei» der Deutschen Juden und gegen meine Person liegt Methode. Zunächst verlogene Ausstreuungen während des Hochsommers dieses Jahres besonders in Rußland, die wir zurttckweisen mußten; dann falsche Angaben und erlogene Unterstellungen in der englischen Presse, die klargestellt werden mußten. Nan dieser Herr Benzev, der seine politische Einsichtslosigteit durch politische Hetzen und persönliche Verunglimpfungen unempfindlichen ltzaumen schmackhaft zu machen sucht. In Deutschland weiß jedes Kind, aus welchem Arsenal diesen Minierer« ihre vergiftete Munition geliefert wird. Gewiß, sie haben bisher keinen Erfolg erzielt: damit dies auch in Zukunft nicht geschehe, darum bitte ich Sie. hochgeehrter Herr Redakteur, diesen Brief vor die Äugen Ihrer Leser zu bringen. Bei Ihrer Mithilfe wird es möglich sein, ein Unkraut beim ersten Aufsprießen zu ersticken, das, loen« es fortwuchert, durch chauvinistische und persönlich? giftige Verunglimpfungen das friedliche Zusammenarbeiten der anständigen Juden aller Nationen wenigstens vorübergehend beeinträchtigen könnte; und dieses fchaftttchen Gebens nicht zu vernachlässigen? Und dieser Wille, er Ist des Menschen ureigenstes Erzeugnis. Wenn in allen Dingen er abhängig ist von der Außenwelt, der Wille ist frei, allein baS Ergebnis seines eigenen Wesens. ntfTfc pn D'ÄtP 'N'2 San »Alles Anlagen und Fähigkeiten find dem Menschen von Gott verliehen, nur die Gottesfurcht, d. i. der gute Wille, nicht." Dieser quillt unaufhörlich auS der menschlichen Brust in machttgem Drange hervor und läßt fich von keinem Wesen zurückdämmen. Also „Glaube" und „rrille", fie führen zusammen den Menschen zur lichten Höhe empor. Und diese Liebe von unten weckt die Liebe von oben. Huldreich schickt der gnädige Gott dem LtebeSdrange des Menschen die von Gott stammenden Cnael entgegen. ilVVt3 »die Tat" die Gelegenheit und die Kraft zur Betätigung deS Willens und der Ueberzeugung. Die Ueberzeugung hat etwas als gut und richtig aufgestellt, der Wille möchte eS verwirklichen, noch aber fehlten die Bedingungen, unter welchen irgend ein Tun erfolgen kann. Diese Bedingungen schafft Gott. Er fügt dem Menschen die Gelegenheit. (Ps. 68, 20) „Gelobt sei der Herr, Tag für Tag gicbt er unS zu tragen." Heden Tag läßt er neue Aufgaben an unS herantreten, jeden Augenblick läßt er andere Pflichten mit sich bringen. Also auch bei der Ausführung des Guten ist der Mensch angewiesen auf den göttlichen Gegen und dieser wird niemals auSbleiben. Wie ein guter Engel umschwebt er den Frommen und bewahrt seine Taten, daß fie nicht Schlimmes zur Folge haben. - Endlich der vierte Enael auf der Letter von dem Menschen zu Gott, der Wette unter denen, die von Gott heravstetgen, es ist die Weisheit, ."TJH, die seinen veretleudjteit muß damit er sein« Weg ans Erden zu lim Münde ist. Diese ist nichts anderes als ein «e- S wie wir vn?Srtthe Hiov lesend „Wer Hmders als Gott) legte Weisheit in das Herz, wer giedt dem Geiste Vernunft? „Des Oefterrn am Tage alS erste Bitte im Schemone esre, sprechen wir es aus, baß eS HimmelSgaben find: ^2VN1 filH „Erkenntnis, Vernunft und Verständnis. And eben diese hohen Gaben machen den Menschen sunt höchsten und vorzüglichsten aller Geschöpfedurch fie hat Gott ihn aus eme hohe Stufe Sestellt, daß der (8.) Psalm sagte : „Und hast ihnen nur SentgeS vom Göttlichen versagt und willst mit Ehre und Würde ihn krönen. „Erkenntnis befähigt den Menschen, das Gute zu wählen, daS Schlechte zu verwerfen, so daß er dem Himmel näher kommt. Vernunft und Einsicht find eYforbetlt.lv daß er die Th ra fich anei^net und darin zu forschen und sich zu vertiefen im Stande ist; An terscheilümgS» und Urteilsfähigkeit muß er besitzen, daß er aus btt Dinge der Welt die Bestimmungen der Thora anzuwenden im Stande ist. So, sehen wir also, ist auch die Erscheinung im Traum unseres t'aterß Jakob fernen Nachkommen in Erfüllung gegangen: eine Leiter ist für fie und für die Menschheit ausgestellt worden, durch welche sie zu Gott gelangen können: DaS Sinai-Gesetz; Engel: Der fromme Glaube und der gute Willen steigen vom Menschen aus empor. Die Kraft und die Schicksale, die Erkenntnis u d die Vernunft, fie sind vc.« Gott dem Menschen entgegen gesandt. Oben hoch über dem Menschen steht Go t und voll Demut und Ehrfurcht beugt fich der Mensch vor drn» Hetltgen gelobt sei Er. Kleines Feuilleton. J*$cbromis. Bon F«VS«H. (Fortsetzung) „Wenn die jungen Leute von heutzutage nicht vom Geschäft sprechen können," warf der Bater dazwischen, „so wissen sie nicht, wovon sie sich unterhalten sollen. Das war doch in unserer Zeit, als wir so alt waren, mürers, nicht w ihr, Reb David?" Dieser meinte, es sei allerdings verboten, am Schabbos vom Geschäfte zu sprechen, aber wenn er an die Unterhaltung denke, wie sie heute leider so viele junge Leute pflegen, dann seien Gespräche geschäftlichen Inhalts jedenfalls das kleinere Nebel. Es gäbe übrigens auch viele Unterhaltungen, die das geschäftliche Leben zum Gegenstand haben, die am Schabbos nicht nur gestattet, sondern sogar höchst verdienstlich wären. Das war Koppel Seligmann neu nnd er bat seinen gelehrten Gast durch einen fragenden Blick um Aufklärung. . „Es gibt keinen Gegenstand über den sich Junge oder Alte gern unterhalten, über welchen unser Gesetz der Thora nicht auch seine Bestimmungen hätte. Wenn Leute selbst am'Schabbos gern vom Geschäft sprechen, so wäre es sehr gut, .wenn man diese Steigung allste, um den Betrefsnrden die rellgronsgefetzlichen LLLÄKLWÄL in

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