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Der Israelit · 1908-12-03 · Heft 48 (3.12.1908) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 48 (3.12.1908)
Date
1908-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I Der Israeli! ScarMef doi Dr. UlnuM in (Rain 49. Jahrgano. 5rtnMUrta*mden elr M Der J-rarttt erscheint Mm Donnerstag. NV«me»e»t» r GewMüiche Ausgabe Mt. 1.60 WertüjöbtKch, HestauLgabe auf Amchdrudpavier Ml. 3.— vierteltähAich. (Aa-laad-preise für die gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich'Ungarn S K&, NuKand 1 Luv., England B Bh^ Amerika SO d&, Niederlande ichv fl.) Abonnementbei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei »er Vrp^M-N, HestauSgade nur direkt. Inserate r 80 Pfennig für dir fech-gefpaltene Eolonrl-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch inH aasen stein «. Bögler A^G. Tante bei der «. «. Postsparkaffe «bien »a. 79605. Srankfuri a. M. und deren Filialen. Tante stet bet Mg*et CMMmlMl im öttga Tante bei be» T. Vastfparkastenarnt Budapest -ia. 184A4. und deren Filialen in DwinSk, Libau, Bialvstok. Nev^wr^Lodz Der Nachdruck der flrflhel und Correfpondenjen des „Israeli!“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fidi um größere nuffdfce handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gekältet. UHr fluten untere Aflonnenten in Oesterreich-Ungarn die noch rückständigen Jlflonnementsfletrlge flei der n. A. Postsparkasse UMen <Lto. no. 70*0$) flezw. Budapest (Lto.ho. um) baldigst einzuzahlen, flm is. Dezemfler noch ausstehende Beträge werden ohne weitere Benachrichtigung durch Nachnahme erhoben. Verlades Israelit, 6. m. fl. y Die „fflliauce IstaiMe" und das überlieferte Judentum. (Schüiß.) II. Die Frage, ob die Eingabe an das Comilv central.nicht zu spät eingereicht wurde, um noch berücksichtigt werden zu können, sollte eigentlich ernsthaft überhaupt nicht aufgeworfen werden. Im Zeitalter der höchstentwickelten, Völker verbindenden Berkehrsmitteltechnik klingt es fast schon wie ein Anachronismus, wenn jemand die abgebrauchte Entschuldigung mit einem Zuspät vorbringt; will man nur ein Ziel erreichen, an Wegen und Mittelrr dazu gebricht es heutzutage nicht. Nichtsdestoweniger hat es das deutsche Bureau der A. I. Ü. für gut befunden, sich auch dieses Grundes zu bedienen; und das zwingt uns, bei diesem Punkte langer zu verweilen, als sachlich geboten wäre. Wir stellen demgegenüber fest, daß Herr Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld-Posen (Mitglied d e s C o - mite central) uns in einem Briefe folgendes mitteilt: - „Hierdurch benachrichtige ich Sie, daß ich bereits am in einem an d is OomUe ventral d’A. J. U. gerichteten Schreiben Ihr an dasselbe gerichtetes Gesuch, dessen Abschrift Sie mir zugesandt, »värmstens zur Berücksichtigung empfohlen habe. I ch h jb r das um so liebet getan, weil der Inhalt wie die Tendenz des Gesuches sich mit den von mir seit Jahrzehnten innerhalb der Alliance v e r f o l g t* n Bestrebungen deckten." . Wir stellen ferner fest, daß außer Herrn Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld auch Herr Hermann Gumpertz-Hamburg sowie einige andere hervvrragende Mitglieder des Centraloomitäs der Alliance sofort, als sie von der Absichit dine Unterfu^mgskonrmifsion auszufenden und von der beabsichtigten Eingabe unterrichtet worden waren, att das Comitö central mit dem Verlangen heramraten, es solle der Kommission ein Vertrauensmann der Orthodoxie beigesellt werden; ja, daß genannte Herren Rabbiner sogar bestimmte, Personalvorschläge in dieser Richtung rechtzeitig an das C.C. gelangen ließen, ohne aber mehr als eitle glatte Ablehnung zu erfahren! Nun geben wir dem „Deutschen Bureau" ja gern zu, daß im Wortlaute die Briefe dieser Herren anders gelautet haben mögen, als die Eingabe „der 76." Wcnrr diese Deckung dem „Deutschen Bureau" ausreichend erscheint, um damit seine Andeutung, als sei die Eingabe zu spät erfolgt, zu schützen, so wollen wir darob nicht weiter mit ihm rechten. Wir meinen, die Fadenscheinijjfeit des Arguments sei so offensichtlich, daß jedes Wort zu seiner Bekämpfung unnütze Krastverschwendung wäre. Die Ablehnung der Eingabe kann also nicht durch Vcrsäumnisurteil begründet werden. Bleiben die vom Comite central angegebenen Gründe. Wie bereits gesagt, unterstellen wir die Versicherung des C. C., daß es an die Auswahl seiner Delegierten ohne Rücksichtnahme aus ihre „religiöse Parteistellung" herangetreten sei, ohne Weiteres als richtig. Aber, als das C. C. aus den Schreiben der Herren Rabbiner Feilchenfeld und Hessen Gesinnungsgenossen eines Besseren belehrt, und ihm zum Bewußtsein geführt lvurde, daß eine Bereinigung, die auf der Gemeinsamkeit religiöser Interessen basiert sein will, bei der Führung ihrer Geschäfte die religiösen Gesichtspunkte zu allerletzt außer Acht lassen darf: als ihm durch Herrn Gump e r tz mit unumwundener Offenheit erklärt lvurde, daß die in Aussicht genommenen Delegierten 'ip'religiöse»Fragennicht als Bertrauensleute der Orthodoxie gellen können, durste das C. C. auch dann noch seinenr sublimen Standpunkt gegenüber den „Parteirichtungen innerhalb des Judentums" beibehalte rr und über die Forderung an - gesehen er Männer aus seiner Mitte ohne Not zur Tagesordnung übergehen? Die Antwort des C. C. rennt offene Türen ein, wenn sie den beiden, von ihm erwählten Rabbinern „Festigkeit der religiösen Ueber-- zeugung, Würdigkeit der Lebensführung, Unabhängigkeit des Charakters", — Eigenschaften, die wenigstens in Deutschland als selbstverständliche Voraussetzungen für einen Rabbiner gelten — „wissenschaftliche Autorität und persönliches und berufliches Ansehen" attestieren. So wenig gerade das C. C. als die gegebene Stelle anerkannt werden kann zumal, wenn es, wie in diesem Falle, gerade das Urteil seiner erprobtesten Rabbinermitglieder perhorresziert , welche für eine derartige Qalitätenprüsung zuständig wäre, so fern hat es allen den Herren welche an das C. E. mit dem Wunsche, es möge ein Vertrauensmann der Orthodoxie der Kommission beigegeben werben, herantraten, gelegen, die wissenschaftlichen und persönlichen Eigenschafttn der gewählten Herren anzuzweiseln oder zu verdächtigen. Will mmr^ wie wir, die bona kiä«8 der Herren vom C. C. nicht bezweifeln, so bleibt ihnen als Entschuldigungsgrund für ihr Mißversteherr der Intentionen ihrer orthodoxen Mitglieder nur ihre religiöse Indifferenz, ihre irreligiöse Weltanschauung übrig, welche sie verhindert, für religiöse Empfindungen Anderer den rechten Maßstab zu finden. Was die orthodoxe Seite an den erwählten Kandidaten auszusetzen findet, hat sie ftir jeden, der objektiv genug ist, dem Andersdenkenden gerecht zn werden, und jüdisches Empfinden genügend besitzt, um fite die Gewissensbedenken seiner strenggläubigen Brüder Verständnis zu besitzen, nur allzu klar ausgesprochen. So wenig, um ein Beispiel aus dem politischen Tagesleben zu wählen, ein preußischer Altkonservativer geeignet erscheirrerr mag, "sozialdemokratische Beschwerden uird Klage» zu untersuchen, weil Erziehung und Gewöhnung, Milieu und andere Einflüsse den Abstand in Beider Ideenwelt so sehr verbreitert und vertieft haben, daß herüber und hinüber keine Brücke führt, so wenig vermag ein Reform-Rabbiner, der folgerichtig in der Orthodoxie nur eine Rückständigkeit erblicken kann, für orthodoxe Beschwerden und Klagen das rechte Augenmaß zu gewinnen, zumal wenn sie, wie hier, nicht sowohl den (Änzelsall betreffen, sondern das ganze System nach Grundlage wie Ausbau als fehlerhaft angreisen. Was ist's denn, das die Orthodoxie an dem Schulwerk der Alliance im Orient ausz »setzen hat? Nicht mehr und nicht weniger, als daß das Lehrerpersonal in Lehre und Leben sich unjüdisch geben, Wh sie ihre Ausgabe lediglich darin erblicken, die staatsbürgerliche Erziehung ihrer Zöglinge auf der Höhe der Moderne zu halten, ihre religiöse Unterweisung aber nicht nur hinter dieser Rücksicht, sondern selbst hinter dem Mindestmaß des Erforderlichen zurücktreten lassen, daß sie durch ihr Beispiel nicht nnr die Schüler, sondern darüber hinaus die Kreise, denen sie als „Intellektuelle" und „Spirituelle" kn- f . ' ■ ' ' -; - *v vfr. ■ '

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