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Der Israelit · 1908-12-03 · Heft 48 (3.12.1908) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 48 (3.12.1908)
Date
1908-12-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Der J-kaeltt Sette ». Rr. 48 pomeren, was in jenen weltentlegenen Kulturen gewiß nicht allzu schwer ist, — zur Geringschätzung der Thora, zur Ver- Nachlässigung und Verhöhnung der Mizwoth verführen, daß sie in unreifen, undisziplinierten Köpfen den Geist der Skepsis, des Kritizismus wachrufen, der seine Opfer nur .allzuleicht gefangen nimmt und, mangels eines modern ausgestatteten Gegengewichts, dem religiösen Abfalle in die Arme wirft. Kann ein neologer Rabbiner, der — vielleicht — das pädagogische Glaubensbekenntnis des „liberalen Judentums" zu dem seinigen gemacht, der „den Begriff der Sünde auf die sittlichen Verfehlungen, eingeschränkt", der „den Unterschied zwischen dem Offenbart-Göttlichen und dem Menschlich-Geschaffenen stärker hervortreten lassen will", der „das Zeremoniell als ein zwar Notwendiges und Unentbehrliches, aber doch erst in zweiter Reihe Verpflichtendes betrachten lehrt" - kann ein Mann, für den vielleicht auch die Religion des Judentums das Produkt einer Jahrtausende langen Entwickelung ist, dem „die 'Bibel als die vom Gottesgeist erfüllte, von Menschenhand verzeichnete Sammlung höchster religiöser und sittlicher Ideen" ist, orthodoxen Männern, für die es kein Erstes und kein Zweites in der Thora gibt, denen „Sünde" jede Auflehnung gegen das Gvttesgesetz bedeutet, denen die Bibel kein Menschenwerk, sondern das ureigenste Wort des Schöpfers ist, als fachgemäßer Beurteiler in religiösen Iragen erscheinen, können sie ihm, den besten Willen selbst vorausgesetzt, auch nur die Fähigkeit zugestehen, dort Mängel und Schäden zu erkennen, wo nach seiner religiösen Auffassung vielleicht sogar Vorzügliches geleistet wird. Möglich, daß Herr Dr. P o r g e s die zitierten pädagogischen Anschauungen aus dem Referat des Herrn Dr. F r e n d e n t h a l- Nürnberg nicht teilt, möglich, daß er sie als zu weitgehend nicht gelten lassen will: aus seiner Amtsführung, die der Oeffentlichkeit allein als Maßslab des Urteils dienen kann, ist eine solche Opposition nicht zu erschließen, und eine Ber- ^trauenskundgebung seitens der Orthodoxie nicht zu begründen. Nur Böswilligkeit vermöchte daher aus diesem verweigerten Bertrauensv otum den Borwurf herzuleiten, als bedeute die ortho- ,dvxe Forderung einen Zweifel an dem Besitze aller derjenigen Eigenschaften, welche das Schreiben des C. C. an ihm überflüssigerweise zu rühmen weiß. So oft bisher von orthodoxer Seite die obigen Beschwerden vorgebracht wurden, hat man auf Seiten des C. C. aktenmäßige Beweise, gesicherte Zeugnisse für dieselben verlangt. Nicht mehr und nicht weniger als dieser Forderung genügen zn'können, das ist der Sinn der orthodoxen Briefe Und Eingaben. Daß aus anderem Wege Äese Belege nicht beschafft werden können, daß bei her Unzuverlässigkeit und Unverläßlichkeit, die im Orient gang und gäbe, bei der angeborenen Zaghaftigkeit und der durchaus nicht unbegründeten Furcht vor Schädigungen, die jeder gewärtigen must, der den Alliancepotentätchen im Orient entgegenzutreten wagt, den Leuten die Zungö gebunden ist und man erst langsam ihr Vertrauen erwerben muß, um Verläßliches von ihnen zu erfahren — das sind Dinge, die jedem, der überhaupt nur jemals mit diesen Verhältnissen besaßt worden ist, zu geläufig sind, um erst noch bewiesen werden zu müssen. Hier bot sich zum. ersten Male den Orthodoxen die Gelegenheit, dem Verlangen nach glaubwürdigen Unterlagen, zweifelfreiem Material zu genügen, bot sich dem C. E. die Gelegenheit, den Nachweis zu erbringen, daß es volle Klarheit wünsche und die Aufdeckung von Schäden nicht zu fürchten brauche, wert es dieselben abzustellen gewillt und entschlossen war. Tie Orthodoxie hat die Gelegenheit ergriffen und, was an ihr lag, getan, um die Sachlichkeit ihres Vorgehens, die Ehrlichkeit ihrer Motive, den Wunsch nach friedlicher Mitarbeit vor aller Welt zu erhärten.- Das C. C. dagegen war herzlich schlecht beraten, als es die Wünsche seiner angesehensten orthodoxen Mitglieder unbeachtet ließ, als es mit inhaltslosen Redewendungen die Gewissensnot großer Scharen seiner Mitglieder ab speisen zu können-glaubte, als es im stolzen Vollgefühl seiner wohlgefügten M ach tftellung, Wünschen, denen es selb ft durch seine Forderungen nach einwandsfreiem Material Berechtigung gegeben, dieteichtzu gewührende Erfüllung rückhaltlos versagte. Von dieser rücksichtsfreien Behandlung der 'Orthodoxen hebt sich die zarte Mcksichtnahme, die das C. C. auf die Empfindungen der Neologie nimmt, um so seltsamer ab. „Qu*ä vouioir leur adjoindre aujourd’hui une personne appartenant ä un parti on jetterait d’avance la suspicion sur leur esprit d’impartialite“ ff. Ja, leben die Herren vom C. C. denn in einem Wolkenkuckukshcim, so daß sic alle Dinge anders als der Normalerdenmensch bettachten? Sind denn seine Vertrauensmänner nicht auch personnes appartenants ä un parti? Kennt er, trotzdem er sich doch über die Fähigkeiten und Eigenschaften seiner Erwählten ein so erschöpfendes Urteil gebildet hat, deren Stellung im Leben _' 3^Dez««hWrZS08; , der Oeffentlichkeit so wenige, daß ihm deren zweifellose Zugehörigkeit zur iwolvgen Partei so ganz verborgen gebNebön ift?! Wie also? Die orthodoxe Seite zweifelt die Unparteilichkeit der Kommission an, wenn sie einen Mann ihres Vertrauens derselben bkigesellt sehen will; das C. E. aber in seiner ebenso unerschöpflichen' Weisheit wie unergründlichen Gerechtigkeitsliebe darf in die Kommission zwei ueokoge Rabbiner und.keinen orthodoxen abordnen, ohne doch 'befürchten 'zu müssen, einer Hinneigung zu der einen und Abneigung gegen die andere bezichtigt zu werden! Wenn das nicht eine Gerechtigkeit mit doppeltem Boden, dieser Modus provystensti. nicht" die Dinge förmlich . aUs den Kopf stellen heißt, dann haben alle logischen Begriffe überhaupt ihren Wert verloren, dann ist der Punkt glücklich erreicht, wo „Vernunft Unsinn, Wohltat Plage" wird. Ein Verlegenheitsprodukt geringster Qualität so charakterisiert sich das Antwortschreiben des C. C. Einen Vorzug, um gerecht zu sein, aber muß man ihm zuerkennen: es hält sich in derjenigen.Tonart, die in der guten Gesellschaft die gegebene ist und vermeidet in gut temperierter bureaukratischer Steifleinheit jede persönliche Spitze und Herabsetzung der gegnerischen Ansicht. Dem Schreiben des „Deutschen Buregus" kann man auch diesen bescheidenen Vorzug nicht einräumen. Dieses interessante Schriftstück hat folgenden Wortlaut: Alliance Jsraslite Universelle. Deutsches Bnrean. I.-Rr VOot, Berlin N. 2-1, Öräinienburgerstrahe 42/JH den 22. Oktober 1908. Herren Rabbiner Dr.. I. Auerbach in Halberstzdr und Dr. Meier Hildesheimer, hier, zu H. des Herrn Tr. Meier Hildesheimer N. 24, Linienstraße 111. Wie nehmen Bezug auf unser Ergebenes v§m li> d. M. und teilen Ihnen höfl. mit, daß unser Borsitzender uns zur Weitergabe an Sie schreibt, was folgt: ~ „Bei der Wahl der beiden Rabbiner hat man nicht danach gefragt, welcher Parteirichtung sic innerhalb der (Glaubensgemeinschaft angehöpeil. Ausschlaggebend mußte einzig und allein sein Und war die sittliche und wissenschaftliche Eignung. In diesen! Betracht ist die Wahl der französischen und deutschen Vertrauensmänner eine überaus glückkicke. Ich selbst, der ich nach meinem religiösen Empfinden allezeit und überall für das Rechtder Orthodoxie ringetreten bin, habe mit wahrer Gertungtuung und mit herzlicher Freude die Entsendung Unseres vortrefflichen Dr. Pvrges begrüßt, nachdem ich bereits vor Monaten dieserhalb angefragt worden bin. Sv ift es mir nicht. möglich, und widerspräche meiner Ueberzeugnng, dem Wünsch des Herrn Dr. Auerbach und Dr. Hirsch Hildesheimer, sowie der Unterzeichner der an das Zentral-Eomitv gerichteten Eingabe Folge zu leiste». Auch ist hier nicht, der Die Jakobsleiter. Bunt Wochenabschnitte. Bon Rabbiner Tr. M. Kahn in Ehlingen. Und er träumte: Und stehe, eine Leiter war auf der Erbe aufgestellt und ihre spitze reichte bis in den Himmel,' und stehe, Engel Gottes stiegen auf und stiegen ab auf ihr. Und stehe, der Ewige stand über ihm und sprach: Ich bin der Ewige, der Gott Abrahams, Heines BaterS und der Gott Jsaks, das Land, worauf km liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben." (1. B. M. 38, 13-13.) v den ersten Vers bemerkt der Midrasch, indem er daS Wort Vyy ins Auge faßt: R. Jochanan sagt: Die Frevler halten fich höher als ihre Götter, denn so steht von Pharao geschrieben: „Er stand ,Übeck dem Flusse". (1. B. 41, 1.) (Der Nil galt ja bekanntlich den Aegvptern als Gott.) Htng-gen von den Gerechten heißt eS, baß Gott Über ihnen stehe, so wie es auS unsere? Stelle .hervorgeht: „Gott stand über chm (über Jakob)." Eine treffende Bemerkung ist es, die R Jochanan hier ausspricht, die Frevler dünken sich höher als ihre Götter. Sie erkennen ja, von Stolz und Hochmut aufgebläht, entweder keinen Gott an, oder wenn fie an ein höheres Wesen glauben, fo weifen fie demselben eine mehr alS traurige Stelle an, wie dies der Mittwochpsalm (Ps. 94) {« fo lebendiger Art «umführt (BerS 7): „Sie spr chen: Gott sieht nicht, und G tt Jakobs merkt auf nichts." Ein macht- und kraftloses Wesen fei Gott, das unendlich wett entfernt von der Menschenwelt irgendwo im Hintergrund in ttäger Selbstbefckauung sein Dasein fristet und unberührt auf Erden alles seinen Gang gehen läßt. Und weshalb stellen fie ih-e Macht und ihre Selbstherrlichkett und Herrschaftsgelüste fo hoch über Gott? Weil fie Ihn nicht brauchen können bet der Erreichung ihrer Ziele. Bei ihrem verbrecherischen, Gottwidrigm Tun müffen fie freilich fich den obersten Richter , wegphilosophieren, sonst müßten fie ja jeden Augenblick seine strafende und rächende Hand fürchten. Gerade der Gedanke, den R. Jochanan ausspricht, bildet den koloffaken Unterschied zwischen jüdischer und heidnischer Anschauung. Der Heide zieht die Gottheit, von welcher ihm, da er ja auch Mensch itt, eine Ahnung aufa-ht und von welcher er eine gewiffe Scheu empfindet, zu fich herunter Er dichtet tbr menschltsche Gestalt an, Füße, Hände, Haupt und Glieder, läßt fie effen, trinken, gibt ihr männliche und weibliche Eigenschaften, ja sogar von den verwes flttchsten Leidenschaften läßt er seine Götter durchdrungen fein; Haß, Tücke und Hinterlist, Neid empfinden und betätigen fie. Und nachdem er die Götter so niedrig fich bentt, glaubt der Heide auf dieselben auch einen Einfluß ausüben zu können, um ste seinem Willen gefügig zu machen. Aber nicht in der Weile nie der Jude durch Gebet die Gottheit bewegen zu können glaubt, baß Gott aus Liebe und durch die Fürbitte oder die fron me Tat des vertrauende« Menschen gerührt, aus freier Entschließung den vielleicht gefaßten Beschluß ändert, sondern der Heide ist der Ansicht, daß er dmch Opfer, durch Wortformeln, durch irgend welche geheimnisvolle Taten und Manipulationen einen Einfluß auf seinen Gott auS» zuüben vermag, dem fich dieser garnicht entziehen kann, sondern dem er gegen seinen Willen erliegt und folgen muß. Man nennt dies Zauber und dar tm ist der heidnische Gottesdienst unlöslich mit Zauberei verknüpft. AuS diesem Grunde tritt die Thora so schars und so nachdrücklich streng gegen Zauberei und alle derarttgen Verirrungen aus wie z. B. Wahrfageret, Beschwörungen, Zeichendeuterei usw. Z. B. hebt Bileam, der große heidnische Seher deutlich den großen Unterschieb zwischen Israel und den Heiden hervor (4, B M. 33, 23): „Denn nicht der ,Ahnung bedarfS in Jakob, nicht des Zaubers in Israel, zur Zeit wird Jakob und Israel mttgetettt, waS Gott gewirrt." Und im 5. B. M. 18, 9 ff verwarnt die Thora: „Lerne nicht, nach den Abscheulichkeiten dieser Völker zu tun! Unter dir soll keiner gefunden werben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer führt, kein Wahrsager, kein Zettenwähler, Alnungsdeuter und Zauberer, kein Bannübendrr kein BeschwörungSübender und leiner, der die Toten befragt. Ganz fei mit dem Ewigen, deinem Gott." „Eine Zauberin soll nicht leben" (2. M. 23, 17). Den« dieser ganze Aberglaube beeinträchtigt den Glauben und die Erkenntnis deS großen, heiligen Gottes und zieht Gott herunter auf die Stufe der von Fehlern und Unzulängltchkeiten erfüllten Menschheit. Wie hebt sich von alledem himmelhoch unsere jüdische Anschauung ab: Sa« DJTT1 D’pJDÖ »Aber die Frommen, bei ihnen wird Gott doch über den Menschen I stehend gehalten." Auf jeder Seite des jüdischen Schrifttums, m Bibel, Taumch, Midrasch und ReiigionSph.losophie und den von

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